{"id":17724,"date":"2010-06-24T13:08:02","date_gmt":"2010-06-24T11:08:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=17724"},"modified":"2010-06-24T13:08:31","modified_gmt":"2010-06-24T11:08:31","slug":"lubeckische-blatter-201012-207-rundum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/lubeckische-blatter-201012-207-rundum\/","title":{"rendered":"L\u00fcbeckische Bl\u00e4tter 2010\/12 &#8211; 207: Rundum"},"content":{"rendered":"<p>Klingt wie Amrum, Punktum, Worum und Dorum, das blitzfrische neue Stadtmagazin der LTM Stadtwerber \u2013 brandaktuell, megacool und voll hei\u00df. Schnelllebigkeit, Kurzatmigkeit und Richtungslosigkeit sind die wesentlichsten Eigenschaften dieser Brosch\u00fcre. die es auf immerhin 150 Seiten plus doppelte Umschlagsklappen bringt. Mit einem flackernd-unruhigen Layout erbricht sich keuchend der Zeitgeist. Nat\u00fcrlich ist las Ganze ein Werbe-Marathon zwischen Marzipan und Rotspon und redaktionell verpacktem Produkt-Placement, aber das ist loch keine Entschuldigung.<!--more-->Es ist alles ziemlich ern\u00fcchternd. Wer die wenigen fachlich zu wertenden Beitr\u00e4ge &#8211; siehe Museen, Kirchen, Sehensw\u00fcrdigkei\u00adten, Rundg\u00e4nge &#8211; auf ihren Informationsge\u00adhalt hin \u00fcberfliegt, kommt ins Gr\u00fcbeln. Auf welche Zielgruppe hat man es abgesehen? \u201eDas kleine L\u00fcbeck-Quiz f\u00fcr L\u00fcbeck-Pro\u00adfis&#8220; in der hinteren Umschlagsklappe sagt es in peinlich ber\u00fchrender Aufrichtigkeit: An ihm erkennen wir, wie die Herausge\u00adber die Leser einsch\u00e4tzen. Dazu haben sie Marktforschung betrieben. Die Brosch\u00fcre ist das zwangsl\u00e4ufige Ergebnis des wissen\u00adschaftlich ermittelten niedrigen Intelligenz-Quotienten der L\u00fcbecker Besucher. Absolut seri\u00f6s, wertfrei und unvoreingenommen.<\/p>\n<p>Die Autoren sind im Impressum auf Seite 149 mit vollem Namen angef\u00fchrt. F\u00fcr ihre Texte k\u00f6nnen sie selbstverst\u00e4nd\u00adlich nichts. Es war ein Auftrag zu erledi\u00adgen. Man hat ihnen Vorlagen auf den Tisch gepackt, etwa die bunten Heftchen \u201el\u00fc\u00adbeckultur. und sie haben abgeschrieben wie Sch\u00fcler. wobei sie auch den bl\u00fchenden Unsinn \u00fcbernommen haben. Es fehlt nicht die grandiose Ochsenblut-Saga, derzufol\u00adge \u201edie Backsteine f\u00fcr das Herzst\u00fcck L\u00fc\u00adbecks in einer komplizierten Mischung aus Ochsenblut, Asche und weiteren geheimen Zutaten gebacken wurden&#8220;, es fehlt nicht der Hinweis, dass St. Marien \u201eVorbild f\u00fcr mehr als 100 Kirchen im Ostseeraum&#8220; war (in \u201el\u00fcbeckultur&#8220; waren es erst 70, die St. Marien zur \u201eMutter&#8220; hatten, scheinbar kriegt sie immer noch Kinder), wieder ist L\u00fcbeck ein \u201eMeer aus Backsteinen&#8220; (ob\u00adwohl fast 90 % der H\u00e4user verputzt undfasziniert<\/p>\n<p>Katharinenkirche ..als \u00fcberraschendes Baudenkmal an-sich&#8220;, wohl, weil da nix drin ist &#8211; in Marien gibt&#8217;s wenigstens ka\u00adputte Glocken und &#8217;ne Maus &#8211; au\u00dfer einem \u201egro\u00dfen Epitaph von Jacopo Tintoretto&#8220;, das indes kein Epitaph ist, wieder lager\u00adte das \u201ewei\u00dfe Gold des Nordens&#8220; in den \u201eSalzspeichern&#8220;, in denen nie Salz gelagert hat, jedenfalls nicht in den Speichern, die heute da stehen, wieder schrumpfen die Wohng\u00e4nge zu einer \u201ezauberhaften Welt der Puppenh\u00e4user&#8220;, und diese Puppenh\u00e4u\u00adser sind einfach so entstanden, weil \u201ees zu eng wurde innerhalb der Mauern&#8220;. F\u00fcr die \u201e\u00c4rmsten der Armen&#8220; baute man die H\u00f6fe, so etwa den F\u00fcchtingshof f\u00fcr Kaufmanns\u00adwitwen. Solche \u201ePuppenh\u00e4user&#8220; kann man heutzutage \u00fcbrigens mieten als \u201eFerien\u00adh\u00e4user&#8220; (Tel. 88 99 700). Das widerspricht zwar dem geltenden Planungsrecht (G\u00e4nge sind reine Wohngebiete, da hat Gewerbe nichts zu suchen), aber bei der LTM muss man das nicht wissen.<\/p>\n<p>Was \u201eUNESCO-Welterbe Altstadt von L\u00fcbeck&#8220; bedeutet, wird auf Seite 15 durchaus korrekt, wenn auch knapp, wiedergegeben. Die Seiten davor und danach sind von diesem Wissen v\u00f6llig unber\u00fchrt. Das macht einigerma\u00dfen perplex. Aus dem besagten UNESCO-Text geht hervor, dass diese sichtbare, aufrecht stehende Altstadt das \u201eWeltkulturerbe&#8220; ist: H\u00e4user, Parzel\u00adlen, Bauwerke, Stra\u00dfenr\u00e4ume. Diese Re\u00adalit\u00e4t haben die Autoren anscheinend nie gesehen &#8211; oder sie haben diese mit dem geschriebenen Text nicht in Verbindung zu bringen vermocht. Das ist so, als ob man ein Computer- \u201eSchrift-Erkennungspro\u00adgramm&#8220; benutzt h\u00e4tte, das zwar Buchsta\u00adbenfolgen erkennen kann, nicht aber deren Bedeutung. So ist von einem \u201eStadtviertel der Patrizierh\u00e4user des 15. und 16. Jahr\u00adhunderts zwischen Petrikirche und Dom&#8220; die Rede, obwohl es da kein einziges \u201ePa\u00adtrizierhaus&#8220; gibt, weder aus dem 15. noch aus dem 16. Jahrhundert, es gibt auch kein \u201ePatrizierhaus&#8220; am sogenannten Muse\u00adumshafen. Der Dom wird uns als \u201edrei\u00adschiffige Pfeiler-Basilika&#8220; verkauft (wow! ein Fachbegriff! Wikipedia?), dabei ist der Dom seit 1341 eine dreischiffige Halle. Was irgendwo gedruckt steht, darf man<\/p>\n<p>eiahrlos abschreiben. L\u00f6erpr\u00fcfen (auf Neudeutsch: checken, sprich: \u201etsch\u00e4ck&#8217;n&#8220;) h\u00e4tte extra verg\u00fctet werden m\u00fcssen. Das gilt auch f\u00fcr viele falsche Jahreszahlen und weitere Angaben. Z\u00e4hlt beispielsweise mal nach, wie viele rotlackierte Stahlplastiken der Serie \u201ecube cracks&#8220; von HD Schrader in der Altstadt stehen.<\/p>\n<p>Mit Sportgeist habe ich mich durch die ersten 39 Seiten von den erw\u00e4hnten 150 gek\u00e4mpft. Dann war&#8217;s genug. Im\u00admerhin: Gefreut habe ich mich \u00fcber die\u00adsen keck-k\u00fchnen Satz: \u201eDie erfolgreichen Bem\u00fchungen, die historische Altstadt zu erhalten, lassen die Stadt international als Musterbeispiel der Denkmalpflege gelten&#8220; (na bitte: international!! )War bzw. ist nicht auch der Architekt des Kaufhauses auf dem Markt \u201eweltweit renommiert&#8220;? Na logo! Dann ist doch alles in Butter!). Den Gegen\u00adbeweis zu den \u201eerfolgreichen Erhaltungs\u00adbem\u00fchungen&#8220; erspare ich mir hier. &#8211; Auch weiter hinten st\u00f6\u00dft man bei Stichproben auf manches Leckerli, so auf Seite 69 auf den \u201eRundgang f\u00fcr Frauen&#8220;, auf dem wir lernen, dass Frauen nur chic shoppen und vier Mal Kaffee trinken wollen in 90 Minu\u00adten, da h\u00e4tte man aber auch sagen m\u00fcssen, wo frau mal Pipi machen kann.<\/p>\n<p>Stadtwerbung braucht zwei Dinge, um seri\u00f6s zu erscheinen: Erstens Sachkom\u00adpetenz (das hei\u00dft: zu wissen, wovon man spricht bzw. \u00fcber was man schreibt), und zweitens Zielgruppen-Differenzierung: Weshalb empf\u00e4ngt man alle Besucher unterschiedslos mit nivellierender An\u00adspruchslosigkeit, dies aber gepaart mit der fr\u00f6hlich hoppelnden Unschuld eierlegen\u00adder Osterhasen, die ja auch nur deshalb Eier legen, weil irgendwelche Markt-Strategen dies partout so wollen?<\/p>\n<p>P S. Aus S\u00fcdwest-Frankreich habe ich \u201eGegenprogramme&#8220; zum L\u00fcbecker Werk mitgebracht. Die Stadtwerbung z. B. von Toulouse oder Cahors nimmt die Besucher mit mehr Respekt an die Hand. In Bor\u00addeaux, wie L\u00fcbeck UNESCO-Weltkultur-erbe, weist bereits das Layout der Touris\u00admus-Brosch\u00fcren darauf hin, dass \u201eWelter\u00adbe&#8220; auch etwas mit Kultur zu tun hat. Wir sollten also die Hoffnung nicht aufgeben, dass man dies irgendwann auch einmal bei der LTM \u201etsch\u00e4ckt&#8220;.<\/p>\n<p>Manfred Finke<\/p>\n<p>L\u00fcbeckische Bl\u00e4tter 2010\/12\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 207<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klingt wie Amrum, Punktum, Worum und Dorum, das blitzfrische neue Stadtmagazin der LTM Stadtwerber \u2013 brandaktuell, megacool und voll hei\u00df.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-17724","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lubeck-lupe"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17724","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17724"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17724\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17724"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17724"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17724"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}