{"id":274796,"date":"2019-01-20T16:24:56","date_gmt":"2019-01-20T16:24:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/politik-wirtschaft\/gruene-woche-2019-11-global-forum-for-food-and-agriculture-intelligente-loesungen-fuer-eine-nachhaltige-landwirtschaft-foto-2\/"},"modified":"2019-01-20T16:24:56","modified_gmt":"2019-01-20T16:24:56","slug":"gruene-woche-2019-11-global-forum-for-food-and-agriculture-intelligente-loesungen-fuer-eine-nachhaltige-landwirtschaft-foto-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/gruene-woche-2019-11-global-forum-for-food-and-agriculture-intelligente-loesungen-fuer-eine-nachhaltige-landwirtschaft-foto-2\/","title":{"rendered":"Gr\u00fcne Woche 2019: 11. Global Forum for Food and Agriculture: Intelligente L\u00f6sungen f\u00fcr eine nachhaltige Landwirtschaft (FOTO)"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full\" src=\"https:\/\/cache.pressmailing.net\/thumbnail\/story_big\/23bccacc-996b-4ae9-84a0-29764d1127ac\/GFFA%20Merkel.jpg\" \/><\/p>\n<p>Berlin (ots) &#8211;     In den vergangenen 50 Jahren hat sich die globale  Nahrungsmittelproduktion verdreifacht. Dennoch leiden noch immer mehr als 821 Millionen Menschen an Hunger und \u00fcber 2,5 Milliarden sind  mangelern\u00e4hrt. Die Weltbev\u00f6lkerung steigt weiter und ben\u00f6tigt immer  mehr Ressourcen wie Wasser, Land und Energie.<!--more--> L\u00f6sungen m\u00fcssen also  her, die es der Landwirtschaft erm\u00f6glichen, ihre Ertr\u00e4ge zu steigern  und zugleich ressourcen- und umweltschonender zu wirtschaften. Die  Digitalisierung bietet hier gro\u00dfes Potenzial. Doch wie kann erreicht  werden, dass alle Landwirte Zugang zu diesen Technologien erhalten  und sie nutzen k\u00f6nnen? Und wie k\u00f6nnen dabei Datensicherheit und  Datenhoheit gew\u00e4hrleistet werden? Dies waren zwei der zentralen  Fragen, die auf dem 11. Global Forum for Food and Agriculture (GFFA)  diskutiert wurden. \u00dcber 2.000 Vertreter aus Politik und Wirtschaft,  Wissenschaft und Zivilgesellschaft nutzten die 14 Fachpodien und zwei High Level Panels zum Erfahrungsaustausch. Erstmals hatten zudem  aufstrebende Start-ups im Rahmen des GFFA die M\u00f6glichkeit, in einem  Zukunftsforum \u00fcber ihre digitalen Produkte und Dienstleistungen zu  informieren, und Wissenschaftler aus verschiedenen  Forschungseinrichtungen stellten ihre Arbeit zu digitalen L\u00f6sungen in einem &#8222;Science Slam&#8220; vor.     EU-Agrarkommissar Phil Hogan beklagte auf dem High Level Panel der Europ\u00e4ischen Kommission die digitale Kluft in Europa: Noch immer  seien viele l\u00e4ndliche Gebiete nicht ausreichend mit  Breitbandtechnologie versorgt. &#8222;Dies ist nicht nur eine Gefahr f\u00fcr  die Wettbewerbsf\u00e4higkeit, sondern auch f\u00fcr die Wirtschaftskraft der  Regionen&#8220;, so Hogan. Die EU-Mitgliedstaaten sollten die  Digitalisierung nicht nur in ihre Politikplanung aufnehmen, sondern  vor allem sicherstellen, dass die Programme und Technologien auch  tats\u00e4chlich um- und eingesetzt werden.     Agrarministerin Julia Kl\u00f6ckner, die das GFFA in Anspielung auf das Weltwirtschaftsforum als das &#8222;Davos der Landwirtschaft&#8220; bezeichnete,  hat hierzu eine klare Vorstellung: &#8222;Ich m\u00f6chte mein Ministerium zum  digitalen Referenzministerium f\u00fcr die Bundesregierung machen.&#8220; 15  Millionen Euro will die Ministerin hierf\u00fcr zwischen 2019 und 2022  j\u00e4hrlich zur Verf\u00fcgung stellen. Damit sollen auf landwirtschaftlichen Betrieben deutschlandweit digitale Testfelder eingerichtet werden,  auf denen ermittelt wird, welchen Beitrag die Digitalisierung konkret leisten kann &#8211; zum Umwelt- und Ressourcenschutz, zum Tierwohl, aber  auch zur Arbeitserleichterung und zum Verbraucherschutz.     Beispiele hierf\u00fcr hatte ihr Amtskollege aus Australien,  Landwirtschaftsminister David Littleproud, parat. Vier Bundesstaaten  des d\u00fcrregeplagten Kontinents nutzen gemeinsam Satellitentechnologie, um den Beweidungsdruck durch Schafe zu messen. Die Tiere sind daf\u00fcr  mit einem Transponder ausgestattet, mit dessen Hilfe ihr Standort  ermittelt wird. Die Fleischg\u00fcte von Schlachttieren wird \u00fcber einen  Scanner bestimmt, was eine neutrale Qualit\u00e4tsbewertung erlaubt und  Konflikte zwischen Erzeugern, Verarbeitern und Verbrauchern vermeiden hilft. &#8222;Wir investieren massiv in die Digitalisierung der  Landwirtschaft. Und das zeigt Fr\u00fcchte: Zum ersten Mal in meinem Leben ist Landwirtschaft wieder sexy, kommen junge Leute in den l\u00e4ndlichen  Raum zur\u00fcck&#8220;, so Littleproud.     Dass junge Menschen fit f\u00fcr die digitale Revolution gemacht werden m\u00fcssen, unterst\u00fctzt auch die EU-Kandidatin f\u00fcr den Posten der  Generaldirektorin der Weltern\u00e4hrungsorganisation (FAO), Catherine  Geslain-Lan\u00e9elle. Allerdings d\u00fcrfe dabei niemand zur\u00fcckgelassen  werden. &#8222;Wir haben es in weiten Teilen der Welt mit einer alternden  Gesellschaft zu tun und m\u00fcssen sicherstellen, dass auch \u00e4ltere  Landwirte Zugang zu den neuen Technologien haben&#8220;, forderte die  ehemalige Leiterin der Europ\u00e4ischen Beh\u00f6rde f\u00fcr  Lebensmittelsicherheit (EFSA).     Der amtierende FAO-Generaldirektor Jos\u00e9 Graziano da Silva betonte  auf dem High Level Panel seiner Organisation die Chancen der  Digitalisierung f\u00fcr Kleinbauern. Diese stellen rund 90 Prozent der  landwirtschaftlichen Betriebe weltweit und stehen f\u00fcr rund 56 Prozent der Nahrungsmittelproduktion. F\u00fcr viele Kleinbauern sei es aber  nahezu unm\u00f6glich, ihre Produkte zu verkaufen, da sie keinen Zugang zu den M\u00e4rkten haben. Im Internet sieht Graziano da Silva eine  Schl\u00fcsseltechnologie. &#8222;Wenn die Landwirte \u00fcber das Netz verbunden  sind, k\u00f6nnen sie auch mit kleinen Mengen am Markt auftreten und so  ihre wirtschaftliche Situation verbessern&#8220;, ist der  FAO-Generaldirektor \u00fcberzeugt.     Dies best\u00e4tigte auch Chinas Vizeminister f\u00fcr Landwirtschaft und  l\u00e4ndliche R\u00e4ume, Qu Dongyu. Bis 2020 sollen Hunger und absolute Armut in China der Vergangenheit angeh\u00f6ren. Seine Regierung f\u00f6rdert die  Verbreitung von Mobiltelefonen und schnellem Internet auf dem Land  und will vor allem den boomenden Online-Handel weiter vorantreiben.  Um junge Landwirte mit potenziellen Verbrauchern in den St\u00e4dten zu  verbinden, k\u00f6nnen sie sich auf eigens organisierten Messen \u00fcber  entsprechende Apps informieren. &#8222;Ich wohne in Peking und kann die  hausgemachten Produkte meiner Mutter bestellen&#8220;, freut sich der  Vizeminister.     Bei allen Chancen der Digitalisierung d\u00fcrfe man nicht deren  Risiken untersch\u00e4tzen, mahnte die Staatssekret\u00e4rin f\u00fcr  Verbraucherschutz und Antidiskriminierung in der Senatsverwaltung  Berlin, Margit Gottstein. &#8222;Wer \u00fcber Datenmacht verf\u00fcgt, nimmt  entscheidenden Einfluss auf die Wertsch\u00f6pfungsketten.&#8220; Die sozialen  Medien h\u00e4tten es vorgemacht: Nur wenige Plattformen zur  Datengenerierung und zum Datenaustausch haben sich fl\u00e4chendeckend  durchgesetzt. Eine \u00e4hnliche Entwicklung k\u00f6nnte die Landwirtschaft  durchlaufen. Gottstein warnte vor einer weiteren Machtkonzentration,  beispielsweise bei Saatgutherstellern oder in der Landtechnik.     Die Gefahr sieht auch der Staatssekret\u00e4r der argentinischen  Regierung f\u00fcr Agro-Industrie, Luis Miguel Etchevehere. In dem Land,  das sechsmal so gro\u00df wie Deutschland ist, werden j\u00e4hrlich 34  Millionen Hektar Ackerfl\u00e4che bepflanzt. &#8222;Intelligente&#8220; Maschinen  sorgen daf\u00fcr, dass die Landwirte schon bei der Ernte wissen, was sie  im n\u00e4chsten Jahr an Saatgut ben\u00f6tigen. Doch was passiert mit all den  gesammelten Informationen? &#8222;Wir werden im M\u00e4rz eine Online-Plattform  einf\u00fchren, \u00fcber die wir Unternehmen unter anderem befragen, welche  Daten sie mit ihren Maschinen erheben und wie sie diese nutzen&#8220;,  sagte Etchevehere. Firmen, die sich beteiligen und hier freiwillig  f\u00fcr Transparenz sorgen, sollen durch ein G\u00fctesiegel belohnt werden.     &#8222;Wir haben schon immer gesagt, dass die Daten nicht dem  Unternehmen geh\u00f6ren, sondern dem Farmer, und dass sie nur f\u00fcr den  Zweck genutzt werden d\u00fcrfen, f\u00fcr den sie erhoben wurden&#8220;, sagte das  Vorstandsmitglied der Bayer AG, Liam Condon. Der Leiter der Abteilung &#8222;Crop Science&#8220; versicherte, dass die von seinem Unternehmen  gesammelten Daten nicht f\u00fcr die Erstellung von Algorithmen genutzt  werden und auch nicht an Dritte weitergegeben werden. Landwirt  Andreas D\u00f6rr, der auf seinem 1.000-Hektar-Betrieb in der Rh\u00f6n schon  seit 1998 auf digitale L\u00f6sungen setzt, sieht das pragmatisch: &#8222;Bei  sensiblen Betriebsdaten, beispielsweise Pachtvertr\u00e4gen, ist mir  Datensicherheit sehr wichtig. Wenn es aber um vernetzte  Maschinendaten geht und ich \u00fcber meine App beispielsweise die  Algorithmen zur Unkrauterkennung verbessern kann oder der  Landtechnikhersteller die Daten nutzt, um die Maschinen zu  verbessern, habe ich kein Problem damit.&#8220;     Den politischen H\u00f6hepunkt der dreit\u00e4gigen Veranstaltung bildete  traditionsgem\u00e4\u00df die 11. Berliner Agrarministerkonferenz. Zum ersten  Mal in der Geschichte des GFFA sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel  vor den Landwirtschaftsministerinnen und -ministern aus 74 Staaten  sowie Vertretern zahlreicher internationaler Organisationen. Die  Kanzlerin legte dabei das Augenmerk auf die Chancen der  Digitalisierung &#8211; f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des weltweiten Hungers, aber  auch, um mit einer nachhaltigen Landwirtschaft die Ziele des Pariser  Klimaschutzabkommens umzusetzen. Der digitale Wandel bedeute f\u00fcr  viele L\u00e4nder allerdings einen riesigen Sprung, der mit enormen  kulturellen Ver\u00e4nderungsprozessen verbunden sei, so Merkel. &#8222;Damit  der Mensch im Zentrum der Dinge bleibt, brauchen wir Regulierung,  einen Rahmen, der Rechtssicherheit bringt&#8220;, forderte die Kanzlerin.  Solch ein Rahmen m\u00fcsse international abgestimmt werden.     Die anwesenden Regierungsvertreterinnen und -vertreter  verpflichten sich in ihrem Abschlusskommuniqu\u00e9, nach L\u00f6sungen zu  suchen, um die bestehende digitale Kluft zu verringern und den Zugang zu digitalen Technologien in der Landwirtschaft weltweit zu  verbessern. Hierf\u00fcr soll die FAO das Konzept f\u00fcr einen unabh\u00e4ngigen  internationalen Digitalrat ausarbeiten. Dieser soll die L\u00e4nder in  Fragen der Digitalisierung beraten und den Austausch von Ideen und  Erfahrungen vorantreiben. Zudem soll die UN-Organisation in  Zusammenarbeit mit anderen Akteuren eine Technikfolgenabsch\u00e4tzung zu  den Chancen und Risiken der Digitalisierung f\u00fcr die Landwirtschaft  und die l\u00e4ndlichen R\u00e4ume erarbeiten. Und sie soll eine Methodik  entwickeln, um den Digitalisierungsgrad in den einzelnen L\u00e4ndern und  Regionen der Erde zu ermitteln. Diese &#8222;Digital-Diagnose&#8220; soll zeigen, wie weit sie jeweils in der Digitalisierung sind, um im Anschluss  passgenaue L\u00f6sungen f\u00fcr jede Region zu finden. &#8222;Die Entscheidung zur  Einrichtung eines internationalen Digitalrates ist ein Durchbruch!&#8220;,  sagte Agrarministerin Kl\u00f6ckner zum Abschluss der Konferenz und  versprach, die begonnenen Diskussionen auf dem GFFA 2020  fortzusetzen.     Das Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) wird seit 2009 im Rahmen der Internationalen Gr\u00fcnen Woche Berlin veranstaltet. Auf der  hochkar\u00e4tigen Konferenz treffen sich Expertinnen und Experten aus der ganzen Welt f\u00fcr drei Tage in Berlin, um \u00fcber zentrale Zukunftsfragen  der globalen Landwirtschaft und Weltern\u00e4hrung zu diskutieren. In  diesem Jahr stand die Konferenz unter dem Motto &#8222;Landwirtschaft  digital &#8211; Intelligente L\u00f6sungen f\u00fcr die Landwirtschaft der Zukunft&#8220;.    Pressekontakt: Messe Berlin GmbH Wolfgang Rogall Stellv. Pressesprecher und PR Manager Messedamm 22 14055 Berlin T +49 30 3038-2218 rogall@messe-berlin.de  Original-Content von: Messe Berlin GmbH, \u00fcbermittelt durch news aktuell<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/6600\/4170919\" target=\"_blank\">presseportal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin (ots) &#8211; In den vergangenen 50 Jahren hat sich die globale Nahrungsmittelproduktion verdreifacht. 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