{"id":245919,"date":"2017-11-27T14:22:05","date_gmt":"2017-11-27T14:22:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/politik-wirtschaft\/hiv-therapie-pharmaanbieter-gilead-haelt-die-preise-hoch\/"},"modified":"2017-11-27T14:22:05","modified_gmt":"2017-11-27T14:22:05","slug":"hiv-therapie-pharmaanbieter-gilead-haelt-die-preise-hoch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/hiv-therapie-pharmaanbieter-gilead-haelt-die-preise-hoch\/","title":{"rendered":"HIV-Therapie: Pharmaanbieter Gilead h\u00e4lt die Preise hoch"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (ots) &#8211; Mehr als jeder zweite Euro der medikament\u00f6sen  Therapie von Versicherten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)  mit einer HIV-Erkrankung wird in Deutschland von der amerikanischen  Pharmafirma Gilead umgesetzt. Das Robert Koch-Institut sch\u00e4tzt, dass  \u00fcber 65.000 HIV-Infizierte eine antiretrovirale Therapie in  Deutschland bekommen.<!--more--> Insgesamt hat die GKV 2016 rund 945 Millionen  Euro f\u00fcr die Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten ausgegeben, wie das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) mitteilt. Die  Preise f\u00fcr HIV-Arzneimittel haben sich in den letzten 30 Jahren  versiebenfacht. &#8222;Spitzenreiter ist die amerikanische Firma Gilead,  die in Deutschland zum gr\u00f6\u00dften Anbieter f\u00fcr Medikamente gegen  HIV-Erkrankungen geworden ist. Mit pharmatypischen Schachz\u00fcgen h\u00e4lt  sie den aufkommenden Preiswettbewerb von Generika-Konkurrenten klein  und ihren Gewinn hoch&#8220;, so Helmut Schr\u00f6der, stellvertretender  Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des WIdO. Dazu kommt: &#8222;Neue, patentgesch\u00fctzte  Produkte von Gilead konnten ihre \u00dcberlegenheit gegen\u00fcber den  bew\u00e4hrten Mitteln bisher nicht belegen, vielmehr k\u00f6nnen ihre  Nebenwirkungen den Patienten sogar zus\u00e4tzlich schaden.&#8220;     1987 wurde mit Retrovir\u00ae (Wirkstoff: Zidovudin) das erste  Arzneimittel gegen HIV in Deutschland eingef\u00fchrt. Seitdem hat sich  die antiretrovirale Therapie (ART) sehr stark weiterentwickelt.  Wurden fr\u00fcher mit der damaligen Monotherapie nur kurze und  unzureichende Behandlungserfolge erzielt, k\u00f6nnen HIV-Patienten bei  erfolgreichem Ansprechen auf die heute zur Verf\u00fcgung stehenden  Kombinationstherapien und dauerhafter Medikamenteneinnahme nahezu das Lebensalter der Durchschnittsbev\u00f6lkerung erreichen. Forschung und  Entwicklung haben jedoch anscheinend dauerhaft ihren Preis: 1990  kostete die Verordnung eines HIV-Arzneimittels die GKV  durchschnittlich 220 Euro, 2016 mit 1.570 Euro bereits das  Siebenfache.     Die Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG e.V.) empfiehlt eine  lebenslange Kombinationstherapie aus drei und mehr verschiedenen  Wirkstoffen, die nicht nur die Lebenserwartung von HIV-Infizierten  erheblich erh\u00f6ht, sondern auch die Ansteckung Dritter vermindert.  Umsatz-Spitzenreiter bei den HIV-Arzneimitteln war im Jahr 2016  Truvada\u00ae, eine Kombination aus Emtricitabin und Tenofovirdisoproxil  von der Firma Gilead. Kurz vor dem Patentauslauf von Truvada\u00ae hat  Gilead den Wirkstoff Tenofovir geringf\u00fcgig modifiziert  (Tenofoviralafenamid) und mit neuem Patentschutz unter dem Namen  Descovy\u00ae \u00e4hnlich hochpreisig in den Handel gebracht. Gilead wirbt  damit, dass Descovy\u00ae weniger Nebenwirkungen auf Nieren und Knochen  hat. Doch der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), der seit dem Jahr  2011 alle neuen Arzneimittel bewertet, konnte keinen Zusatznutzen f\u00fcr die Patienten feststellen. Die Arzneimittelkommission der deutschen  \u00c4rzteschaft (Akd\u00c4) hat dar\u00fcber hinaus eine Stellungnahme zu  Tenofoviralafenamid zur Hepatitis B-Behandlung ver\u00f6ffentlicht, nach  der die von Gilead durchgef\u00fchrten Studien einen geringeren Schaden  des neuen Produktes nicht belegen. Stattdessen weisen einige  Ergebnisse darauf hin, dass es sogar mehr neurologische  Nebenwirkungen als das schon lange in Truvada\u00ae eingesetzte  Tenofovirdisoproxil verursacht.     Dennoch sind die Verordnungsmengen von Descovy\u00ae sehr schnell  angestiegen und haben den Verordnungsr\u00fcckgang des mittlerweile  patentfreien Truvada\u00ae kompensiert. Obwohl entsprechend den Leitlinien der Deutschen AIDS-Gesellschaft (DAIG) ein Therapiewechsel  ausschlie\u00dflich bei Versagen, Nebenwirkungen, Problemen mit dem  Einnahmeregime, Schwangerschaft, Begleittherapien oder  Arzneimittelinteraktionen durchgef\u00fchrt werden sollte. Somit konnte  Gilead die r\u00fcckl\u00e4ufigen Truvada\u00ae-Ums\u00e4tze \u00fcber die gestiegenen  Descovy\u00ae-Ums\u00e4tze nahezu vollst\u00e4ndig ausgleichen. Heute geht mehr als  jeder zweite Euro, den die GKV f\u00fcr antiretrovirale Therapien ausgibt, an Gilead. Noch vor 10 Jahren war es nur etwa jeder f\u00fcnfte Euro.     Bevor im August 2017 die ersten Generika zu Truvada\u00ae auf den Markt gekommen sind, hatte Gilead seine neue Kombination Descovy\u00ae  erfolgreich platziert. &#8222;Offenbar hat Gilead die vermeintlichen  Vortei-le seines nur leicht ver\u00e4nderten, aber unter Patentschutz  stehenden Pr\u00e4parates erfolgreich beworben und konnte sich somit der  unliebsamen Generika-Konkurrenz erwehren. Mit dieser Strategie werden HIV-Patienten f\u00fcr Unternehmensinteressen benutzt, indem ihre Therapie unn\u00f6tig auf neuere und teure Arzneimittel umgestellt wird, deren  Verbesserung gar nicht belegt und mit wom\u00f6glich neuen Gefahren  verbunden ist. Gilead verhindert damit auch einen m\u00f6glichen  Preiswettbewerb und Einsparungen f\u00fcr die GKV&#8220;, sagt Helmut Schr\u00f6der.     Gilead belegt 2016 im Ranking der Pharma&amp;Biotech-Branche den  siebten Platz mit einem weltweiten Jahresumsatz von 30 Milliarden  US-Dollar. Mit einer EBIT-Marge (dem prozentualen Anteil des  Ergebnisses vor Zinsen und Steuern am Umsatz) von mehr als 60 Prozent in den Jahren 2014 und 2015 nimmt das Unternehmen sogar einen  Spitzenplatz in der ohnehin schon profitablen Pharmabranche  (durchschnittliche EBIT-Marge 26 Prozent) ein.     Mit ihrer Kampagne UNAIDS wollen die Vereinten Nationen bis zum  Jahr 2030 die AIDS-Epidemie weltweit eind\u00e4mmen. Mit der 90-90-90  Strategie sollen 90 Prozent der HIV-Infizierten diagnostiziert sein,  90 Prozent sollen eine ad\u00e4quate ART-Therapie erhalten und bei 90  Prozent davon soll die Virenvermehrung komplett unterbunden sein, um  eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Deutschland steht kurz vor  Erreichen dieses Ziels. Den Status zu halten, gelingt allerdings nur, wenn alle Diagnostizierten auch lebenslang mit einer erfolgreichen  und bezahlbaren Therapie behandelt werden k\u00f6nnen.     Hinweis an die Redaktionen     Abbildungen auf www.wido.de.     Die Verordnungsdaten f\u00fcr die Jahre 2015 und 2016 \u00fcber j\u00e4hrlich  knapp 700 Millionen Arzneimittelverordnungen stehen allen  Interessierten zur kostenfreien Nutzung im PharMaAnalyst des WIdO  (http:\/\/arzneimittel.wido.de\/PharMaAnalyst) zur Verf\u00fcgung.    Pressekontakt: Christine G\u00f6pner-Reinecke Telefon: 030 \/ 34646-2298 Mobil: 01520 \/ 1563126 E-Mail: presse@wido.bv.aok.de  Original-Content von: Wissenschaftliches Institut der AOK, \u00fcbermittelt durch news aktuell<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/32063\/3799521\" target=\"_blank\">presseportal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin (ots) &#8211; Mehr als jeder zweite Euro der medikament\u00f6sen Therapie von Versicherten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mit einer HIV-Erkrankung<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-245919","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/245919","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=245919"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/245919\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=245919"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=245919"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=245919"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}