{"id":220709,"date":"2017-01-04T15:16:51","date_gmt":"2017-01-04T14:16:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=220709"},"modified":"2017-01-04T15:16:51","modified_gmt":"2017-01-04T14:16:51","slug":"unterwegs-zur-hallig-langeness-im-winter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/unterwegs-zur-hallig-langeness-im-winter\/","title":{"rendered":"Unterwegs zur Hallig Langene\u00df &#8211; im Winter"},"content":{"rendered":"<p><strong>Unterwegs zur Hallig Langene\u00df &#8211; im Winter &#8211;\u00a0<\/strong>Der Morgen beginnt zaghaft und dann mit einem flammenden Orange; der Himmel in der winterlichen D\u00e4mmerung ist dramatisch. Die Wolken sind vom n\u00e4chtlichen Ostwind zerrissen und stehen nun in Windstille von Horizont zu Horizont.<!--more--><\/p>\n<p>Es scheint, als ob der Wind zum Anbruch des neuen Tages eine Atempause einlegt. Eine Schar G\u00e4nse fliegt vor\u00fcber, mit sehnsuchtsvollen Rufen. Die Nacht verschwindet im Westen mit einem bleiernen Grau, dort liegt das Watt; unergr\u00fcndlich, still. Menschenleer und gottverlassen; drau\u00dfen die Kette der Hallig-Warften wie eine Illusion. Einsam im gro\u00dfen, weiten Nichts. Selbst die riesigen Vogelschw\u00e4rme sind fortgezogen, weiter weg vom Winter.<\/p>\n<p>Erste Sonnenstrahlen brechen durch und tasten z\u00f6gerlich \u00fcber das Watt, so als wollten selbst sie diese Ruhe nicht st\u00f6ren, dann greifen sie nach einer fernen Hallig. Und nun tauchen doch ein paar Leute auf; Atemwolken vor den Gesichtern und Gummistiefel im Gep\u00e4ck, Thermosachen an und M\u00fctzen auf. \u201eHier in Schl\u00fcttsiel bleiben die Autos stehen und euer Gep\u00e4ck stellt ihr bitte auf diesen Wagen hier, der geht gleich auf die F\u00e4hre nach Langene\u00df, eure Sachen sind nachher im Hotel auf der Hallig. Wir fahren jetzt mit dem Bus nach Dageb\u00fcll, von dort laufen wir los und morgen fahren wir mit der F\u00e4hre von Langene\u00df hierher nach Schl\u00fcttsiel zur\u00fcck.\u201c Das sagt Bernd \u201eWattenloeper\u201c Dummer, er f\u00fchrt die Gruppe. Wattwanderungen im Winter haben auch etwas von einer kleinen Expedition; ins Ungewisse, ins Unbekannte, ins Phantastische, diese morgendliche Szene hatte ohnehin etwas Traumhaftes.<\/p>\n<p>Dageb\u00fcll, am Deich. Watt und Himmel inzwischen in unentschiedenem, gleichg\u00fcltigem Grau, Hochnebel hat sich gebildet. Zu unterscheiden nur durch einem schmalen, schwach rosafarbenen Streifen Horizont, auf der eine einsame Hallig schwebt. Fern, fremd, irreal. Eine Treppe f\u00fchrt hinab in das Wattenmeer, der Weg hinaus ins gro\u00dfe, weite Nichts. Es ist diesig und unter dem Hochnebel liegt eine vollkommene Stille. An diesem Wintermorgen f\u00fchrt Bernd Dummer seine kleine Gruppe \u2026 \u2013 ja, wohin? In ein kaltes Niemandsland? In eine erfrorene Zwischenwelt; nicht mehr Land, noch nicht Meer? Nicht wenige Wattenl\u00e4ufer fragen sich an diesem Wintermorgen, was sie da drau\u00dfen erwartet.<\/p>\n<p>Himmelsfarben zum Beispiel: \u201eDas Blau des Himmels ist bei klarem Himmel ein ganz anderes als im Sommer. Es scheint zu leuchten und die unterschiedlichen Blaut\u00f6ne, von strahlendem Hellblau bis leuchtendem Dunkelbau, findet man nur so im Winter\u201c, verspricht Bernd Dummer; abwarten aufs Aufklaren. Und auch dies: \u201eDie Weite im Wattenmeer scheint noch gr\u00f6\u00dfer zu sein \u2013 sicherlich auch, weil niemand anderes unterwegs ist.\u201c Die Abwesenheit menschlichen Tuns und die Stille schaffen das Gef\u00fchl, in einem unendlichen Raum unterwegs zu sein.<\/p>\n<p>Eine sch\u00f6ne Alleinsamkeit also, das ist gewiss. Zeit und Ruhe zum Entdecken; bei Wattwanderungen im Winter hat man diese Wildnis f\u00fcr sich allein \u2013 ungest\u00f6rt und ganz weit weg vom Rest der Welt. Und wenn Ebbe und Flut im ewigen Rhythmus der Gezeiten w\u00e4hrend strengem Frost Eisscholle um Eisscholle gestapelt haben, dann wird dies ein Spaziergang in arktischer Faszination. Nicht jeden Winter gibt es einen \u2013 im wahren Wortsinn \u2013 Eis-\u201eGang\u201c, aber eine Wattwanderung im Winter ist ein besonderes Erlebnis. So oder so. Denn: \u201eBei sch\u00f6nem Wetter ist die Luft so unglaublich erfrischend. Und sollte es einmal feucht und windig sein und das Ende der Tour einfach nicht kommen, so ist die Ankunft auf der Hallig umso sch\u00f6ner. Durch den Kontrast scheint es sp\u00e4ter in der warmen Gaststube noch gem\u00fctlicher &#8211; auch durch das gerade gemeinsam Erlebte\u201c, sagt Bernd Dummer.<\/p>\n<p>Die kleine Gruppe, die meisten der Teilnehmer sind erfahrene Wattwanderer und einige mit Wintererfahrung, l\u00e4uft der Nordsee hinterher. Bernd Dummer plant die Wattwanderung so, dass \u201e\u2026wir auch bei hohem Wasserstand m\u00f6glichst g\u00fcnstig durch den gro\u00dfen Priel kommen \u2013 denn da m\u00fcssen wir nachher durch!\u201c Nachher, dass ist kurz vor der Hallig Langene\u00df. Die Tour f\u00fchrt von Dageb\u00fcll vorbei an der Hallig Oland, die linkerhand die Gruppe auf der gesamten Tour als Wegmarke und Silhouette begleitet, zum \u00f6stlichen Ende der langestreckten Hallig. Steten Schrittes verl\u00e4sst die Gruppe das Festlandsufer und taucht ein in den gro\u00dfen, leeren Raum, der so seltsam verlassen unter einer fahlen Morgensonne liegt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend im Sommer mancherorts hunderte von Leuten im Watt unterwegs sind, ist die Zahl der Wanderer im Winter auf ein Minimum beschr\u00e4nkt; die Gruppen sind klein und man hat nun das Gef\u00fchl, wirklich allein unterwegs zu sein. Auch dies macht die Faszination einer Wattwanderung im Winter aus; die Exklusivit\u00e4t. \u201eWeil wir so wenige sind, wird es gelegentlich ganz von alleine still. Dabei nimmt man unbewusst die Weite und die Naturger\u00e4usche um sich herum wahr. Seien es V\u00f6gel, der Wind oder einfach nur die Stille\u201c, hat Bernd vor der Tour versprochen. Wohl wahr: Man geht nebeneinander und kommt dann und wann ins Gespr\u00e4ch \u2026 oder man geht einfach nur mal so f\u00fcr sich \u2013 genie\u00dft die Umgebung oder h\u00e4ngt seinen Gedanken nach. Eben ohne den n\u00e4chsten Nachbarn in unmittelbarer H\u00f6r- und Reichweite (und genau deswegen ist das sp\u00e4ter folgende abendliche Beisammensein mit Gr\u00fcnkohl und Musik noch \u00b4mal so sch\u00f6n).<br \/>\nDie Tour von Dageb\u00fcll quer r\u00fcber nach Langene\u00df f\u00fchrt \u00fcber sehr gut zu laufendes Sandwatt, bis auf eine Strecke von 20, 30 Meter reichen daf\u00fcr normale Gummistiefel aus. Wie wir das mit dem Priel erledigen, sehen wir gleich. Es ist an diesem Morgen bislang auch v\u00f6llig windstill. Auf der ebenen Wattfl\u00e4che steht noch immer eine Handbreit Wasser und diese wirkt wie ein riesiger Spiegel; grau und glatt von Horizont zu Horizont. Wo die Schritte in das Wasser schlagen, zerrei\u00dfen die Wellen den Schatten der L\u00e4ufer zu einem bizarren Zerrbild.<\/p>\n<p>Bernd nimmt einmal mit dem Kompass Ma\u00df und geht an Oland vorbei in s\u00fcdwestliche Richtung auf die Hallig Langene\u00df zu. Immer weiter driftet die Gruppe vom Festland ab und verliert allm\u00e4hlich den Bezug dazu; im Osten begrenzt der Lorendamm diese Wattfl\u00e4che im Nordwesten str\u00f6mt die gewaltige Norderaue \u2013 einer der gr\u00f6\u00dften Priele im Watt. Eisgrau der Himmel und es reicht nach Schnee. Aber bald schon l\u00f6sen sich die Wolken auf und verschwinden wie Nichts und die Farbpalette \u00e4ndert sich mit stetig st\u00e4rker str\u00f6menden Lichts von sanften, pastelligen Rot- und Oranget\u00f6nen, zu eiskaltem Blau; von diffuser D\u00e4mmerung zu kristallklarer Reinheit. Dieses Licht l\u00e4sst eine Schar Enten, die entfernt auf einer Sandbank sitzt, magisch aufleuchten, so als w\u00fcrden sie von Innen strahlen.<\/p>\n<p>Nun flutet dieses typische Licht aus dem Himmel, das es nur im Norden gibt. Hier und heute ist es besonders klar und rein; str\u00f6mend und strahlend, kalt wie aus dem Weltraum. Auch die Luft ist frisch, erfrischend f\u00fcr K\u00f6rper und Geist, ebenfalls rein wie ein Kristall. Die Kameradschaft, auch das f\u00e4llt schnell auf, ist eine ganz andere als sonst; angenehmer und sch\u00f6ner. Ein unausgesprochener Zusammenhalt, schlie\u00dflich wird man \u00fcber Nacht bleiben und nachher noch zusammensitzen. \u201eWir ticken hier doch auf gleicher Wellenl\u00e4nge\u201c, sagt einer; wohl war.<\/p>\n<p>Etwa zwei Stunden nach dem Start hat die Gruppe den Priel erreicht, er trennt die Wattfl\u00e4che von Langene\u00df von der des Festlandes, noch immer str\u00f6mt das Wasser der Nordsee hinterher. Bernd, wie immer vorneweg, geht vorsichtig und Schritt um Schritt in diesen \u201eFluss des Meeres\u201c, testet die Tiefe. \u201eDas Watt unterliegt einer unglaublichen Dynamik, du wei\u00dft nie ganz genau, wie sich der Priel ver\u00e4ndert hat \u2013 das kann innerhalb weniger Wochen ganz anders sein\u201c, sagt er. Und kehrt um, auch der gr\u00f6\u00dfte Mann in der Gruppe, zwei, drei Leute sind Bernd gefolgt, kommt zur\u00fcck \u2013 zu tief, die Gummistiefel w\u00fcrden beim n\u00e4chsten Schritt volllaufen.<\/p>\n<p>Dabei ist das gegenseitige Ufer zum Greifen nah. Bernd holt aus seinem Rucksack eine Rolle gro\u00dfer, blauer M\u00fcllt\u00fcten \u2013 und gibt jedem Teilnehmer zwei St\u00fcck. M\u00fcllt\u00fcten? Ja, klar! \u201eDavon zieht Ihr euch jetzt \u00fcber jedes Bein eine. F\u00fcr die zwanzig, drei\u00dfig Meter durch den Priel reicht das aus!\u201c Wir st\u00fctzen uns gegenseitig ab, lassen die T\u00fcten vom \u2013 inzwischen aufgekommenen Wind \u2013 aufpusten und ziehen sie uns \u00fcber die Gummistiefel, ziehen sie hoch. Stolpern und staksen dann in den Priel. Der unheimliche Sog des Wassers dr\u00fcckt auf T\u00fcte und Bein, ein merkw\u00fcrdiges Gef\u00fchl.<br \/>\nDie Hallig Langene\u00df ist jetzt schon klar zu erkennen, weit ist es nicht mehr. die Strecke l\u00e4uft Bernd zu Beginn einer jeden Wintersaison nochmals ab und ermittelt die beste Route \u2013 diesmal, wo der Lorendamm auf die Hallig trifft. Dorthin wollen auch wir. Nun \u00e4ndert sich der Untergrund abermals: Die einstige zusammenh\u00e4ngende und v\u00f6llig ebene Fl\u00e4che weicht einer wilden Abfolge von Sandb\u00e4nken, Seen und Prielen. Dann pl\u00f6tzlich versinken die Stiefel in tiefem Schlick &#8211; und es riecht nicht. Hier wird ein weiterer Aspekt einer winterlichen Wattwanderung deutlich: Die Luft ist immer frisch. Das kl\u00e4rt den Kopf, erfrischt den Geist. R\u00e4umt auf und macht Platz f\u00fcr Eindruck, Erlebnis und Erfahrung. Und gleich gibt\u00b4s Gr\u00fcnkohl.<\/p>\n<p>Weitere Informationen und Anmeldung zur Wintertour zur Hallig Langene\u00df bei Bernd Dummer; Tel: 0461-992 7681,Email: bernd.wattenloeper@web.de<\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten Termine f\u00fcr die Wattwanderung zur Hallig Langene\u00df mit \u00dcbernachtung und Gr\u00fcnkohlessen satt\/R\u00fcckfahrt mit dem Schiff finden statt am:<\/p>\n<p>Samstag, 07. Januar bis Sonntag, 08. Januar 2017<br \/>\nSamstag, 21. Januar bis Sonntag, 22. Januar 2017<br \/>\nSamstag, 04. Februar bis Sonntag, 05. Februar 2017<br \/>\n(genaues Programm\/Preise auf Anfrage)<\/p>\n<p>Informationen zur Hallig Oland und Hallig Langene\u00df auf <a href=\"http:\/\/www.langeness.de\">www.langeness.de<\/a><\/p>\n<p>Weitere Tipps f\u00fcr unterhaltsame und besondere Wattwanderungen unter <a href=\"http:\/\/www.nordsee-natuerlebnis.de\">www.nordsee-natuerlebnis.de<\/a> und auf <a href=\"http:\/\/www.nordseetourismus.de\">www.nordseetourismus.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unterwegs zur Hallig Langene\u00df &#8211; im Winter &#8211; Der Morgen beginnt zaghaft und dann mit einem flammenden Orange; der Himmel in der winterlichen D\u00e4mmerung ist dramatisch. 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