{"id":173610,"date":"2015-04-28T15:38:54","date_gmt":"2015-04-28T13:38:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=173610"},"modified":"2015-04-28T15:45:55","modified_gmt":"2015-04-28T13:45:55","slug":"man-kann-immer-umkehren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/man-kann-immer-umkehren\/","title":{"rendered":"\u201eMan kann immer umkehren\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong><em><a href=\"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Lutherkirche_Ausstellung_der_L\u00fcbecker_M\u00e4rtyrer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-173611\" src=\"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Lutherkirche_Ausstellung_der_L\u00fcbecker_M\u00e4rtyrer.jpg\" alt=\"Lutherkirche_Ausstellung_der_L\u00fcbecker_M\u00e4rtyrer\" width=\"378\" height=\"253\" srcset=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Lutherkirche_Ausstellung_der_L\u00fcbecker_M\u00e4rtyrer.jpg 550w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Lutherkirche_Ausstellung_der_L\u00fcbecker_M\u00e4rtyrer-320x214.jpg 320w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Lutherkirche_Ausstellung_der_L\u00fcbecker_M\u00e4rtyrer-508x340.jpg 508w\" sizes=\"auto, (max-width: 378px) 100vw, 378px\" \/><\/a><\/em><\/strong><strong><em>In der Lutherkirche erz\u00e4hlt die Ausstellung \u201e\u2026 ich kann dich sehen.\u201c vom Schicksal der L\u00fcbecker M\u00e4rtyrer, die in der NS-Zeit \u00f6kumenischen Widerstand geleistet haben, und informiert zugleich \u00fcber die Beziehung zwischen Kirche und Nationalsozialismus. <\/em><\/strong><!--more--><strong><em>Die Gedenkst\u00e4ttenarbeit wird seit diesem Jahr von der Nordkirche, der B\u00fcrgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkst\u00e4tten und dem Kirchenkreis L\u00fcbeck-Lauenburg gef\u00f6rdert. Mit Dr. Karen Meyer-Rebentisch ist nun eine Projektleiterin eingestellt, die hauptamtlich f\u00fcr die Ausstellung t\u00e4tig ist: Ab sofort mit festen \u00d6ffnungszeiten und neuem Programm rund um die Bildungsarbeit.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Kirche, das hei\u00dft also die Gemeinschaft der Christen, hat den Auftrag, den Ausgegrenzten, den Machtlosen und den Verfolgten beizustehen\u201c, erl\u00e4utert Pr\u00f6pstin Petra Kallies. \u201eDiesem Auftrag Jesu sind die Kirchen, die evangelische noch weniger als die katholische, w\u00e4hrend der Naziherrschaft nicht nachgekommen. Nur wenige Kirchenvertreter und Gemeindemitglieder hatten den Mut zum Widerstand. Mehr noch, viele Christen haben die Nazis insgeheim oder offen unterst\u00fctzt. Einer von ihnen war Pastor Karl Friedrich Stellbrink, der seinen Dienst an der Lutherkirche als \u00fcberzeugter Nazi begonnen hatte, aber sp\u00e4ter, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck, seinen Irrtum erkannte und zun\u00e4chst im Verborgenen, am Ende auch \u00f6ffentlich gegen die NS-Ideologie Stellung bezog.\u201c Pr\u00f6pstin Kallies hebt in diesem Zusammenhang hervor: \u201ePastor Stellbrink ist f\u00fcr mich darin ein gutes Beispiel, dass es niemals zu sp\u00e4t ist, einen eingeschlagenen Weg zu verlassen, wenn man ihn als falsch erkennt. Man kann immer umkehren.\u201c<\/p>\n<p>Stellbrinks Wirkungsst\u00e4tte, die L\u00fcbecker Lutherkirche, ist als ein NS-Vorzeige-Kirchenbau errichtet worden und weist typische Z\u00fcge der Architektur jener Zeit auf: \u201eDas gr\u00f6\u00dfte Ausstellungsexponat ist die Kirche selbst\u201c, sagt Gemeindepastor Thorsten Rose.1937 erbaut, steht die Lutherkirche seit 1993 unter Denkmalschutz und ist heute eine Gedenkst\u00e4tte in der Nordkirche. Sie beherbergt seit November letzten Jahres auf ihrer Empore die Ausstellung \u201e\u2026 ich kann dich sehen.\u201c \u00fcber \u00f6kumenischen Widerstand, Freundschaft und Ermutigung der vier L\u00fcbecker M\u00e4rtyrer. Sie ist auch Bestattungsort des von den Nationalsozialisten hingerichteten damaligen Gemeindepastors der Lutherkirche Karl Friedrich Stellbrink.<\/p>\n<p>Seit M\u00e4rz 2015 arbeitet die Historikerin Dr. Karen Meyer-Rebentisch hauptamtlich f\u00fcr die Gedenkst\u00e4tte. \u201eIn ihrem Widerstand gegen das NS-Regime haben die vier Geistlichen konfessionelle Schranken \u00fcberwunden zu einer Zeit, als dies noch weitaus schwieriger war als heute\u201c, sagt die Historikerin und nimmt das als einen Auftrag, \u00f6kumenisch zu gedenken, und sich nicht auseinanderdividieren zu lassen, wenn es darum gehe, gegen Ausgrenzung und Unmenschlichkeit das Wort zu erheben. \u201eDeshalb strebe ich eine enge Kooperation mit der katholischen Gedenkst\u00e4tte L\u00fcbecker M\u00e4rtyrer an\u201c, so Dr. Meyer-Rebentisch. In diesen Tagen komme ein gemeinsam gestalteter Flyer aus der Druckerei und auch bei der Arbeit mit Jugendlichen und Schulen seien gemeinsame Aktivit\u00e4ten geplant.<\/p>\n<p>Auch Pr\u00f6pstin Kallies nimmt ausdr\u00fccklich Bezug auf den Aspekt des \u00f6kumenischen Widerstands: \u201eDas Besondere an dieser Gedenkst\u00e4tte ist, dass Pastor Stellbrink zwar in seiner eigenen Kirche isoliert war, jedoch in den drei Kapl\u00e4nen der Herz Jesu Kirche Br\u00fcder im Geist gefunden hatte. Gemeinsam haben sie sich ausgetauscht, gemeinsam waren sie in Haft, gemeinsam wurden sie ermordet.\u201c Diese \u201c\u00d6kumene im Widerstand\u201c von evangelischen und katholischen Christen sei eine Verpflichtung f\u00fcr die Zukunft, sagt Pr\u00f6pstin Kallies und erg\u00e4nzt: \u201eDaher ist es uns wichtig, die beiden Ausstellungen in L\u00fcbeck mit je eigenen Akzentsetzungen zu verkn\u00fcpfen. Und selbstverst\u00e4ndlich arbeiten wir auch weiterhin intensiv an einer gemeinsamen Erinnerungs- und Gottesdienstform f\u00fcr das M\u00e4rtyrergedenken.\u201c<\/p>\n<p>Nach den Worten von Pr\u00f6pstin Kallies unterst\u00fctzt der Kirchenkreis L\u00fcbeck-Lauenburg das Anliegen der Luther-Melanchthon Gemeinde, sich mit diesem geschichtlichen Erbe intensiv zu besch\u00e4ftigen, Material f\u00fcr die Aufarbeitung zur Verf\u00fcgung zu stellen und mit geeigneten Veranstaltungen dazu beizutragen, zu verstehen, was damals geschehen ist, um daraus f\u00fcr die Zukunft zu lernen. Sie sagt: \u201eDie Luther-Melanchthon Gemeinde nimmt diese Aufgabe stellvertretend f\u00fcr den Kirchenkreis wahr; angebunden an diesen besonderen Ort Lutherkirche.\u201c<\/p>\n<p>Das Anliegen der B\u00fcrgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkst\u00e4tten ist es, Einrichtungen des Gedenkens an den nationalsozialistischen Terror zu f\u00f6rdern und f\u00fcr Aufkl\u00e4rung zu sorgen. Dr. Harald Schmid von der B\u00fcrgerstiftung sagt: \u201eDer Widerstand gegen das totalit\u00e4re NS-Regime war selten, noch seltener der \u00fcberkonfessionelle Widerstand, wie er sich bei den vier \u201eL\u00fcbecker M\u00e4rtyrern\u201c zeigte. Daran mit einer zeitgem\u00e4\u00dfen Ausstellung und einer kritischen, auch die Gegenwart einbeziehenden Bildungsarbeit zu erinnern, ist aus der Sicht der Stiftung sehr f\u00f6rderw\u00fcrdig. Zumal es in Schleswig-Holstein kaum Erinnerungsorte f\u00fcr den antinationalsozialistischen Widerstand gibt.\u201c Zudem sei eine solche, auch selbstkritische Erinnerungsarbeit just mit Blick auch auf die Geschichte der Lutherkirche unterst\u00fctzenswert, weil diese doch zeitweise die Hochburg der nationalsozialistischen \u201eDeutschen Christen\u201c in L\u00fcbeck gewesen sei. In diesem Sinne sei die 2002 gegr\u00fcndete B\u00fcrgerstiftung nachhaltig daran interessiert, an diesem Ort eine lebendige und kritische Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und Widerstand gegen diesen zu f\u00f6rdern. Das Ziel der Stiftung sei es unter anderem Toleranz und gegenseitige Achtung unter den Menschen zu f\u00f6rdern, sowie Verst\u00e4ndnis und pers\u00f6nlichen Einsatz f\u00fcr den freiheitlichen, demokratischen Rechtsstaat zu st\u00e4rken und das Bewusstsein f\u00fcr politische Verantwortung zu entwickeln und zu vertiefen.<\/p>\n<p>Bereits 2014 hat die B\u00fcrgerstiftung die Entwicklung der neuen Dauerausstellung gef\u00f6rdert. Auch das daran anschlie\u00dfende Vorhaben, an der Lutherkirche nun auch eine professionelle und systematische Bildungsarbeit aufzubauen, unterst\u00fctzt die Stiftung mit 10.000 Euro. \u201eWir f\u00f6rdern mit unseren bescheidenen Mitteln damit einen f\u00fcr Schleswig-Holstein, aber auch f\u00fcr Deutschland insgesamt besonderen Erinnerungsort\u201c, sagt Dr. Schmid.<\/p>\n<p>In diesem Sinne arbeitet die neue Projektleiterin der Gedenkst\u00e4tte, Karen Meyer-Rebentisch, derzeit an der Entwicklung verschiedener zielgruppengerechter Arbeitsmaterialien unter anderem f\u00fcr Schulklassen und Jugendliche. \u201eWir suchen auch dringend noch Ehrenamtliche, die bereit sind, beim Betrieb der Gedenkst\u00e4tte mitzuhelfen. Die Gedenkst\u00e4tte braucht engagierte Menschen, die stundenweise Aufsicht w\u00e4hrend der \u00d6ffnungszeiten der Kirche f\u00fchren und\/oder F\u00fchrungen f\u00fcr Gruppen anbieten. \u201eInteressierte bekommen von uns schriftliches Info-Material und k\u00f6nnen in drei Workshops ihr Wissen vertiefen\u201c, so Dr. Meyer-Rebentisch. \u201eAu\u00dferdem baue ich gerade eine Pr\u00e4senzbibliothek auf, in der Literatur zum Thema eingesehen werden kann.\u201c<\/p>\n<p>Das in der Ausstellung Erz\u00e4hlte sei nicht nur binnenkirchlich, sondern auch geschichtlich und gesellschaftlich relevant. Diese Ansicht \u00e4u\u00dfert Lutherpastorin Constanze Oldendorf. Sie stellt fest: \u201eBereits in den ersten Monaten seit der \u00d6ffnung unserer neu konzipierten Ausstellung<\/p>\n<p>nehmen wir ein gro\u00dfes Interesse von unterschiedlichsten Gruppen wahr, die sich bei uns anmelden. Die Bandbreite ist gro\u00df. Alle Generationen sind vertreten und alle Konfessionen. Damit erf\u00fcllt sich, was wir uns f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Arbeit w\u00fcnschen und worauf wir uns mit unterschiedlichen Angeboten auch einstellen. Konfirmanden haben einen anderen Blick auf die Geschichte als Abiturienten, und wiederum sehen 50j\u00e4hrige anders auf das Thema als 80j\u00e4hrige\u201c, so Pastorin Oldendorf. \u201eEine gro\u00dfe Chance liegt nat\u00fcrlich in der Begegnung der Generationen, die wir hier gerne f\u00f6rdern m\u00f6chten. Der Diskurs, der gerade bei Gruppen entsteht, miteinander ins Gespr\u00e4ch zu kommen und das Gestern mit dem Heute in Verbindung zu bringen, ist f\u00fcr uns spannend und ein gro\u00dfes Anliegen unserer Arbeit.\u201c<\/p>\n<p>Ab sofort ist die Gedenkst\u00e4tte am Mittwoch und am Freitag sowie an jedem ersten Samstag im Monat von 14-16 Uhr ge\u00f6ffnet. An den Samstagen findet jeweils um 14.30 Uhr eine F\u00fchrung statt. Wer sich ehrenamtlich engagieren m\u00f6chte oder sich f\u00fcr die kostenfreien Workshops interessiert, die im Laufe des Sommers stattfinden, kann sich im Kirchenb\u00fcro (Telefon 0451 \/ 2 03 47 98) oder bei Projektleiterin Dr. Karen Meyer-Rebentisch (Telefon 0451 \/ 49 05 78 00) anmelden. Aktuelle Informationen und Termine gibt es im Internet unter www.gedenkstaette-lutherkirche.de.<\/p>\n<p><u>Hintergrund:<\/u> Am 10. November 1943 wurden der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink und die katholischen Kapl\u00e4ne Johannes Prassek, Hermann Lange und Eduard M\u00fcller nach einem Todesurteil der nationalsozialistischen Willk\u00fcr-Justiz hingerichtet. Die vier L\u00fcbecker Geistlichen gaben in der dunklen Zeit ein einzigartiges Beispiel f\u00fcr einen christlich \u00f6kumenischen Widerstand gegen Terror und Unterdr\u00fcckung. In der L\u00fcbecker Gedenkst\u00e4tte Lutherkirche l\u00e4sst die Ausstellung \u201e\u2026ich kann dich sehen.\u201c die Vergangenheit lebendig werden. Daneben findet sich aber auch eine Einladung zum Diskurs \u00fcber heutige Ereignisse, die gegenseitige Achtung und Toleranz einfordern. Seit M\u00e4rz 2015 ist mit der Historikerin Dr. Karen Meyer-Rebentisch eine hauptamtliche Projektleiterin f\u00fcr die Arbeit der Gedenkst\u00e4tte t\u00e4tig.<\/p>\n<p><em>Bildunterschrift: Pr\u00f6pstin Petra Kallies (v.l.), Pastorin Constanze Oldendorf, Dr. Harald Schmid, Pastor Thorsten Rose und Dr. Karen Meyer-Rebentisch in der Ausstellung \u201e\u2026 ich kann dich sehen.\u201c in der Gedenkst\u00e4tte Lutherkirche<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Lutherkirche erz\u00e4hlt die Ausstellung \u201e\u2026 ich kann dich sehen.\u201c vom Schicksal der L\u00fcbecker M\u00e4rtyrer, die in der NS-Zeit<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":173611,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[13],"tags":[16463],"class_list":["post-173610","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-veranstaltungen","tag-man-kann-immer-umkehren"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/173610","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=173610"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/173610\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":173612,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/173610\/revisions\/173612"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/173611"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=173610"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=173610"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=173610"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}