{"id":255984,"date":"2018-04-23T14:55:09","date_gmt":"2018-04-23T14:55:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/politik-wirtschaft\/interview-zu-den-mitteldeutschen-energiegespraechen-schnelligkeit-der-energiewende-fordert-neue-konzepte-auch-fuer-verbraucher-foto\/"},"modified":"2018-04-23T14:55:09","modified_gmt":"2018-04-23T14:55:09","slug":"interview-zu-den-mitteldeutschen-energiegespraechen-schnelligkeit-der-energiewende-fordert-neue-konzepte-auch-fuer-verbraucher-foto","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/interview-zu-den-mitteldeutschen-energiegespraechen-schnelligkeit-der-energiewende-fordert-neue-konzepte-auch-fuer-verbraucher-foto\/","title":{"rendered":"Interview zu den Mitteldeutschen Energiegespr\u00e4chen: Schnelligkeit der Energiewende fordert neue Konzepte, auch f\u00fcr Verbraucher (FOTO)"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full\" src=\"https:\/\/cache.pressmailing.net\/thumbnail\/story_big\/dac10a12-9d7e-475b-bc2f-b799dec858d9\/image\" \/><\/p>\n<p>Leipzig (ots) &#8211;     Interview von Rainer Otto mit dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der  Energy2market, Andreas Keil im Rahmen der 14. Mitteldeutschen  Energiegespr\u00e4che (MDEG)     Das 14. Mitteldeutsche Energiegespr\u00e4ch unternimmt eine TOUR  D\u00b4HORIZON ZUM STAND DER ENERGIE-, W\u00c4RME-, UND MOBILIT\u00c4TSWENDE ANHAND  DER POLITISCHEN NOTWENDIGKEITEN DES KOALITIONSVERTRAGES.<!--more--> Wie w\u00fcrden  Sie bitte den gegenw\u00e4rtigen Stand einsch\u00e4tzen?     Eine so generelle Frage l\u00e4sst sich schwerlich kurz beantworten,  ich werde es dennoch versuchen. Seit Beginn der Energiewende sind vor allem regenerative Erzeugungsanlagen in signifikantem Umfang in allen Gr\u00f6\u00dfen und Technologien entstanden. Diese haben einen erstaunlichen  Grad an Effizienz erreicht, der eine F\u00f6rderung mehr und mehr  \u00fcberfl\u00fcssig macht &#8211; das zeigen die letzten Auktionen.      Seit 2012 wurden diese Anlagen erfolgreich in die Energiem\u00e4rkte  integriert. Hier ist einerseits die Entstehung von Virtuellen  Kraftwerken zu nennen, andererseits die Entwicklung exzellenter  Prognosesysteme und eines funktionierenden und immer schneller  reagierenden Intraday-Marktes. Daraus resultiert ein unglaublicher  Zuwachs an Effizienz bei der Bewirtschaftung fluktuierender  Portfolios sowie eine deutliche D\u00e4mpfung der Ausgleichsenergiepreise. Zugleich st\u00f6\u00dft das Ungleichgewicht zwischen Angebotsleistung und  ben\u00f6tigten Energiemengen immer st\u00e4rker an die Kapazit\u00e4tsgrenzen von  Netzen, und die volle Flexibilit\u00e4t konventioneller Erzeuger wird  ben\u00f6tigt, um die Versorgung sicherzustellen.      Dieser Zustand wird durch das Verhalten von Prosumern oder  Entwicklungen wie der E-Mobilit\u00e4t noch versch\u00e4rft. In dem Ma\u00dfe, wie  die Konventionellen den Markt verlassen, stehen wir also vor der  Herausforderung, dass die verbleibenden Erzeuger und Verbraucher  flexibel auf das Angebot reagieren. Hierzu m\u00fcssen sie ert\u00fcchtigt und  angereizt sein.     Was m\u00fcsste denn in den kommenden 3 bis 5 Jahren oder in der noch  verbleibenden gegenw\u00e4rtigen Legislaturperiode des Deutschen  Bundestages parlamentarisch auf den Weg gebracht werden, um den  Erfolg des Gesamtprojektes zu sichern?     Im Wesentlichen wird es darum gehen, die Flexibilit\u00e4t auf der  Verbrauchsseite zu erh\u00f6hen und in diesem Zusammenhang alle Hemmnisse  f\u00fcr diese Verhaltens\u00e4nderung zu beseitigen. Hier geht es im Kern um  alternative Modelle f\u00fcr den Umgang mit den Kosten aus Netznutzung  sowie aus Steuern und Abgaben.     Politik, so hei\u00dft es, ben\u00f6tigt Macht, um zu gestalten, und Macht  setzt auch im Energiebereich Fakten. Wie sch\u00e4tzen Sie dabei die Rolle der sogenannten Graswurzelbewegung ein, die infolge der  Regionalisierung einzelner Prozesse der Energiewende teilweise an den Stellgr\u00f6\u00dfen mitgestalten und damit Einfluss auf die Politik haben  k\u00f6nnte?     Die vielzitierte Graswurzelbewegung beschreibt im Kern die  systematische Aufl\u00f6sung klassischer Versorgungsstrukturen und  Marktrollen, da praktisch jeder Verbraucher auch Energie erzeugen,  speichern und weiterverkaufen kann. Basis daf\u00fcr ist die Verf\u00fcgbarkeit effizienter Technologien (Erzeugung, Steuerung, Kommunikation) in  Verbindung mit einem materiellen Anreiz. Letzterer ist heute  scheinbar objektiv durch die hohen Endverbraucherpreise gegeben.  Der Anreiz f\u00fcr die Graswurzelbewegung ist damit regulatorisch verursacht  und jederzeit politisch gestaltbar. Dies k\u00f6nnte sich erst ab dem  Moment \u00e4ndern, an dem regenerative Erzeugung die kosteng\u00fcnstigste im  Markt ist. Dann k\u00f6nnte die heute autonomiegetriebene  Graswurzelbewegung in Verbindung mit Virtuellen Kraftwerken auch  zunehmend nach Leistungen im Rahmen der Netz- und  Versorgungssicherheit greifen.     Demgegen\u00fcber steht die Neuausrichtung der gro\u00dfen &#8222;Zwei&#8220; der  deutschen Energiebranche. Sehen Sie hier gravierende Notwendigkeiten  der Branche, ihre Strategien ebenfalls neu auszurichten?     Die von Ihnen liebevoll umschriebene Entstehung eines nationalen  Champions mit internationalem Gewicht wird sicher Einfluss auf die  k\u00fcnftige Energielandschaft in Deutschland haben. Die Notwendigkeit  einer Neuausrichtung unserer Strategie leite ich daraus nicht ab, da  diese sich ja auch heute nicht von der Strategie der genannten  Unternehmen ableitet. Es wird vielmehr darauf ankommen, dass wir  unsere F\u00e4higkeit, schnell und effizient in M\u00e4rkten zu agieren, weiter ausbauen. Hierin werden auch f\u00fcr den neuen Giganten die  Herausforderungen nicht kleiner.     In diesen Tagen konnte man in den Medien (beispielsweise  TAGESSPIEGEL &#8211; &#8222;Erneuerbare auf die Kette kriegen&#8220;) \u00fcber die  Zusammenarbeit von Energy2market mit der amerikanischen  Energie-Blockchain-Plattform Swytch lesen. Was bedeutet f\u00fcr Sie  Blockchain?     Blockchain ist zun\u00e4chst einmal einfach eine Technologie, die es  erm\u00f6glicht, Informationen in Echtzeit zu erfassen und allen  Beteiligten sicher und unver\u00e4nderbar zur Verf\u00fcgung zu stellen. Das  gibt uns die M\u00f6glichkeit, damit sensible Datenaustauschprozesse oder  gesch\u00e4ftliche Transaktionen und Zahlungen unmittelbar, zuverl\u00e4ssig  und zudem kosteng\u00fcnstig zu gestalten. In dem von Ihnen angesprochenen Projekt schaffen wir die Voraussetzungen f\u00fcr die unmittelbare und  sichere Erfassung der Erzeugung gr\u00fcner Energie. Dies l\u00e4sst k\u00fcnftig  beispielsweise eine direkte Belieferung von Verbrauchern aus gr\u00fcnen  Erzeugungsanlagen zu.     Was ist dann mit Blockchain das Neue, was der herk\u00f6mmliche  Energiehandel so nicht leisten kann?     Alles und Nichts. Lassen Sie mich das an zwei Beispielen zeigen.  Erstes Beispiel: der Energiehandel erfolgt heute zumeist \u00fcber B\u00f6rsen, die als die wesentlichen Marktpl\u00e4tze fungieren. Daneben ist es  nat\u00fcrlich auch m\u00f6glich, bilateral Energiegesch\u00e4fte abzuschlie\u00dfen.  \u00dcber Blockchain kann nun zwischen allen beteiligten Partnern ein  Marktplatz geschaffen werden, der die Transparenz und Sicherheit  einer B\u00f6rse hat &#8211; ohne institutionell zu existieren. Die daraus  erwarteten Kosteneinsparungen auf Seiten der Akteure werden mit bis  zu 90% gegen\u00fcber heute erwartet.      Zweites Beispiel: Auch heute ist es m\u00f6glich, dass ein Erzeuger  seine Energiemengen direkt an einen Verbraucher liefert. \u00dcber  Blockchain sind Direktliefermodelle denkbar, in denen Franz  Mustermann den \u00dcberschussstrom der PV-Anlage auf seinem  Einfamilienhaus an die WG seines Sohnes in der Stadt liefern kann.  Welches Potential es f\u00fcr solche Gesch\u00e4ftsmodelle gibt, ist sicher  eine diskussionsw\u00fcrdige Frage. Die niedrigen Transaktionskosten von  Blockchain machen sie aber m\u00f6glich.     Wenn der Technologieansatz darin besteht, sehr schnell  Informationen auszutauschen, w\u00e4re denn dann die  Blockchain-Technologie in ihrer Anwendung nicht sehr interessant f\u00fcr  Netzbetreiber?     Ja, das w\u00e4re sie und es gibt hierzu bereits tiefer gehende  \u00dcberlegungen und erste Projekte im Markt, die wir nat\u00fcrlich mit  gro\u00dfem Interesse verfolgen.     Und hier kommt wieder die Politik ins Spiel, wie sollte sich denn  die Politik, allgemein wird immer die Notwendigkeit der  Technologieoffenheit bei der Gestaltung der Energiewende  unterstrichen, in Sachen Regel- und Grenzen-Setzung verhalten?     Das ist eine ausgesprochen schwierige Frage, weil die meisten  Regeln und Grenzen aus politisch initiierten F\u00f6rder- und  Steuerungsmechanismen resultieren, so dass es bei einer \u00c4nderung  immer Gewinner und Verlierer gibt. Ausgehend von meinem  Eingangsstatement, nach dem f\u00fcr die n\u00e4chste Phase der Energiewende  die F\u00e4higkeit zur kurzfristigen Verhaltens\u00e4nderung auf der  Erzeugungs- und der Verbrauchsseite entscheidend sein wird, sollten  Anreize f\u00fcr eben diese Verhaltens\u00e4nderung bestehen und nutzbar sein.  Diese k\u00f6nnen aus dem Markt oder geschaffenen Anreizmechanismen  kommen. In jedem Fall sollten sie frei von jeder Technologiebindung  sein.     Abschlie\u00dfend erlauben Sie bitte noch die Frage, wo sehen Sie denn  bei alledem die weitere Entwicklung von Energy2market?     Als Aggregator sehen wir unsere Rolle darin, die Energie, die  Flexibilit\u00e4t und die Interessen so vieler dezentraler Akteure wie  m\u00f6glich zu b\u00fcndeln und zu deren Vorteil zu nutzen. Hierzu entwickeln  wir eine skalierbare und offene Plattform, die auch Dritten f\u00fcr die  Umsetzung ihrer Gesch\u00e4ftsmodelle offensteht.    Pressekontakt: Michael R. Richter  Phone: +49 341 230 28 238   michael.richter@e2m.energy Energy2market GmbH, Wei\u00dfenfelser Str. 84, 04229 Leipzig  Original-Content von: Energy2market GmbH, \u00fcbermittelt durch news aktuell<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/104174\/3924612\" target=\"_blank\">presseportal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leipzig (ots) &#8211; Interview von Rainer Otto mit dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Energy2market, Andreas Keil im Rahmen der 14. 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