{"id":151610,"date":"2014-10-21T08:58:33","date_gmt":"2014-10-21T06:58:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=151610"},"modified":"2014-10-21T08:58:33","modified_gmt":"2014-10-21T06:58:33","slug":"influenzavirus-ist-ursache-des-seehundsterbens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/influenzavirus-ist-ursache-des-seehundsterbens\/","title":{"rendered":"Influenzavirus ist Ursache des Seehundsterbens"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber das etablierte Fr\u00fchwarnsystem wurde seit Anfang Oktober ein vermehrtes Auftreten schwerkranker und toter Seehunde an der Nordseek\u00fcste Schleswig-Holsteins registriert. Seitdem wurden auf Helgoland, Sylt, Amrum und F\u00f6hr insgesamt 350 Seehunde gefunden. <!--more-->Tiere von verschiedenen Standorten waren zur Untersuchung an Institute der Stiftung Tier\u00e4rztliche Hochschule Hannover in B\u00fcsum und Hannover gebracht worden (Institut f\u00fcr Pathologie, Institut f\u00fcr Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW), Research Center for Emerging Infections and Zoonoses (RIZ)).<\/p>\n<p>Die Untersuchungen in der vergangenen Woche haben bisher ergeben, dass die Tiere an Lungenentz\u00fcndungen erkrankt sind. Dabei wurden neben Lungenw\u00fcrmern auch Bakterien wie Streptokokken gefunden. Ein Staupevirus, das 1988\/89 und 2002 zu Seehundsterben f\u00fchrte, ist nicht nachgewiesen worden. Dagegen wurde bei einem gro\u00dfen Teil der untersuchten Seehunde ein Influenzavirus festgestellt. In den kommenden Wochen werden weitere Untersuchungen zur Abkl\u00e4rung seiner Eigenschaften durchgef\u00fchrt. Die Anzahl der Tiere, die starben, ist bisher geringer als bei den beiden Staupeseuchenz\u00fcgen.<\/p>\n<p>Vermehrte Todesf\u00e4lle bei Seehunden wurden im Sommer in den d\u00e4nischen und schwedischen Gew\u00e4ssern des Kattegats registriert. Auch dort wurde bei sechs Tieren Influenza nachgewiesen.<\/p>\n<p>Seehunde k\u00f6nnen ebenso wie andere Wildtiere regelm\u00e4\u00dfig verschiedene Erreger, die auch auf den Menschen \u00fcbertragbar sind, beherbergen. Spazierg\u00e4nger sollten daher \u2013 wie bisher \u2013 immer Abstand zu kranken und toten Seehunden oder anderen Wildtieren halten. Man soll die Tiere nicht ber\u00fchren und Hunde angeleint fernhalten. So kann einer m\u00f6glichen \u00dcbertragung von Krankheitserregern vorgebeugt werden.<\/p>\n<p>Der Landesbetrieb f\u00fcr K\u00fcstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN-SH) und die Seehundj\u00e4ger sind vorbereitet, falls das Seehundsterben sich verst\u00e4rken sollte, wie Dr. Detlef Hansen, Leiter der Nationalparkverwaltung im LKN-SH, darlegt: \u201eMit den anderen beteiligten Beh\u00f6rden und Institutionen haben wir den bei der Staupeepidemie bew\u00e4hrten Aktionsplan mit seinem Ampelsystem \u201aGr\u00fcn\u2013Gelb\u2013Rot\u2019 weiterentwickelt. Er legt f\u00fcr die gesamte Westk\u00fcste fest, wie auch gr\u00f6\u00dfere Mengen toter Tiere geborgen und entsorgt werden. Wir sind jetzt in der Stufe Gr\u00fcn, bei der noch alles mit der \u00fcblichen Logistik zu bew\u00e4ltigen ist. Die meiste Arbeit leisten unsere speziell ausgebildeten Seehundj\u00e4ger, die ehrenamtlich arbeiten. Sie haben einen im Wortsinn oftmals schweren Job. Mitunter m\u00fcssen sie sterbenskranke Tiere von ihren Leiden erl\u00f6sen. Meine Hochachtung und mein Dank geht an sie.\u201c<\/p>\n<p>Der Wattenmeerbestand der Seehunde ist nach Einsch\u00e4tzung der Fachleute durch das aktuelle Seehundsterben nicht gef\u00e4hrdet. \u201eWir gehen davon aus, dass die Seehundgrippe ein nat\u00fcrlicher Vorgang ist. Unsere Nationalparke sind Orte, an denen nat\u00fcrliche Prozesse m\u00f6glich und gewollt sind. Hier gilt das Prinzip \u201aNatur Natur sein lassen\u2019. Natur, das sind aber nicht nur bl\u00fchende Salzwiesen und riesige Vogelschw\u00e4rme. Auch der Tod ist Teil der Natur\u201c, gibt Hansen zu bedenken.<\/p>\n<p>Hintergrund<\/p>\n<p>Die im d\u00e4nisch-deutsch-niederl\u00e4ndischen Wattenmeer lebenden Seehunde bilden eine gemeinsame Population. Um 1900 lebten hier sch\u00e4tzungsweise 37.000 Seehunde. Vor allem wegen der Bejagung schrumpfte die Population auf etwa 4.000 Tiere im Jahr 1974. Nach der wattenmeerweiten Einstellung der Jagd stieg sie deutlich an und erholte sich auch nach den Seehundsterben 1988 und 2002 innerhalb weniger Jahre. Derzeit leben etwa 40.000 Seehunde im d\u00e4nisch-deutsch-niederl\u00e4ndischen Wattenmeer, davon etwa 12.000 in Schleswig-Holstein.<\/p>\n<p>Die Seehundsterben 1988 und 2002 waren durch den zun\u00e4chst unbekannten Seehundstaupevirus (PDV) ausgel\u00f6st worden. Damals waren 5.800, bzw. 3.600 Seehunde im schleswig-holsteinischen Wattenmeer gestorben, 60 % bzw. 40 % des jeweiligen Bestandes.<\/p>\n<p>Seehunde sind gesch\u00fctzt und d\u00fcrfen nicht bejagt werden, sie unterliegen jedoch dem Jagdrecht. Deshalb k\u00fcmmern sich in Schleswig-Holstein rund 40 speziell geschulte Seehundj\u00e4ger \u2013 die aus traditionellen Gr\u00fcnden diesen Namen behalten haben \u2013 um die kranken oder toten Tiere. Ma\u00dfgeblich f\u00fcr ihr Handeln sind die einheitlichen Regelungen, die die zust\u00e4ndigen Natur-, Jagd- und Tierschutzbeh\u00f6rden Schleswig-Holsteins, Hamburgs und Niedersachsens 1997 dazu vereinbart haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber das etablierte Fr\u00fchwarnsystem wurde seit Anfang Oktober ein vermehrtes Auftreten schwerkranker und toter Seehunde an der Nordseek\u00fcste Schleswig-Holsteins registriert.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[9],"tags":[14821],"class_list":["post-151610","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sport-freizeit","tag-influenzavirus-ist-ursache-des-seehundsterbens"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/151610","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=151610"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/151610\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":151611,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/151610\/revisions\/151611"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=151610"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=151610"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=151610"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}