{"id":169107,"date":"2015-03-18T15:35:12","date_gmt":"2015-03-18T14:35:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=169107"},"modified":"2015-03-19T07:42:48","modified_gmt":"2015-03-19T06:42:48","slug":"katja-rathje-hoffmann-zu-top-26-spd-gruene-und-ssw-tun-in-schleswig-holstein-genau-das-was-sie-heute-kritisieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/katja-rathje-hoffmann-zu-top-26-spd-gruene-und-ssw-tun-in-schleswig-holstein-genau-das-was-sie-heute-kritisieren\/","title":{"rendered":"Katja Rathje-Hoffmann zu TOP 26: SPD, Gr\u00fcne und SSW tun in Schleswig-Holstein genau das, was sie heute kritisieren"},"content":{"rendered":"<p>M\u00e4nner und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat f\u00f6rdert die tats\u00e4chliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und M\u00e4nnern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin. GG Artikel 3, Absatz 1.<\/p>\n<p>In keinem anderen europ\u00e4ischen Land ist laut OECD-Statistik das Lohn- und Gehaltsgef\u00e4lle zwischen M\u00e4nnern und Frauen so gro\u00df wie in Deutschland. In der Bundesrepublik ist der durchschnittliche Bruttostundenlohn von Frauen um\u00a022 Prozent geringer als der von M\u00e4nnern. <!--more-->Dieses stellt das Statistische Bundesamt seit Jahren wiederholt fest. In Zahlen hei\u00dft das: Frauen erhalten pro Stunde im Schnitt 15,83 Euro brutto, M\u00e4nner erhalten dagegen 20,20 Euro.<\/p>\n<p>Die Differenz von 22 Prozent bedeutet in Euro und\u00a0Cent: 4,37 Euro weniger f\u00fcr jede Arbeitsstunde einer Frau. Umgerechnet auf das Arbeitsjahr bedeutet das, dass Frauen im Jahr 2015 bis zum 20.\u00a0M\u00e4rz umsonst arbeiten m\u00fcssen, um das gleiche Entgelt zu erzielen wie die M\u00e4nner am 31.12. des Vorjahres. Da lohnt es sich doch, diese Lohndifferenz genauer zu betrachten.<\/p>\n<p>Das renommierte Hamburger Weltwirtschaftsinstitut begr\u00fcndet einen Abzug von 15 Prozentpunkten von den besagten 22 Prozent damit, dass sich aus monet\u00e4rer Sicht Frauen viel zu h\u00e4ufig f\u00fcr einen sehr ehrenhaften, aber eher d\u00fcrftig bezahlten Sozialberuf entscheiden. Typische Frauent\u00e4tigkeiten werden schlechter bewertet.<\/p>\n<p>Eigentlich sollte man an dieser Stelle erwarten, dass sich die Landesregierung diesem Prinzip nicht anschlie\u00dft \u2013 wollen die regierungstragenden Fraktionen doch, dass die Landesregierung mit gutem Beispiel vorangeht. Doch stattdessen wird eine \u201etypische Frauent\u00e4tigkeit\u201c \u2013 ja, das ist die Grundschullehrerin mit 90 Prozent weiblichen Lehrkr\u00e4ften in Schleswig-Holstein immer noch \u2013 schlechter bezahlt. Sie wird faktisch schlechter gestellt!<\/p>\n<p>Und das ist von dieser Landesregierung bewusst so gewollt!<\/p>\n<p>K\u00fcnftig erhalten alle Gemeinschaftsschul- und Gymnasiallehrkr\u00e4fte eine Besoldung nach A13, w\u00e4hrend die Grundschullehrerinnen weiterhin nur eine Besoldung nach A12 erhalten. Dabei sind die Ausbildungszeiten und die Abschl\u00fcsse inzwischen gleich. Wie mit dieser Ungleichbehandlung jetzt auch noch mehr m\u00e4nnliche Lehrer in die Grundschule geholt werden sollen, das bleibt mir ein R\u00e4tsel!<br \/>\nIch kann nicht einerseits von anderen\u00a0Entgeltgleichheit fordern und andererseits genau das Gegenteil tun.<\/p>\n<p>Mit der ungleichen Besoldung der Lehrkr\u00e4fte tun sie aber genau das, was sie in ihrem Antrag kritisieren. Sie wollen dieser Ungleichbehandlung \u201emit allen Mittel\u201c entgegentreten. Hier ist Potenzial dazu. Es geht um ungef\u00e4hr 400 Euro pro Lehrerin pro Monat. Dass frauendominierte T\u00e4tigkeiten in sozialen Bereichen niedriger eingruppiert sind als in technischen Bereichen, das f\u00fchrt uns auch der Erste Gleichstellungsbericht der Bundesregierung klar vor Augen. Zudem wird ein gro\u00dfer Teil der Frauenarbeitspl\u00e4tze nicht von Tarifvertr\u00e4gen erreicht.<\/p>\n<p>Geschlechterunterschiede haben bei der Berufswahl eine Tradition \u2013 das mag man schlecht finden \u2013 es ist aber einfach noch so. Die Berufswahl ist noch jeder oder jedem selbst \u00fcberlassen. W\u00e4hrend M\u00e4nner h\u00e4ufig in technischen oder naturwissenschaftlichen Berufen besch\u00e4ftigt sind, f\u00e4llt die Berufswahl bei Frauen oft in den Bereich der Pflege, Sorge, Gesundheit und Bildung.<\/p>\n<p>Zudem spielt die Teilzeitbesch\u00e4ftigung bei Frauen, die sich auch immer noch in erster Linie mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auseinandersetzen m\u00fcssen, eine immer noch viel gr\u00f6\u00dfere Rolle. Die Teilzeitquote bei M\u00e4nnern liegt bei gerade mal 10 Prozent und bei den Frauen liegt sie bei 46 Prozent (Daten von 2013). Hier brauchen wir ein R\u00fcckkehrrecht nach befristeter Teilzeitarbeit zur fr\u00fcheren Arbeitszeit. Zudem muss der berufliche Wiedereinstieg gef\u00f6rdert werden. Nach der Bereinigung des 22 prozentigen Lohnunterschieds durch nicht vergleichbare Faktoren, bleibt es bei einer Lohndifferenz von circa 7 Prozent.<\/p>\n<p>Und auch das ist nicht zu akzeptieren.<\/p>\n<p>Eine weitere Ursache f\u00fcr diese\u00a0Entgeltungleichheit, neben den geringer bezahlten Berufsfeldern, sind die nicht ausreichenden Strukturen und fehlende Strukturver\u00e4nderungen f\u00fcr Frauen. An erster Stelle steht hier immer noch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wir stellen fest, dass der Bedarf an Ganztagsbetreuung im Bereich der Krippen-, der Elementarkinderbetreuung und auch bei der Betreuung von Schulkindern permanent steigt und immer wichtiger wird.<\/p>\n<p>Vorreiter sind hier die St\u00e4dte und der urbane Bereich. Wir wissen aber auch, dass diese Bedarfssteigerungen etwas zeitverz\u00f6gert auch im eher l\u00e4ndlichen Bereich so eintreten wird.<\/p>\n<p>Die Erwerbsquote von Frauen steigt kontinuierlich \u2013 und das ist auch gut so. Eine verl\u00e4ssliche Kinderbetreuung ist das A und O f\u00fcr die Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit von Frauen und M\u00e4nnern. In den allermeisten F\u00e4llen kommt diese positive Betreuungsentwicklung den Frauen zugute. Zur Wahrheit geh\u00f6rt nat\u00fcrlich auch, dass wir alle den Karrierekiller Nr. 1 kennen: Die Elternzeit \u2013 die zumeist von Frauen in Anspruch genommen wird.<\/p>\n<p>Seit der Einf\u00fchrung des Elterngeldes l\u00e4sst sich nun zudem aber auch erkennen, dass dieser Karriereknick auch M\u00e4nner bef\u00e4llt, die l\u00e4nger als zwei Monate ihr Kleinkind innerhalb der Elternzeit betreuen.<\/p>\n<p>Ab einer dreimonatigen Elternzeit bei V\u00e4tern, so hat es die Hans-B\u00f6ckler-Stiftung herausgefunden, kommt es auch bei V\u00e4tern zu Ansehens- und Einkommensverlusten und zudem zu schlechteren Aufstiegschancen. Jahrelang bekannte und gro\u00dfe Probleme von Frauen treffen nun auch auf die M\u00e4nner.<\/p>\n<p>Hinzu kommt noch ein weiterer struktureller Faktor, der sich negativ auf die Bezahlung\u00a0auswirkt: Es ist die Bewertung und die Wertung von Berufsfeldern. Wir brauchen mehr denn je eine geschlechtergerechtere Berufswahl. Hier m\u00fcssen wir, parallel zu den weiteren Ma\u00dfnahmen zur Entgeltgleichheit, auch dazu beitragen, die traditionelle Berufswahl von jungen Frauen und M\u00e4nnern zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Hierzu sind neben den Eltern auch vor allem die Schulen und die Berufs- und Studienberatungen gefordert, neue Wege zu gehen. Zudem muss auch hier vorher offen und ehrlich \u00fcber die anstehenden Verdienstm\u00f6glichkeiten geredet und informiert werden.<\/p>\n<p>Die Initiative, M\u00e4dchen f\u00fcr MINT Berufe zu begeistern und zu gewinnen, braucht eine viel deutlichere und wirkungsvollere Unterst\u00fctzung und Werbung. Noch immer sind die traditionellen Berufsziele in Deutschland viel ausgepr\u00e4gter als bei unseren europ\u00e4ischen Nachbarn.<\/p>\n<p>Lassen wir uns nicht t\u00e4uschen, auch ein\u00a0bereinigter Einkommensunterschied von 7 Prozent l\u00e4sst sich nicht \u00fcber Jahre wegdiskutieren, sondern dieser muss wirkungsvoll beseitigt werden.<\/p>\n<p>Der Koalitionsvertrag von CDU\/CSU und der SPD gibt hierzu ganz klare Vorgaben und Absichten. Bei der auf Bundesebene angek\u00fcndigten Gesetzesinitiative muss die Tarifautonomie unangetastet bleiben und der m\u00f6gliche b\u00fcrokratische Aufwand zur Durchf\u00fchrung der gerechten Entlohnung darf nicht zu einem \u00fcberbordenden B\u00fcrokratismus \u00e0 la Mindestlohngesetz nebst Dokumentationspflicht werden. Negative Erfahrungen aus anderen Gesetzen m\u00fcssen von vorne herein verhindert und unterbunden werden.<\/p>\n<p>Nun, wie soll das aussehen?<\/p>\n<p>Die Personalabteilungen von Unternehmen mit mehr als 500 Besch\u00e4ftigten, davon haben wir in Schleswig-Holstein genau 100 St\u00fcck, werden verpflichtet, \u00dcbersichten \u00fcber die Geh\u00e4lter im Unternehmen zu erstellen und Qualifizierungsmerkmale besser vergleichbar zu machen. Das hei\u00dft aber nicht, dass jetzt jeder das Recht hat, zu erfahren, was der Kollege oder die Kollegin von nebenan exakt verdient. Ich glaube, dass wir mit diesem Augenma\u00df an Offenheit erfolgreich sein werden.<\/p>\n<p>Vorreiter hier sollte hier der \u00d6ffentliche Dienst mit seiner nachvollziehbaren und transparenten Verg\u00fctungsstruktur sein. Bestehende Ungerechtigkeiten zwischen Frauen und M\u00e4nnern gef\u00e4hrden den sozialen Frieden. 99 Prozent der Frauen und 97 Prozent der M\u00e4nner fordern von einer chancengerechten Politik: Frauen sollen f\u00fcr gleiche oder gleichwertige Arbeit auch den gleichen Lohn wie M\u00e4nner bekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00e4nner und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat f\u00f6rdert die tats\u00e4chliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und M\u00e4nnern und wirkt auf<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[16050,16049,16051],"class_list":["post-169107","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik-wirtschaft","tag-gruene-und-ssw-tun-in-schleswig-holstein-genau-das","tag-katja-rathje-hoffmann-zu-top-26-spd","tag-was-sie-heute-kritisieren"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/169107","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=169107"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/169107\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":169187,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/169107\/revisions\/169187"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=169107"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=169107"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=169107"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}