{"id":14353,"date":"2010-04-21T08:24:27","date_gmt":"2010-04-21T06:24:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=14353"},"modified":"2010-04-21T08:24:27","modified_gmt":"2010-04-21T06:24:27","slug":"100-stolperstein-wird-am-mittwoch-in-lubeck-verlegt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/100-stolperstein-wird-am-mittwoch-in-lubeck-verlegt\/","title":{"rendered":"100. Stolperstein wird am Mittwoch in L\u00fcbeck verlegt"},"content":{"rendered":"<p>Steine Nr. 81 bis 101 werden morgen zwischen 10 und 13 Uhr in der Altstadt verlegt \u2013 B\u00fcrgermeister Bernd Saxe spricht Gru\u00dfwort<\/p>\n<p>Am Mittwoch, 21. April 2010, wird der K\u00f6lner K\u00fcnstler Gunter Demnig, der vor einem Jahr in der Hansestadt mit dem Erich-M\u00fchsam-Preis ausgezeichnet worden ist, in L\u00fcbeck zwanzig weitere Stolpersteine verlegen.<!--more--> Damit wird die Zahl der kleinen Gedenksteine von jetzt 81 auf 101 steigen. Der Zeitplan des K\u00fcnstlers f\u00fcr diesen Tag sieht folgenderma\u00dfen aus:<\/p>\n<p>10 Uhr :Schusterbreite 5 \/ Schlutup: Wilhelm Krohn<\/p>\n<p>11 Uhr: Fischergrube 22: Caroline und Bruno Katz<\/p>\n<p>11.30 Uhr: Fleischhauerstra\u00dfe 1: Emanuel, Jettchen und Frieda Levi<\/p>\n<p>12 Uhr: Braunstra\u00dfe 6: Emma Katz<\/p>\n<p>12.30Uhr: Marlesgrube 22: Franz Neitzke<\/p>\n<p>13 Uhr: St. Annen-Stra\u00dfe; St. Annen-Stra\u00dfe 20: Frieda B\u00e4r; St. Annen-Stra\u00dfe 12: Sara, Elena und Eva Emmering; St. Annen-Stra\u00dfe 13: Iwan, Minna und Arno Blumenthal; St. Annen-Stra\u00dfe 11: Recha Saalfeld, Emilie Haas, Sara Opler, und Martha Hotzner; St. Annen-Stra\u00dfe 7: Franziska Sussmann.<\/p>\n<p>Alle Verlegungen werden begleitet durch Informationen zur Biografie und die Lesung eines Gedichts sowie teilweise Musik und weitere Redebeitr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Die Orte \u2013 die Menschen:<\/p>\n<p>Um 10 Uhr beginnt Gunter Demnig in Schlutup in der Schusterbreite 5. Hier lebte Wilhelm Krohn, der mit seinem Leben daf\u00fcr bezahlen musste, dass er Zwangsarbeitern ein wenig Brot zusteckte. Der Historiker Christian Rathmer wird w\u00e4hrend der Verlegung an diesen Schlutuper erinnern, dessen Enkel den Ansto\u00df f\u00fcr den Gedenkstein gab und der zusammen mit einer weiteren Angeh\u00f6rigen an der Gedenkveranstaltung teilnehmen wird. Die Willy- Brandt-Gemeinschaftsschule beteiligt sich an der Gestaltung der kleinen Gedenkfeier. Die weiteren Verlegungen finden in der Innenstadt statt, wobei es einen Schwerpunkt in der St. Annen-Stra\u00dfe gibt: Vor der Synagoge und dem fr\u00fcheren Altersheim der J\u00fcdischen Gemeinde sowie drei weiteren H\u00e4usern sollen insgesamt zw\u00f6lf Stolpersteine an j\u00fcdische Menschen erinnern, die hier einst ihr Zuhause hatten. In der St. Annen-Stra\u00dfe sprechen der Vorstand der J\u00fcdischen Gemeinde und B\u00fcrgermeister Bernd Saxe Gru\u00dfworte.<\/p>\n<p>Die Steine direkt vor der Synagoge erinnern an die Familie von Iwan Isaac Blumenthal, der hier mit seiner Frau Minna, geborene Wagner, und dem 1925 geborenen Sohn Arno Werner seit 1936 wohnte. Nach dem 9. November 1938 fanden sie im Nachbargeb\u00e4ude Nr. 11 Unterschlupf, wo auch die betagte Mutter Iwan Blumenthals lebte. Henriette Blumenthal, geborene Rosenthal, wurde kurz nach der Deportation ihrer Kinder und des Enkelkindes am 6. Dezember 1941 nach Riga in ein j\u00fcdisches Altersheim in Hamburg-Altona transportiert, wo die \u00fcber Neunzigj\u00e4hrige wenige Tage sp\u00e4ter verstarb.<\/p>\n<p>Zu den Menschen, die nach Riga deportiert wurden und dort ihr Leben verloren, geh\u00f6rten auch Martha Hotzner und Sara Opler, die im Altersheim in der St. Annen-Stra\u00dfe 11 lebten. Zum Zeitpunkt der Deportation 1941 waren sie 56 bzw. 69 Jahre alt. Von der in New York lebenden Enkelin erhielt Heidemarie Kugler-Weiemann den Abschiedsbrief Sara Oplers vom 29. November 1941 an ihre Kinder, denen die Flucht in die USA gelungen war. Dieses Dokument soll w\u00e4hrend der Verlegung des Gedenksteins verlesen werden. Sara Opler war 1932 in die St. Annen-Stra\u00dfe 11 gezogen, Martha Hotzner bereits 1930 zu ihrer mittlerweile verstorbenen Mutter Johanna Hotzner, geborene Frankenthal.<\/p>\n<p>Viele lange Jahre hatte die alleinstehende Emilie Isabella Haas ihr Zuhause im Altersheim der j\u00fcdischen Gemeinde. Im Alter von 87 Jahren wurde sie am 19. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 27. Oktober 1942 starb.<\/p>\n<p>So erging es auch der ebenfalls hoch betagten Recha Saalfeld, geborene Levy. Als Letzte der seit langem in L\u00fcbeck ans\u00e4ssigen Familie Saalfeld wurde sie im Alter von 88 Jahren aus der Stadt vertrieben. Sie starb am 10. September 1942 im Ghetto Theresienstadt. Frieda B\u00e4r, geborene Kronenberg, wohnte in der St. Annen-Stra\u00dfe 20 in einer Wohnung im ersten Stock. Ihr Mann, der Papiergro\u00dfh\u00e4ndler Selig Semmy B\u00e4r, starb im April 1942. Wenige Monate sp\u00e4ter, am 19. Juli 1942, wurde Frieda B\u00e4r nach Theresienstadt gebracht. Am 29. Januar 1943 wurde sie weiter deportiert nach Auschwitz und dort im Alter von 51 Jahren ermordet.<\/p>\n<p>Das Haus St. Annen-Stra\u00dfe 12 war das Zuhause der Familie Emmering. Der Viehh\u00e4ndler Benjamin Emmering war Holl\u00e4nder und verheiratet mit der aus Moisling stammenden Sara Goge. Ihre drei Kinder Aron Adolf, Elena und Eva wuchsen hier in L\u00fcbeck auf. 1932 starb Benjamin Emmering. Nach Beginn der Naziherrschaft fl\u00fcchteten die Kinder ins vermeintlich sichere Holland, und im Jahre 1936 wurde auch die L\u00fcbeckerin Sara Emmering, geborene Goge, nach Holland abgeschoben. Vom Sammellager Westerbork wurde sie wie bereits zuvor ihre beiden T\u00f6chter nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihr Sohn wurde mit seiner Frau Franziska und der zw\u00f6lfj\u00e4hrigen, in L\u00fcbeck geborenen Tochter Ingrid nach Sobibor deportiert und dort umgebracht.<\/p>\n<p>In der St. Annen-Stra\u00dfe 7 wohnte seit 1919 die Witwe Jette Sussmann, geborene L\u00fcht, mit ihrer Tochter Franziska (Jahrgang 1884). Nach dem Tod der Mutter im M\u00e4rz 1936 wurde Franziska Sussmann Patientin in der Heilanstalt Strecknitz. Von dort wurde sie am 20. April 1940 nach Hamburg-Langenhorn verlegt und am 23.9.1940 in die Landesanstalt Brandenburg transportiert, wo sie am Tage der Ankunft in einer Gaskammer ermordet wurde.<\/p>\n<p>In der Fischergrube 22 lebte der M\u00f6belh\u00e4ndler Bruno Katz mit seiner Frau Caroline, geborene Cohn. Ihre Kinder konnten aus Deutschland fl\u00fcchten, doch das Ehepaar wurde am 6. Dezember 1941 nach Riga deportiert und kam dort ums Leben, ebenso wie Emma Katz, die Schwester bzw. Schw\u00e4gerin. Sie wohnte mit ihren Kindern in der Braunstra\u00dfe 6. Ihr j\u00fcngster Sohn Josef Katz schloss sich dem Transport nach Riga an, um seine Mutter nicht allein zu lassen. Er \u00fcberlebte. Emma Katz verlor ihr Leben am 21. Januar 1942 im Lager Jungfernhof.<\/p>\n<p>Vor dem Haus Fleischhauerstra\u00dfe 1 sollen drei Gedenksteine an die Familie Levi erinnern, die 1938 Zuflucht in L\u00fcbeck suchte und ebenfalls am 6. Dezember 1941 nach Riga deportiert wurde. Emanuel Levi (Jahrgang 1864) war Lehrer von Beruf und hatte lange Jahre mit seiner Frau Jettchen, geborene Birkenruth in der kleinen Gemeinde Willmars in der Rh\u00f6n gelebt und sp\u00e4ter in Burgpreppach, wo er eines Ritualmords bezichtigt wurde. Das Ehepaar hatte vier Kinder: die Tochter Frieda (Jahrgang 1907) wurde wie ihre Eltern in Riga ermordet, den beiden S\u00f6hnen Simon und Hugo Levi gelang mit ihren Ehefrauen die Flucht ins Ausland, aber auch die Tochter Betty wurde mit ihrem Mann Siegfried Frank von Hamburg aus 1942 nach Theresienstadt und sp\u00e4ter nach Auschwitz deportiert, wo sie im Oktober 1944 ermordet wurden.<\/p>\n<p>In der Marlesgrube 22 lebte Franz Neitzke, ein aktives Mitglied im kommunistischen Arbeiterwiderstand am L\u00fcbecker Hafen. Er war seit 1920 als Parteifunktion\u00e4r politisch aktiv in der KPD und im Roten Frontk\u00e4mpferbund. 1935 wurde er verhaftet und am 1. 8. 1943 in Sachsenhausen ermordet. Zu der Verlegung des kleinen Gedenksteins werden mehrere Angeh\u00f6rige nach L\u00fcbeck anreisen. Vor allem f\u00fcr seinen 1935 geborenen Sohn wird es ein besonders bewegendes Ereignis sein, da er seinen Vater nie kennen lernen durfte.<\/p>\n<p>Mit dem 21. April 2010 zieht die Initiative eine Bilanz ihrer Arbeit. Das erste Ziel, das sich die Initiative gesetzt hatte, war es, f\u00fcr alle deportierten und ermordeten j\u00fcdischen Kinder und Jugendlichen aus L\u00fcbeck und ihre Familien Gedenksteine verlegen zu lassen. Dies wird mit den Steinen f\u00fcr die Familie Blumenthal vor der Synagoge erreicht sein. Dagegen fehlen noch etliche der nach Riga deportierten, sowie weiterer j\u00fcdischer Menschen. Insgesamt erinnern 94 der 101 Stolpersteine an j\u00fcdische Opfer.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle Opfer aus dem Kreis der Zeugen Jehovas konnten bereits im vergangenen Jahr Stolpersteine verlegt werden. Mit dem Gedenken an Menschen aus L\u00fcbeck, die aufgrund ihrer politischen Gesinnung verfolgt und ermordet, und an all diejenigen, die dem Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten zum Opfer fielen, steht die Initiative dagegen erst ganz am Anfang. Die Vertretung der Roma und Sinti in Schleswig-Holstein m\u00f6chte nicht, dass an ihre Angeh\u00f6rigen mit Stolpersteinen erinnert wird. Diesen Wunsch wird die Initiative selbstverst\u00e4ndlich respektieren und zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt \u00fcber eine andere Form des Erinnern nachdenken.<\/p>\n<p>Die Initiative dankt allen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern sowie den Organisationen, die mit ihren Spenden die Verlegungen erm\u00f6glicht haben, und mit ihrem Interesse und ihrer Anteilnahme die aktive Arbeit unterst\u00fctzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Steine Nr. 81 bis 101 werden morgen zwischen 10 und 13 Uhr in der Altstadt verlegt \u2013 B\u00fcrgermeister Bernd Saxe<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"class_list":["post-14353","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-besondere-neuigkeiten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14353","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14353"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14353\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14353"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14353"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14353"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}