{"id":208923,"date":"2016-09-28T15:09:12","date_gmt":"2016-09-28T13:09:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=208923"},"modified":"2016-09-28T15:09:12","modified_gmt":"2016-09-28T13:09:12","slug":"zu-gast-im-dritten-reich-1936-rhapsodie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/zu-gast-im-dritten-reich-1936-rhapsodie\/","title":{"rendered":"Zu Gast im Dritten Reich 1936. Rhapsodie"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Buch-Olavi-Paavolainen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-208924 alignleft\" src=\"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Buch-Olavi-Paavolainen-348x550.jpg\" alt=\"buch-olavi-paavolainen\" width=\"274\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Buch-Olavi-Paavolainen.jpg 348w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Buch-Olavi-Paavolainen-202x320.jpg 202w\" sizes=\"auto, (max-width: 274px) 100vw, 274px\" \/><\/a>Zu Gast im Dritten Reich 1936. Rhapsodie &#8211; Aus dem Finnischen von Rolf Klemmt. Mit einer Einf\u00fchrung von Anssi Halmesvirta. Autor: <a href=\"http:\/\/www.acabus-verlag.de\/autoren_31\/paavolainen-olavi_1033.htm\">Paavolainen, Olavi<\/a> ; <a href=\"http:\/\/www.acabus-verlag.de\/autoren_31\/klemmt-rolf_1034.htm\">Klemmt, Rolf<\/a> ; <a href=\"http:\/\/www.acabus-verlag.de\/autoren_31\/halmesvirta-anssi_1035.htm\">Halmesvirta, Anssi &#8211;<\/a><em>&#8222;Auge in Auge mit den Visagen des Dritten Reiches!&#8220; <\/em>Das brisanteste politische Spektakel des vergangenen Jahrhunderts waren die Nationalsozialistischen Parteitage Hitler-Deutschlands in N\u00fcrnberg. <!--more-->Die Schilderungen der Situation im Deutschland der Drei\u00dfigerjahre des finnischen Schriftstellers und Modernismuskritikers Olavi Paavolainen (1903-1964) liegen nun erstmals in deutscher \u00dcbersetzung vor \u2013 genau 80 Jahre nach deren Ver\u00f6ffentlichung in Finnland. Insbesondere weil sie einerseits von Bewunderung verkl\u00e4rt, andererseits aber mit tiefen Zweifeln behaftet sind, sind Paavolainens Beobachtungen h\u00f6chstinteressant.<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<div class=\"detailarticle\">\n<div class=\"subcolumns\">\n<div id=\"TabbedPanels1\" class=\"TabbedPanels\">\n<div class=\"TabbedPanelsContentGroup\">\n<div class=\"TabbedPanelsContent TabbedPanelsContentVisible\">\n<div><\/div>\n<div>Auf Einladung der Reichsschrifttumskammer reiste Paavolainen 1936 nach Travem\u00fcnde in das \u201eDeutsch-Nordische Schriftstellerhaus\u201c und besuchte zusammen mit anderen skandinavischen Schriftstellern die Nationalsozialistischen Parteitage in N\u00fcrnberg. Seine Reportage Kolmannen valtakunnan vieraana [Zu Gast im Dritten Reich] bezeichnete er selbst als Rhapsodie, denn es handelte sich um eine subjektive, erlebnishafte Schilderung mit Quellenmaterial aus \u00f6rtlichen Ver\u00f6ffentlichungen, Zeitungen und Reden. Das Buch wurde in Finnland sofort zu einem umstrittenen Bestseller. Es unterschied sich von anderen Darstellungen des Nationalsozialismus darin, dass es nicht sonderlich deutschfreundlich, aber auch keineswegs deutschfeindlich war. Paavolainens Erfahrungen waren zwiesp\u00e4ltig: anf\u00e4ngliche Begeisterung wandelte sich zu exakten Beobachtungen, die die verdeckten Gefahren der nazistischen Macht erkannten. Er ahnte manches, konnte die Konsequenzen aber nicht klar absehen. Paavolainen beobachtete und \u00fcbermittelte seine Eindr\u00fccke und Erlebnisse kritisch, indem er die Z\u00fcge des verweltlichten Glaubens und den \u00e4sthetischen, die Augen erfreuenden und erstaunlichen Show-Charakter des Spektakels scharf abzeichnete. Seine Rhapsodie birgt eine ungew\u00f6hnliche Interpretation der unheilverk\u00fcndenden Ereignisse in der widerspr\u00fcchlichen Historie Deutschlands oder mit den Worten Paavolainens\u201a des vielleicht gr\u00f6\u00dften Wendepunktes in der Geschichte Europas\u2018. Eine Reihe satirischer Passagen verwehrte Paavolainen sp\u00e4ter den weiteren Zugang ins Deutsche Reich.<\/div>\n<div><\/div>\n<div>Olavi Paavolainen wurde 1903 in Kivennapa, 60 km von Petersburg entfernt geboren. Er studierte ab 1921 die \u00c4sthetik und Literatur an der Universit\u00e4t Helsinki. Mit der Zeit wuchs sein Interesse an den neuen europ\u00e4ischen Str\u00f6mungen und Machtfaktoren deutlich. Deutschland und die Sowjetunion, deren Ideen einer v\u00f6llig neuartigen, antib\u00fcrgerlichen Gesellschaft ihn anzogen, waren Mittelpunkt dieses Interesses. Wie es sein Biograf Riikonen festh\u00e4lt: Paavolainen pr\u00fcfte alles, was sich in der Zeit bewegte und ereignete derartig intensiv, dass er an Schlaflosigkeit litt. Zugleich brachte er seine Landsleute dazu, die Ereignisse und ideologischen Gegens\u00e4tze in der Welt kritischer zu sehen.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"about\">\n<div class=\"img\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" title=\"Paavolainen, Olavi\" src=\"http:\/\/www.acabus-verlag.de\/_data\/Olavi_Paavolainen-w236.jpg\" alt=\"Paavolainen, Olavi\" width=\"236\" height=\"379\" \/><\/div>\n<h1>Paavolainen, Olavi<\/h1>\n<div class=\"autordetail\">\n<div>\n<p><strong>Olavi Paavolainen (1903-1964)\u00a0<\/strong>wurde 1903 im karelischen Kivennapa unweit von St. Petersburg geboren. Als sein Vater Abgeordneter wurde, zog die Familie 1921 nach Helsinki und Olavi nahm sein Studium der \u00c4sthetik und Literatur auf. Zusammen mit anderen, vom Modernismus durchdrungenen Dichtern gr\u00fcndete er die stark kulturkritische Gruppe <em>Tulenkantajat<\/em> [Die Fackeltr\u00e4ger] 1924-25, die nach Meinungsverschiedenheiten jedoch bald zerfiel. Anfang der Drei\u00dfigerjahre zog sich Paavolainen in seine eigentliche Heimat Karelien zur\u00fcck und schrieb sein erstes gr\u00f6\u00dferes Werk <em>Suursiivous eli kirjallisessa lastenkamarissa<\/em> [Gro\u00dfreinigung oder in der literarischen Kinderstube] 1932, das eine zwiesp\u00e4ltige Sensation darstellte.<\/p>\n<p>Aber es wurde ihm zu eng in Finnland, er interessierte sich f\u00fcr die neuen politischen Str\u00f6mungen und Machtverh\u00e4ltnisse in Europa, vor allem f\u00fcr die antib\u00fcrgerlichen Ideen im nazistischen Deutschland und in der Sowjetunion. 1936 er\u00f6ffnete sich ihm die M\u00f6glichkeit, auf Einladung der Reichsschrifttumskammer, Deutschland zu besuchen. H\u00f6hepunkt seines Aufenthalts waren die Erfahrungen auf den N\u00fcrnberger Parteitagen. Nach seiner R\u00fcckkehr ver\u00f6ffentlichte er noch im gleichen Jahr zur Weihnachtszeit seine Reportage <em>Kolmannen valtakunnan vieraana<\/em> [Zu Gast im Dritten Reich]. Wie H.K. Riikonen 2014 in seiner Paavolainen-Biographie <em>Nukuin vasta aamuy\u00f6ll\u00e4<\/em> [Ich schlief erst im Morgengrauen] festh\u00e4lt, war er dabei h\u00f6chst begeistert. Es war keine wissenschaftliche Untersuchung zum Nationalsozialismus, vielmehr eine subjektive Beschreibung seiner Erlebnisse und Eindr\u00fccke bei den Kultveranstaltungen des Parteikongresses. Paavolainen war weder sonderlich deutschfreundlich noch deutschfeindlich. Es wollte den Lesern lediglich das deutsche \u201eWelterlebnis\u201c \u00fcbermitteln. Da das Buch auch eine Reihe satirischer Passagen enth\u00e4lt, war Paavolainen ein weiterer Zugang ins Deutsche Reich versperrt.<\/p>\n<p>Paavolainens Werk ist in der europ\u00e4ischen Reiseliteratur das seltene Beispiel eines Augenzeugen zu den Machtverh\u00e4ltnissen in Nazi-Deutschland. Sensationell dabei ist die kommunikative Visualit\u00e4t, die sogenannte \u201aPolitik des Auges\u2018: Inmitten Tausender anderer ausl\u00e4ndischer G\u00e4ste beobachtete, sah und h\u00f6rte er und vermittelte diese Eindr\u00fccke kritisch. Er beschrieb das Spektakel eines verweltlichten Glaubens in seiner \u00e4sthetisch verbl\u00fcffenden und begeisternden Show mit optischer Sch\u00e4rfe.<\/p>\n<p>In dem Buch <em>Risti ja hakaristi<\/em> [Kreuz und Hakenkreuz] besch\u00e4ftigt sich Paavolainen 1938 nochmals mit dem Nationalsozialismus, bevor seine Heimatprovinz Karelien schlie\u00dflich an die Sowjetunion f\u00e4llt. Seine Aufzeichnungen zu den eigenen Kriegserfahrungen stellt er dann 1946 in dem Werk <em>Synkk\u00e4 yksinpuhelu<\/em> [Finsteres Selbstgespr\u00e4ch] zusammen.<\/p>\n<p>Paavolainen war zu seiner Zeit eine umstrittene Pers\u00f6nlichkeit. Vor allem konservative Kreise lehnten seine schonungslose Offenheit und Ehrlichkeit ab. Andere mochten seinen dandyhaften Habitus nicht: Er kleidete sich extravagant und liebte schicke und schnelle Autos. Im Nachkriegs-Finnland fand er sich zun\u00e4chst kaum zurecht, mit Hilfe der Direktorin des Finnischen Rundfunks, der Brecht-Freundin Hella Wuolijoki, wurde er 1947 Chefredakteur der Radiozeitung und sp\u00e4ter Leiter der Theaterabteilung des Rundfunks; diese Stellung bekleidete er bis zu seinem Tode. Er starb 1964 an einer durch Alkoholismus verursachten Leberzirrhose.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><strong>Produktart: Buch<\/strong><br \/>\n<strong>Seiten: 272<\/strong><br \/>\n<strong>Sprache: deutsch<\/strong><br \/>\n<strong>Auflage: 1 Erstausgabe<\/strong><br \/>\n<strong>Verlag: acabus Verlag<\/strong><br \/>\n<strong>Herausgeber: Klemmt, Rolf; Halmesvirta, Anssi<\/strong><br \/>\n<strong>ISBN: 9783862824243<\/strong><br \/>\n<strong>Einband: gebunden<\/strong><br \/>\n<strong>EUR 24,90<\/strong><\/p>\n<div class=\"inputs\">\n<form action=\"\/sachbuch_10\/biografie_6\/schicksalsberichte-und-erinnerungen_23\/zu-gast-im-dritten-reich-1936-rhapsodie_9783862824243.htm\" method=\"post\">\n<h5><strong><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Gast-Dritten-Reich-1936-Rhapsodie-ebook\/dp\/B01LLPR762\/ref=sr_1_1?s=digital-text&amp;ie=UTF8&amp;qid=1474530268&amp;sr=1-1&amp;keywords=Zu+Gast+im+Dritten+Reich+1936.+Rhapsodie\" target=\"_blank\">zum eBook<\/a><\/strong><\/h5>\n<p><a href=\"http:\/\/www.acabus-verlag.de\/sachbuch_10\/biografie_6\/schicksalsberichte-und-erinnerungen_23\/zu-gast-im-dritten-reich-1936-rhapsodie_9783862824243.htm\">acabus-verlag.de<\/a><\/p>\n<\/form>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu Gast im Dritten Reich 1936. 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