{"id":15658,"date":"2010-05-21T11:21:48","date_gmt":"2010-05-21T09:21:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=15658"},"modified":"2010-05-21T11:21:48","modified_gmt":"2010-05-21T09:21:48","slug":"bka-bundeslagebild-menschenhandel-2009-bundeskriminalamt-veroffentlicht-aktuelle-zahlen-fur-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/bka-bundeslagebild-menschenhandel-2009-bundeskriminalamt-veroffentlicht-aktuelle-zahlen-fur-deutschland\/","title":{"rendered":"BKA: Bundeslagebild Menschenhandel 2009 Bundeskriminalamt ver\u00f6ffentlicht aktuelle Zahlen f\u00fcr Deutschland"},"content":{"rendered":"<p><a rel=\"attachment wp-att-13230\" href=\"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/2010\/03\/13229\/bundeskriminalamt-3\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-13230\" title=\"Bundeskriminalamt\" src=\"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Bundeskriminalamt.jpg\" alt=\"\" width=\"244\" height=\"77\" \/><\/a>Wiesbaden (ots) &#8211; Im Jahr 2009 wurden in Deutschland 534 Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung abgeschlossen. Dies bedeutet einen erneuten Anstieg der Verfahrenszahlen, im Vergleich zum Vorjahr um 11 % (2008: 482). Die Anzahl der Opfer stieg mit 710 um 5 % gegen\u00fcber dem Jahr 2008 (676). Entsprechend der Entwicklung in den vergangenen Jahren stammte auch 2009 der Gro\u00dfteil der Opfer (86 %) aus dem europ\u00e4ischen Raum.<!--more--> Bei den ausl\u00e4ndischen Opfern dominierten erneut rum\u00e4nische und bulgarische Staatsangeh\u00f6rige; die Zahl nigerianischer Opfer stieg auf 34 (2008: 25). Rund 20 % der Opfer waren minderj\u00e4hrig; die Zahl der unter 14-J\u00e4hrigen ist auf 41 gestiegen und hat sich damit gegen\u00fcber dem Vorjahr mehr als verdoppelt (2008: 20). Die Zahl der wegen Verdachts des Menschenhandels registrierten Tatverd\u00e4chtigen betrug 2009 777 und damit 1 % weniger als im Vorjahr (2008: 785). Bei den Tatverd\u00e4chtigen dominierten mit einem Anteil von 36 % erneut deutsche Staatsangeh\u00f6rige (279 von 777). Den gr\u00f6\u00dften Anteil bei den ausl\u00e4ndischen Tatverd\u00e4chtigen stellten erneut bulgarische, rum\u00e4nische und t\u00fcrkische Staatsangeh\u00f6rige.<\/p>\n<p>Nachdem sich in den letzten Jahren Hinweise geh\u00e4uft hatten, dass sich bundes- und europaweit nigerianische Gruppierungen im Bereich Menschenhandel etabliert haben, wurden im Februar 2010 &#8211; auf Anregung und koordiniert durch das BKA &#8211; bundesweit Kontrollen im Rotlichtmilieu durchgef\u00fchrt mit dem Ziel, Opfer von Menschenhandel aus Westafrika zu identifizieren und Hinweise auf die dahinter stehenden T\u00e4terstrukturen zu erlangen. Insgesamt wurden in 13 Bundesl\u00e4ndern etwa 600 Bordelle und bordell\u00e4hnliche Einrichtungen durchsucht; \u00fcber 100 Polizeidienststellen waren im Einsatz (Pressemitteilung vom 03.02.2010). Trotz des wiederholten Anstiegs der Ermittlungsverfahren ist nach wie vor von einem erheblichen Dunkelfeld im Bereich Menschenhandel auszugehen. Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung bleibt die Schwierigkeit, Opfer von Menschenhandel zu identifizieren und auf neue Tatbegehungsweisen zu reagieren. Bei Staatsangeh\u00f6rigen aus den neuen EU-Beitrittsl\u00e4ndern, insbesondere Rum\u00e4nien und Bulgarien, aus denen die meisten ausl\u00e4ndischen Opfer von Menschenhandel stammen und die sich mittlerweile legal in Deutschland aufhalten und der Prostitution als selbst\u00e4ndiger Dienstleistung nachgehen k\u00f6nnen, besteht h\u00e4ufig der Verdacht der Scheinselbst\u00e4ndigkeit und von Ausbeutungsstrukturen. Bei Opfern aus schwarzafrikanischen L\u00e4ndern beobachten die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zudem besondere Formen der Einsch\u00fcchterung &#8211; beispielsweise bringen die T\u00e4ter die Opfer durch Voodoo-Rituale in eine psychische Zwangslage. Die Folge ist, dass die Betroffenen in der Regel nicht bereit sind, mit der Polizei und den Fachberatungsstellen zu kooperieren bzw. ihre anf\u00e4nglichen Zeugenaussagen oftmals wieder zur\u00fccknehmen. Als Reaktion auf diese Problematik wurde im vergangenen Jahr auf Initiative des BKA ein Traumaleitfaden entwickelt, der gezielt Polizei, Justiz und kommunaler Verwaltung Hilfestellung im Umgang mit traumatisierten Menschenhandelsopfern bietet. Ein weiteres Forschungsprojekt zur Verbesserung der Opfererkennung wurde initiiert, das aus der Perspektive der Opfer untersuchte, welche Faktoren ihre Aussagebereitschaft determinieren. Danach hindern vor allem die folgenden Faktoren die Betroffenen daran, sich an die<br \/>\nPolizei zu wenden oder in Kontrollsituationen zu offenbaren:<\/p>\n<p>Gewalt und Einsch\u00fcchterungsversuche von Seiten der T\u00e4ter; der Wunsch, sich durch Migration nach Deutschland einen besseren Lebensunterhalt zu sichern und daher die Bereitschaft, die durch die T\u00e4ter auferlegte &#8222;Schuldenfalle&#8220; und Einsch\u00fcchterungen zu tolerieren; migrationsbedingte Barrieren wie Unkenntnis der Sprache, Schrift und Rechtslage; Angst vor der Polizei oder der Eindruck, die Polizei arbeite mit den T\u00e4tern zusammen. Die gr\u00f6\u00dften Hemmschwellen bestanden bei Opfern, die durch Voodoo-Rituale ein Schweigegel\u00fcbde abgelegt hatten oder sich einem System organisierter Kriminalit\u00e4t ausgeliefert sahen. Zugleich zeigte die Untersuchung: Umfassende Beratung wirkt sich positiv auf die Aussagebereitschaft aus. Den meisten Opfern waren jedoch Beratungs- und Unterst\u00fctzungsangebote nicht bekannt, bevor sie dorthin vermittelt wurden. Ebenso wenig kannten sie ihre Rechte oder wussten die Rolle der Polizei richtig einzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Seit 2005 ist Menschenhandel zum Zweck der Ausbeutung der Arbeitskraft strafbewehrt. Im vergangenen Jahr wurden in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) insgesamt 24 F\u00e4lle registriert. Dies entspricht einem erneuten R\u00fcckgang der Fallzahlen um 11% (2008: 27). Nach wie vor ist die (illegale) Arbeitsaufnahme in Deutschland ein wesentlicher Antrieb f\u00fcr Migration. Es zeigt sich, dass die Delikte schwerpunktm\u00e4\u00dfig im Gastst\u00e4ttengewerbe und privaten Haushalten zum Nachteil von Ausl\u00e4ndern ver\u00fcbt werden, die sich illegal in der Bundesrepublik aufhalten. Auch in diesem Ph\u00e4nomenbereich muss von einem gro\u00dfen Dunkelfeld ausgegangen werden, da auch hier eine besondere Abh\u00e4ngigkeit der Opfer von den T\u00e4tern besteht, die die Opfer in ihrer Kooperationsbereitschaft mit den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden einschr\u00e4nkt. Ziel muss daher sein, Bek\u00e4mpfungskonzepte, die im Bereich Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung seit Jahren erfolgreich in der Praxis angewendet werden, entsprechend anzugleichen bzw. zu erweitern und auf diesen Ph\u00e4nomenbereich zu \u00fcbertragen (Zusammenarbeit mit Fachberatungsstellen; Sensibilisierung aller mit diesem Ph\u00e4nomenbereich befassten Beh\u00f6rden, insbesondere der Finanzkontrolle Schwarzarbeit).<\/p>\n<p>BKA-Pr\u00e4sident J\u00f6rg Ziercke: &#8222;Menschenhandel ist ein Kriminalit\u00e4tsph\u00e4nomen, bei dem die T\u00e4ter ein Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis<br \/>\nausnutzen und ihre Opfer durch physische und psychische Gewalt gef\u00fcgig machen. Die Aussagen der Opfer sind von zentraler Bedeutung, um gegen die T\u00e4ter ermitteln zu k\u00f6nnen. Polizei und Fachberatungsstellen m\u00fcssen Opfern, die sich aus eigenem Antrieb an die Polizei wenden wollen, m\u00f6glichst umfassende M\u00f6glichkeiten zur Anzeigenerstattung schaffen &#8211; durch verst\u00e4rkte Pr\u00e4senz im Milieu, mehrsprachige Informations-bl\u00e4tter, gezielte Ansprachen. Im Rahmen der Befragung der Opferzeugen ist ein hohes Ma\u00df an Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und interkultureller Kompetenz notwendig &#8211; neben Herkunft und Kultur muss dabei das oft sehr junge Alter der Betroffenen ber\u00fccksichtigt werden. Unabdingbar ist auch, die Betroffenen umfassend zu beraten &#8211; damit sie die Polizei als eine unterst\u00fctzende Einrichtung wahrnehmen k\u00f6nnen und genau \u00fcber ihre Rechte und M\u00f6glichkeiten informiert sind. Ebenso m\u00fcssen wir die Betroffenen umfassend vor Gewalt sch\u00fctzen.&#8220;<\/p>\n<p>Weitere Einzelheiten finden Sie auf der Homepage des BKA unter www.bka.de unter Berichte und Statistiken \/ Kriminalit\u00e4tslage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wiesbaden (ots) &#8211; Im Jahr 2009 wurden in Deutschland 534 Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung abgeschlossen. 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