{"id":236820,"date":"2017-07-05T14:00:02","date_gmt":"2017-07-05T14:00:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/besondere-neuigkeiten\/bka-neue-studie-der-weisser-ring-stiftung-zeigt-opfer-werden-im-ermittlungsverfahren-oft-zusaetzlich-belastet\/"},"modified":"2017-07-06T15:56:22","modified_gmt":"2017-07-06T13:56:22","slug":"bka-neue-studie-der-weisser-ring-stiftung-zeigt-opfer-werden-im-ermittlungsverfahren-oft-zusaetzlich-belastet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/bka-neue-studie-der-weisser-ring-stiftung-zeigt-opfer-werden-im-ermittlungsverfahren-oft-zusaetzlich-belastet\/","title":{"rendered":"BKA: Neue Studie der WEISSER RING Stiftung zeigt: Opfer werden im Ermittlungsverfahren oft zus\u00e4tzlich belastet"},"content":{"rendered":"<p>Wiesbaden (ots) &#8211; Kriminalit\u00e4tsopfer und Angeh\u00f6rige von Opfern  f\u00fchlen sich von Polizei und Staatsanwaltschaft nicht immer angemessen behandelt. Dies zeigt eine neue Studie, die von der WEISSER RING  Stiftung in Auftrag gegeben wurde. Die Stiftung fordert die  Ermittlungsbeh\u00f6rden auf, gegenzusteuern.<!--more--> &#8222;Die Opferschutzbeauftragten bei der Polizei m\u00fcssen gest\u00e4rkt werden&#8220;, sagte Roswitha  M\u00fcller-Piepenk\u00f6tter, Vorsitzende des Stiftungskuratoriums, bei der  Vorstellung der Studie im Bundeskriminalamt (BKA) Wiesbaden. Dar\u00fcber  hinaus m\u00fcssten Polizisten und Staatsanw\u00e4lte intensiver f\u00fcr die  Perspektive des Opfers sensibilisiert werden &#8211; &#8222;am besten schon in  der Aus-, und dann in der Weiterbildung&#8220;, so M\u00fcller-Piepenk\u00f6tter.     Die Studie wurde von einem Forscherteam der Universit\u00e4ten  Heidelberg und Gie\u00dfen sowie des Zentralinstituts f\u00fcr Seelische  Gesundheit Mannheim durchgef\u00fchrt. Die Forscher analysierten unter  anderem 178 Strafakten mit 251 Erhebungsb\u00f6gen, f\u00fchrten 87 qualitative Interviews mit Opfern und Angeh\u00f6rigen, werteten 320 an Opfer  gerichtete Frageb\u00f6gen aus und nahmen an Gruppengespr\u00e4chen mit  Polizisten, Anw\u00e4lten, Opferhelfern und Therapeuten teil.     Die Ergebnisse geben Einblick in die Belastungen vieler Opfer  w\u00e4hrend eines Ermittlungsverfahrens: Laut Strafaktenanalyse dauerten  Vernehmungen oft l\u00e4nger als zwei Stunden, vielfach kam es zu  Mehrfachvernehmungen. Dar\u00fcber hinaus war bei weniger als zwei Prozent aller Vernehmungen ein Rechtsanwalt des Opfers dabei. In den  Interviews gaben Betroffene zu Protokoll, dass sie sich oft  rechtfertigen mussten oder Ermittler die Privatsph\u00e4re nicht  beachteten. Die Analyse der Frageb\u00f6gen zeigt, dass sich 52 Prozent  der Befragten \u00fcber den Verfahrensstand und 50 Prozent \u00fcber ihre  Rechte nicht genug informiert f\u00fchlten. 41 Prozent erhielten ihrer  Meinung nach zu wenige Informationen \u00fcber Hilfsm\u00f6glichkeiten.     &#8222;Die Ergebnisse zeigen deutlich, wie sehr ein Ermittlungsverfahren ein Opfer noch zus\u00e4tzlich zur Tat an sich belasten kann&#8220;, sagte J\u00f6rg  Ziercke, Pr\u00e4sident des BKA a. D. und stellvertretender  Bundesvorsitzender des WEISSEN RINGS. Nat\u00fcrlich sei es Aufgabe der  Ermittlungsbeh\u00f6rden, nach einer Straftat die Wahrheit herauszufinden. Dass Opfer hierf\u00fcr gegebenenfalls mehr als einmal befragt werden  m\u00fcssten, sei unausweichlich. &#8222;Allerdings stehen Ermittler hierdurch  umso mehr in der Pflicht, mit aller Behutsamkeit vorzugehen und  fr\u00fchzeitig zu erkennen, wie weitere Belastung f\u00fcr ohnehin schon  traumatisierte Menschen vermieden werden kann&#8220;, betonte Ziercke.     Peter Henzler, Vizepr\u00e4sident beim BKA: &#8222;Menschen, die Opfer von  Straftaten geworden sind, sind meist die wichtigsten, teilweise gar  die einzigen Zeugen. Sie sind f\u00fcr uns als Ermittler oft die ersten,  deren Aussage wir aufnehmen. Das bedeutet auch, dass Polizistinnen  und Polizisten zu den ersten Ansprechpartnern z\u00e4hlen, auf die Opfer  von Kriminalit\u00e4t unmittelbar nach dieser einschneidenden Erfahrung  treffen. Wir m\u00fcssen uns daher immer wieder bewusst machen, dass das,  was f\u00fcr uns t\u00e4gliches Gesch\u00e4ft ist, f\u00fcr die Opfer meist eine bislang  unbekannte, absolute Ausnahmesituation darstellt.&#8220; Obwohl der Umgang  mit Opferzeugen in die Aus- und Fortbildung der Polizeibeamtinnen und -beamten einflie\u00dft, gebe es laut Henzler hierf\u00fcr kein Patentrezept.  &#8222;Vielmehr ben\u00f6tigt man ein hohes Ma\u00df an Feingef\u00fchl und Erfahrung, um  auf die \u00c4ngste und Bed\u00fcrfnisse von Opferzeugen einzugehen.&#8220;     Kuratoriumsvorsitzende M\u00fcller-Piepenk\u00f6tter sah auch das Problem,  dass Opfer im Ermittlungsverfahren zu oft auf sich allein gestellt  sind. &#8222;Wichtig ist, dass Betroffene von Anfang an jemanden an ihrer  Seite haben, der ihre Rechte vertritt und der sie \u00fcber das, was  gerade passiert, aufkl\u00e4ren kann.&#8220; Aus diesem Grund fordert die  WEISSER RING Stiftung die Satzungsversammlung der  Bundesrechtsanwaltskammer auf, den Fachanwalt f\u00fcr Opferrechte  einzuf\u00fchren. &#8222;Dies w\u00fcrde die n\u00f6tigen Rahmenbedingungen schaffen&#8220;, so  M\u00fcller-Piepenk\u00f6tter.     Die komplette Studie kann \u00fcber die Website  www.weisser-ring-stiftung.de abgerufen werden.     <\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.presseportal.de\/blaulicht\/pm\/7\/3677261\" target=\"_blank\">presseportal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wiesbaden (ots) &#8211; Kriminalit\u00e4tsopfer und Angeh\u00f6rige von Opfern f\u00fchlen sich von Polizei und Staatsanwaltschaft nicht immer angemessen behandelt. 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