{"id":111908,"date":"2014-01-23T14:00:24","date_gmt":"2014-01-23T13:00:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=111908"},"modified":"2014-01-23T14:00:24","modified_gmt":"2014-01-23T13:00:24","slug":"kultur-ist-der-kitt-der-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/kultur-ist-der-kitt-der-gesellschaft\/","title":{"rendered":"Kultur ist der Kitt der Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>\u201eKultur\u201c? Das \u201epassiert\u201c doch im Theater und in Museen. \u201eKulturelle Bildung\u201c kann man in der Schule ja am Nachmittag anbieten, wenn die Orthographiestunden absolviert, die Vokabeln gepaukt und die Grundrechenarten ge\u00fcbt sind.<\/p>\n<p>So oder so \u00e4hnlich stellen sich das die meisten wohl vor und damit wird klar, wie unklar das Begriffspaar \u201eKultur und Bildung\u201c f\u00fcr viele ist. Deshalb ist es gut, dass diese Debatte prominent am Donnerstagvormittag gef\u00fchrt und nicht am Ende der Plenartagung weg genuschelt wird. Wor\u00fcber also ist zu reden?<\/p>\n<p>Brauchen wir kulturelle Bildung? Brauchen wir \u00fcberhaupt Kultur? Zu was ist das gut und vor allem, was kostet das? K\u00f6nnen wir uns das angesichts angespannter Haushaltslagen \u00fcberhaupt leisten?<!--more-->Die Frage ist falsch gestellt. Wir m\u00fcssen es uns leisten! Weil Kultur unsere Gesellschaft kennzeichnet, weil kulturelles Erbe uns mit den Generationen vor uns und den Nationen neben uns verbindet, weil Kultur den Einzelnen in einen bewussten und damit selbst verantworteten Gesamtzusammenhang stellt, der von der Vergangenheit \u00fcber die Gegenwart reicht und f\u00fcr die Zukunft gestaltet werden muss.<\/p>\n<p>Kultur ist die Selbstvergewisserung der Gemeinschaft und der Kitt der Gesellschaft. Kultur ist also mehr als das, was im Theater aufgef\u00fchrt wird und in Museen zu besichtigen ist. Kultur machen nicht K\u00fcnstlerInnen, sondern wir alle.<\/p>\n<p>Und um Kultur zu leben und weiter zu entwickeln, braucht es Bildung &#8211; die Bef\u00e4higung des Einzelnen am kulturellen gesellschaftlichen Prozess teilzuhaben und ihn auch aktiv zu gestalten.<\/p>\n<p>Klar schaden da auch Orthographie, Vokabeln und Grundrechenarten nichts, aber kulturelle Bildung ist mehr als technische Fertigkeit und ein Kanon von Geschichtsdaten und literarischen Werken.<\/p>\n<p>Kulturelle Bildung \u201epassiert\u201c auch nicht nur in der \u201eBildungseinrichtung\u201c Schule, sondern ein ganzes Leben lang. Kulturelle Bildung ist Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe, mit unserer Vergangenheit, mit Kunst(produkten) als Ausdrucksform anderer und unserer gegenw\u00e4rtigen Gesellschaften. Kulturelle Bildung meint auch <i>\u201eAus\u201c-<\/i>bildung zu eigener Kunstfertigkeit und Kreativit\u00e4t.<\/p>\n<p>Ohne diese Bildung ist weder gleichrangige Teilhabe noch Gestaltung und Weiterentwicklung m\u00f6glich. Erst Bildung ist der Schl\u00fcssel zur Emanzipation und erst sie er\u00f6ffnet die Chancen auf Entwicklung und Fortschritt.<\/p>\n<p>Dabei greift kulturelle Bildung bewusst \u00fcber den eigenen zeitlichen und r\u00e4umlichen Kontext hinaus. Stellt uns in eine Reihe von Gewesenem und Zuk\u00fcnftigem, fordert auch die interkulturelle und internationale Auseinandersetzung.<\/p>\n<p>\u201eKultur und Bildung\u201c geh\u00f6ren also zusammen. Sie bedingen sich gegenseitig. Um es mit den Worten des Kieler Philosophieprofessors Ralf Konersmann zusagen: \u201e<i>Kultur und Bildung bed\u00fcrfen einander, damit Bildung entstehen und Kultur sich erneuern kann<\/i>.\u201c Und weiter: \u201e<i>Eine lebendige Kultur braucht Bildung, um nicht zu erstarren. Lebendige Bildung wiederum braucht Kultur, um vom Pflock des Augenblicks loszukommen und Perspektiven zu entwerfen, die \u00fcber den Tag hinausweisen.<\/i>\u201c<\/p>\n<p>Nun, was hei\u00dft das f\u00fcr die Politik? Im \u201eJahr der kulturellen Bildung\u201c bringt diese Landesregierung erstmals den Mut auf, \u00fcber den ministeriellen Tellerrand einzelner H\u00e4user zu schauen und zu erkennen, dass Kultur und Bildung und soziale Teilhabe nicht nur zusammen geh\u00f6ren, sondern auch zusammen spielen m\u00fcssen. Gemeinsame Angebote, die Verbindung von F\u00f6rdert\u00f6pfen und Haushaltsressourcen, das Zusammenspiel der unterschiedlichen AkteurInnen.<\/p>\n<p>Dies alles soll in diesem Jahr angesto\u00dfen und auf den Weg gebracht werden. Dabei kann es aus meiner Sicht nicht nur darum gehen, so genannte \u201eLeuchtturmprojekte\u201c zu entwickeln, sondern es muss eine nachhaltige Vernetzung gelingen, die \u00fcber dieses Jahr hinausreicht.<\/p>\n<p>Kita, Schule und Volkshochschule als wesentliche Orte \u201eorganisierter\u201c Bildung sollen sich noch mehr als bisher schon \u00f6ffnen f\u00fcr Musikschulen, frei schaffende K\u00fcnstlerInnen, die LAG Soziokultur und die Angebote der \u201eDickschiffe\u201c wie \u00f6ffentliche Theater, Bibliotheken und Museen.<\/p>\n<p>Die \u201eKulturschulen\u201c k\u00f6nnen beispielhaft Projekte und Kooperationen entwickeln, die ins ganze Land hinaus strahlen sollen und insbesondere in einem Fl\u00e4chenland wie Schleswig-Holstein den l\u00e4ndlichen Raum bereichern.<\/p>\n<p>Aber es muss auch weitergehen. Warum kann der Musikunterricht in Schulen nicht von LehrerInnen der Musikschulen erteilt werden, warum nicht Kunstkurse von aktiven K\u00fcnstlerInnen? Warum soll dies nur am Nachmittag in freiwilligen Arbeitsgemeinschaften oder gar als nettes Angebot zur \u00dcberbr\u00fcckung der Zeit bis zum Ende der offenen Ganztagsschule geschehen?<\/p>\n<p>Ich f\u00e4nde es attraktiv, diese Gedanken angesichts fehlender Lehrerkapazit\u00e4ten, angesichts von kultureller und kreativer Kompetenzen bei den genannten AkteurInnen und auch angesichts von absehbar l\u00e4nger werdenden Schultagen im Ganztagsrhythmus weiter zu entwickeln. Schulen profitieren ebenso von frischen Ideen wie freie Tr\u00e4ger, denen f\u00fcr ihre Instrumenten-, Mal- oder Theaterkurse die Sch\u00fclerInnen wegen der Ganztagsschule verloren gehen.<\/p>\n<p>Dazu muss die begonnene Zusammenarbeit der Ministerien weitergehen, m\u00fcssen eingefahrene Wege verlassen und mit Mut und Kreativit\u00e4t interdisziplin\u00e4r gedacht und gehandelt werden \u00fcber den Tag und das \u201eJahr der kulturellen Bildung\u201c hinaus.<\/p>\n<p>Nur wenn aus dem \u201eMarkt der M\u00f6glichkeiten\u201c, den das Kulturministerium organisiert, Orte des Handelns werden, kann nicht nur Schule \u2013 um ein Lieblingsbuch der Kollegin Erdmann zu zitieren &#8211; sondern auch kulturelle Bildung gelingen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eKultur\u201c? 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