{"id":20901,"date":"2010-09-15T10:49:43","date_gmt":"2010-09-15T08:49:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=20901"},"modified":"2010-09-15T10:49:43","modified_gmt":"2010-09-15T08:49:43","slug":"hypochonder-gefangen-in-der-krankheitsangst-mogliche-bedrohungen-bestimmen-die-wahrnehmung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/hypochonder-gefangen-in-der-krankheitsangst-mogliche-bedrohungen-bestimmen-die-wahrnehmung\/","title":{"rendered":"Hypochonder: Gefangen in der Krankheitsangst &#8211; M\u00f6gliche Bedrohungen bestimmen die Wahrnehmung"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright\" style=\"border: 0pt none;\" src=\"http:\/\/img.pte.at\/\/lowrespics\/1284479465i17935.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"193\" align=\"middle\" \/>MainArztkontrolle: F\u00fcr manche die zwanghafte Befreiung von Angst (Foto: pixelio.de\/van Melis)z (pte\/15.09.2010\/06:10) &#8211;   \t Menschen mit st\u00e4ndiger Krankheitsangst &#8211; auch &#8222;Hypochonder&#8220; genannt &#8211;  haben eine besondere Form der Wahrnehmung. Ohne es zu wollen,  durchsuchen sie ihre Umgebung stets nach potenziell bedrohlichen Reizen  und wenden sich diesen dann ausf\u00fchrlich zu. Zu diesem Schluss kommen  Psychologen der Universit\u00e4t Mainz <a href=\"http:\/\/www.uni-mainz.de\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.uni-mainz.de<\/a> in einer Studie, die demn\u00e4chst publiziert wird. &#8222;Themen wie Aids,  Krebs, Alzheimer oder Tod nehmen diese Menschen weit st\u00e4rker wahr als  gesunde Menschen oder andere Patientengruppen&#8220;, berichtet Studienleiter  Michael Witth\u00f6ft im Interview.<!--more--><strong>Schweinegrippe als Dauerzustand<\/strong><\/p>\n<p>Angst vor Krankheiten hat fast jeder hat hin und wieder, wie etwa  beim Schweinegrippe-Hype des Vorjahres zu sehen war. W\u00e4hrend diese Sorge  bei den meisten nach bestimmter Zeit wieder verschwindet, bleibt sie  bei rund einem Prozent der Bev\u00f6lkerung st\u00e4ndige Begleiterin. &#8222;Der alte  Fachterminus Hypochondrie hat den negativen Beigeschmack des  eingebildeten Kranken, womit er der Situation der Betroffenen jedoch  nicht gerecht wird. Da es sich um eine St\u00f6rung handelt, die man nicht  auf Knopfdruck \u00e4ndern kann, sprechen Experten lieber von  Krankheitsangst&#8220;, berichtet Witth\u00f6ft.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie bei anderen Phobikern meiden Menschen mit  Krankheitsangst Situationen, die sie mit ihrer Angst verbinden, wie etwa  Friedh\u00f6fe, Krankenh\u00e4user oder kranke Angeh\u00f6rige. Symptomatisch ist  zudem das hohe Sicherheitsbed\u00fcrfnis. &#8222;Hypochonder suchen stets nach  Entlastung ihrer Sorgen, etwa indem sie sich \u00fcberm\u00e4\u00dfig oft vom Arzt  untersuchen lassen, damit dieser ihnen attestiert &#8218;Du bist gesund&#8216; &#8211;  oder sie suchen nach Fachliteratur. Diese Erleichterung dauert jedoch  nur kurz, zudem werden sie zunehmend auf diese angewiesen&#8220;, erkl\u00e4rt der  Mainzer Forscher.<\/p>\n<p><strong>Dr. Google wird zur Falle<\/strong><\/p>\n<p>Die frei verf\u00fcgbare Information im Internet hat ihren Teil zum  Leiden beigetragen, berichtet Maria Gropalis, Psychotherapeutin und  Leiterin des Behandlungsschwerpunktes Hypochondrie, gegen\u00fcber  pressetext. &#8222;Viele googlen schon bei kleinen Symptomen wie etwa Kopfweh  nach Erkl\u00e4rungen f\u00fcr das Leiden. Das beruhigt zwar oft auch, doch nehmen  Menschen mit Krankheitsangst oft auch die unwahrscheinlichste Form  wahr, etwa dass Kopfweh ein Zeichen f\u00fcr Gehirntumor sein k\u00f6nnte&#8220;, so die  Expertin.<\/p>\n<p>Die Au\u00dfenwelt kann das Leiden der Betroffenen oft schwer  nachvollziehen. &#8222;Da die Angst in jeder Tagesphase anwesend ist und  stresst, beeintr\u00e4chtigt sie auch das Privat- und Berufsleben. Viele  Betroffene lassen ihr Dauerthema in die Gespr\u00e4che einflie\u00dfen und sto\u00dfen  dabei auf Bagatellisierung, Ablehnung und Unverst\u00e4ndnis. Das f\u00fchrt oft  in soziale Isolation&#8220;, so Witth\u00f6ft. Doch auch wenn Angeh\u00f6rige st\u00e4ndig  beschwichtigen, sei dies ung\u00fcnstig. &#8222;Damit verlieren Betroffene erst  recht die F\u00e4higkeit, mit der Angst fertig zu werden.&#8220; Besser sei es,  sich beim Krankheitsthema zur\u00fcckzunehmen und stattdessen durch  Alternativthemen abzulenken.<\/p>\n<p><strong>Training von Gegenstrategien<\/strong><\/p>\n<p>Den Betroffenen selbst raten die Experten, bestimmte  Verhaltensaspekte zu kontrollieren zu versuchen. &#8222;Es ist zum Beispiel  gut, wenn man dem Hausarzt \u00fcber die Krankheitsangst informiert und  bestimmte Zeitintervalle vereinbart. Ein Erscheinen etwa nur alle drei  oder sechs Monate hilft dabei, Angst vom Arztbesuch zu entkoppeln&#8220;, r\u00e4t  Gropalis. Auch was die Internetrecherche oder die Sensibilit\u00e4t f\u00fcr  K\u00f6rpersignale wie Hautflecken, Blutdruck oder Puls betrifft, kann man  sich mit der Zeit Gegenstrategien antrainieren und den Stress somit  deutlich verringern. Professionelle Hilfe bietet dabei die kognitive  Verhaltenstherapie.<\/p>\n<p>In einer Folgestudie untersuchen die Forscher, ob K\u00f6rperwahrnehmung  und Krankheitsangst zusammenh\u00e4ngen. &#8222;Sowohl eine st\u00e4rkere als auch eine  schw\u00e4chere Wahrnehmung w\u00e4re bei den Betroffenen plausibel. Was auch  immer zutrifft, es h\u00e4tte Auswirkungen auf die Gegenma\u00dfnahmen&#8220;, betont  Witth\u00f6ft. Teilnehmer f\u00fcr die Studie werden derzeit noch gesucht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>MainArztkontrolle: F\u00fcr manche die zwanghafte Befreiung von Angst (Foto: pixelio.de\/van Melis)z (pte\/15.09.2010\/06:10) &#8211; Menschen mit st\u00e4ndiger Krankheitsangst &#8211; auch &#8222;Hypochonder&#8220;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-20901","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-menschlich-gesehen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20901","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20901"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20901\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20901"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20901"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20901"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}