{"id":24764,"date":"2010-11-18T11:52:29","date_gmt":"2010-11-18T10:52:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=24764"},"modified":"2010-11-18T11:52:29","modified_gmt":"2010-11-18T10:52:29","slug":"assistenzsysteme-sollen-helfen-aber-nicht-beherrschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/assistenzsysteme-sollen-helfen-aber-nicht-beherrschen\/","title":{"rendered":"Assistenzsysteme sollen helfen aber nicht beherrschen"},"content":{"rendered":"<p><a rel=\"attachment wp-att-24765\" href=\"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/2010\/11\/assistenzsysteme-sollen-helfen-aber-nicht-beherrschen\/foto-mediagipfel\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-24765\" title=\"Foto Mediagipfel\" src=\"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Foto-Mediagipfel-320x212.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Foto-Mediagipfel-320x212.jpg 320w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Foto-Mediagipfel-426x282.jpg 426w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/Foto-Mediagipfel.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a>Foto: Michel Mittelst\u00e4dt, Mediatage Nord<\/p>\n<p>Beim Mediagipfel diskutieren Experten Chancen und Risiken von Pflegesystemen<\/p>\n<p>Mit einer Au\u00dfenschalte beginnt der Mediagipfel zum Thema \u201eZukunftsmarkt digitale Assistenten\u201c. Ein Auto rauscht an einer Parkl\u00fccke vorbei, nimmt Ma\u00df und steht Sekunden sp\u00e4ter in der engen L\u00fccke. Einparken auf Knopfdruck, da ist man sich im Saal schnell einig, ist eine gute Sache.<!--more--> Auch Navigationssystem oder Smartphone haben l\u00e4ngst den Weg in unsere Gesellschaft gefunden. Sind \u201enice to have\u201c, wie es Staatssekret\u00e4rin Dr. Tamara Zieschang vom Ministerium f\u00fcr Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr ausdr\u00fcckt. Die technische Entwicklung sei immer auch die Suche nach Antworten auf unsere sich rasant ver\u00e4ndernde Welt. \u201eDie Schl\u00fcsselfrage ist, wie wir den Alterungsprozess menschenw\u00fcrdig gestalten\u201c, macht Zieschang deutlich. \u201eBis 2050 wird sich der Anteil der Erwerbst\u00e4tigen in Schleswig-Holstein um so viele Menschen verringern, wie derzeit in Kiel, Neum\u00fcnster, L\u00fcbeck und Flensburg leben.\u201c Der Fachkr\u00e4ftemangel sei vorhersehbar, vor allem auch im Pflege- und Gesundheitsbereich, da die Zahl der \u00c4lteren Menschen deutlich ansteigen werde.<\/p>\n<p>\u201eWerden digitale Assistenten die Enkel der Zukunft sein?\u201c, fragte Jutta K\u00fcrtz, Vorsitzende des Beirates des Offenen Kanals Schleswig-Holstein. Reale soziale Netze, in denen Kinder, Partner und Freunde sich in schweren Zeiten k\u00fcmmerten, seien heute eher die Ausnahme. \u201eEs bedarf k\u00fcnftig der fremden Helfer und der klugen Hilfsmittel.\u201c Das sei eine Nachricht, hinter der sich unglaubliches wirtschaftliches Potential verberge. Dabei d\u00fcrfe es aber, so K\u00fcrtz, auch k\u00fcnftig nicht an Mitmenschlichkeit, echter Zuneigung und Herzensw\u00e4rme fehlen. Maschine statt Mensch, das sei eine Horrorvorstellung.<\/p>\n<p>Professor Norbert Kr\u00fcger, von der University of Southern Denmark in Odensee forscht im Bereich der Robotik. \u201eEin Rollstuhl, der sich auf Knopfdruck in ein Bett verwandelt, eine Maschine, die Menschen w\u00e4scht, oder selbstreinigende Windeln gibt es schon als Prototypen, die kurz vor der Marktreife stehen\u201c, gibt er einen Ausblick auf die nahe Zukunft. Der Hilfsarm, der auf Sprache reagiert und Gegenst\u00e4nde anreicht, sei auch denkbar, aber nicht so schnell realisierbar. \u201eEin k\u00fcnstlicher Mensch ist auf Jahrzehnte nicht vorstellbar, wenn es ihn denn \u00fcberhaupt irgendwann gibt\u201c, ist Kr\u00fcgers Einsch\u00e4tzung.<\/p>\n<p>Auch bei SMART Assist in L\u00fcbeck wird an L\u00f6sungen get\u00fcftelt, die Menschen ein l\u00e4ngeres selbst\u00e4ndiges Leben in den eigenen Vier-W\u00e4nden erlauben sollen. \u201eDie Idee ist ein Mosaikkasten der Sensorik, der den Tagesablauf abbildet und so Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten erkennen und melden kann\u201c, erkl\u00e4rt Sprecher Lutz Kleinfeld. \u201eDabei wird der Wasser-, Strom- und Gasverbrauch registriert oder ein Bettsensor meldet, ob die Schlafst\u00e4tte benutzt wird. Im Gegensatz zum herk\u00f6mmlichen Hausnotruf, den der Hilfesuchende selbst ausl\u00f6sen muss, kann dieses System ohne Eingriff in Notsituationen Alarm schlagen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie totale \u00dcberwachung und Fremdbestimmung ist f\u00fcr mich ein Horrorszenario\u201c, macht die Landespastorin f\u00fcr die Diakonie, Petra Thobaben, deutlich. Ethisch bedenklich sei, wenn die menschliche Komponente ausgeblendet werde. Die Begegnung von Menschen mit Menschen, das Bed\u00fcrfnis nach N\u00e4he und W\u00e4rme, k\u00f6nne man nicht an eine Maschine delegieren. Sie sehe aber auch Vorteile. So k\u00f6nne ein Waschroboter beispielsweise helfen, einen Einbruch in die Intimsph\u00e4re zu vermeiden.<\/p>\n<p>\u201eIn einen Waschautomaten w\u00fcrde ich mich auch setzen\u201c, sagt Dr. Johann Brunkhorst, Leiter der Landesvertretung Schleswig-Holstein der Techniker Krankenkasse. F\u00fcr den Bereich der Notrufsysteme prognostiziert er: \u201eDa ist noch viel Musik drin.\u201c Die Hoffnung, dass digitale Assistenten die Kosten im Pflegebereich reduzieren k\u00f6nnen, habe er jedoch schon lange aufgegeben. Sinnvoll seien die Systeme dennoch, \u201evor allem, wenn sie den Pflegenden Freir\u00e4ume schaffen, die diese nutzen k\u00f6nnen, um menschliche Zuwendung zu geben. Eine industrialisierte Altersversorgung darf es nicht geben.\u201c Auch d\u00fcrfe man bei den Entwicklungen nicht auf das System vertrauen, notwendig seien klare gesetzliche Vorgaben. Eine Forderung, die Thobaben aufgreift: \u201eF\u00fcr den Datenschutz brauchen wir Ombudsleute, die auch gegen den Willen der Familienangeh\u00f6rigen intervenieren k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer Datenschutz ist keine H\u00fcrde\u201c, sagt Kleinfeld. Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung sei es, die Akzeptanz f\u00fcr solche Systeme zu schaffen. Da sei der Mehrwert ein wichtiger Faktor. So sei es vorstellbar, dass das in L\u00fcbeck in der Entwicklung befindliche System zus\u00e4tzlich auch als Einbruchmeldeanlage fungiere. Bis dahin sei aber noch viel Arbeit n\u00f6tig, um Computerprogramme so weit zu entwickeln, dass sie zuverl\u00e4ssig die Daten der Sensoren auswerten und tats\u00e4chlich nur in Notsituationen Alarm schlagen.<\/p>\n<p>Einig war sich das Podium am Ende in einem \u201eJa\u201c zur Sensorik in Grenzen und einer nuancierten Bef\u00fcrwortung der Robotik unter der Ma\u00dfgabe, dass die Assistenten nicht zum Beherrscher der Menschen werden.<\/p>\n<p>Die Mediatage Nord 2010 stehen in diesem Jahr unter dem Leitthema \u201eLebenswelten \u2013 smart und vernetzt\u201c. \u00dcber 25 Veranstaltungen beleuchten vom 15. bis zum 19. November 2010 im Haus der Wirtschaft, Bergstra\u00dfe 2 in Kiel, unseren digitalen Alltag aus den Blickwinkeln von Medien, Wirtschaft und Recht. Organisiert und koordiniert werden die Mediatage Nord von der IHK Schleswig-Holstein, der Medienanstalt Hamburg \/ Schleswig-Holstein (MA HSH), der Wirtschaftsf\u00f6rderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) und dem Offenen Kanal Schleswig-Holstein (OKSH).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Foto: Michel Mittelst\u00e4dt, Mediatage Nord Beim Mediagipfel diskutieren Experten Chancen und Risiken von Pflegesystemen Mit einer Au\u00dfenschalte beginnt der Mediagipfel<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"class_list":["post-24764","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-besondere-neuigkeiten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24764","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24764"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24764\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24764"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24764"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24764"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}