{"id":156350,"date":"2014-12-05T09:35:32","date_gmt":"2014-12-05T08:35:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=156350"},"modified":"2014-12-05T09:35:32","modified_gmt":"2014-12-05T08:35:32","slug":"bischoefin-fehrs-advent-der-menschlichkeit-wie-wir-den-frieden-schuetzen-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/bischoefin-fehrs-advent-der-menschlichkeit-wie-wir-den-frieden-schuetzen-koennen\/","title":{"rendered":"Bisch\u00f6fin Fehrs: \u201eAdvent der Menschlichkeit \u2013 Wie wir den Frieden sch\u00fctzen k\u00f6nnen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Hamburg (sg). Auf dem Adventsempfang der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) hat Bisch\u00f6fin Kirsten Fehrs gestern\u00a0Abend den 4. Dezember 2014vor mehr als 550 G\u00e4sten aus Politik, Gesellschaft und Religionsgemeinschaften in der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen gesprochen. <!--more-->Zuvor hatte der Pr\u00e4ses der Landessynode, Dr. Andreas Tietze, die G\u00e4ste mit einem Blick auf das ausklingende Jahr begr\u00fc\u00dft: \u201eDie Nordkirche hat weiter Gestalt angenommen. Das geschah nicht nur auf der Landessynode, sondern auch an vielen weiteren Orten, in Greifswald beim \u00d6kumenischen Kirchentag, beim Kanzeltausch am 9. November und auf dem Weg der Friedensdekade.\u201c<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend sprach die Bisch\u00f6fin in ihrer Rede zum Thema \u201eAdvent der Menschlichkeit \u2013 Wie wir den Frieden sch\u00fctzen k\u00f6nnen\u201c.<\/p>\n<p>Die Kirchen d\u00fcrften der Frage der Gewalt nicht ausweichen: \u201eGerade in diesem Erinnerungsjahr 2014 nicht. Vor 100 Jahren begann der Erste Weltkrieg \u2013 befeuert durch kriegsverherrlichende Predigten von vielen Kanzeln. Nur 25 Jahre sp\u00e4ter folgte der Zweite Weltkrieg. Wir haben diesen Wahnsinn Revue passieren lassen \u2013 und sehen zugleich, dass die gegenw\u00e4rtige Welt so von Kriegen gepr\u00e4gt ist wie selten zuvor nach 1945. Am \u00f6stlichen Rand Europas sterben Menschen in einem unerkl\u00e4rten Krieg. Im Nahen Osten zerfallen die Staaten, werden ihre Bewohner von Banden und Milizen terrorisiert und get\u00f6tet.\u201c<\/p>\n<p>Viele Menschen empf\u00e4nden Ohnmacht angesichts der grauenvollen Bilder und wollten sich heraushalten. Dies sei jedoch keine L\u00f6sung, gerade angesichts der Verfolgung von Christen und Yeziden im Irak. \u201eDas ist das bedr\u00fcckende Dilemma: Dass wir schuldig werden, gleich, was wir tun oder lassen.\u201c Zugleich gelte es, an der Vision \u201eSchwerter zu Pflugscharen\u201c festzuhalten. Neben den Stimmen, die einen Einsatz von Waffen als \u201aultima ratio\u2018 forderten, sei es auch eine Aufgabe, immer daran zu erinnern, \u201edass Waffen nicht das Leben, sondern den Tod bringen.\u201c<\/p>\n<p>Eine Folge der Kriege seien die Fl\u00fcchtlinge, die angemessen untergebracht werden\u00a0 m\u00fcssten. Trotz eines gro\u00dfen Engagements der Beh\u00f6rden und Mitarbeitenden in den Einrichtungen sei die Erstunterbringung in Hamburg unzureichend: \u201eDas ist auch deshalb so, weil die Folgeunterbringung so schwierig ist, weil kaum jemand Wohnungen an Fl\u00fcchtlinge vermietet und viele Menschen verhindern wollen, dass Unterk\u00fcnfte in ihrer Nachbarschaft f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge entstehen.\u201c<\/p>\n<p>Die Bisch\u00f6fin betonte, dass das ehrenamtliche Engagement in Hamburg beeindruckend sei: \u201eIn den Stadtteilen und Kirchengemeinden bieten unsagbar viele ihre Hilfe an und k\u00fcmmern sich. Mit Runden Tischen, G\u00e4stewohnungen, Spenden und klaren Worten.\u201c<\/p>\n<p>Mit einem Blick auf den christlichen Advent erkl\u00e4rte Fehrs ihr Bild vom einziehenden Wanderprediger Jesus nach Jerusalem: \u201eArmselig ist er durch und durch. Nicht auf hohem Ross, sondern auf einem Esel zieht er ein. Das ist der wahre Herr der Herrlichkeit. Alles andere als weihnachtlicher Kitsch, das ist subversiv.\u201c Und die Bisch\u00f6fin stellte die Frage nach dem Realit\u00e4tscheck, fast 2000 Jahre sp\u00e4ter: \u201eKommt er wirklich? Die Frage ist so alt wie die Christenheit selbst: Seid ihr blind? Wie k\u00f6nnt ihr behaupten, dass Christus den Frieden in die Welt bringt? Nat\u00fcrlich, antworte ich, denke ich daran. Die politische Lage gibt allen Anlass dazu. Gerade in diesem Jahr, mit so vielen aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen, l\u00e4sst mich ein Satz der Theologin Dorothee S\u00f6lle nicht los: \u201e\u2018Da kann man nichts machen\u2018, das ist ein gottloser Satz.\u201c Die Bisch\u00f6fin betont: \u201eDas Recht, und zwar das Recht des Schw\u00e4cheren, gibt die Handlungsweise vor.\u201c<\/p>\n<p>Dies gelte auch besonders f\u00fcr die Schutzbed\u00fcrftigkeit von Kindern und Jugendlichen, so Fehrs: \u201eSeit in unserer eigenen Kirche die Menschenw\u00fcrde, die Integrit\u00e4t und Schutzbed\u00fcrftigkeit so sehr mit F\u00fc\u00dfen getreten wurde, lese ich diesen Satz neu. Um die Menschenw\u00fcrde zu sch\u00fctzen, reicht es nicht, auf den guten Willen oder die W\u00fcrde des Amtes oder gar eine innere Hemmung bei T\u00e4tern zu setzen. Es braucht klare Strukturen, verbindliche Regeln, und scharfe Sanktionsm\u00f6glichkeiten gegen sexualisierte, gegen jegliche Gewalt.\u201c<\/p>\n<p>Zum Schluss ihrer Rede erinnerte die Bisch\u00f6fin an das interreligi\u00f6se Friedensgebet vor der Blauen Moschee an der Au\u00dfenalster, \u201eals in Israel und Gaza die Raketen explodierten\u201c. Es sei ein Wagnis gewesen, aber dank einer langen interreligi\u00f6sen Gespr\u00e4chskultur m\u00f6glich, so Fehrs. \u201eUns einte ein gemeinsames Gef\u00fchl: Wir sind besorgt. Wir verwerfen den Krieg und die Gewalt. Wir verurteilen, dass daf\u00fcr der Name Gottes missbraucht wird. Und wir wissen, dass wir als Religionsgemeinschaften zusammenstehen m\u00fcssen, damit der Frieden bewahrt bleibt &#8211; hierzulande &#8211; und dort wieder einzieht, wo die Waffen den Tod bringen.\u201c Es bleibe der Traum von einer besseren Welt, \u201ein der kein Mensch wegen seines Glaubens oder seiner Hautfarbe ermordet wird, in der niemand dazu gezwungen wird, seine Heimat zu verlassen. Ein Traum, der nur, wenn wir ihn teilen, Wirklichkeit wird.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hamburg (sg). Auf dem Adventsempfang der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) hat Bisch\u00f6fin Kirsten Fehrs gestern\u00a0Abend den 4. 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