{"id":256745,"date":"2018-05-04T16:04:13","date_gmt":"2018-05-04T16:04:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/politik-wirtschaft\/un-anhoerung-bundesregierung-muss-kritik-der-zivilgesellschaft-aufgreifen\/"},"modified":"2018-05-04T16:04:13","modified_gmt":"2018-05-04T16:04:13","slug":"un-anhoerung-bundesregierung-muss-kritik-der-zivilgesellschaft-aufgreifen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/un-anhoerung-bundesregierung-muss-kritik-der-zivilgesellschaft-aufgreifen\/","title":{"rendered":"UN-Anh\u00f6rung: Bundesregierung muss Kritik der Zivilgesellschaft aufgreifen"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (ots) &#8211; Reporter ohne Grenzen (ROG) appelliert an die  Bundesregierung, bei der Befragung zur menschenrechtlichen Lage in  Deutschland durch die UN-Staatengemeinschaft eigene Defizite beim  Schutz der Pressefreiheit zu benennen und Kritik der  Zivilgesellschaft aufzugreifen. Deutschland muss sich am Dienstag (8. Mai) in Genf den Fragen der \u00fcbrigen 192 UN-Mitglieder stellen.<!--more--> ROG  hat f\u00fcr dieses sogenannte UPR-Verfahren im September einen  Schattenbericht zur Lage von Journalistinnen und Journalisten  eingereicht, in dem Kritik und Empfehlungen ausgesprochen werden  (http:\/\/ogy.de\/azfo).     &#8222;Deutschland hat hohe Pressefreiheitsstandards und vergleichsweise gute Arbeitsbedingungen f\u00fcr Journalistinnen und Journalisten, doch  auch hierzulande gibt es Defizite&#8220;, sagte ROG-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer  Christian Mihr. &#8222;Gerade beim Schutz vor digitaler \u00dcberwachung oder  L\u00f6schpflichten f\u00fcr soziale Netzwerke hat Deutschland ein schlechtes  Vorbild f\u00fcr andere Staaten abgegeben &#8211; und ist nach eigenen Worten  Empfehlungen von Iran und China gefolgt.&#8220;     DEUTSCHLAND IM UN-VERH\u00d6R     Das Allgemeine Periodische \u00dcberpr\u00fcfungsverfahren (englisch:  Universal Periodic Review, UPR) ist ein 2007 eingef\u00fchrtes Instrument  des UN-Menschenrechtsrats. Hierbei muss sich abwechselnd jeder  Mitgliedsstaat der \u00dcberpr\u00fcfung durch die anderen L\u00e4nder stellen. Nach 2009 und 2013 ist Deutschland am 8. Mai 2018 zum dritten Mal an der  Reihe. Die deutsche Delegation wird in Genf angef\u00fchrt von der  Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, B\u00e4rbel Kofler (SPD),  und hat zwei Aufgaben: Einerseits muss sie erkl\u00e4ren, ob und wie sie  die UPR-Empfehlungen zur Verbesserung der Menschenrechte aus dem Jahr 2013 umgesetzt hat. Andererseits muss sie sich den Fragen der \u00fcbrigen UN-Staaten stellen und erkl\u00e4ren, welche der Empfehlungen sie bis zum  n\u00e4chsten UPR umsetzen m\u00f6chte.     Im Vorfeld hat die Bundesregierung einen eigenen Staatenbericht  eingereicht, in der sie die menschenrechtliche Lage bewertet  (http:\/\/ogy.de\/rd6r). In einem Anhang (http:\/\/ogy.de\/sqh0) z\u00e4hlt sie  Ma\u00dfnahmen auf, mit denen sie einzelne Empfehlungen aus dem Jahr 2013  umgesetzt habe. Problematisch ist mit Blick auf die Pressefreiheit,  dass die Bundesregierung nach eigener Aussage zwei Empfehlungen von  Iran und China &#8222;akzeptiert&#8220; habe. Die L\u00e4nder, die auf der Rangliste  der Pressefreiheit auf Platz 164 (Iran) und 176 (China) stehen,  regten 2013 gesetzliche Ma\u00dfnahmen gegen die Verbreitung  rassistischer, islam- oder ausl\u00e4nderfeindlicher Inhalte im Internet  oder in den Medien an. Solche Forderungen sind \u00fcblich f\u00fcr L\u00e4nder mit  starker Einschr\u00e4nkung der Meinungs- und Pressefreiheit, die solche  Initiativen h\u00e4ufig f\u00fcr ein Vorgehen gegen unliebsame  Berichterstattung missbrauchen.     UMSTRITTENES NETZDG WIRD ALS L\u00d6SUNG PR\u00c4SENTIERT     Die Bundesregierung f\u00fchrt dazu aus, dass die iranisch-chinesischen Empfehlungen unter anderem mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz  (NetzDG) aufgenommen wurden. Das Gesetz verpflichtet soziale  Netzwerke, binnen 24 Stunden &#8222;offensichtlich rechtswidrige Inhalte&#8220;  zu l\u00f6schen und droht bei systematischen Fehlverhalten der Unternehmen mit Strafen von bis zu 50 Millionen Euro. Das NetzDG geh\u00f6rte zu den  umstrittensten Gesetzen der vergangenen Legislaturperiode. Es  verlagert die Verantwortung f\u00fcr L\u00f6schentscheidungen einseitig auf die Seite der Betreiber und beinhaltet keine unabh\u00e4ngigen  Aufsichtsmechanismen. Au\u00dferdem erhalten Nutzerinnen und Nutzer kein  Widerspruchsrecht, wenn ihre Inhalte f\u00e4lschlicherweise gel\u00f6scht  wurden.     Reporter ohne Grenzen hatte diese Kritikpunkte unter anderem in  einer Sachverst\u00e4ndigen-Anh\u00f6rung im Bundestag vorgetragen  (http:\/\/ogy.de\/ulv0) und gewarnt, dass ein solches Gesetz in weniger  demokratischen L\u00e4ndern zur Zensur missbraucht werden kann  (http:\/\/ogy.de\/dl17). Tats\u00e4chlich hat Russland das deutsche NetzDG  umgehend kopiert (http:\/\/ogy.de\/tyf2). Dass die Bundesregierung auf  internationaler B\u00fchne nun auf Empfehlungen von China und Iran  offiziell mit dem NetzDG als L\u00f6sung reagiert, ist angesichts der  Kritik im Inland zynisch. Sie nutzt in ihrer Antwort sogar den  Begriff der &#8222;Fake News&#8220;, mit dem Autokraten weltweit gegen  Journalistinnen und Journalisten vorgehen (http:\/\/ogy.de\/76dr). ROG  hatte die Kritik am NetzDG im Schattenbericht genannt, was die UN in  einer \u00dcbersicht verschiedener Stellungnahmen aufgenommen hatte  (http:\/\/ogy.de\/rd6r).     DEUTSCHLAND VERSCHWEIGT NEGATIVENTWICKLUNGEN     Im eigenen Staatenbericht zeichnet die Bundesregierung ein  positives Bild von der Menschenrechtssituation im Land. Die Meinungs- und Pressefreiheit nimmt in dem Bericht allerdings nur einen geringen Stellenwert ein und wesentliche Negativentwicklungen l\u00e4sst er  unerw\u00e4hnt. Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit f\u00f6rdert die  Bundesregierung laut dem Bericht Ma\u00dfnahmen f\u00fcr digitale Sicherheit,  um die Meinungs- und Pressefreiheit f\u00fcr Journalisten und  Menschenrechtsaktivisten zu sch\u00fctzen.     Dies ist zwar begr\u00fc\u00dfenswert, wird jedoch durch Ma\u00dfnahmen im Inland konterkariert. So wurde etwa ein neues Gesetz f\u00fcr den  Bundesnachrichtendienst (BND) erlassen, mit dem der deutsche  Auslandsgeheimdienst das Recht erhalten hat, ausl\u00e4ndische  Journalisten im Ausland praktisch schrankenlos zu \u00fcberwachen. Ende  2017 zogen deswegen international renommierte Journalistinnen und  Journalisten vor das Bundesverfassungsgericht, um sich gegen diese  BND-\u00dcberwachung zu wehren. ROG unterst\u00fctzte sie dabei ma\u00dfgeblich  (http:\/\/ogy.de\/eoes). Die BND-Reform steht auch im Gegensatz zu einer UN-Resolution zum Recht auf Privatsph\u00e4re im digitalen Zeitalter, die  von Deutschland und Brasilien eingebracht wurde und im  UPR-Staatenbericht als Beleg daf\u00fcr angef\u00fchrt wird, dass sich die  Bundesregierung f\u00fcr die Menschenrechte eingesetzt habe. Die  BND-Novelle erw\u00e4hnt sie hingegen nicht.     Die digitale Sicherheit der Medien ist im Inland zudem dadurch  eingeschr\u00e4nkt worden, dass der sogenannte Staatstrojaner im  Strafverfahren eingef\u00fchrt wurde &#8211; und auch gegen Journalistinnen und  Journalisten eingesetzt werden kann. Strafverfolger d\u00fcrfen damit  Smartphones hacken und verschl\u00fcsselte Kommunikation mitschneiden,  etwa bei sensiblen Gespr\u00e4chen zwischen Medien und ihren Quellen  (http:\/\/ogy.de\/mrue). Unerw\u00e4hnt l\u00e4sst der Bericht ferner, dass es in  Deutschland kein Whistleblower-Schutzgesetz gibt und sich kaum  Fortschritte bei der Informationsfreiheit ergeben haben  (http:\/\/ogy.de\/4uyr).     INTERNATIONAL F\u00dcR UN-SONDERBEAUFTRAGTEN WERBEN     Die Bundesregierung sollte das internationale Parkett zudem  nutzen, um f\u00fcr politische Initiativen zu werben, die f\u00fcr die globale  Entwicklung der Pressefreiheit bedeutend sind. So hat etwa der  Bundestag als erstes Parlament weltweit die Bundesregierung in einem  Entschlie\u00dfungsantrag aufgefordert, sich f\u00fcr einen Sonderbeauftragten  der Vereinten Nationen f\u00fcr den Schutz von Journalistinnen und  Journalisten einzusetzen (http:\/\/ogy.de\/wowm). Au\u00dferdem hat das  Europ\u00e4ische Parlament die Weichen gestellt, um den globalen Handel  mit \u00dcberwachungstechnologie besser zu kontrollieren  (http:\/\/ogy.de\/deft). Mit europ\u00e4ischer Technologie werden auf der  gesamten Welt Journalistinnen und Journalisten bei ihrer Arbeit  unrechtm\u00e4\u00dfig \u00fcberwacht. Die Bundesregierung muss sich hierzu zeitnah  in Br\u00fcssel positionieren &#8211; und sollte sich bereits jetzt f\u00fcr eine  restriktive Exportkontrolle aussprechen, um die Meinungs- und  Pressefreiheit nicht den Gesch\u00e4ftsinteressen einiger Unternehmen  unterzuordnen.     Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht Deutschland auf Platz  15 von 180 Staaten. Weitere Informationen \u00fcber die Lage der  Journalisten vor Ort finden Sie unter  www.reporter-ohne-grenzen.de\/deutschland.    Pressekontakt: Reporter ohne Grenzen  Ulrike Gruska \/ Christoph Dreyer \/ Anne Renzenbrink presse@reporter-ohne-grenzen.de www.reporter-ohne-grenzen.de\/presse T: +49 (0)30 609 895 33-55  F: +49 (0)30 202 15 10-29  Original-Content von: Reporter ohne Grenzen e.V., \u00fcbermittelt durch news aktuell<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/51548\/3935047\" target=\"_blank\">presseportal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin (ots) &#8211; Reporter ohne Grenzen (ROG) appelliert an die Bundesregierung, bei der Befragung zur menschenrechtlichen Lage in Deutschland durch<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-256745","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/256745","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=256745"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/256745\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=256745"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=256745"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=256745"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}