{"id":15696,"date":"2010-05-22T06:23:13","date_gmt":"2010-05-22T04:23:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=15696"},"modified":"2010-05-21T19:24:24","modified_gmt":"2010-05-21T17:24:24","slug":"bka-bundeslagebild-menschenhandel-2009-bundeskriminalamt-veroffentlicht-aktuelle-zahlen-fur-deutschland-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/bka-bundeslagebild-menschenhandel-2009-bundeskriminalamt-veroffentlicht-aktuelle-zahlen-fur-deutschland-2\/","title":{"rendered":"BKA: Bundeslagebild Menschenhandel 2009 Bundeskriminalamt ver\u00f6ffentlicht aktuelle Zahlen f\u00fcr Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Wiesbaden (ots) &#8211; Im Jahr 2009 wurden in Deutschland 534<br \/>\nErmittlungsverfahren wegen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen<br \/>\nAusbeutung abgeschlossen. Dies bedeutet einen erneuten Anstieg der<br \/>\nVerfahrenszahlen, im Vergleich zum Vorjahr um 11 % (2008: 482). Die<br \/>\nAnzahl der Opfer stieg mit 710 um 5 % gegen\u00fcber dem Jahr 2008 (676).<br \/>\nEntsprechend der Entwicklung in den vergangenen Jahren stammte auch<br \/>\n2009 der Gro\u00dfteil der Opfer (86 %) aus dem europ\u00e4ischen Raum. Bei den<br \/>\nausl\u00e4ndischen Opfern dominierten erneut rum\u00e4nische und bulgarische<br \/>\nStaatsangeh\u00f6rige; die Zahl nigerianischer Opfer stieg auf 34 (2008:<br \/>\n25). Rund 20 % der Opfer waren minderj\u00e4hrig; die Zahl der unter<br \/>\n14-J\u00e4hrigen ist auf 41 gestiegen und hat sich damit gegen\u00fcber dem<br \/>\nVorjahr mehr als verdoppelt (2008: 20).<!--more-->Die Zahl der wegen Verdachts<br \/>\ndes Menschenhandels registrierten Tatverd\u00e4chtigen betrug 2009 777 und<br \/>\ndamit 1 % weniger als im Vorjahr (2008: 785). Bei den Tatverd\u00e4chtigen<br \/>\ndominierten mit einem Anteil von 36 % erneut deutsche<br \/>\nStaatsangeh\u00f6rige (279 von 777). Den gr\u00f6\u00dften Anteil bei den<br \/>\nausl\u00e4ndischen Tatverd\u00e4chtigen stellten erneut bulgarische, rum\u00e4nische<br \/>\nund t\u00fcrkische Staatsangeh\u00f6rige.<\/p>\n<p>Nachdem sich in den letzten Jahren Hinweise geh\u00e4uft hatten, dass<br \/>\nsich bundes- und europaweit nigerianische Gruppierungen im Bereich<br \/>\nMenschenhandel etabliert haben, wurden im Februar 2010 &#8211; auf Anregung<br \/>\nund koordiniert durch das BKA &#8211; bundesweit Kontrollen im<br \/>\nRotlichtmilieu durchgef\u00fchrt mit dem Ziel, Opfer von Menschenhandel<br \/>\naus Westafrika zu identifizieren und Hinweise auf die dahinter<br \/>\nstehenden T\u00e4terstrukturen zu erlangen. Insgesamt wurden in 13<br \/>\nBundesl\u00e4ndern etwa 600 Bordelle und bordell\u00e4hnliche Einrichtungen<br \/>\ndurchsucht; \u00fcber 100 Polizeidienststellen waren im Einsatz<br \/>\n(Pressemitteilung vom 03.02.2010). Trotz des wiederholten Anstiegs<br \/>\nder Ermittlungsverfahren ist nach wie vor von einem erheblichen<br \/>\nDunkelfeld im Bereich Menschenhandel auszugehen. Die gr\u00f6\u00dfte<br \/>\nHerausforderung bleibt die Schwierigkeit, Opfer von Menschenhandel zu<br \/>\nidentifizieren und auf neue Tatbegehungsweisen zu reagieren. Bei<br \/>\nStaatsangeh\u00f6rigen aus den neuen EU-Beitrittsl\u00e4ndern, insbesondere<br \/>\nRum\u00e4nien und Bulgarien, aus denen die meisten ausl\u00e4ndischen Opfer von<br \/>\nMenschenhandel stammen und die sich mittlerweile legal in Deutschland<br \/>\naufhalten und der Prostitution als selbst\u00e4ndiger Dienstleistung<br \/>\nnachgehen k\u00f6nnen, besteht h\u00e4ufig der Verdacht der<br \/>\nScheinselbst\u00e4ndigkeit und von Ausbeutungsstrukturen. Bei Opfern aus<br \/>\nschwarzafrikanischen L\u00e4ndern beobachten die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden<br \/>\nzudem besondere Formen der Einsch\u00fcchterung &#8211; beispielsweise bringen<br \/>\ndie T\u00e4ter die Opfer durch Voodoo-Rituale in eine psychische<br \/>\nZwangslage. Die Folge ist, dass die Betroffenen in der Regel nicht<br \/>\nbereit sind, mit der Polizei und den Fachberatungsstellen zu<br \/>\nkooperieren bzw. ihre anf\u00e4nglichen Zeugenaussagen oftmals wieder<br \/>\nzur\u00fccknehmen. Als Reaktion auf diese Problematik wurde im vergangenen<br \/>\nJahr auf Initiative des BKA ein Traumaleitfaden entwickelt, der<br \/>\ngezielt Polizei, Justiz und kommunaler Verwaltung Hilfestellung im<br \/>\nUmgang mit traumatisierten Menschenhandelsopfern bietet. Ein weiteres<br \/>\nForschungsprojekt zur Verbesserung der Opfererkennung wurde<br \/>\ninitiiert, das aus der Perspektive der Opfer untersuchte, welche<br \/>\nFaktoren ihre Aussagebereitschaft determinieren. Danach hindern vor<br \/>\nallem die folgenden Faktoren die Betroffenen daran, sich an die<br \/>\nPolizei zu wenden oder in Kontrollsituationen zu offenbaren:<\/p>\n<p>Gewalt und Einsch\u00fcchterungsversuche von Seiten der T\u00e4ter; der<br \/>\nWunsch, sich durch Migration nach Deutschland einen besseren<br \/>\nLebensunterhalt zu sichern und daher die Bereitschaft, die durch die<br \/>\nT\u00e4ter auferlegte &#8222;Schuldenfalle&#8220; und Einsch\u00fcchterungen zu tolerieren;<br \/>\nmigrationsbedingte Barrieren wie Unkenntnis der Sprache, Schrift und<br \/>\nRechtslage; Angst vor der Polizei oder der Eindruck, die Polizei<br \/>\narbeite mit den T\u00e4tern zusammen. Die gr\u00f6\u00dften Hemmschwellen bestanden<br \/>\nbei Opfern, die durch Voodoo-Rituale ein Schweigegel\u00fcbde abgelegt<br \/>\nhatten oder sich einem System organisierter Kriminalit\u00e4t ausgeliefert<br \/>\nsahen. Zugleich zeigte die Untersuchung: Umfassende Beratung wirkt<br \/>\nsich positiv auf die Aussagebereitschaft aus. Den meisten Opfern<br \/>\nwaren jedoch Beratungs- und Unterst\u00fctzungsangebote nicht bekannt,<br \/>\nbevor sie dorthin vermittelt wurden. Ebenso wenig kannten sie ihre<br \/>\nRechte oder wussten die Rolle der Polizei richtig einzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Seit 2005 ist Menschenhandel zum Zweck der Ausbeutung der<br \/>\nArbeitskraft strafbewehrt. Im vergangenen Jahr wurden in der<br \/>\nPolizeilichen Kriminalstatistik (PKS) insgesamt 24 F\u00e4lle registriert.<br \/>\nDies entspricht einem erneuten R\u00fcckgang der Fallzahlen um 11% (2008:<br \/>\n27). Nach wie vor ist die (illegale) Arbeitsaufnahme in Deutschland<br \/>\nein wesentlicher Antrieb f\u00fcr Migration. Es zeigt sich, dass die<br \/>\nDelikte schwerpunktm\u00e4\u00dfig im Gastst\u00e4ttengewerbe und privaten<br \/>\nHaushalten zum Nachteil von Ausl\u00e4ndern ver\u00fcbt werden, die sich<br \/>\nillegal in der Bundesrepublik aufhalten. Auch in diesem<br \/>\nPh\u00e4nomenbereich muss von einem gro\u00dfen Dunkelfeld ausgegangen werden,<br \/>\nda auch hier eine besondere Abh\u00e4ngigkeit der Opfer von den T\u00e4tern<br \/>\nbesteht, die die Opfer in ihrer Kooperationsbereitschaft mit den<br \/>\nStrafverfolgungsbeh\u00f6rden einschr\u00e4nkt. Ziel muss daher sein,<br \/>\nBek\u00e4mpfungskonzepte, die im Bereich Menschenhandel zum Zweck der<br \/>\nsexuellen Ausbeutung seit Jahren erfolgreich in der Praxis angewendet<br \/>\nwerden, entsprechend anzugleichen bzw. zu erweitern und auf diesen<br \/>\nPh\u00e4nomenbereich zu \u00fcbertragen (Zusammenarbeit mit<br \/>\nFachberatungsstellen; Sensibilisierung aller mit diesem<br \/>\nPh\u00e4nomenbereich befassten Beh\u00f6rden, insbesondere der Finanzkontrolle<br \/>\nSchwarzarbeit).<\/p>\n<p>BKA-Pr\u00e4sident J\u00f6rg Ziercke: &#8222;Menschenhandel ist ein<br \/>\nKriminalit\u00e4tsph\u00e4nomen, bei dem die T\u00e4ter ein Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis<br \/>\nausnutzen und ihre Opfer durch physische und psychische Gewalt<br \/>\ngef\u00fcgig machen. Die Aussagen der Opfer sind von zentraler Bedeutung,<br \/>\num gegen die T\u00e4ter ermitteln zu k\u00f6nnen. Polizei und<br \/>\nFachberatungsstellen m\u00fcssen Opfern, die sich aus eigenem Antrieb an<br \/>\ndie Polizei wenden wollen, m\u00f6glichst umfassende M\u00f6glichkeiten zur<br \/>\nAnzeigenerstattung schaffen &#8211; durch verst\u00e4rkte Pr\u00e4senz im Milieu,<br \/>\nmehrsprachige Informations-bl\u00e4tter, gezielte Ansprachen. Im Rahmen<br \/>\nder Befragung der Opferzeugen ist ein hohes Ma\u00df an<br \/>\nEinf\u00fchlungsverm\u00f6gen und interkultureller Kompetenz notwendig &#8211; neben<br \/>\nHerkunft und Kultur muss dabei das oft sehr junge Alter der<br \/>\nBetroffenen ber\u00fccksichtigt werden. Unabdingbar ist auch, die<br \/>\nBetroffenen umfassend zu beraten &#8211; damit sie die Polizei als eine<br \/>\nunterst\u00fctzende Einrichtung wahrnehmen k\u00f6nnen und genau \u00fcber ihre<br \/>\nRechte und M\u00f6glichkeiten informiert sind. Ebenso m\u00fcssen wir die<br \/>\nBetroffenen umfassend vor Gewalt sch\u00fctzen.&#8220;<\/p>\n<p>Weitere Einzelheiten finden Sie auf der Homepage des BKA unter<br \/>\nwww.bka.de &lt;http:\/\/www.bka.de&gt; unter Berichte und Statistiken \/ Kriminalit\u00e4tslage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wiesbaden (ots) &#8211; Im Jahr 2009 wurden in Deutschland 534 Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung abgeschlossen. 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