{"id":171839,"date":"2015-04-14T10:29:25","date_gmt":"2015-04-14T08:29:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=171839"},"modified":"2015-04-14T10:29:25","modified_gmt":"2015-04-14T08:29:25","slug":"boko-haram-mordet-weiter-dramatische-entfuehrung-ist-nur-die-spitze-des-eisbergs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/boko-haram-mordet-weiter-dramatische-entfuehrung-ist-nur-die-spitze-des-eisbergs\/","title":{"rendered":"Boko Haram mordet weiter \/ dramatische Entf\u00fchrung ist nur die Spitze des Eisbergs"},"content":{"rendered":"<p>(Open Doors, Kelkheim) \u2013 Vor einem Jahr, am 14. April 2014, entf\u00fchrten Milizen der islamistischen Boko Haram im nigerianischen Chibok 252 M\u00e4dchen. 20 von ihnen konnten entkommen, die \u00fcbrigen gelten seither als verschollen. W\u00e4hrend die nigerianische Regierung zun\u00e4chst z\u00f6gerlich reagierte, l\u00f6ste das Ereignis weltweit starke Reaktionen besonders in den sozialen Medien aus (#BringBackOurGirls). Boko Haram hatte zwischenzeitlich in einem Bekennervideo angek\u00fcndigt, die M\u00e4dchen &#8222;auf dem Markt&#8220; verkaufen zu wollen.<!--more--><\/p>\n<p>Boko Haram: Kampf gegen die Christen und Allianz mit dem IS<\/p>\n<p>Nach bislang unbest\u00e4tigten Informationen k\u00f6nnten die entf\u00fchrten M\u00e4dchen unter den zahlreichen Toten sein, die in Massengr\u00e4bern nahe der Stadt Bama entdeckt wurden. Sie wurde Anfang M\u00e4rz von der Herrschaft der Terrormiliz befreit. Andere halte es f\u00fcr wahrscheinlich, dass die M\u00e4dchen inzwischen in Nachbarl\u00e4nder gebracht wurden. Sie stellten damals die gr\u00f6\u00dfte Gruppe dar, die jemals von Boko Haram entf\u00fchrt wurde.<br \/>\nAllerdings ver\u00fcbt die islamistische Miliz seit Jahren Anschl\u00e4ge gegen alles, was als &#8222;westlich&#8220; wahrgenommen wird. Dazu geh\u00f6ren in besonderem Ma\u00dfe Kirchen und Christen, die gezielt angegriffen, entf\u00fchrt oder vertrieben werden. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF ver\u00f6ffentlichte am 13.04. einen Bericht zu Nigeria, in dem von 1,5 Mio. Fl\u00fcchtlingen infolge von Boko Haram \u00dcbergriffen ist, darunter allein 800.000 Kinder. Ziel der islamistischen Gruppierung ist die Errichtung eines eigenst\u00e4ndigen islamischen Staates. Die Parallelen zu den Inhalten und Methoden des &#8222;Islamischen Staates&#8220; in Syrien und dem Irak sind offensichtlich. Im August 2014 rief Abubakar Shekau, Anf\u00fchrer der Terrormiliz, ein islamisches Kalifat im Nordosten Nigerias aus. Anfang M\u00e4rz schloss sich Boko Haram offiziell dem IS an, f\u00fcr die Bewohner von Nigerias Norden eine weitere schlechte Nachricht.<\/p>\n<p>Religion f\u00fcr Machtstreben instrumentalisiert, von Medien fast unbemerkt<\/p>\n<p>Die Ungewissheit \u00fcber das Schicksal der eigenen Kinder in den H\u00e4nden einer brutalen Terrormiliz stellt f\u00fcr viele der Eltern eine schier unertr\u00e4gliche Last dar. Vollmundige Versprechen von Vertretern des Milit\u00e4rs und der mittlerweile abgew\u00e4hlten Regierung, internationale Hilfsbem\u00fchungen, Verhandlungen mit Boko Haram Vertretern \u2013 all das ist bislang ohne Ergebnis geblieben. Stattdessen stehen immer wieder Verwicklungen von Milit\u00e4r und Politik im Raum, ohne die die zahlreichen Erfolge der Miliz kaum denkbar scheinen. Hinzu kommt bei vielen von der Gewalt betroffenen Christen das Gef\u00fchl, von der Welt\u00f6ffentlichkeit alleine gelassen zu sein. W\u00e4hrend sich die Medien wieder anderen Themen zugewendet haben, setzen neben Boko Haram auch Viehhirten vom Fulani Stamm ihre Angriffe auf christliche D\u00f6rfer und Kirchen fort. Die regelm\u00e4\u00dfigen, oft t\u00f6dlichen \u00dcberf\u00e4lle zerm\u00fcrben die christliche Bev\u00f6lkerung und haben dazu gef\u00fchrt, dass immer mehr Christen aus den betroffenen Gebieten abwandern.<br \/>\nEine neue Studie des Informationsdienstes World Watch Monitor st\u00e4rkt die These, dass dem andauernden Kampf gegen die Christen ein klares Machtkalk\u00fcl zugrundliegt. Dabei werden Altlasten aus der Kolonialzeit, politische Ziele sowie religi\u00f6se Pr\u00e4gungen f\u00fcr das Ziel instrumentalisiert, Nord- und Zentralnigeria vollst\u00e4ndig unter muslimische Herrschaft zu bringen.<\/p>\n<p>Christen trotzen der Bedrohung<\/p>\n<p>Bei seinem Kondolenzbesuch in Paris anl\u00e4sslich des Attentats auf die Zeitung Charlie Hebdo Anfang des Jahres klagte Ignatius Kaigama, Erzbischof der zentralnigerianischen Stadt Jos: &#8222;Bei uns spielt sich eine monumentale Trag\u00f6die ab, bei der wir auf die Unterst\u00fctzung der internationalen Gemeinschaft angewiesen sind. Was wir hier in Paris [an Solidarit\u00e4t mit den Opfern] erleben, w\u00fcnsche ich mir auch [im Hinblick auf die Terrorakte] in Nigeria, dem Niger oder Kamerun!&#8220;<br \/>\nMit Erstaunen registrieren Beobachter, dass \u2013 anders als etwa im Irak \u2013 trotzdem eine betr\u00e4chtliche Zahl von Christen im Einflussbereich der Islamisten wohnen bleibt. Gemeinden feiern trotz der Bedrohung weiter Gottesdienste, Christen harren aus und verweisen dabei auf ihr Vorbild Jesus. &#8222;Wir sind jederzeit bereit dazu, jeden Preis f\u00fcr unseren Glauben zu bezahlen&#8220;, \u00e4u\u00dferte ein Pastor kurz nachdem seine Kirche niedergebrannt wurde.<\/p>\n<p>Open Doors ruft die Christen weltweit zum Gebet f\u00fcr die vielen entf\u00fchrten Kindern und Frauen auf, au\u00dferdem auch zum Gebet f\u00fcr die Christen im Norden Nigerias, dass sie weiter das Evangelium des Friedens gegen alle Gewalt setzen. Das \u00fcberkonfessionelle Hilfswerk ist seit vielen Jahren in Nigeria t\u00e4tig, um den verfolgten Christen durch Schulungen, Nothilfema\u00dfnahmen, Traumabegleitung und Hilfe zur Selbsthilfe beizustehen.<br \/>\nAuf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors sticht Nigeria durch die h\u00f6chste vergebene Wertung im Bereich &#8222;Gewalt gegen Christen&#8220; hervor. In der Gesamtwertung belegt es Rang 10 unter allen L\u00e4ndern, in denen weltweit Christen verfolgt werden.<\/p>\n<p>Quellen: World Watch Monitor, Reuters, Open Doors<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Open Doors, Kelkheim) \u2013 Vor einem Jahr, am 14. 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