{"id":27942,"date":"2011-01-27T11:22:33","date_gmt":"2011-01-27T10:22:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=27942"},"modified":"2011-01-27T11:22:33","modified_gmt":"2011-01-27T10:22:33","slug":"dioxin-in-futtermitteln-dazu-sagt-der-agrarpolitische-sprecher-der-fraktion-bundnis-90die-grunen-bernd-vos-die-agrarindustrie-bekommt-ihre-selbst-produzierten-risiken-nicht-in-den-griff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/dioxin-in-futtermitteln-dazu-sagt-der-agrarpolitische-sprecher-der-fraktion-bundnis-90die-grunen-bernd-vos-die-agrarindustrie-bekommt-ihre-selbst-produzierten-risiken-nicht-in-den-griff\/","title":{"rendered":"Dioxin in Futtermitteln: Dazu sagt der agrarpolitische Sprecher der Fraktion B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen, Bernd Vo\u00df: Die Agrarindustrie bekommt ihre selbst produzierten Risiken nicht in den Griff"},"content":{"rendered":"<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Lebensmittelskandale gehen in  Mitteleuropa meistens von Futtermitteln aus. Sehr oft ist Dioxin beteiligt. Sie  wiederholten sich in den letzten zehn Jahren mindestens ein Mal j\u00e4hrlich. Die  Aktionspl\u00e4ne werden dann vorgestellt. Die Punkte des jetzigen Aktionsplans  hatten wir zum gro\u00dfen Teil auch bereits zu Seehofers Zeiten \u2013 nur umgesetzt  wurde ungen\u00fcgend.<!--more-->In dieses Bild passen \u00c4u\u00dferungen  des ehemaligen Umweltministers und angehenden Ministerpr\u00e4sidentenkandidaten von  Boetticher: Er sprach beim Neujahrsempfang in Schenefeld vom Gesch\u00e4ft der Medien  mit der Angst und macht deutlich, dass nie eine Lebensgefahr von mit Dioxinen  belasteten Lebensmitteln ausgegangen w\u00e4re. Au\u00dferdem sei es ein Irrglaube, dass  man so etwas in Zukunft verhindern k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Mit solchen \u00c4u\u00dferungen verspielt er  gewachsenes Vertrauen von VerbraucherInnen in die Produkte des Landes. Da ist  der amtierende Ministerpr\u00e4sident schon konsequenter: In seiner Presse zu dem  Thema fordert er h\u00e4rtere Strafen. Wenn es dann an eine tiefergehende,  systematische Ursachenbek\u00e4mpfung geht, wird gerne von einzelnen Kriminellen  geredet.<\/p>\n<p>Dass aber jetzt in diesem Fall  sichtbar auch eine Raiffeisengenossenschaft als Abnehmer belasteter Futterfette  durch Unterschlagung von Lieferantenlisten tief in den Fall verstrickt ist,  macht deutlich: Es gibt neben dem einen schwarzen Schaf nicht die vielen  ahnungslosen wei\u00dfen Schafe. Sie haben es erst durch den Handel mit diesen  Hasadeuren m\u00f6glich gemacht, dass diese lukrativen kriminellen Gesch\u00e4fte gemacht  werden konnten. Die systematische Entsorgung von Giftm\u00fcll \u00fcber Futtermittel in  die Lebensmittelkette. Daher geh\u00f6ren auch die \u00f6ffentlich genannt, die  unmittelbaren Handel mit dem schwarzen Schaf betrieben haben. \u00d6ffentlichkeit und  die Gefahr f\u00fcr die Reputation ist ein wichtiger \u00f6konomischer Faktor. Wir wissen  bis heute nicht, wer die vergifteten Chargen aus Uetersen oder B\u00f6sel bezogen  hat.<\/p>\n<p>Transparenz und \u00d6ffentlichkeit w\u00e4re  die erste und zentrale Forderung. Es gibt einige zentrale Forderungen f\u00fcr eine  Reform des Futtermittelrechts, die eigentlich selbstverst\u00e4ndlich sein sollten;  sind sie aber nicht. Die Futtermittelwirtschaft hat es immer wieder geschafft zu  verhindern, dass es ein Reinheitsgebot gibt, eine rechtlich verbindliche  Positivliste, was rein darf in ein Futtermittel,<\/p>\n<p>Weitere Forderung ist eine offene  Deklaration: Was ist drin, in welchen Mengen und wann wurde es von wem erzeugt.  Es schlie\u00dft sich an die Forderung nach einer Erkl\u00e4rung, dass auch nichts  Verschnittenes, z.B.Giftm\u00fcll, untergemischt wurde.<\/p>\n<p>Die Forderung nach einer  verschuldensunabh\u00e4ngigen Haftpflichtabsicherung schlie\u00dft sich an. Wir k\u00f6nnen  dann die weiteren Forderungen des 14 Punkteplans der Bund- L\u00e4nder Agrar- und  VerbraucherministerInnenkonferenz und den Fahrplan weitgehend zur Kenntnis  nehmen. Entscheidend bleibt, was wird umgesetzt.<\/p>\n<p>In den letzten Tagen scheint die  Bereitschaft da zu sein, auch in nationalem Alleingang umzusetzen. Erst gestern  hat Bundesministerin Aigner sich bei den europ\u00e4ischen Kollegen nicht mit  zentralen Forderungen nach Haftpflicht und Positvliste durchsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diese Krise hatte ihren Ursprung in  Schleswig-Holstein. Auch wenn die Systeme der Eigenkontrolle der Unternehmen an  Haupt und Haaren reformiert werden. Mit wirklich gewollten, umfassenden Analysen  m\u00fcssen endlich mal die wesentlichen Risiken abgesteckt werden. Es ist besser,  ein riskantes Unternehmen am Anfang der Futterkette zu kontrollieren, als  Millionen von Eiern oder Schweinebraten hinterherlaufen zu wollen.<\/p>\n<p>Es wird zu einer Aufstockung der  der bisher 3,5 Stellen Futtermittelkontrolleure in Schleswig-Holstein kommen  m\u00fcssen. F\u00fcr die Finanzierung der \u00f6ffentlichen Kontrollen brauchen wir die  rechtliche M\u00f6glichkeit der Erhebung risikobasierter Umlagen der Branchen. Daf\u00fcr  muss sich das Land endlich einsetzen.<\/p>\n<p>Die deutsche und die  schleswig-holsteinische Agrar- und Ern\u00e4hrungspolitik ist auf billige, am  Weltmarkt orientierte Massenerzeugung ausgerichtet. Diese Exportstrategie ist  den Bauern nicht unbedingt gut bekommen. So ist allein im Jahr 2008 jeder  sechste Schweinehalter, insgesamt 14.000 Betriebe, in Deutschland ausgeschieden.<\/p>\n<p>Auf die zerst\u00f6rerische Wirkung  dieser offensiven Exportstrategie f\u00fcr regionale M\u00e4rkte in den L\u00e4ndern der  Dritten Welt will ich an dieser Stelle nicht eingehen. Auch nicht darauf, dass  70 Prozent der Eiwei\u00dffuttermittel importiert werden m\u00fcssen, um hier \u00fcberhaupt  diese intensive Tierhaltung zu betreiben.<\/p>\n<p>Aber man hat Betriebe in ein  hochriskantes System der Tierhaltung reinlaufen lassen. Jetzt sind infolge der  europaweiten und weltweiten Folgen des Futtermittelskandals die M\u00e4rkte  zusammengebrochen. Die Europ\u00e4ische Union wird mit \u00f6ffentlichem Geld eine private  Lagerhaltung der Schweinefleischberge finanzieren. Ich lasse an dieser Stelle  eine Bewertung.<\/p>\n<p>Der Besuch der Europ\u00e4ischen  Futtermittelkontolleure gestern in Schleswig-Holstein ist vor dem Hintergrund  der europaweiten Folgen und weltweiten Auswirkungen nicht als reiner  H\u00f6flichkeitsbesuch zu verstehen.<\/p>\n<p>Der Skandal zeigt aber auch die  dringende Notwendigkeit einer Neuausrichtung der Agrar- und Ern\u00e4hrungspolitik  hin zu einer fairen b\u00e4uerlichen, tier- und umweltgerechten Landwirtschaft- einer  bodengebundenen Tier- und Lebensmittelproduktion. Gut f\u00fcr Wasser, Artenvielfalt  und l\u00e4ndlicher Wirtschaftsentwicklung.<\/p>\n<p>Das immer gr\u00f6\u00dfer werdende Ausma\u00df  der Belastung, die monatelang unbemerkte Vergiftung von Verbraucherinnen und  Verbrauchern mit Produkten der Futtermittelkette und der Massentierhaltung  zeigen, dass die Agrarindustrie ihre selbst produzierten Risiken nicht in den  Griff bekommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lebensmittelskandale gehen in Mitteleuropa meistens von Futtermitteln aus. Sehr oft ist Dioxin beteiligt. 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