{"id":163491,"date":"2015-02-03T17:48:16","date_gmt":"2015-02-03T16:48:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=163491"},"modified":"2015-02-16T09:16:21","modified_gmt":"2015-02-16T08:16:21","slug":"transparenz-herstellen-und-verhandlungen-ueber-den-ausstieg-aus-dem-staatsvertrag-ueber-den-bau-einer-festen-fehmarnbelt-querung-aufnehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/transparenz-herstellen-und-verhandlungen-ueber-den-ausstieg-aus-dem-staatsvertrag-ueber-den-bau-einer-festen-fehmarnbelt-querung-aufnehmen\/","title":{"rendered":"Transparenz herstellen und Verhandlungen \u00fcber den Ausstieg aus dem Staatsvertrag \u00fcber den Bau einer festen Fehmarnbelt-Querung aufnehmen"},"content":{"rendered":"<p>Wir fordern, wie bereits in einem Antrag der 17. WP, die ergebnisoffene Neubewertung des Staatsvertrags und die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit dem d\u00e4nischen Vertragspartner. Sollte diese Neubewertung nicht zu erheblich anderen Ergebnissen als den bisher vorliegenden f\u00fchren, m\u00fcssen diese Verhandlungen das Ziel des Ausstiegs aus dem Staatsvertrag haben.<!--more--><\/p>\n<p>In unserer Initiative greifen wir nicht nur auf die j\u00fcngsten Entwicklungen am Belt und den Brief von Minister Dobrindt, sondern auch die aktuellen \u00c4u\u00dferungen prominenter Vertreter der Gro\u00dfen Koalition zur Querung auf.\u00a0 Wir sind gespannt, ob sie sich an ihre k\u00fcrzlich in der Region gemachten Aussagen erinnern, wenn wir unsere Initiative in K\u00fcrze im Plenum und den Fachaussch\u00fcssen des Bundestages beraten lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Bundestag wolle beschlie\u00dfen:<\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">I. Der Deutsche Bundestag stellt fest:<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">Der Bau einer festen Fehmarnbelt-Querung und der Ausbau der Schienen- und Stra\u00dfenhinterlandanbindung wird, vor allem auf deutscher Seite, seit Jahren kontrovers diskutiert. Bereits am 13.12.2006 legte die antragsstellende Fraktion erstmals eine Initiative \u201eStatt fester Fehmarnbelt-Querung \u2013 F\u00fcr ein \u00f6kologisch und finanziell nachhaltiges Verkehrskonzept\u201c (Drs.-Nr. 16\/3798) vor. Der geplante Querungsbau war seitdem mehrfach Gegenstand parlamentarischer Beratungen im Deutschen Bundestag. W\u00e4hrend die Bef\u00fcrworter des Vorhabens auf die Bedeutung der Querung als grenz\u00fcberschreitendes europ\u00e4isches Verkehrsprojekt und angebliche \u00f6konomische Wachstumschancen f\u00fcr die Region hinweisen, verweisen die Gegner u.a. auf einen zweifelhaften verkehrspolitischen Nutzen und erhebliche \u00f6kologische und \u00f6konomische Risiken. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">Der urspr\u00fcnglich f\u00fcr 2014 anvisierte Baubeginn der Querung wurde wiederholt verschoben, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit von Kostensteigerungen noch einmal erh\u00f6hen. Die Verabschiedung des Baugesetzes im d\u00e4nischen Parlament ist bis heute nicht erfolgt. Auch der auf deutscher Seite notwendige Planfeststellungsbeschluss liegt noch immer nicht vor. Wann das Querungsbauwerk tats\u00e4chlich er\u00f6ffnet wird, ist weiter unklar.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">Die bisher vorliegenden Verkehrsprognosen rechtfertigen den Bau einer festen Querung, von der heute ausgegangen werden muss, dass sie insgesamt mehr als 9 Milliarden Euro kosten wird und ihrer deutschen Hinterlandanbindung, die vom Bundesrechnungshof ohne Einbeziehung zahlreicher weiterer Kosten bereits im Jahr 2008 mit als 1,7 Milliarden Euro veranschlagt werden, tats\u00e4chlich jedoch unter Einbeziehung aller weiterer, bisher nicht ber\u00fccksichtigter Kosten tats\u00e4chlich heute bei ca. 2,5 \u2013 3 Milliarden Euro liegen d\u00fcrfte, in keinster Weise. So kommt eine durch die Reederei Scandlines<\/span><\/span><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\"> in Auftrag gegebene, aktuelle Studie von DIW Econ zu dem Ergebnis, dass der prognostizierte Verkehr \u201etats\u00e4chlich deutlich geringer ausfallen\u201c werde, wodurch die \u201eWirtschaftlichkeit des gesamten Projekts\u201c in Frage st\u00fcnde. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">Die Voraussetzungen, unter denen der Staatsvertrag zwischen den Vertragspartnern abgeschlossen wurde, haben sich hinsichtlich verschiedener Aspekte in der Vergangenheit mehrfach deutlich ver\u00e4ndert. Dies betrifft v.a. \u00f6konomische Rahmenbedingungen. Das ohnehin hohe Risiko f\u00fcr die \u00f6ffentliche Hand ist hierdurch noch einmal signifikant gestiegen<\/span><\/span><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">Zus\u00e4tzlich zu diesen ver\u00e4nderten Rahmenbedingungen kommen erhebliche \u00f6kologische Auswirkungen in einem Schutzgebiet: denn es handelt sich um ein europ\u00e4isch gesch\u00fctztes Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (Gebiet 1332-301 Fehmarnbelt), das als \u00f6kologisches Bindeglied f\u00fcr die gesamte Ostsee, nicht nur f\u00fcr den Wasseraustausch, sondern auch als Lebensraum und Wanderroute beispielsweise f\u00fcr Schweinswale, Seehunde und Fische wichtig ist. <\/span><\/span><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">Viele Arten der roten Liste w\u00e4ren durch das Vorhaben betroffen und es ist unklar, wie die Erhaltungsziele erf\u00fcllt werden k\u00f6nnen. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">Es mehren sich die kritischen Stimmen in den Fraktionen des Deutschen Bundestages, die den Bau einer festen Fehmarnbelt-Querung bislang mittrugen. So stellen sowohl die Vorsitzende des Rechnungspr\u00fcfungsausschusses des Bundestages, Bettina Hagedorn, als auch der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages, Martin Burkert, nach Darstellung der L\u00fcbecker Nachrichten vom 18.01.2015 das Projekt mittlerweile insgesamt in Frage. Weiter zitiert die Zeitung den Verkehrsausschuss- Vorsitzenden mit den Worten: \u201eWir im Bundestag sind jetzt aufgeschreckt.\u201c In Richtung der anwesenden Besucher einer Podiumsdiskussion: \u201eDer Kampf ist f\u00fcr sie nicht verloren, bleiben Sie standhaft, auch wenn dies eine hei\u00dfe Nummer ist. Ich selbst habe soetwas mit dem Transrapid in Bayern schon erlebt. Der ist vom Tisch.\u201c Die Tageszeitung vom 20.01.2015 zitiert den Ausschussvorsitzenden mit den Worten: \u201eMan wird \u00fcber den Staatsvertrag reden m\u00fcssen.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">Die Vorsitzende des Rechnungspr\u00fcfungsausschusses stellte in Richtung des Bundesverkehrsministers die Forderung, sich \u201eendlich mit Blick auf die Zeitverz\u00f6gerungen und die Kostenexplosionen ehrlich\u201c zu machen und \u201edie Rahmenbedingungen des Mammutprojekts kritisch und realistisch neu zu bewerten\u201c (vgl. Schleswig-Holsteinische Landeszeitung vom 20.01.2015). Dieser Forderung schlie\u00dft sich die antragsstellende Fraktion an. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">II. Der Deutsche Bundestag fordert die Bundesregierung auf:<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">1. auf die von Seiten des im Verkehrsausschuss im Rahmen der am 6. Mai 2009 angeh\u00f6rten Sachverst\u00e4ndigen, des Bundesrechnungshofes, des Rechnungspr\u00fcfungsausschuss des Deutschen Bundestages, der Wissenschaft, von Umweltverb\u00e4nden und zahlreicher B\u00fcrgerinitiativen wiederholt vorgebrachten Kritik an dem Projekt und dessen bisheriger Planung endlich einzugehen, v.a. bez\u00fcglich der Forderung, die dem Projekt zugrundeliegenden Kostenkalkulationen und Verkehrsprognosen zu aktualisieren, um eine ergebnisoffene Diskussion zu erm\u00f6glichen. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">2. dabei auch bislang nicht ausreichend beleuchtete Aspekte (u.a. Neubau Fehmarnsundquerung, alternative Trassenf\u00fchrungen, tats\u00e4chliche Finanzierung der deutschen Verpflichtungen, Ber\u00fccksichtigung zus\u00e4tzlicher L\u00e4rmschutzma\u00dfnahmen, finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr die an der Trasse liegenden Gemeinden, Folgeabsch\u00e4tzung bez\u00fcglich der Auswirkungen auf andere Verkehrsprojekte im norddeutschen Raum, \u00f6kologische Auswirkungen der Bauvorhaben etc. pp.) einzubeziehen,<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">3. s\u00e4mtliche, dieser aktualisierten Kostenkalkulationen und Verkehrsprognosen zu Grunde liegenden Daten nach dem Prinzip der Open Data <\/span><\/span><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">im Internet zu ver\u00f6ffentlichen, um der seit Jahren bestehende, unzureichende Transparenz des Verfahrens zu begegnen,<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">4. auf Grundlage dieser aktualisierten Datenlage eine bis heute nicht in angemessener Art und Weise vorgenommene, tats\u00e4chliche Abw\u00e4gung des mit dem Projekt verbundenen Nutzens und der Risiken vorzunehmen.. Dazu geh\u00f6rt eine entsprechende FFH-Vertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfung und Gutachten zu Auswirkungen auf Natur und Umwelt, die die gesamtr\u00e4umlichen \u00f6kologischen Auswirkungen in der Ostsee betrachtet und die tats\u00e4chlichen tempor\u00e4ren und nachhaltigen negativen Auswirkungen auf alle Schutzg\u00fcter untersucht, <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">5. anschlie\u00dfend einen tats\u00e4chlich ergebnisoffenen \u00f6ffentlichen Dialog mit allen Interessierten und unter besonderer Ber\u00fccksichtigung der von dem Projekt direkt betroffenen Gebietsk\u00f6rperschaft, Kreise, Gemeinden und Anwohner zu f\u00fchren,<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">6. und parallel hierzu unter Bezugnahme auf \u00a7 22 Absatz 2 Satz 2 des Staatsvertrags mit Hinweis auf die signifikant ver\u00e4nderten \u00f6konomischen Rahmenbedingungen des Projekts Verhandlungen mit dem K\u00f6nigreich D\u00e4nemark aufzunehmen, die, sollte sich im Zuge der Vorlage einer aktualisierten Datengrundlage und der tats\u00e4chlichen, ergebnisoffenen und \u00f6ffentlichen Diskussion dar\u00fcber keine neuen Erkenntnisse bez\u00fcglich des Nutzens der Querung und der mit ihrer Realisierung verbundenen Risiken ergeben, das Ziel verfolgen, aus diesem sowohl \u00f6kologisch als \u00f6konomisch aus heutiger Sicht fragw\u00fcrdigem Projekt auszusteigen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">7. die norddeutschen Bundesl\u00e4nder zu unterst\u00fctzen, ein gemeinsames norddeutsches Verkehrskonzept zu verfolgen, dass sich an \u00f6konomischen Realit\u00e4ten und tats\u00e4chlichen verkehrspolitischen Bedarfen orientiert und tats\u00e4chlich sinnhafte Projekte zu realisieren hilft.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">Berlin, den 3. Februar 2015<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\"><b>Katrin G\u00f6ring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial, serif;\"><span lang=\"de-DE\"><b>Begr\u00fcndung<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">Am 3. September 2008 wurde der \u201eVertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem K\u00f6nigreich D\u00e4nemark \u00fcber eine Feste Fehmarnbeltquerung\u201c unterzeichnet. In dem Vertragswerk sind die Modalit\u00e4ten f\u00fcr die Errichtung, der Finanzierung und des sp\u00e4teren Betriebs einer nutzerfinanzierten Querung, sowie der Schienen- und Stra\u00dfenhinterlandanbindung auf deutscher und d\u00e4nischer Seite festgehalten.<\/span><\/span><\/p>\n<p><a name=\"_GoBack\"><\/a> <span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">Die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet sich, die Kosten f\u00fcr den Ausbau der deutschen Hinterlandanbindung der Querung zu \u00fcbernehmen. In Artikel 5 Absatz 2 des Staatsvertrags verpflichtet sich die Bundesrepublik, bis zur urspr\u00fcnglich anvisierten Er\u00f6ffnung der Querung im Jahr 2018 die Stra\u00dfenverbindung E47 zwischen Heiligenhaften (Ost) und Puttgarden zu einer vierstreifigen Bundesstra\u00dfe (mit Ausnahme der Fehmarnsundbr\u00fccke) auszubauen. Ferner verpflichtet sich die Bundesrepublik zur Elektrifizierung der Schienenstrecke zwischen L\u00fcbeck und Puttgarden sowie zur Sicherstellung einer angemessenen Kapazit\u00e4t der Schienenstrecke zwischen Bad Schwartau und Puttgarden. Weiterhin verpflichtet sich die Bundesrepublik bis sp\u00e4testens sieben Jahre nach der Er\u00f6ffnung der Querung zum betriebsbereiten Ausbau der Schienenstrecke zwischen Bad Schwartau und Puttgarden zu einer zweigleisigen elektrifizierten Schienenstrecke. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">In Artikel 22 Absatz 2 des Staatsvertrags halten die Vertragspartner ausdr\u00fccklich fest: \u201eSollten die Voraussetzungen f\u00fcr das Projekt oder Teile des Projekts sich deutlich anders entwickeln als angenommen und anders, als es zum Zeitpunkt des Abschlusses des Vertrags bekannt ist, werden die Vertragsstaaten die Lage aufs Neue er\u00f6rtern.\u201c Dies gelte u.a. auch f\u00fcr wesentliche Kostensteigerungen im Zusammenhang mit dem Projekt. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">Im Vorfeld der Abstimmung eines Gesetzes zu dem Vertrag vom 3. September 2008 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem K\u00f6nigreich D\u00e4nemark \u00fcber eine Feste Fehmarnbeltquerung<\/span><\/span><b> <\/b><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">(Drs. Nr. 16\/12069) fand am 6. Mai 2009 eine Anh\u00f6rung im Ausschuss f\u00fcr Verkehr, Bau und Stadtentwicklung des Deutschen Bundestages statt. Im Rahmen der Anh\u00f6rung wurde von Seiten verschiedener Sachverst\u00e4ndiger erhebliche Zweifel an der \u00f6kologischen, \u00f6konomischen und verkehrspolitischen Sinnhaftigkeit des Projekts ge\u00e4u\u00dfert (Drs.-Nr. 16(15)1378). Insgesamt wiesen die Sachverst\u00e4ndigen, wie sp\u00e4ter auch der Bundesrechnungshof, auf zahlreiche weitere mit dem Querungsbau im Allgemeinen und dem Staatsvertrag im Konkreten verbundene Risiken hin.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">Im Vorfeld der Anh\u00f6rung gab der Bundesrechnungshof am 30. April 2009 in einer Stellungnahme nach \u00a7 88 Absatz 2 Bundeshaushaltsordnung (BHO) zur festen Verbindung \u00fcber den Fehmarnbelt an den Rechnungspr\u00fcfungsausschuss ebenfalls erhebliche Bedenken bez\u00fcglich des Staatsvertrags und der Finanzierung der Querung zu Protokoll. In seiner Stellungnahme (Drs.-Nr. 16\/385) warnt der Bundesrechnungshof vor \u201eerheblichen Unsicherheiten f\u00fcr k\u00fcnftige Bundeshaushalte\u201c. Des Weiteren kritisiert der Bundesrechnungshof zahlreiche unklare juristische Formulierungen im Staatsvertrag. So enthalte der Vertrag \u201eKlauseln, welche die Vertragsparteien unter nur unpr\u00e4zise formulierten Voraussetzungen zu Nachverhandlungen \u2013 auch \u00fcber die Kostentragung \u2013 verpflichte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">In seiner Stellungnahme, die sp\u00e4ter durch den Rechnungspr\u00fcfungsausschuss des Deutschen Bundestages zustimmend zur Kenntnis genommen wurde, ermittelt der Bundesrechnungshof Kosten f\u00fcr die deutsche Schienenhinterlandanbindung von rund 1,7 Milliarden Euro. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass es sich hierbei lediglich um die Kosten f\u00fcr die Schienenanbindung handelt, d.h. u.a. die Kosten f\u00fcr den Stra\u00dfenausbau der Hinterlandanbindung noch nicht ber\u00fccksichtigt seien. So weist der Bundesrechnungshof darauf hin, dass neben weiteren Kosten u.a. auch die \u201ezus\u00e4tzlichen Kosten im Knoten Hamburg und f\u00fcr den zweigleisigen Ausbau des Teilst\u00fccks von L\u00fcbeck bis Puttgarden\u201c in der bisherigen Planung noch nicht ber\u00fccksichtigt seien und fordert die Bundesregierung angesichts dieser im Vergleich zu urspr\u00fcnglichen Finanzplanung (840 Millionen Euro) erheblichen Kostensteigerung explizit dazu auf, eine aktualisierte Kosteneinsch\u00e4tzung vorzunehmen. Eine solche aktualisierte, alle zus\u00e4tzlichen Kosten einbeziehende Kostenkalkulation f\u00fcr die deutsche Hinterlandanbindung liegt bis heute nicht vor. Weiter hei\u00dft es: \u201eNach Ansicht des Bundesrechnungshofes bestehen Unsicherheiten \u00fcber Regelungen des Staatsvertrags, da der Vertrag auf Grund unbestimmter Rechtsbegriffe und fehlender Daten unterschiedliche Auslegungen zul\u00e4sst\u201c. So enthalte der Staatsvertrag \u201eKlauseln, welche die Vertragsparteien unter nur unpr\u00e4zise formulierten Voraussetzungen zu Nachverhandlungen \u2013 auch \u00fcber die Kostentragung \u2013 verpflichte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">Trotz der im Vorfeld vorgebrachten Kritik beschloss der Deutsche Bundestag am 18. Juni 2009 nach kontroverser Debatte gegen die Stimmen der Fraktionen B\u00dcNDNIS 90\/DIE GR\u00dcNEN und DIE LINKE sowie einzelner Abgeordneter der \u00fcbrigen Fraktionen das Gesetz zum Staatsvertrag \u00fcber den Bau einer festen Fehmarnbelt-Querung. Der Bundesrat stimmte dem Gesetz am 10.\u00a0Juli 2009 zu, wodurch die nach Artikel 59 Absatz 2 Satz 1 des Grundgesetzes erforderlichen Voraussetzungen f\u00fcr das Inkrafttreten des Vertrags geschaffen wurden. Der \u201eVertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem K\u00f6nigreich D\u00e4nemark \u00fcber eine feste Fehmarnbelt-Querung\u201c trat am 14. Januar 2010 in Kraft.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">Vor dem Hintergrund, dass sowohl Bundesrechnungshof als auch Rechnungspr\u00fcfungsausschuss des Bundestages in mehreren Stellungnahmen auf die signifikant ver\u00e4nderten \u00f6konomischen Rahmenbedingungen hingewiesen haben und vor \u201eerheblichen Unsicherheiten f\u00fcr k\u00fcnftige Bundeshaushalte\u201c warnen, eine fundierte, aktualisierte Kostenkalkulation der deutschen Schienenhinterlandanbindung durch die Bundesregierung zwar wiederholt in Aussicht gestellt wurde, aber bis heute nicht vorliegt, sich die Kosten f\u00fcr die deutsche Hinterlandanbindung seit Unterzeichnung des Staatsvertrags absehbar mindestens verdreifacht haben, die Finanzierung bislang nicht sichergestellt ist und der deutsche Bundesverkehrsminister in einem Schreiben an seinen d\u00e4nischen Ministerkollegen mittlerweile eine jahrelange Verz\u00f6gerung der Fertigstellung der deutschen Hinterlandanbindung in Aussicht stellen musste, wodurch sich erhebliche Fragen bez\u00fcglich der auf der Bestandstrasse zu erwartenden G\u00fcterverkehre ergeben, ist es dringend angeraten, mit dem Vertragspartner in Neuverhandlungen \u00fcber den Staatsvertrag zu treten. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">Der Bundesrechnungshof gibt zu bedenken, dass bei nicht vertragsgerechter Verwirklichung der im Staatsvertrag durch die Bundesrepublik Deutschland eingegangenen Verpflichtungen zur Errichtung der deutschen Hinterlandanbindung Forderungen wegen Einnahmeausf\u00e4llen seitens des Betreibers der Querung drohen k\u00f6nnen (vgl. Bundesrechnungshof, Bericht an den Rechnungspr\u00fcfungsausschuss des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages nach \u00a7 88 Abs. 2 BHO \u00fcber die Feste Verbindung \u00fcber den Fehmarnbelt mit Hinterlandanbindung vom 30. April 2009, S. 10 f.) Dass \u00a7 22 Absatz 2 Satz 2 des Staatsvertrags eine Neuaufnahme der Verhandlungen grunds\u00e4tzlich erm\u00f6glicht, hat die Bundesregierung mehrfach auf entsprechende Nachfragen best\u00e4tigt. Dennoch lehnt die Bundesregierung bislang den Eintritt in Neuverhandlungen bislang ab. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">In einer Antwort vom 23.01.2014 auf die schriftliche Frage des Abgeordneten Dr. Konstantin von Notz, ob die Bundesregierung noch immer der Ansicht sei, dass die im Staatsvertrag gemachten Zusagen vor dem Hintergrund bereits eingetretener zeitlicher Verz\u00f6gerungen, Kostensteigerungen, zus\u00e4tzlich notwendiger Bauma\u00dfnahmen und anh\u00e4ngiger Klagen sowie des Briefes des deutschen Bundesverkehrsministers an seinen d\u00e4nischen Kollegen, in dem weitere, erhebliche Verz\u00f6gerungen in Aussicht gestellt werden, tats\u00e4chlich eingehalten werden k\u00f6nnen, antwortet die Bundesregierung lapidar, dass sie unver\u00e4ndert zu den im Staatsvertrag gemachten Zusagen st\u00fcnde und alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen, um das Projekt gem\u00e4\u00df den Annahmen zu verwirklichen.<\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p><span style=\"font-size: medium;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">L\u00fcbecker Nachrichten vom 22.1.2015 <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">(<a href=\"http:\/\/www.ln-online.de\/Nachrichten\/Norddeutschland\/Zweifel-an-Verkehrsprognose\" target=\"_blank\">http:\/\/www.ln-online.de\/Nachrichten\/Norddeutschland\/Zweifel-an-Verkehrsprognose<\/a>)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p><span style=\"font-size: medium;\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a><sup>\u0002<\/sup> <span style=\"font-size: small;\"><span lang=\"de-DE\">Vergleiche hierzu den Antrag der Fraktion B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen aus der 17. Wahlperiode (BT-Drs 17\/9407).<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir fordern, wie bereits in einem Antrag der 17. WP, die ergebnisoffene Neubewertung des Staatsvertrags und die Wiederaufnahme der Verhandlungen<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[15706],"class_list":["post-163491","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik-wirtschaft","tag-transparenz-herstellen-und-verhandlungen-ueber-den-ausstieg-aus-dem-staatsvertrag-ueber-den-bau-einer-festen-fehmarnbelt-querung-aufnehmen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/163491","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=163491"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/163491\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":163492,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/163491\/revisions\/163492"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=163491"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=163491"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=163491"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}