{"id":267467,"date":"2018-11-15T10:13:51","date_gmt":"2018-11-15T10:13:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/politik-wirtschaft\/brinkhaus-wir-koennen-auch-heute-noch-von-konrad-adenauer-lernen\/"},"modified":"2018-11-15T10:13:51","modified_gmt":"2018-11-15T10:13:51","slug":"brinkhaus-wir-koennen-auch-heute-noch-von-konrad-adenauer-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/brinkhaus-wir-koennen-auch-heute-noch-von-konrad-adenauer-lernen\/","title":{"rendered":"Brinkhaus: Wir k\u00f6nnen auch heute noch von Konrad Adenauer lernen!"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (ots) &#8211; CDU als Volkspartei erhalten     Der Vorsitzende der CDU\/CSU-Bundestagsfraktion, Ralph Brinkhaus,  besucht an diesem Donnerstag das Adenauerhaus in Rh\u00f6ndorf. In einem  Essay w\u00fcrdigt Brinkhaus den ersten Fraktionsvorsitzenden sowie ersten Kanzler der Bundesrepublik. Der Beitrag, der auch auf der Homepage  der Fraktion &#8211; www.cducsu.<!--more-->de &#8211; ver\u00f6ffentlicht ist, hat folgenden  Wortlaut:     Konrad Adenauer ist f\u00fcr mich bis heute eine der faszinierendsten  Pers\u00f6nlichkeiten der deutschen Geschichte. Kein anderer Politiker &#8211;  Helmut Kohl vielleicht ausgenommen &#8211; hat die Bundesrepublik so  nachhaltig gepr\u00e4gt wie Adenauer. Er war der erste Kanzler der  Bundesrepublik, Mitbegr\u00fcnder der Volkspartei CDU und Verfechter eines geeinten Europas. Er ist ein Monument in der deutschen Geschichte.     Als neuer Vorsitzender der CDU\/CSU-Bundestagsfraktion besuche ich  an diesem Donnerstag den Wohnsitz Adenauers in Rh\u00f6ndorf bei Bonn. Mit diesem Besuch will ich meine Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr Adenauer deutlich  machen, der ja auch f\u00fcr wenige Tage der erste Vorsitzende der  CDU\/CSU-Bundestagsfraktion war. &#8222;Der Alte&#8220; ist aber beileibe keine  museale Gestalt. Wer in wichtigen Fragen nach Orientierung sucht,  sollte sich an Adenauers politisches Wirken erinnern. Man kann auch  heute noch von ihm lernen.     Drei Punkte m\u00f6chte ich aus aktuellem Anlass herausgreifen: In der  Union wird vor dem Hamburger Parteitag Anfang Dezember auch \u00fcber den  k\u00fcnftigen politischen Kurs diskutiert. Mitunter ist in der Partei der Wunsch zu vernehmen, wieder mehr an die Verortung vor 1998  anzukn\u00fcpfen. Ich halte solche Debatten f\u00fcr nicht zielf\u00fchrend. Es  kommt immer auf die konkrete politische Gesamtkonstellation an. Die  eine Herangehensweise mag dann mehr konservativ erscheinen, die  andere mehr liberal, eine andere wiederum mehr christlich-sozial. Am  Ende stellt sich jedoch die Frage: Was n\u00fctzt sie den Menschen und dem Land?     Das w\u00e4re ganz in Adenauers Sinn. Auch er war Pragmatiker und &#8211;  heute w\u00fcrde man sagen &#8211; Realpolitiker. Politischen Utopien stand er  skeptisch gegen\u00fcber. &#8222;Nehmen Sie die Menschen wie sie sind, andere  gibt es nicht&#8220;, lautet ein bekanntes Zitat von ihm. So sehr er  &#8222;reinen Lehren&#8220; kritisch gegen\u00fcberstand, so sehr vertrat er den  Gedanken der Volkspartei, den er schon in der Weimarer Republik  verfolgte.     Schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg &#8211; Adenauer war von der  amerikanischen Milit\u00e4rregierung wieder als Oberb\u00fcrgermeister von K\u00f6ln eingesetzt worden &#8211; trat er in die Christlich-Demokratische Partei  (CDP) ein, die sp\u00e4tere CDU. Deren Gr\u00fcndung war ein Novum in der  deutschen Parteiengeschichte. Sie begriff sich als \u00fcberkonfessionelle Volkspartei &#8211; im Gegensatz zur rein katholischen Zentrumspartei in  der Weimarer Republik &#8211; und bekannte sich zu einem allgemeinen  christlichen Familien- und Menschenbild.     Die Christlich-Demokratische Union &#8211; der Name Union ist Programm &#8211; wollte nicht nur eine Partei f\u00fcr die katholischen und evangelischen  Christen sein, sondern auch B\u00fcrger aus allen soziale Schichten in  einer Volkspartei vereinen. Faszinierend ist, dass sich bereits in  den Gr\u00fcndungsjahren erste Vereinigungen wie die Jungen Union, die  Frauenarbeitsgemeinschaft oder die Sozialaussch\u00fcsse konstituierten,  die die ganze Breite der Union abbildeten. Der Historiker Hans-Peter  Schwarz urteilte einst, dass die CDU ein &#8222;Gro\u00dfexperiment der  Parteibildung&#8220; gewesen sei.     Die CDU muss heute nicht erneut zu einem Laborversuch antreten.  Adenauer lehrt uns aber, dass wir offen sein m\u00fcssen f\u00fcr alle  Menschen. Dass wir Partei aller B\u00fcrger aus allen Berufen, allen  Regionen und unterschiedlicher Herkunft sein m\u00fcssen. Bei uns m\u00fcssen  sich die B\u00fcrger sicher sein k\u00f6nnen, dass ihre Anliegen ernst genommen werden, dass ihre Interessen gegen die anderer verantwortungsvoll  abgewogen werden, damit am Ende eine gute Politik f\u00fcr alle B\u00fcrger  herauskommt. Gerade in einer Gesellschaft, die zunehmend  auseinanderstrebt, m\u00fcssen wir alles daransetzen, die CDU als  Volkspartei zu erhalten &#8211; als Volkspartei, in der die Menschen  zusammengef\u00fchrt werden.     Adenauers Name ist auch wie kaum ein anderer mit dem vereinten  Europa verbunden. Bereits in seiner Zeit als K\u00f6lner Oberb\u00fcrgermeister w\u00e4hrend der Weimarer Jahre war Adenauer klar geworden, dass die  Isolation Deutschlands als Folge des Ersten Weltkriegs und die  deutsch-franz\u00f6sische &#8222;Erbfeindschaft&#8220; nur durch eine Politik der  Verst\u00e4ndigung und Zusammenarbeit \u00fcberwunden werden k\u00f6nnten. Das  Streben nach einem geeinten Europa war ein zentrales Ziel seiner  Kanzlerschaft.     &#8222;Die Rettung Deutschlands und die Rettung Europas sind identisch&#8220;, sagte er auf einer Veranstaltung 1948, als Europa noch in Schutt und  Asche lag. Das Ziel des vereinten Europas verband er dabei stets mit  dem Ziel der Westbindung: &#8222;Es besteht f\u00fcr uns kein Zweifel, dass wir  nach unserer Herkunft und nach unserer Gesinnung zur westeurop\u00e4ischen Welt geh\u00f6ren&#8220;, sagte er in seiner ersten Regierungserkl\u00e4rung. &#8222;Wir  wollen zu allen L\u00e4ndern gute Beziehungen, auch solche pers\u00f6nlicher  Art, unterhalten, insbesondere aber zu unsern Nachbarl\u00e4ndern, den  Benelux-Staaten, Frankreich, Italien, England und den nordischen  Staaten.&#8220; Der Stratege Adenauer wusste, dass sich das gemeinsame  Europa nur Schritt f\u00fcr Schritt erreichen lie\u00dfe.     Wir haben vor wenigen Tagen an das Ende des Ersten Weltkriegs  erinnert. Was w\u00e4re den V\u00f6lkern erspart geblieben, wenn es 1914 und  auch 1939 das Europa gegeben h\u00e4tte, das Adenauer nach dem Ende des  Zweiten Weltkriegs mit aufgebaut hat. Die Toten der beiden Weltkriege waren ihm eine Mahnung. Sie m\u00fcssen es auch heute noch sein. Jeder  Einsatz f\u00fcr Europa ist und bleibt auch ein Einsatz f\u00fcr den Frieden.     Europa wird weiter zusammenwachsen m\u00fcssen. Anders wird sich unser  Kontinent in einer globalisierten Welt nicht behaupten k\u00f6nnen. Es  gibt ein Zitat von Adenauer aus dem Jahre 1953, das vision\u00e4r ist:  &#8222;Kein europ\u00e4isches Volk ist allein in der Lage, sich milit\u00e4risch zu  sch\u00fctzen oder wirtschaftlich zu entwickeln. Best\u00fcnde man darauf, in  der heutigen Welt die traditionellen Begriffe des Nationalismus  hochzuhalten, so bedeutete dies die Aufgabe Europas.&#8220; Genau so m\u00fcsste dies jeder Politiker heute formulieren.     Adenauer bejahte die Einheit Europas &#8211; aber er wollte keine  Gleichf\u00f6rmigkeit. &#8222;Die Deutschen sind Deutsche, die Franzosen  Franzosen, die Niederl\u00e4nder Niederl\u00e4nder. Jeder will sein Vaterland  behalten mit seiner Kultur, Geschichte und Sprache. Keiner kann  verlangen, dass die berechtigte Eigenart aufgegeben wird&#8220;, sagte er  im Jahr 1962 in einem Interview. Auch heute wissen wir, dass man den  B\u00fcrgern eine europ\u00e4ische Identit\u00e4t nicht verordnen kann. Es gibt zwar viele B\u00fcrger, die sich vor allem als B\u00fcrger Europas ansehen. Aber es  sind beileibe nicht alle. Das muss akzeptiert werden &#8211; ebenso wie die Tatsache, dass B\u00fcrger ihr Land oder ihre Region vornehmlich als ihre  Heimat betrachten. Nicht akzeptieren darf man aber, wenn ein neuer  Nationalismus als Allheilmittel propagiert wird.     Adenauer wusste auch immer um die Bedeutung der  deutsch-franz\u00f6sischen Beziehungen. Die Auss\u00f6hnung mit dem &#8222;Erbfeind&#8220;  hatte f\u00fcr den ersten Kanzler der Bundesrepublik besondere Bedeutung,  denn die &#8222;deutsch-franz\u00f6sische Frage bleibt eine der Hauptfragen  Europas&#8220;. An einer wirklichen und dauerhaften Verst\u00e4ndigung zwischen  Deutschland und Frankreich h\u00e4ngt die ganze europ\u00e4ische Zukunft&#8220;,  sagte er bereits 1948. Ein besonders enges Verh\u00e4ltnis verband  Adenauer mit Charles de Gaulle. Der gemeinsame Besuch der  Friedensmesse im Juli 1962 in Reims &#8211; Ort der bedingungslosen  Kapitulation der Wehrmacht im Mai 1945 &#8211; ist bis heute ein Augenblick mit besonderer Symbolkraft f\u00fcr die deutsch-franz\u00f6sische Geschichte.     Helmut Kohl und auch Angela Merkel haben diesen Weg fortgesetzt  ebenso wie das Parlament und die CDU\/CSU-Bundestagsfraktion. Das  deutsch-franz\u00f6sische Verh\u00e4ltnis m\u00fcssen wir pflegen. Es geht zwar  l\u00e4ngst nicht mehr um Krieg oder Frieden zwischen den Nationen. Aber  ohne Deutschland und Frankreich &#8211; ohne den deutsch-franz\u00f6sischen  Motor &#8211; bewegt sich wenig in Europa. Die Weltordnung ist aus den  Fugen geraten. Die Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich  sollte als Pfeiler der Stabilit\u00e4t im Interesse der B\u00fcrger unbedingt  erhalten und ausgebaut werden. Sie ist wie ein geeintes Europa  Voraussetzung f\u00fcr eine gute Zukunft.    Pressekontakt: CDU\/CSU &#8211; Bundestagsfraktion Pressestelle Telefon:  (030) 227-52360 Fax:      (030) 227-56660 Internet: http:\/\/www.cducsu.de Email: pressestelle@cducsu.de  Original-Content von: CDU\/CSU &#8211; Bundestagsfraktion, \u00fcbermittelt durch news aktuell<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/7846\/4116175\" target=\"_blank\">presseportal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin (ots) &#8211; CDU als Volkspartei erhalten Der Vorsitzende der CDU\/CSU-Bundestagsfraktion, Ralph Brinkhaus, besucht an diesem Donnerstag das Adenauerhaus in<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-267467","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/267467","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=267467"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/267467\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=267467"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=267467"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=267467"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}