{"id":232913,"date":"2017-04-24T21:04:59","date_gmt":"2017-04-24T19:04:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=232913"},"modified":"2017-04-24T21:04:59","modified_gmt":"2017-04-24T19:04:59","slug":"der-mut-zur-demut-ist-die-eigentliche-entdeckerkraft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/der-mut-zur-demut-ist-die-eigentliche-entdeckerkraft\/","title":{"rendered":"\u201eDer Mut zur Demut ist die eigentliche Entdeckerkraft\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eDer Mut zur Demut ist die eigentliche Entdeckerkraft\u201c &#8211;\u00a0<\/strong>Glaube und Wissenschaft sind keine Gegens\u00e4tze, sondern sie geh\u00f6ren zusammen\u201c, erkl\u00e4rte\u00a0 Gerhard Ulrich, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), am 21. April in seiner Theaterpredigt im Gro\u00dfen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin.<!--more--> \u201eGott will, dass der Mensch Wissen schafft. Das ist eine Gabe, die Gott schenkt: Sch\u00f6pfungsgabe. Neugier und das Staunen \u00fcber die Sch\u00f6pfung sollten Grundlagen naturwissenschaftlichen Forschens sein.\u201c<\/p>\n<p>Anhand des Psalms 104 (Lob Gottes angesichts der Sch\u00f6pfung) setzte Ulrich sich mit dem Brecht-St\u00fcck \u201eLeben des Galilei\u201c in einer Inszenierung von Schauspieldirektor Martin Nimz auseinander. Die astronomischen Beobachtungen Galileo Galileis (1564 \u2013 1642) hatten die Lehre des Kopernikus unterst\u00fctzt: Die Erde bewegt sich um die Sonne \u2013 und nicht andersherum. Somit war das Weltbild von der Erde als g\u00f6ttlichem Mittelpunkt auf den Kopf gestellt und forderte M\u00e4chtige in der Kirche damals heraus. \u201eBrecht setzt einen Konflikt in Szene, der zugleich ein unr\u00fchmliches St\u00fcck Kirchengeschichte ist\u201c, sagte Ulrich.<\/p>\n<p><strong>Frage nach den M\u00f6glichkeiten und Grenzen der Forschung stellen<\/strong><\/p>\n<p>Mit der Gottesgabe, Wissen zu erlangen, sei aber auch die Verantwortung der Wissenschaftler f\u00fcr Mensch und Sch\u00f6pfung verbunden. Angesichts der Quantenspr\u00fcnge in der Forschungsentwicklung stelle sich die Frage nach den Grenzen der Forschung heute ganz neu, so Ulrich: \u201eDarf man alles machen, was m\u00f6glich ist?\u201c Die Freiheit der Wissenschaft allein als Freiheit von Reglementierung zu verstehen, w\u00e4re zu wenig, mahnte er. \u201eFreiheit ist immer Freiheit von Unterdr\u00fcckung, Knechtschaft und Leid, sie ist immer Freiheit f\u00fcr das Leben. Wenn die Wissenschaft Leben bedroht, hat das mit Freiheit nichts mehr zu tun!\u201c<\/p>\n<p>Wissenschaft und die daraus gewonnene Weisheit k\u00f6nnten Grundlagen f\u00fcr ein Leben in F\u00fclle schaffen, an dem alle teilhaben, so Ulrich weiter. \u201eDamit jeder hat, was wir alle brauchen: Brot und Gemeinschaft, Liebe und Zukunft. Und Frieden.\u201c<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6re auch das Wissen um die eigenen Grenzen. \u201eDer Mut zur Demut \u2013 das ist die eigentliche St\u00e4rke, die eigentliche Entdeckerkraft: Da ist eine Kraft, die st\u00e4rker ist als meine Kraft; eine Macht, die h\u00f6her ist als meine Vernunft; eine Vernunft, die aus Liebe mich und alles tr\u00e4gt, ertr\u00e4gt, voranbringt, h\u00e4lt. Da haben auch die Entdecker und Forscher Raum.\u201c<\/p>\n<p>Die Theaterpredigt zu Brechts St\u00fcck \u201eLeben des Galilei\u201c ist die inzwischen sechste Veranstaltung in der Reihe \u201eDialog Kirche und B\u00fchne\u201c, ein Gemeinschafsprojekt des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin mit der evangelischen und katholischen Kirche. Unter dem Motto \u201ePredigt am anderen Ort\u201c hatte Gerhard Ulrich 2015 die erste Theaterpredigt in Schwerin gehalten, damals zu Shakespeares \u201eKaufmann von Venedig\u201c.<\/p>\n<p><strong>Shakespeare-Tage 2017 in Weimar mit Podiumsgast Gerhard Ulrich<\/strong><\/p>\n<p>Morgen (22. April) wird Landesbischof Gerhard Ulrich auf Einladung der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft im Rahmen der internationalen Shakespeare-Tage 2017 \u201eShakespeare und die Reformation\u201c in Weimar an einem Podiumsgespr\u00e4ch zum Thema \u201eTheater \u2013 Kirche \u2013 Politik\u201c teilnehmen.<\/p>\n<p>Der in Hamburg geborene Gerhard Ulrich studierte zun\u00e4chst Germanistik, Theaterwissenschaften und Schauspielkunst, bevor er 1974 zum Studium der Evangelischen Theologie wechselte. 2013 wurde er von der Landessynode der Nordkirche zum Landesbischof gew\u00e4hlt. Seine Predigtst\u00e4tten sind die Dome zu Schwerin und L\u00fcbeck. Ulrich ist zugleich Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands.<\/p>\n<p>Weitere Vorstellungen des St\u00fcckes \u201eLeben des Galilei\u201c im Gro\u00dfen Haus des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin finden am Sonntag, 14. Mai (18 Uhr), Montag, 15. Mai (10 Uhr), Mittwoch, 21. Juni (19.30 Uhr) und am Sonntag, 25. Juni (15 Uhr) statt (<a href=\"http:\/\/www.mecklenburgisches-staatstheater.de\">www.mecklenburgisches-staatstheater.de<\/a>).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer Mut zur Demut ist die eigentliche Entdeckerkraft\u201c &#8211; Glaube und Wissenschaft sind keine Gegens\u00e4tze, sondern sie geh\u00f6ren zusammen\u201c, erkl\u00e4rte  Gerhard Ulrich, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche), am 21. 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