{"id":1722,"date":"2005-10-24T15:29:10","date_gmt":"2005-10-24T15:29:10","guid":{"rendered":"http:\/\/testserver\/wordpress\/?p=1622"},"modified":"2005-10-24T15:29:10","modified_gmt":"2005-10-24T15:29:10","slug":"entwarnung_zucker_muss_nicht_in_den_giftschrank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/entwarnung_zucker_muss_nicht_in_den_giftschrank\/","title":{"rendered":"Entwarnung: Zucker muss nicht in den Giftschrank"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" title=\"Ernaehrungsm\" src=\"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/images\/topics\/Ernaehrungsm.jpg\" alt=\"Ernaehrungsm\" \/><br \/>\nInterview von Elisabeth Warzecha, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Gesellschaft f\u00fcr Ern\u00e4hrungsmedizin und Di\u00e4tetik e.V. zum neuen Ratgeber &#8222;Moderne Ern\u00e4hrungsm\u00e4rchen&#8220; mit der Autorin Doreen Nothmann, Ern\u00e4hrungswissenschaftlerin.<\/p>\n<p>Elisabeth Warzecha: Sie erregen mit Ihrem neuen Ratgeber &#8222;Moderne Ern\u00e4hrungsm\u00e4rchen&#8220; viel Aufsehen, weil Sie erstmalig unter anderem behaupten, dass Oliven\u00f6l nicht das ges\u00fcndeste \u00d6l der Welt ist. Butter und Margarine soll ja auch schlecht sein. Gibt es gar keine gesunden Fette mehr?<\/p>\n<p>Doreen Nothmann: Zun\u00e4chst muss ich betonen, dass weder Butter noch Margarine ungesund sind. Sicher w\u00fcrde ich einem ohnehin schon \u00fcbergewichtigen Menschen zu einem moderaten Fettkonsum raten. <!--more-->Aber der extreme Slogan &#8211; Finger weg vom Fett &#8211; kann und sollte sogar nie wirklich durchgesetzt werden. Der K\u00f6rper ist eben nicht nur auf die Kohlenhydrate und Eiwei\u00dfe, sondern auch auf Fette angewiesen. Es gibt f\u00fcr den Organismus unentbehrliche Fetts\u00e4uren, die wir nur \u00fcber unser Essen aufnehmen k\u00f6nnen. Sie schreien uns nicht nur von Margarine-Packungen sondern auch beim B\u00e4cker zu: Omega-3-Fetts\u00e4uren. Und nun komme ich zur\u00fcck zum Oliven\u00f6l, denn dieses ist eher arm an Omega-3-Fetts\u00e4uren. \u00dcbrigens ist Oliven\u00f6l auch nicht gerade billig. Es gibt andere \u00d6le, deren Zusammensetzung einfach ges\u00fcnder ist und die zus\u00e4tzlich den Geldbeutel entlasten, wie zum Beispiel das Raps\u00f6l. Oliven\u00f6l ist reich an ges\u00e4ttigten Fetts\u00e4uren &#8211; und die sind nun wirklich nicht besonders gesundheitsf\u00f6rderlich. In Butter haben Wissenschaftler in der j\u00fcngeren Vergangenheit \u00fcbrigens eine m\u00f6gliche Wunderessenz gefunden: die konjugierte Linols\u00e4ure (CLA). Sie k\u00f6nnte sogar eine Krebs vorbeugende Wirkung haben. Und die Margarinen der heutigen Zeit, sind l\u00e4ngst keine trans-Fetts\u00e4ure-reichen Arteriosklerose-Monster mehr. Die Produzenten von Streichfetten haben bei der Entwicklung neuer Produkte die menschliche Gesundheit im Blick. Manche Produkte werden sogar mit Vitaminen, Mineralstoffen oder aber mit sekund\u00e4ren Pflanzenstoffen angereichert, die nachweislich die Blutfettwerte senken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Elisabeth Warzecha: Nun gut, Fette sind also nicht so b\u00f6se, was ist denn mit Zucker, dem zweiten gro\u00dfen Todbringer, den wir jeden Tag in uns reinstopfen.<\/p>\n<p>Doreen Nothmann: Das mag unglaubw\u00fcrdig klingen, aber ich w\u00fcrde nicht vom Genuss von S\u00fc\u00dfspeisen abraten. Zucker ist nicht nur NICHT ungesund, wie oft behauptet, sondern so eine Art &#8222;Gl\u00fccksbringer&#8220;. Die Entstehung des Gl\u00fcckshormons Serotonin h\u00e4ngt unmittelbar mit dem Zucker, den wir normalerweise nur \u00fcber die Nahrung aufnehmen, zusammen. Schlie\u00dflich k\u00f6nnen wir Glucose nicht selbst produzieren, wir haben bedauerlicherweise recht wenig Chlorophyll in unserem K\u00f6rper und sind optisch betrachtet im gesundenZustand nicht besonders gr\u00fcn.<\/p>\n<p>Elisabeth Warzecha: Sie k\u00f6nnen doch aber nicht behaupten, dass Karies nichts mit S\u00fc\u00dfigkeiten zu tun hat?<\/p>\n<p>Doreen Nothmann: Jein. Karies ist eine Infektionskrankheit. Sie ist hochgradig ansteckend und wird bisher nicht mit Antibiotika behandelt. Angenommen eine junge Mutter hat Karies. Ihr Baby wirft seinen Schnuller weg und die Mutter hat  kein Wasser zur Hand, um den Nuckel abzusp\u00fclen. Die Mutter reinigt den Schnuller, indem sie es selbst in den Mund nimmt und gibt ihn dann dem Baby. Und schon tummeln sich die m\u00fctterlichen Karieserreger im Mund des Nachwuchses. So oder so \u00e4hnlich bekommen die meisten Menschen die so genannten Staphylokokken und Laktobazillen in den Mund gelegt. Richtig ist, dass sich diese haupts\u00e4chlich von Glucose, einem Bestandteil des Haushaltszuckers (Saccharose), ern\u00e4hren. Aber dieser Stoff ist in viel gr\u00f6\u00dferer Dichte in St\u00e4rkeprodukten enthalten. Man wei\u00df heute, dass Kartoffelchips mitunter gef\u00e4hrlicher sein k\u00f6nnen, als Zucker. Es gibt zwei Prozesse, die st\u00e4ndig im Mund ablaufen: die Entmineralisierung und Mineralisierung der Z\u00e4hne. Im Optimalfall befinden sich beide im Gleichgewicht. Essentiell daf\u00fcr, dass unsere Z\u00e4hne stark und fest bleiben, ist eine angemessene Zufuhr von Kalzium und vor allem Fluorid. Fluorid ist dabei oft der begrenzende Faktor. Wer nicht oft genug seine Z\u00e4hne mit fluoridierter Zahncreme putzt, kann schnell am eigenen Zahn &#8222;Entzugserscheinungen&#8220; sp\u00fcren. Mittlerweile gibt es sogar mit Fluorid angereichertes Salz. Das empfehle ich besonders in diesem Zusammenhang.<\/p>\n<p>Elisabeth Warzecha: Also m\u00fcssen wir den Zuckern nicht mehr in den Giftschrank sperren?<\/p>\n<p>Doreen Nothmann: Nein, bitte nicht. Auch andere Erkrankungen wie Osteoporose oder Diabetes haben mit dem Zucker im Essen direkt nichts zu tun. Bei den so genannten &#8222;Altersdiabetikern&#8220; ist h\u00e4ufig das hohe Gewicht das Z\u00fcnglein an der Waage.<\/p>\n<p>Elisabeth Warzecha: In Ihrem Buch &#8222;Moderne Ern\u00e4hrungsm\u00e4rchen&#8220; machen Sie einen Di\u00e4tencheck. Vielleicht k\u00f6nnen Sie schon verraten, was die besonders effektive und lang anhaltende Di\u00e4t schlechthin ist.<\/p>\n<p>Doreen Nothmann: Ganz einfach: nie dick werden, sich ausgewogen und abwechslungsreich ern\u00e4hren und ein gesundes Ma\u00df an Bewegung.<\/p>\n<p>Elisabeth Warzecha: Und wenn ich doch zu dick werden sollte und das Fett weg<br \/>\nkriegen will?<\/p>\n<p>Doreen Nothmann: Letzten Endes muss jeder versuchen, seinen eigenen Weg zur Traumfigur zu finden. Von bestimmten einseitigen Radikaldi\u00e4ten muss ich allerdings dringlichst abraten. Wenn der Nahrungsplan \u00fcber Wochen hinweg ausschlie\u00dflich aus Ananas oder einer gehaltlosen Suppen besteht, ist relativ schnell eine Mangelern\u00e4hrung vorprogrammiert. Auch vor dem radikalen Fasten muss ich warnen, denn es kann t\u00f6dlich enden und sch\u00e4digt den Stoffwechsel. Nat\u00fcrlich ist die ges\u00fcndeste Art und Weise abzunehmen, ganz einfache Regeln zu befolgen, wie beispielsweise die 5-am-Tag-Regel. Wenn man f\u00fcnf mal am Tag Gem\u00fcse und Obst isst, kommt man wom\u00f6glich gar nicht erst in die Versuchung, kalorienreiche Lebensmittel zu essen. Doch den meisten Menschen ist der Weg einer Ern\u00e4hrungsumstellung und des damit verbundenen langsamen Gewichtsverlustes zu m\u00fchselig. Daher w\u00fcrde ich f\u00fcr eine \u00dcbergangsphase von proteinmodifiziertem Fasten nicht abraten.<\/p>\n<p>Elisabeth Warzecha: Aber woran erkennt man eine gute Di\u00e4t?<\/p>\n<p>Doreen Nothmann: Das Wort Di\u00e4t bedeutet ja nicht &#8222;qualvolles Abnehmen mit langweiligen Lebensmittel&#8220;, wie viele Menschen es oft denken. Es kommt von dem griechischen Wort DIAITA, das so viel wie gesunde Lebensf\u00fchrung hei\u00dft. Eine gute Di\u00e4t st\u00fctzt sich also meiner Meinung nach nicht nur auf eine dauerhafte Umstellung der Ern\u00e4hrung, sondern auch auf eine \u00c4nderung der Lebensgewohnheiten. Ich denke da an Bewegung und Sport. F\u00fcr die &#8222;schwersten&#8220; H\u00e4rtef\u00e4lle wird ein schwei\u00dftreibendes Fitnessprogramm ein abschreckender Faktor sein, aber langsam immer l\u00e4nger werden Spazierg\u00e4nge sind oft ein guter Anfang. Auch Verbote halte ich f\u00fcr einen St\u00f6rfaktor bei einer Di\u00e4t. Sie wecken nur unsere &#8222;kriminellen Energien&#8220; und machen noch mehr Lust auf das zu entbehrende.<\/p>\n<p>Elisabeth Warzecha: Ich habe in Ihrem Ratgeber &#8222;Moderne Ern\u00e4hrungsm\u00e4rchen&#8220; gelesen, dass das t\u00e4gliche Glas Rotwein nun auch nicht mehr gut sein soll.<\/p>\n<p>Doreen Nothmann: Diese herrlichen Studien mit dem gesunden Rotwein sind extrem rar und wirklich nur bei ganz ausgew\u00e4hlten Sorten nachvollziehbar. Auch wenn er angeblich in kleinen Mengen nicht schadet, Alkohol ist und bleibt eine Substanz, die gef\u00e4hrliche Nebenwirkungen hat und s\u00fcchtig machen kann. Schon allein deshalb rate ich von einer Empfehlung f\u00fcr Alkohol &#8211; auch in Form von Rotwein &#8211; dringend ab! Alkohol ist ein s\u00fcchtig machender Giftstoff und kein Gesundbrunnen!<\/p>\n<p>Elisabeth Warzecha: Also Rotwein nein, Zucker und Fett ja?<\/p>\n<p>Doreen Nothmann: Wissen Sie, es gibt keine gesunden oder ungesunden Lebensmittel. In der richtigen Menge und Mischung ist praktisch alles vertretbar &#8211; also gesund.<\/p>\n<p>Elisabeth Warzecha: Und wie esse ich jetzt insgesamt richtig?<\/p>\n<p>Doreen Nothmann: Lesen Sie den Ratgeber &#8222;Moderne Ern\u00e4hrungsm\u00e4rchen&#8220;, denn die Autoren haben es sich nicht nehmen lassen, im Buch Tipps und Regeln f\u00fcr eine gesunde Ern\u00e4hrungsweise zu vermitteln.<\/p>\n<p>Elisabeth Warzecha: Vielen Dank f\u00fcr die interessanten Zusatzinformationen. Das Buch &#8222;Moderne Ern\u00e4hrungsm\u00e4rchen&#8220; von Prof. Dr. Michael Voigt, Sven-David M\u00fcller und Doreen Nothmann ist bei der Schl\u00fcterschen Verlagsgesellschaft erschienen und kostet 12,90 Euro.<\/p>\n<p>\n&#8222;Moderne Ern\u00e4hrungsm\u00e4rchen&#8220; bei<br \/>\nMaren Rheinl\u00e4nder<br \/>\nSchl\u00fctersche Verlagsgesellschaft mbH &#038; Co. KG<br \/>\nHans-B\u00f6ckler-Allee 7<br \/>\n30173 Hannover<\/p>\n<p>Telefon 0511 8550-2537<br \/>\nTelefax 0511 8550-2408<br \/>\nrheinlaender@schluetersche.de<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;-<br \/>\nDie Gesellschaft f\u00fcr Ern\u00e4hrungsmedizin und Di\u00e4tetik e. V.<br \/>\nMariahilfstr. 9, 52062 Aachen<br \/>\nTel.: 0900 &#8211; 1499149<br \/>\nFax: 0241 &#8211; 96 10 322<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview von Elisabeth Warzecha, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Gesellschaft f\u00fcr Ern\u00e4hrungsmedizin und Di\u00e4tetik e.V. zum neuen Ratgeber &#8222;Moderne Ern\u00e4hrungsm\u00e4rchen&#8220; mit<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-1722","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rezensionen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1722","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1722"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1722\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1722"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1722"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1722"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}