{"id":169097,"date":"2015-03-18T15:24:44","date_gmt":"2015-03-18T14:24:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=169097"},"modified":"2015-03-18T15:24:44","modified_gmt":"2015-03-18T14:24:44","slug":"top-26-entgeltgleichheit-verwirklichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/top-26-entgeltgleichheit-verwirklichen\/","title":{"rendered":"TOP 26 \u2013 Entgeltgleichheit verwirklichen"},"content":{"rendered":"<p>Dazu sagt die Fraktionsvorsitzende von\u00a0B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen,\u00a0Eka von Kalben:\u00a0Die Erwerbsarbeit der Frau ist im Jahr 2015 immer noch weniger Wert als die von M\u00e4nnern und das ist nicht in Ordnung!<\/p>\n<p>Meine Damen und Herren,<\/p>\n<p>wir k\u00f6nnten meinen, die Gleichberechtigung sei erstritten. Insbesondere wenn frau wie ich in einer Partei beheimatet ist, die die Frauenquote seit jeher praktiziert und deshalb Frauen auch in besonderem Ma\u00dfe f\u00f6rdert und fordert.<!--more--><\/p>\n<p>Der Ausbau der Kitas, die exzellente Ausbildung junger Frauen und die vielen in der Familie aktiven jungen V\u00e4ter, die ich im Umfeld meiner Tochter wahrnehme.\u00a0All das erweckt den Eindruck: Die Gleichberechtigung der Frauen ist erstritten.<\/p>\n<p>Und auch wenn ich manchmal als weibliche Fraktionsvorsitzende etwas andere Wege als meine Kollegen gehe, so kann ich meine Rolle berechtigterweise als gleichberechtigt bezeichnen.<\/p>\n<p>Aber die Fakten sprechen eine andere Sprache:\u00a0Frauen verf\u00fcgen \u00fcber deutlich weniger Verm\u00f6gen als M\u00e4nner.\u00a0Frauen sind viel h\u00e4ufiger von Altersarmut betroffen als M\u00e4nner.\u00a0Und Frauen verdienen im Beruf durchschnittlich 22% weniger.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft: Frauen m\u00fcssen im Durchschnitt 79 Tage, 11 Wochen, fast ein ganzes Quartal l\u00e4nger arbeiten, um den gleichen Lohn nach Hause zu bringen wie M\u00e4nner.\u00a0Nicht im Jahre 1920, sondern heute.\u00a0Nicht in Indien, sondern hier bei uns in Schleswig-Holstein.\u00a0Politik, ArbeitgeberInnen und Gewerkschaften schieben sich gegenseitig den \u201eschwarzen Peter\u201c zu.<\/p>\n<p>Einige stellen fest, dass M\u00e4dchen in Schule, Studium und Berufsausbildung die Jungen bereits \u00fcberrundet h\u00e4tten.\u00a0Der Rest werde sich ergeben. Liebe Kolleginnen und Kollegen,\u00a0das ist naiv und das greift zu kurz. Da macht Man(n) es sich zu einfach. Die Ursachen f\u00fcr die das geringere Erwerbs- und Renteneinkommen sind vielf\u00e4ltig und seit Jahren bekannt.<\/p>\n<p>Das beginnt schon bei der Berufswahl. Jungen orientieren sich st\u00e4rker an zuk\u00fcnftigen Einkommensm\u00f6glichkeiten als M\u00e4dchen. Die Startchancen der M\u00e4dchen sind super, aber nicht jede hat den Rat einer weisen Gro\u00dfmutter, wie ich ihn neulich h\u00f6rte: \u201eM\u00e4dchen lerne was Ordentliches, dann kannst Du dir nen netten Mann suchen\u2026\u201c<\/p>\n<p>Soziale Berufe werden h\u00e4ufiger von Frauen ausge\u00fcbt als von M\u00e4nnern und schlechter bezahlt als entsprechende Berufe mit gleich langer Ausbildung. Sie zahlen doch f\u00fcr die Wartung ihres Wagens einen h\u00f6heren Stundenlohn als f\u00fcr die ambulante Pflege ihrer Schwiegermutter.\u00a0Absurd, diese Gesellschaft.<\/p>\n<p>Und da frage ich mich: Werden soziale Berufe von den Frauen ausge\u00fcbt, weil sie bereit sind weniger zu verdienen oder werden sie so schlecht bezahlt weil Frauen sie aus\u00fcben? Wir m\u00fcssen die T\u00e4tigkeiten, die Kompetenzen die f\u00fcr eine Erwerbsarbeit ben\u00f6tigt werden, neu bewerten. Daraus w\u00fcrde sich auch eine andere Bezahlung ergeben.<\/p>\n<p>Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen, Kommunikationsf\u00e4higkeit und Teamgeist wird zwar im Berufsalltag erwartet, aber nicht als Anforderung verg\u00fctet. Die Bewertung von T\u00e4tigkeiten, die Einbeziehung von Berufserfahrungen und Kompetenzen, die zum Beispiel bei der Familienarbeit oder im Ehrenamt gewonnen werden, k\u00f6nnten viel zu einem gerechteren Bewertungsmodell beitragen.<\/p>\n<p>Und den Frauen und M\u00e4nnern in sozialen Berufen zu mehr Anerkennung und Bezahlung verhelfen.<\/p>\n<p>Aber selbst in derselben Berufsgruppe gibt es strukturelle Unterschiede:<\/p>\n<p>Frauen arbeiten deutlich h\u00e4ufiger als M\u00e4nner in Teilzeit. Noch immer sind Familienaufgaben mehrheitlich Frauenaufgaben. Immerhin schenken ein Viertel der V\u00e4ter durchschnittlich ein Viertel Jahr ihren Kindern, Frauen bleiben dagegen fast alle zuhause, im Durchschnitt f\u00fcr ein Jahr.<\/p>\n<p>Die dauerhaft Teilzeit arbeitenden oder nicht erwerbst\u00e4tigen M\u00e4nner kann man dann schon mit der Lupe suchen. Sie stehen dann im Fokus und erhalten eine Anerkennung von Frau nur tr\u00e4umen kann.<\/p>\n<p>Ob Mann oder Frau: ein Aufstieg in Teilzeit ist ausgesprochen schwierig.<\/p>\n<p>Teilzeit und F\u00fchrung ist eine schwierige Angelegenheit und erfordert im Grunde eine ganz andere Arbeitswelt.<\/p>\n<p>Und so folgt der dritte strukturelle Grund f\u00fcr die Lohnungleichheit : Geringere Aufstiegschancen, Frauen in F\u00fchrungspositionen nehmen zu, aber es sind immer noch deutlich weniger als M\u00e4nner.<\/p>\n<p>Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein Punkt, m\u00e4nnlich gepr\u00e4gte Strukturen und Verb\u00fcnde ein anderer, Vielleicht liegt auch ein Grund darin, dass Frauen weniger daran liegt F\u00fchrungspositionen zu \u00fcbernehmen, wie z.B. Bascha Mika in ihrem Buch \u00fcber \u201edie Feigheit der Frauen\u201c es beschreibt.<\/p>\n<p>Vielleicht haben Frauen schlicht keine Lust, sich den Spielregeln des Karrierelebens zu unterwerfen. Spielregeln, die uralt und sehr m\u00e4nnlich gepr\u00e4gt sind. Spielregeln, die \u00fcbrigens auch in der Politik f\u00fcr Karriere gesetzt sind: Ellbogen raus, Freizeit und Familie ausschalten, laut sein und schon darfst Du dabei sein. Unabh\u00e4ngig vom Geschlecht.<\/p>\n<p>Man mag \u00fcber Ursachen spekulieren. Das Ergebnis bleibt das Gleiche. Frauen fehlen in den F\u00fchrungsetagen, wo sie gebraucht werden.<\/p>\n<p>Meine Damen und Herren,<\/p>\n<p>wir fordern eine gleiche Bezahlung f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen. Das macht insgesamt h\u00f6here Durchschnittsl\u00f6hne. In meinen Augen ist das keine Gefahr f\u00fcr die Arbeitgeber. Mit offenen Karten zu spielen \u2013 so wie wir Gr\u00fcne es gemeinsam mit SPD und SSW in unserem Antrag fordern &#8211; und Frauen und M\u00e4nner gleich gut zu bezahlen &#8211; das ist ein Aush\u00e4ngeschild f\u00fcr kluge Wirtschaftsbetriebe, liebe Kolleginnen und Kollegen. Es ist eine Chance sich als guter Arbeitgeber zu zeigen. Wer sich als fairer und weltoffener Arbeitgeber pr\u00e4sentiert, der hat die Nase vorn beim Rennen um die Fachkr\u00e4fte.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns hier trefflich dar\u00fcber streiten, welche Statistik die wahre ist. Wie hoch der Lohnunterschied zwischen M\u00e4nnern und Frauen ist.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns trefflich streiten, ob es die Schuld der Frauen ist, dass sie die falschen Berufe w\u00e4hlen, dass diese Berufe schlecht bezahlt werden, dass sie ihren Aufstieg und ihr Gehalt nicht durchsetzen k\u00f6nnen oder dass sie sich so gerne um die Familie k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns dar\u00fcber streiten, ob die Unternehmen schuld sind, ob die Politik schuld ist.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns dar\u00fcber streiten, ob Gesetze helfen oder auf Freiwilligkeit gesetzt werden sollte.<\/p>\n<p>Fakt ist und bleibt, die Erwerbsarbeit der Frau ist im Jahr 2015 immer noch weniger Wert als die von M\u00e4nnern und das ist nicht in Ordnung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dazu sagt die Fraktionsvorsitzende von\u00a0B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen,\u00a0Eka von Kalben:\u00a0Die Erwerbsarbeit der Frau ist im Jahr 2015 immer noch weniger Wert<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[16045],"class_list":["post-169097","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik-wirtschaft","tag-top-26-entgeltgleichheit-verwirklichen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/169097","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=169097"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/169097\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":169098,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/169097\/revisions\/169098"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=169097"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=169097"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=169097"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}