{"id":18908,"date":"2010-07-23T14:10:09","date_gmt":"2010-07-23T12:10:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=18908"},"modified":"2010-07-23T14:10:09","modified_gmt":"2010-07-23T12:10:09","slug":"hiv-positive-wir-sind-die-monster-betroffene-zeigt-wie-sich-hivaids-anfuhlt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/hiv-positive-wir-sind-die-monster-betroffene-zeigt-wie-sich-hivaids-anfuhlt\/","title":{"rendered":"HIV-Positive: &#8222;Wir sind die Monster&#8220; &#8211; Betroffene zeigt, wie sich HIV\/Aids anf\u00fchlt"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.pressetext.de\/show_attach.mc?pte=100723013\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" style=\"border: 0pt none;\" src=\"http:\/\/img.pte.at\/photo_db\/thumbnails\/thumb52285.gif\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"237\" height=\"300\" \/>HIV-Betroffene:  Gezwungen, zwei Leben zu f\u00fchren<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.pressetext.de\/show_attach.mc?pte=100723013\"><\/a>Wien (pte\/23.07.2010\/12:20) &#8211;<\/p>\n<p><!-- LIVING AD - VIDEOADD CONTENT START \/\/-->Menschen, die mit HIV\/Aids leben, f\u00fchren auch in Europa ein Doppelleben  und verheimlichen ihre Krankheit. Das veranschaulicht die  Wanderausstellung &#8222;Our Positive Life&#8220;, die diese Woche auf der 18.  Internationalen Aidskonferenz <a href=\"http:\/\/www.aids2010.org\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.aids2010.org<\/a> in Wien Station machte. Die  Bilder im Stil der &#8222;Body maps&#8220; sind Ergebnisse eines  kunsttherapeutischen Workshops, bei dem sich HIV-Positive mit ihrem  Leben auseinandersetzen und damit zugleich zum Verst\u00e4ndnis f\u00fcr ihre  Situation beitragen. pressetext sprach mit der Wienerin Daniela S.,  deren Gem\u00e4lde Teil der Ausstellung ist.<!--more--><strong>Schizophrenie ist vorprogrammiert<\/strong><\/p>\n<p>Daniela S. ist 40 und lebt seit 25 Jahren mit dem HI-Virus. 1985 &#8211;  sie war 15 &#8211; sagte der Arzt ihrem Freund nach einem Bluttest, er m\u00fcsse  k\u00fcnftig ein Kondom verwenden. &#8222;Wir machten uns nichts draus. Zwei Jahre  sp\u00e4ter &#8211; wir hatten l\u00e4ngst Schluss gemacht &#8211; rief er mich aus dem Spital  an. Ich sollte mich untersuchen lassen.&#8220; Mit der Diagnose HIV-positiv  konnte S. wenig anfangen. &#8222;Aids galt damals als die Schwulenpest. Im  Fernsehen diskutierte man, alle HIV-Positiven in ein umz\u00e4untes Gebiet  einzusperren. F\u00fcr mich war klar: Niemand erf\u00e4hrt von meiner Krankheit.&#8220;<\/p>\n<p>In den 25 Jahren seither besserten sich die Medikamente erheblich.  Die Krankheit geh\u00f6rt f\u00fcr Betroffene zum Alltag, betont S. &#8222;Das  Pulvereinnehmen am Abend ist so normal wie f\u00fcr andere ein Tick.&#8220; Viel  schwieriger ist allerdings der Umgang mit anderen, wie die Wienerin  anhand ihres Bildes erkl\u00e4rt. &#8222;HIV-Positive leben zwei Leben  gleichzeitig. Au\u00dfer Haus bin ich eine \u00f6ffentliche, nette und gesunde  Person. Gef\u00fchle kann ich nur daheim zeigen. Das schl\u00e4gt auf die Psyche  und macht auf Dauer schizophren.&#8220;<\/p>\n<p>Viele verbergen die Krankheit selbst gegen\u00fcber Eltern oder Kindern.  Pr\u00e4sent ist sie jedoch st\u00e4ndig und der Umgang mit ihren Folgen f\u00e4llt  schwer. &#8222;Der Zwang zur Verheimlichung gibt uns Positiven das Gef\u00fchl, als  w\u00e4ren wir M\u00f6rder aus Versehen, Fahrerfl\u00fcchtige nach einem  Verkehrsunfall oder besch\u00e4digtes Fallobst. Belastend ist auch, dass ich  nicht Urlaub davon machen kann&#8220;, so S.<\/p>\n<p><strong>Versteckspiel gegen die soziale Ausgrenzung<\/strong><\/p>\n<p>Wie versteckt das HIV\/Aids ist, kann man einfach nachpr\u00fcfen. &#8222;Etwa  in \u00d6sterreich gibt es 13.000 Infizierte. Egal wo ich Menschen darauf  anspreche, niemand kennt Betroffene. Wir sind die Monster, die Red  Ribbons tragen, ihre geheimen Treffen haben und sich unsichtbar unter  die Bev\u00f6lkerung mischen. Doch in Wahrheit gef\u00e4hrdet kein HIV-Positiver  irgendwen.&#8220; Sch\u00f6n w\u00e4re es, so S., w\u00fcrden alle 13.000 den Mut finden, zur  gleichen Zeit ein Zeichen zu setzen und damit ihre Gegenwart in allen  Bereichen signalisieren.<\/p>\n<p>Ein Leben ohne Verstecken ist aber unm\u00f6glich, betont S. &#8222;In Afrika,  wo man an Voodoo glaubt, ist das vielleicht verst\u00e4ndlicher. Bei uns  steht die kopfgeleitete Suche nach Kontrolle im Weg.&#8220; Ein Outing setzt  den Arbeitsplatz aufs Spiel, zudem nimmt jede Unterhaltung mit dem  HI-Virus eine tragische Wendung. &#8222;Die Menschen werden \u00e4ngstlich,  unsicher in den Blicken und schaffen sogar r\u00e4umlich Distanz. Vor ihnen  bin ich nicht mehr Person, sondern personifiziertes Virus. Gleichzeitig  gehen sie bedenkenlos One-Night-Stands ein und verzichten dabei auf das  Kondom.&#8220;<\/p>\n<p><strong>H\u00f6chstes HIV-Risiko bei den Ahnungslosen<\/strong><\/p>\n<p>Richtiger als die Angst vor der Person w\u00e4re die Angst vor dem Virus,  betont S. &#8222;Die Menschen hier w\u00e4hnen das Virus in Afrika und halten es  f\u00fcr ungef\u00e4hrlich, da ja Medikamente existieren. Umso irrationaler ist  die Angst vor den Erkrankten.&#8220; Hauptrisikogruppe f\u00fcr HIV ist nicht die  Schwulen- oder Drogenszene, sondern jene, die glauben, dass sie nicht  betroffen sind. Die meisten Neuinfektionen geschehen heute \u00fcber  heterosexuelle Kontakte. &#8222;M\u00e4nner gehen ohne Gummi fremd, bel\u00fcgen ihre  Frau und stecken sie an&#8220;, so S.<\/p>\n<p>Wunschtraum von S. ist nicht, die Krankheit abzusch\u00fctteln. Noch  wichtiger sei ein besserer Zugang zum Kranksein. &#8222;Man kann nicht nur das  Positive herauspicken, denn Krankheit und Tod geh\u00f6ren zum gesunden  Leben. Viele HIV-Positive haben das akzeptiert. Ich f\u00fchle mich ges\u00fcnder  als Menschen, die diesen Gedanken rational verdr\u00e4ngen und dabei so  unpers\u00f6nlich werden, dass sie vereinsamen. Was wirklich fehlt, ist nicht  ein St\u00fcck Bein, sondern ein St\u00fcck Mensch.&#8220; Erst ohne Zwang zum  Gesundsein k\u00f6nnten Kranke die ersehnte Normalit\u00e4t leben.<\/p>\n<p><strong>Den HIV-Positiven zuh\u00f6ren<\/strong><\/p>\n<p>Der Workshop der Body Maps, vor dessen Resultat Daniela S. steht,  st\u00e4rkte sie &#8222;mehr als viele Stunden beim Psychologen.&#8220; Michaela Wilczek  ist Organisatorin der Wanderausstellung. &#8222;Unser Ziel ist, dass  HIV-Positive \u00fcber sich selbst lernen und Geh\u00f6r finden, was auch Basis  sein soll f\u00fcr Strategien der Fachwelt&#8220;, erkl\u00e4rt die Expertin gegen\u00fcber  pressetext. Das Projekt ist eine Kooperation von Art2Be <a href=\"http:\/\/www.art2bebodymaps.com\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.art2bebodymaps.com<\/a> und des kenianischen Aids-Programms &#8222;Thika&#8220;. Tr\u00e4ger der  Wanderausstellung, die unter <a href=\"mailto:body-maps-wanderausstellung@gtz.de\">body-maps-wanderausstellung@gtz.de<\/a> angefordert werden kann, sind die die Deutsche Aidshilfe, Aidshilfe  Wien und die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Technische Zusammenarbeit.<\/p>\n<p>Fotos zur Ausstellung unter: <a href=\"http:\/\/fotodienst.at\/browse.mc?album_id=3214\" target=\"_blank\">http:\/\/fotodienst.at\/browse.mc?album_id=3214<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>HIV-Betroffene: Gezwungen, zwei Leben zu f\u00fchren Wien (pte\/23.07.2010\/12:20) &#8211; Menschen, die mit HIV\/Aids leben, f\u00fchren auch in Europa ein Doppelleben<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-18908","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissenschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18908","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18908"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18908\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18908"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18908"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18908"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}