{"id":174297,"date":"2015-05-04T08:53:21","date_gmt":"2015-05-04T06:53:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=174297"},"modified":"2015-05-05T08:54:36","modified_gmt":"2015-05-05T06:54:36","slug":"transparenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/transparenz\/","title":{"rendered":"Transparenz\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Foto_2015_28_04_St_Petri_Camouflage-Transparenz.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-174298\" src=\"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Foto_2015_28_04_St_Petri_Camouflage-Transparenz-216x216.jpg\" alt=\"Foto_2015_28_04_St_Petri_Camouflage + Transparenz\" width=\"216\" height=\"216\" srcset=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Foto_2015_28_04_St_Petri_Camouflage-Transparenz-216x216.jpg 216w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Foto_2015_28_04_St_Petri_Camouflage-Transparenz-100x100.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 216px) 100vw, 216px\" \/><\/a>Afghanistan, Kosovo, Horn von Afrika, die t\u00fcrkisch-syrische Grenze, Somalia\u2026 Die deutsche Bundeswehr ist aktuell in mehr als zehn Regionen der Welt mit etwa 2.900 Soldaten im milit\u00e4rischen Auslandseinsatz: Zur Krisenbew\u00e4ltigung, gegen Piraterie, auf Friedensmission oder als Milit\u00e4rbeobachter \u2013 die Aufgaben sind vielf\u00e4ltig. Bei der in St. Petri stattgefundenen Podiumsdiskussion beschrieben Wissenschaft und Kirche den Wandel in der deutschen Milit\u00e4rpolitik und entfachten damit eine Grundsatzdebatte im Publikum.<!--more--><\/p>\n<p>\u201eAllein im Afghanistan-Krieg sind von den dort stationierten deutschen Soldaten 55 im Einsatz gestorben. Ich finde es schwierig zu akzeptieren, dass das einen Zustand milit\u00e4rpolitischer Normalisierung beschreiben soll.\u201c Mit diesen Worten wandte sich Pr\u00f6pstin Petra Kallies vom Kirchenkreis L\u00fcbeck-Lauenburg, die gemeinsam mit Pastor Ulrich Hentschel von der Evangelischen Akademie der Nordkirche das Podiumsgespr\u00e4ch moderierte, eindringlich an die anderen Teilnehmer. \u201eWie und mit welchen politischen Begr\u00fcndungen hat sich der Wandel zu einer Armee im permanenten Einsatz vollzogen? Und setzen wir als Kirche damit nicht das Gebot der N\u00e4chsten- und Feindesliebe aufs Spiel?\u201c \u00dcber diese Fragen diskutierten Friedensforscher Prof. Dr. Michael Brzoska, der Vizepr\u00e4sident des Kirchenamtes der EKD Dr. Friedrich Hauschildt sowie Dompfarrer Matthias G\u00fcrtler aus Greifswald im weiteren Verlauf des Abends.<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df Parlamentsbeteiligungsgesetz erfordern Auslandseins\u00e4tze eine Zustimmung des Bundestages, erl\u00e4uterte Prof. Dr. Michael Brzoska, Direktor des Instituts f\u00fcr Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universit\u00e4t Hamburg. Der milit\u00e4rische Einsatz in Afghanistan sei 2011 im Bundestag kontrovers diskutiert worden, bevor der Antrag der Bundesregierung angenommen wurde \u2013 trotzdem \u201eist die \u00f6ffentliche Diskussion nicht in Gang gekommen\u201c, erinnerte Brzoska bei der Podiumsdiskussion. \u201eIn der Bev\u00f6lkerung gab es keine Demonstrationen, dass deutsche Soldaten nach Afghanistan geschickt werden.\u201c Vieles sei Ausdruck einer generellen Undurchsichtigkeit, wof\u00fcr die Milit\u00e4rpolitik heute stehe.<\/p>\n<p>Was haben wir f\u00fcr ein Anliegen? Welchen Prinzipien ist die Militarisierung der deutschen Au\u00dfenpolitik verpflichtet? Wie agieren die Kirchen in dieser Situation? Im Spannungsfeld zwischen Sicherheitspolitik und Frieden erhebt die Kirche den Anspruch, \u201eeinen Beitrag zur Debatte zu leisten.\u201c In einer Stellungsnahme von Dr. Hauschildt (EKD) hei\u00dft es dazu: \u201eDie Evangelische Kirche will keine Politik machen, aber Politik m\u00f6glich machen.\u201c Zum Nachdenken anregen, Gesichtspunkte aufzeigen, die \u201eDebatte in unserem Land f\u00f6rdern\u201c. Nach christlicher Auffassung ist Frieden nicht nur ein christliches Gebot, es ist auch vern\u00fcnftig und setzt voraus, dass auf eigene Interessen verzichtet wird. Der EKD-Vizepr\u00e4sident weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass \u201eder Friede noch nicht da ist, wenn die Waffen schweigen.\u201c<\/p>\n<p>Dompfarrer Matthias G\u00fcrtler aus Greifswald warb f\u00fcr \u201eSchwerter zu Pflugscharen\u201c. Dieses Bibelzitat galt schon in DDR-Zeiten als Symbol f\u00fcr die Friedensbewegung. G\u00fcrtler sagte: \u201eMan muss f\u00fcr viele Dinge lange k\u00e4mpfen. Das Ziel ist klar: Frieden.\u201c Er h\u00e4lt Aufr\u00fcstung f\u00fcr gef\u00e4hrlich und vertrat bei der Debatte die Position, dass in der Milit\u00e4rseelsorge das Tragen einer Uniform mit Kreuz dem pazifistisch-zivilen Anliegen der Kirche widerspricht. Gerade beim Stichwort Milit\u00e4rseelsorge wurden kritische Stimmen im Publikum laut. Die einen bef\u00fcrworteten diese seelsorgerische Begleitung der Streitkr\u00e4fte, die anderen verlangten eine deutliche Position der evangelischen Kirche. Sie forderten, dass die Kirche hier unabh\u00e4ngig von der Bundesregierung eigene Entscheidungen treffen m\u00fcsste: \u201eKann die Kirche nicht sagen: Nein, wir unterst\u00fctzen das nicht &#8211; und ziehen ihre Milit\u00e4rseelsorger ab?\u201c, lautete die Frage.<\/p>\n<p>Allein im Jahr 2014 wurden vom Deutschen Bundestag mehr als zehn Auslandseins\u00e4tze der Bundeswehr genehmigt. Warum fehlt es bislang an einer breiten gesellschaftlichen Diskussion? Die Themen Sicherheit und Milit\u00e4r d\u00fcrfen nicht l\u00e4nger aus der gesellschaftlichen Debatte verbannt werden \u2013 das ist ein Anliegen der Initiatoren, der Evangelischen Akademie der Nordkirche und des Ev-Luth. Kirchenkreises L\u00fcbeck-Lauenburg. Die Debatte in der St.-Petri-Kirche war ein Anfang.<\/p>\n<p>Als weiteren Beitrag zur gegenw\u00e4rtigen friedensethischen Diskussion gibt es am Freitag, 29. Mai, und Sonnabend, 30. Mai 2015, in G\u00fcstrow im \u201eHaus der Kirche\u201c eine Tagung \u201ePazifismus inmitten einer Welt der Gewalt\u201c unter Leitung von Ulrich Hentschel und Klaus-Dieter Kaiser von der Evangelischen Akademie der Nordkirche. Anmeldungen werden erbeten (E-Mail: rostock@akademie.nordkirche.de). Mehr Informationen erhalten Interessierte im Internet unter www.akademie.nordkirche.de.<\/p>\n<p><u>Hintergrund:<\/u><\/p>\n<p>Seit Ende des Kalten Krieges wurde die deutsche Milit\u00e4rpolitik einem grunds\u00e4tzlichen Wandel unterzogen. Vorher war es der Auftrag der Bundeswehr als einer Armee von \u201eB\u00fcrgern in Uniform\u201c die Landesgrenzen zu sch\u00fctzen. Jeder m\u00e4nnliche Jugendliche musste sein Gewissen dazu befragen \u2013 und jede Mutter, jeder Vater, jede Freundin unwillk\u00fcrlich auch. Kann es eine Pflicht sein, im Ernstfall auf andere Menschen zu schie\u00dfen? Wer entscheidet \u00fcber den \u201eErnstfall\u201c? Welche ethischen oder sozialen Argumente sprechen dagegen oder auch daf\u00fcr?<\/p>\n<p>Mit der strategischen Neuorientierung der Bundeswehr in den 1990er Jahren und seit Aussetzung der Wehrpflicht vor vier Jahren hat sich das Bild grundlegend ge\u00e4ndert. Deutschland verf\u00fcgt heute \u00fcber eine Freiwilligenarmee, die sich aus ganz verschiedenen politischen Gr\u00fcnden permanent im Einsatz befindet, sei es im Krieg gegen den Terror, auf Friedensmissionen oder zum Schutz von Handelsschiffen. Diese Entwicklung wird immer wieder von kritischen Debatten begleitet, j\u00fcngst bei der Frage danach, ob Deutschland Soldaten der kurdischen Peschmerga mit Waffenlieferungen gegen den m\u00f6rderischen IS im Irak unterst\u00fctzt. Trotz grundlegender Bedenken gebe es keine Alternative zu einem milit\u00e4rischen Engagement durch Waffenlieferungen. Diese vermeintliche Alternativlosigkeit aber muss sich selbst befragen lassen, ebenso wie eine Entscheidung im Einzelfall keine Grundsatzdebatte ersetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Afghanistan, Kosovo, Horn von Afrika, die t\u00fcrkisch-syrische Grenze, Somalia\u2026 Die deutsche Bundeswehr ist aktuell in mehr als zehn Regionen der<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[20],"tags":[3647],"class_list":["post-174297","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-besondere-neuigkeiten","tag-transparenz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/174297","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=174297"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/174297\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":174299,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/174297\/revisions\/174299"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=174297"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=174297"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=174297"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}