{"id":175664,"date":"2015-05-12T16:21:36","date_gmt":"2015-05-12T14:21:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=175664"},"modified":"2015-05-19T08:49:55","modified_gmt":"2015-05-19T06:49:55","slug":"appell-an-die-medizinischen-fachgesellschaften-interessenkonflikte-von-leitlinien-autoren-muessen-nicht-nur-erklaert-sondern-reguliert-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/appell-an-die-medizinischen-fachgesellschaften-interessenkonflikte-von-leitlinien-autoren-muessen-nicht-nur-erklaert-sondern-reguliert-werden\/","title":{"rendered":"Appell an die Medizinischen Fachgesellschaften: Interessenkonflikte von Leitlinien-Autoren m\u00fcssen nicht nur erkl\u00e4rt, sondern reguliert werden"},"content":{"rendered":"<p>Klinische Leitlinien sollen \u00c4rzten und Patienten helfen, die bestm\u00f6gliche Behandlung f\u00fcr eine Krankheit zu finden. Sie sollen sich ausschlie\u00dflich auf die verf\u00fcgbare wissenschaftliche Evidenz st\u00fctzen und d\u00fcrfen nicht vom Gewinnstreben der Hersteller von Arzneimitteln und Medizinprodukten beeinflusst werden. Die \u00e4rztlichen Autoren medizinischer Leitlinien sind jedoch h\u00e4ufig mit der Industrie verflochten, beispielsweise durch Beratervertr\u00e4ge, Vortragshonorare und Industrie-finanzierte Studien. Daraus ergeben sich Interessenkonflikte, also das Risiko einer verzerrten Bewertung aus sachfremden Beweggr\u00fcnden.<!--more--><\/p>\n<p>MEZIS, Transparency Deutschland und NeurologyFirst engagieren sich f\u00fcr eine Industrie-unabh\u00e4ngige Medizin. Gemeinsam starten sie nun eine Kampagne, um die Unabh\u00e4ngigkeit von Leitlinienempfehlungen zu sichern. Adressat sind die medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland und ihre Dachorganisation, die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Auf der Webseite http:\/\/www.neurologyfirst.de\/appell\/\u00a0 werden daf\u00fcr Unterschriften von \u00e4rztlichen Unterst\u00fctzern gesammelt.<\/p>\n<p>Die Kernforderungen lauten:<\/p>\n<p>&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0 Mindestens 50% der Leitlinienautoren d\u00fcrfen keine (oder allenfalls geringf\u00fcgige) Interessenkonflikte haben \u2013 langfristig soll dies f\u00fcr alle Autoren und Autorinnen gelten.<br \/>\n&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0 Der federf\u00fchrende Autor darf keine Interessenkonflikte haben.<br \/>\n&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0 Zur Bewertung der Schwere von Interessenkonflikten werden Regeln erarbeitet.<br \/>\n&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0 Autoren m\u00fcssen sich bei Abstimmungen enthalten, wenn ein Interessenkonflikt besteht.<br \/>\n&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0 Entw\u00fcrfe von Leitlinien m\u00fcssen in der Fachgesellschaft breit diskutiert werden.<\/p>\n<p>Inzwischen werden Interessenkonflikte von Leitlinienautorinnen und -autoren zwar weitgehend offengelegt, aber kaum reguliert. Aktueller Anlass der Aktion ist die AWMF-Leitlinie \u201eSekund\u00e4rpr\u00e4vention isch\u00e4mischer Schlaganfall und transitorische isch\u00e4mische Attacke\u201c. Daran beteiligt waren Vertreter von 19 Fachgesellschaften und Verb\u00e4nden. Die Leitlinie entspricht dem h\u00f6chsten methodischen Niveau S3. Die Interessenkonflikte der Leitliniengruppe werden transparent beschrieben, jedoch keine ausreichenden Konsequenzen gezogen. So empfiehlt die Leitlinie beispielsweise den bevorzugten Einsatz der neuen und teuren Blutverd\u00fcnner gegen\u00fcber den herk\u00f6mmlichen Vitamin-K-Antagonisten. Die Entscheidung fiel mit zehn zu neun Stimmen bei vier Enthaltungen \u00e4u\u00dferst knapp. Unter den 23 stimmberechtigten Mitgliedern der Leitliniengruppe gaben 16 Interessenkonflikte an: 10 hatten Beratervertr\u00e4ge mit den Herstellern der neuen Blutverd\u00fcnner, sechs weitere hatten Vortragshonorare von dieser Seite erhalten. Zwar wei\u00df niemand, ob die finanziellen Beziehungen zur Industrie die Entscheidung tats\u00e4chlich beeinflusst haben, sie sind aber als Risiko f\u00fcr eine Beeinflussung anzusehen und wecken so Zweifel an der Glaubw\u00fcrdigkeit einzelner Empfehlungen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Dr. Angela Spelsberg von Transparency Deutschland ist die Vermeidung von Interessenkonflikten bei Leitlinienautoren eng verkn\u00fcpft mit der Transparenz klinischer Studien: \u201eLeitlinienautoren haben eine Schl\u00fcsselrolle bei der Umsetzung der 2014 verabschiedeten europ\u00e4ischen Richtlinien f\u00fcr die Transparenz klinischer Studiendaten. Studien, die diese Kriterien nicht erf\u00fcllen, k\u00f6nnen dann bei Leitlinien nicht oder nur mit Einschr\u00e4nkungen ber\u00fccksichtigt werden. Nach diesen klaren Regeln lassen sich Interessenkonflikte bei Leitlinienautoren besser erkennen und vermeiden.\u201c<\/p>\n<p>Dr. Niklas Schurig vom MEZIS-Vorstand betont die Verpflichtung zur Neutralit\u00e4t: \u201eDie \u00c4rzteschaft, unsere Patientinnen und Patienten und die \u00d6ffentlichkeit erwarten, dass \u00e4rztliche Behandlungsempfehlungen unabh\u00e4ngig von kommerziellen Interessen sind. Daher muss ein Industrieeinfluss bei medizinischen Leitlinien ebenso strikt ausgeschlossen werden wie etwa bei der Stiftung Warentest.\u201c<\/p>\n<p>Prof. Dr. Thomas Lempert von NeurologyFirst erg\u00e4nzt:\u00a0 \u201eDer h\u00e4ufig vorgebrachte Einwand, dass es in den Fachgesellschaften keine Pharma-unabh\u00e4ngigen Experten mehr g\u00e4be, ist f\u00fcr uns keine \u00fcberzeugende Rechtfertigung, sondern ein behandlungsbed\u00fcrftiger Befund.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klinische Leitlinien sollen \u00c4rzten und Patienten helfen, die bestm\u00f6gliche Behandlung f\u00fcr eine Krankheit zu finden. 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