{"id":269957,"date":"2018-12-06T11:00:05","date_gmt":"2018-12-06T11:00:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/politik-wirtschaft\/qualitaetsmonitor-zeigt-defizite-in-der-versorgung-von-fruehgeborenen-frauen-mit-brustkrebs-und-herzpatienten\/"},"modified":"2018-12-06T11:00:05","modified_gmt":"2018-12-06T11:00:05","slug":"qualitaetsmonitor-zeigt-defizite-in-der-versorgung-von-fruehgeborenen-frauen-mit-brustkrebs-und-herzpatienten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/qualitaetsmonitor-zeigt-defizite-in-der-versorgung-von-fruehgeborenen-frauen-mit-brustkrebs-und-herzpatienten\/","title":{"rendered":"Qualit\u00e4tsmonitor zeigt Defizite in der Versorgung von Fr\u00fchgeborenen, Frauen mit Brustkrebs und Herzpatienten"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (ots) &#8211; Die Qualit\u00e4tsvorgaben des  Krankenhaus-Strukturgesetzes (KHSG) werden viel zu langsam und  halbherzig umgesetzt. Darauf hat der AOK-Bundesverband aus Anlass der Ver\u00f6ffentlichung des &#8222;Qualit\u00e4tsmonitors 2019&#8220; hingewiesen.<!--more--> &#8222;Der feste Wille zu einer Verbesserung der Versorgungsqualit\u00e4t ist in der  aktuellen Krankenhaus-Gesetzgebung der Gro\u00dfen Koalition, aber auch in der Krankenhausplanung der Bundesl\u00e4nder nicht mehr erkennbar&#8220;,  kritisierte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin  Litsch. Er verwies insbesondere auf die schleppende Umsetzung von  Mindestmengen und Qualit\u00e4tsindikatoren f\u00fcr die Krankenhausplanung.     &#8222;Die Fristen f\u00fcr die Umsetzung der planungsrelevanten  Qualit\u00e4tsindikatoren sollten mit einem KHSG II deutlich verk\u00fcrzt und  die Prozesse im Gemeinsamen Bundesausschuss beschleunigt werden&#8220;,  forderte Litsch. Es l\u00e4gen gen\u00fcgend Informationen vor, bei denen die  L\u00e4nder ansetzen und die Behandlung der Patienten schnell durch  entsprechende Vorgaben f\u00fcr ihre Kliniken verbessern k\u00f6nnten, betonte  Litsch. So zeigt der Qualit\u00e4tsmonitor Defizite bei der Versorgung von Fr\u00fchgeborenen, f\u00fcr die derzeit eine viel zu geringe Mindestmenge von  14 F\u00e4llen pro Jahr gilt: &#8222;Jedes Jahr ohne ordentliche Mindestmenge  hat in diesem sensiblen und komplexen Versorgungsbereich fatale  Folgen f\u00fcr die betroffenen Kinder und ihre Eltern,&#8220; sagte Litsch.     Eine &#8222;Strategie der Verschleppung&#8220; von Krankenhausvertretern und  L\u00e4ndern f\u00fchre letztlich dazu, dass unn\u00f6tig Menschenleben aufs Spiel  gesetzt werden. Ein gravierendes Dauerthema sei die  &#8222;Gelegenheitschirurgie&#8220; bei Krebs-Indikationen. &#8222;Zu viele Kliniken  mit geringer Erfahrung wagen sich an komplexe Therapien und gef\u00e4hrden damit die Patientensicherheit&#8220;, so Litsch. Neu zu beobachten seien  die mit gro\u00dfer Dynamik zunehmenden Herzklappen-OPs, deren Qualit\u00e4t  sich mit st\u00e4rker zentralisierten Strukturen erheblich verbessern  lie\u00dfe.     Schlechtere \u00dcberlebenschancen f\u00fcr Fr\u00fchgeborene in Kliniken mit  wenigen F\u00e4llen     &#8222;F\u00fcr die kleinen Fr\u00fchgeborenen ist die Studienlage eindeutig&#8220;,  betonte Prof. Rainer Rossi, Chefarzt der Klinik f\u00fcr Kinder- und  Jugendmedizin des Vivantes-Klinikums in Berlin-Neuk\u00f6lln.      Internationale Untersuchungen belegten, dass in Kliniken mit  h\u00f6herer Fallzahl und besserer Ausstattung eine bessere. Qualit\u00e4t  erbracht werde. &#8222;Auch f\u00fcr Deutschland kann ein Zusammenhang von  Fallzahlen und Qualit\u00e4tsergebnissen nachgewiesen werden&#8220;, so Rossi.  Eine im Qualit\u00e4tsmonitor ver\u00f6ffentlichte Analyse auf Basis von  AOK-Abrechnungsdaten zeige, dass Fr\u00fchgeborene mit einem  Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm eine schlechtere \u00dcberlebenschance  haben, wenn sie in Kliniken versorgt werden, die weniger als 34 F\u00e4lle pro Jahr vorweisen k\u00f6nnen. So liegt die Sterblichkeitsrate in diesen  Krankenh\u00e4usern, in denen rund ein F\u00fcnftel aller Fr\u00fchgeborenen betreut wird, etwa 50 Prozent h\u00f6her als in Kliniken mit 91 oder mehr F\u00e4llen.  Auff\u00e4llig sei zudem der steigende Anteil von Fr\u00fchgeburten in  Deutschland: Die Anzahl der Fr\u00fchgeburten habe zwischen 2008 und 2017  um 21 Prozent zugenommen. Besonders alarmierend sei, dass der Anteil  der Fr\u00fchgeburten an allen Geburten in Deutschland inzwischen mehr als doppelt so hoch liege wie in Schweden. &#8222;Es gilt nun, die Senkung der  Fr\u00fchgeborenen-Raten durch eine Strukturdiskussion f\u00fcr die  Geburtshilfe ebenso anzugehen wie eine neue, h\u00f6here Mindestmenge f\u00fcr  Fr\u00fchgeborene festzulegen&#8220;, sagte Rossi, der auch Vorstandsmitglied  der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Perinatale Medizin (DGPM) ist.     Sinnvoll sei ein abgestuftes Versorgungskonzept: &#8222;Je  komplikationsreicher eine Schwangerschaft, desto eher sollte die  Versorgung im h\u00f6chstqualifizierten Zentrum erfolgen&#8220;, so Rossi.     Mangelnde Zentralisierung bei Brustkrebs-OPs weiter ein Problem     Auf Defizite bei der Brustkrebs-Behandlung wies J\u00fcrgen Klauber,  Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) und  Mitherausgeber des Qualit\u00e4tsmonitors, hin: Ein Viertel der 781  behandelnden Kliniken hat 2016 maximal acht Brustkrebs-Operationen  durchgef\u00fchrt. Ein weiteres Viertel f\u00fchrte im Mittel 26 Operationen  durch, was etwa einen Eingriff alle zwei Wochen bedeutet. In  zertifizierten Zentren w\u00fcrden dagegen 100 Brustkrebs-OPs pro Jahr  gefordert, so Klauber. &#8222;Eine eingespielte Prozesskette f\u00fcr solche  Operationen kann es nur in Kliniken mit hohen Fallzahlen geben.&#8220; Die  Studienlage zeige, dass die Versorgung in einem Zentrum die  \u00dcberlebenswahrscheinlichkeit deutlich erh\u00f6he. Die Entwicklung der  Versorgungssituation f\u00fcr die betroffenen Patientinnen sei &#8222;weiterhin  nicht zufriedenstellend&#8220;, kritisierte Klauber. &#8222;Die L\u00e4nder m\u00fcssen  ihre Verantwortung f\u00fcr die qualit\u00e4tsorientierte Krankenhausplanung  wahrnehmen, indem sie unmittelbar die notwendigen Fallzahlen und  Strukturmerkmale vorgeben.&#8220;     St\u00e4rkere Zentralisierung auch bei Herzklappen-Implantationen  sinnvoll     Eine st\u00e4rkere Zentralisierung der Versorgung ist laut  &#8222;Qualit\u00e4tsmonitor 2019&#8220; auch bei Kathetergest\u00fctzten  Herzklappen-Implantationen, den sogenannten TAVIs, sinnvoll: Etwa 30  Prozent der 97 Kliniken, die diese Eingriffe 2016 durchf\u00fchrten,  versorgten weniger als 100 F\u00e4lle pro Jahr. In Krankenh\u00e4usern mit  Fallzahlen unter 100 liegt die Zahl der Todesf\u00e4lle im Vergleich zum  erwarteten Wert um 46 Prozent h\u00f6her. In den Kliniken mit mindestens  200 Eingriffen liegt die Sterblichkeitsrate dagegen um 32 Prozent  niedriger. &#8222;Schon mit einer Fallzahlvorgabe von 100 k\u00f6nnte eine  deutliche Senkung der Krankenhaussterblichkeit bei den TAVI-Patienten erreicht werden, noch besser sind Kliniken mit 200 F\u00e4llen&#8220;, sagte  Klauber. Stets notwendig sei au\u00dferdem eine kombinierte kardiologische und herzchirurgische Versorgung vor Ort.     Der Qualit\u00e4tsmonitor 2019 ist eine gemeinsame Publikation des  Vereins Gesundheitsstadt Berlin, des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) und der Initiative Qualit\u00e4tsmedizin (IQM). Sie liefert f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Krankheitsbilder und Behandlungen detaillierte Daten zu  Fallzahlen und Qualit\u00e4tskennzahlen der deutschen Krankenh\u00e4user. Neben den TAVIs und dem Bereich Geburtshilfe stehen in diesem Jahr  Herzinfarkte, Harnblasen-Entfernungen sowie Eingriffe an der  Bauchspeicheldr\u00fcse und der Speiser\u00f6hre im Fokus. In einer Klinikliste werden die Ergebnisse von insgesamt 1.401 Krankenh\u00e4usern bundesweit  dargestellt, in denen 2016 beziehungsweise 2015 eine dieser  Behandlungen dokumentiert worden ist.    Pressekontakt: Peter Willenborg Telefon: 030 \/ 34646-2467 Mobil: 0173 \/ 8607866 E-Mail: presse@bv.aok.de  Original-Content von: AOK-Bundesverband, \u00fcbermittelt durch news aktuell<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/8697\/4135917\" target=\"_blank\">presseportal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin (ots) &#8211; Die Qualit\u00e4tsvorgaben des Krankenhaus-Strukturgesetzes (KHSG) werden viel zu langsam und halbherzig umgesetzt. 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