{"id":259406,"date":"2018-06-15T01:00:00","date_gmt":"2018-06-15T01:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/politik-wirtschaft\/psychisch-kranke-fluechtlinge-gruene-kritisieren-unzureichende-versorgung\/"},"modified":"2018-06-15T01:00:00","modified_gmt":"2018-06-15T01:00:00","slug":"psychisch-kranke-fluechtlinge-gruene-kritisieren-unzureichende-versorgung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/psychisch-kranke-fluechtlinge-gruene-kritisieren-unzureichende-versorgung\/","title":{"rendered":"Psychisch kranke Fl\u00fcchtlinge: Gr\u00fcne kritisieren unzureichende Versorgung"},"content":{"rendered":"<p>Hamburg (ots) &#8211; Die Gr\u00fcnen im Bundestag werfen der Bundesregierung unterlassene Hilfeleistung bei der psychologischen Betreuung von  Fl\u00fcchtlingen vor. Die gesundheitspolitische Sprecherin Maria  Klein-Schmeink sagte dem Radiosender NDR Info, die ohnehin langen  Wartezeiten auf eine Psychotherapie, seien f\u00fcr Gefl\u00fcchtete noch  einmal deutlich l\u00e4nger.<!--more--> &#8222;Das ist dramatisch, weil wir wirklich von  unterlassener Hilfeleistung in vielen Situationen reden m\u00fcssen&#8220;, so  Klein-Schmeink auf NDR Info. Dies sei verantwortungslos gegen\u00fcber den einzelnen Menschen, aber auch gegen\u00fcber der Gesellschaft. Integration sei so kaum m\u00f6glich.     Die Gr\u00fcnen-Politikerin fordert eine schnelle psychologische  Versorgung von Gefl\u00fcchteten und die fl\u00e4chendeckende \u00dcbernahme von  Dolmetscherkosten. Aktuell zahlen die Krankenkassen grunds\u00e4tzlich  keine Dolmetscher. Diese Kosten m\u00fcssen privat oder \u00fcber Spenden  finanziert werden. Allein in Hamburg gibt es daf\u00fcr einen Fonds, die  Kosten \u00fcbernimmt die Stadt.      Die Bundesregierung kommt zu einer anderen Bewertung der  Situation. Auf Anfrage von NDR Info schreibt das  Bundesgesundheitsministerium: &#8222;Die Bundesregierung sieht es als eine  wichtige Aufgabe an, eine angemessene gesundheitliche Versorgung von  Fl\u00fcchtlingen sicherzustellen, die infolge ihrer Kriegs- und  Gewalterlebnisse psychisch erkrankt sind. Sie hat daher bereits  wichtige Beitr\u00e4ge zur Verbesserung der Versorgung in diesem Bereich  geleistet.&#8220;     Fast drei Jahre nach dem H\u00f6hepunkt des Fl\u00fcchtlingszuzugs sind die  Zust\u00e4ndigkeiten f\u00fcr die Versorgung psychisch kranker Fl\u00fcchtlinge  bundesweit immer noch nicht einheitlich geregelt. Die Hilfsangebote  sind &#8211; abh\u00e4ngig vom Bundesland &#8211; unterschiedlich gut ausgebaut. Und  es gibt kaum valide Daten \u00fcber die Versorgungslage. Das ergab eine  Umfrage des Radiosenders NDR Info unter den 16 Bundesl\u00e4ndern und den  vier gr\u00f6\u00dften Krankenkassen.     Dabei sehen einige der Befragten die Situation selbst als  besorgniserregend an. So schreibt beispielsweise das  Sozialministerium von Sachsen-Anhalt zur Umfrage von NDR Info: &#8222;Aus  unserer Sicht ist die Versorgungssituation nach wie vor unzureichend  und wird sich voraussichtlich noch weiter dramatisieren.&#8220; Der AOK  Bundesverband spricht von einem &#8222;Flickenteppich von Zust\u00e4ndigkeiten,  der eine Datenerhebung massiv erschwert.&#8220; Und das Landesamt f\u00fcr  Fl\u00fcchtlinge in Berlin mahnt, es gebe zu wenige entsprechende  Hilfsangebote  in der Hauptstadt. Andere L\u00e4nder wie beispielsweise  Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen sch\u00e4tzen die Versorgungslage  als angemessen ein.     Die Umfrage von NDR Info ergab, dass kaum Informationen zu der  Thematik erhoben werden. Nur das Bundesland Bayern kann  beispielsweise zu Suiziden und Suizidversuchen von Gefl\u00fcchteten  umfassende Angaben machen. 2017 gab es hier 290 Suizidversuche und 25 Suizide unter Gefl\u00fcchteten. Die Mehrheit der Betroffenen stammt aus  Afghanistan. Die Bundesregierung hat \u00fcber die Zahl der Fl\u00fcchtlinge,  die in Deutschland eine Psychotherapie beantragen und erhalten,  keinerlei Informationen, wie aus der Antwort auf eine aktuelle  Schriftliche Frage der Gr\u00fcnen hervorgeht, die NDR Info vorliegt. Auch die Bundesl\u00e4nder und Krankenkassen wissen dar\u00fcber nur wenig. In  Hamburg ist zumindest bekannt, wie viele Gefl\u00fcchtete in den ersten 15 Monaten ihres Aufenthalts eine Psychotherapie erhalten. 2017 waren  das knapp 50 Menschen. Sachsen-Anhalt, Bremen sowie Rheinland-Pfalz  k\u00f6nnen auf die Informationen der psychosozialen Zentren f\u00fcr  Fl\u00fcchtlinge und Folteropfer (BAfF-Zentren) zur\u00fcck greifen. Diese  Zentren gibt es in jedem Bundesland, sie sind meist die ersten  Anlaufstellen f\u00fcr psychisch kranke Gefl\u00fcchtete. Sie sind finanziell  und personell sehr unterschiedlich ausgestattet. So gibt es in  Rheinland-Pfalz beispielsweise sechs solcher Standorte, die j\u00e4hrlich  insgesamt mehr als 3500 Menschen versorgen k\u00f6nnen, w\u00e4hrend es in  Schleswig-Holstein lediglich ein psychosoziales Zentrum f\u00fcr  Fl\u00fcchtlinge und Folteropfer gibt, das im Jahr knapp 70 Gefl\u00fcchtete  betreuen kann.    Pressekontakt: Norddeutscher Rundfunk Presse und Information Bettina Brinker Tel.: 040\/4156-2302 Mail: b.brinker@ndr.de  http:\/\/www.ndr.de  https:\/\/twitter.com\/NDRpresse  Original-Content von: NDR Norddeutscher Rundfunk, \u00fcbermittelt durch news aktuell<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/6561\/3971347\" target=\"_blank\">presseportal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hamburg (ots) &#8211; Die Gr\u00fcnen im Bundestag werfen der Bundesregierung unterlassene Hilfeleistung bei der psychologischen Betreuung von Fl\u00fcchtlingen vor. 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