{"id":14763,"date":"2010-04-30T12:56:26","date_gmt":"2010-04-30T10:56:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/2010\/04\/hausarzte-oft-opfer-von-stalkern-patienten-werden-manchmal-zu-tyrannen\/"},"modified":"2010-04-30T12:56:26","modified_gmt":"2010-04-30T10:56:26","slug":"hausarzte-oft-opfer-von-stalkern-patienten-werden-manchmal-zu-tyrannen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/hausarzte-oft-opfer-von-stalkern-patienten-werden-manchmal-zu-tyrannen\/","title":{"rendered":"Haus\u00e4rzte oft Opfer von Stalkern &#8211; Patienten werden manchmal zu Tyrannen"},"content":{"rendered":"<p>Hilfsbereitschaft kann \u00c4rzten auch zum Verh\u00e4ngnis werden (Foto: pixelio.de\/Flury)<\/p>\n<p>Edmonton\/Darmstadt (pte\/30.04.2010\/06:10) &#8211; Immer wieder tyrannisieren, bedrohen oder bel\u00e4stigen Patienten ihre \u00c4rzte. Das zeigt erstmals die Medizinerin Donna Manca von der University of Alberta http:\/\/www.ualberta.ca in einer Befragung von Haus\u00e4rzten. &#8222;Stalking kommt bei \u00c4rzten und Therapeuten \u00f6fters vor als bei der Durchschnittsbev\u00f6lkerung. Viele werden bedroht, dazu kommen sogar k\u00f6rperliche \u00dcbergriffe&#8220;, erkl\u00e4rt Jens Hoffmann, Leiter des Instituts f\u00fcr Psychologie und Bedrohungsmanagement.<!--more-->Anlass f\u00fcr die Studie war das pers\u00f6nliche Erlebnis der Studienleiterin. Nachdem sie einer Patientin Antidepressiva f\u00fcr eine Woche verschrieben hatte, dachte jene, ihre \u00c4rztin h\u00e4tte ihr damit das Gehirn geschrumpft. Daraufhin begann die Patientin, Manca \u00fcber deren Pager rund um die Uhr Nachrichten zu schicken, die schlie\u00dflich in Drohbotschaften ausarteten. Sie rief in der Ordination und sogar in der Privatwohnung der Medizinerin an und bescherte ihr Alptr\u00e4ume.<\/p>\n<p>Jeder Achte wurde gestalkt<\/p>\n<p>Als auch \u00c4rztekollegen \u00fcber \u00e4hnliche Vorf\u00e4lle berichteten, ging Manca dem Problem auf den Grund. Sie kontaktierte 3.800 Haus\u00e4rzte in Kanada, wobei 770 den Fragebogen zur\u00fccksandten. 98 Prozent davon berichten \u00fcber eine oder mehr Misshandlungen durch Patienten in zumindest &#8222;geringem&#8220; Ausma\u00df, wozu Manca respektloses Verhalten, Tyrannisierung, verbale Frust\u00e4u\u00dferung, Bedrohung und Erniedrigung z\u00e4hlte.<\/p>\n<p>Als Zwischenf\u00e4lle &#8222;gr\u00f6\u00dferen&#8220; Ausma\u00dfes wurden Aggressionen gegen die Person, destruktives Verhalten und sexuelle Bel\u00e4stigung gez\u00e4hlt. Die dritte Kategorie betraf schlie\u00dflich &#8222;schwere&#8220; Vorf\u00e4lle wie Angriffe und Stalking. 40 Prozent der antwortenden \u00c4rzte waren davon zumindest irgendwann einmal im Berufsleben betroffen, 13 Prozent davon von Stalking, wobei weibliche und m\u00e4nnliche \u00c4rzte gleicherma\u00dfen Opfer wurden.<\/p>\n<p>Krankheit macht Patienten aggressiv<\/p>\n<p>Dass Patienten oder ihre Angeh\u00f6rigen solche Verhaltensweisen zeigen, kann f\u00fcr den Stalking-Experten Hoffmann mehrere Gr\u00fcnde haben. &#8222;Manche f\u00fchlen sich vom Arzt ungerecht behandelt oder falsch diagnostiziert. Allerdings bedeutet ein Unfall oder eine Krankheit auch erh\u00f6hten Stress, der zu aggressivem Verhalten beitragen kann.&#8220; In manchen F\u00e4llen sei allerdings auch psychische Krankheit mit im Spiel oder eine Fixiertheit, etwa wenn sich ein Patient in den Arzt verliebt. &#8222;Haus\u00e4rzte haben noch einen hohen sozialen Status und sind zudem Berufs wegen freundlich, unterst\u00fctzend und offen&#8220;, deutet Hoffmann an.<\/p>\n<p>Als Vorsichtma\u00dfnahmen r\u00e4t der Experte, private Daten nicht \u00f6ffentlich anzugeben, um auch etwa die eigene Familie vor m\u00f6glichen \u00dcbergriffen zu sch\u00fctzen. Im Bedarfsfall sollte man die Polizei rufen. &#8222;Viele schrecken davor zur\u00fcck, da sie es nicht mit ihrem Berufsethos des Helfers vereinbaren k\u00f6nnen. Leicht sind derartige Entscheidungen nie &#8211; doch ist es wichtig, so einen Schritt nicht als Versagen wahrzunehmen&#8220;, so Hoffmann. Die kanadische Studienleiterin Manca schl\u00e4gt zudem vor, das Behandlungszimmer derart einzurichten, dass das Eingesperrt-werden im Raum nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Problem noch wenig bekannt<\/p>\n<p>Damit es nicht so weit komme, sollte ein Arzt schon fr\u00fch Grenzen ziehen um in keine unangenehme Position zu gelangen. &#8222;Hilfreich bei Verbal-Entgleisungen kann der Hinweis sein, dass in der Ordination ein freundlicher Umgangston herrscht, an den sich der Patient bitte halten soll&#8220;, empfiehlt Hoffmann. Andernfalls sei es ratsam, den Kontakt abzubrechen oder an Kollegen weiterzuverweisen. &#8222;Die Frage, die sich ein Arzt stellen sollte, ist: Muss ich mir das wirklich antun?&#8220;, so der Experte gegen\u00fcber pressetext.<\/p>\n<p>Hoffmann hat mit seinem Institut http:\/\/www.institut-psychologie-bedrohungsmanagement.de das Ph\u00e4nomen bei Psychotherapeuten untersucht und konnte bei dieser Gruppe eine erh\u00f6hte Gef\u00e4hrdung best\u00e4tigen. In der \u00c4rzteschaft gibt es noch wenig Problembewusstsein daf\u00fcr, wie eine pressetext-Anfrage beim deutschen Haus\u00e4rzteverband und der \u00f6sterreichischen \u00c4rztekammer zeigt. &#8222;Best\u00e4tigt sich das Problem bei Haus\u00e4rzten, so w\u00e4re es sinnvoll, den Umgang damit in der Ausbildung zu verankern oder eine Beratungsstelle einzurichten. In einzelnen Krankenh\u00e4usern gibt es bereits Eskalationstraining&#8220;, so Hoffmann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hilfsbereitschaft kann \u00c4rzten auch zum Verh\u00e4ngnis werden (Foto: pixelio.de\/Flury) Edmonton\/Darmstadt (pte\/30.04.2010\/06:10) &#8211; Immer wieder tyrannisieren, bedrohen oder bel\u00e4stigen Patienten ihre<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-14763","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-menschlich-gesehen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14763","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14763"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14763\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14763"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14763"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14763"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}