{"id":286621,"date":"2019-03-07T09:30:07","date_gmt":"2019-03-07T09:30:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/besondere-neuigkeiten\/lka-sh-studie-zu-vorurteilsmotivierter-kriminalitaet-landeskriminalamt-schleswig-holstein-legt-sonderbericht-vor-325\/"},"modified":"2019-03-07T09:30:07","modified_gmt":"2019-03-07T09:30:07","slug":"lka-sh-studie-zu-vorurteilsmotivierter-kriminalitaet-landeskriminalamt-schleswig-holstein-legt-sonderbericht-vor-325","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/lka-sh-studie-zu-vorurteilsmotivierter-kriminalitaet-landeskriminalamt-schleswig-holstein-legt-sonderbericht-vor-325\/","title":{"rendered":"LKA-SH: Studie zu vorurteilsmotivierter Kriminalit\u00e4t: Landeskriminalamt Schleswig-Holstein legt Sonderbericht vor"},"content":{"rendered":"<p>Kiel (ots) &#8211; Vorurteilsmotivierte Kriminalit\u00e4t geht gezielt gegen  Personen aufgrund ihrer sozialen Gruppenzugeh\u00f6rigkeit vor und  orientiert sich an identit\u00e4tsstiftenden Merkmalen wie zum Beispiel  Hautfarbe, Religion oder sexuelle Orientierung. Die T\u00e4ter\/innen sind  dabei durch Vorurteile gegen\u00fcber bestimmten Merkmalen motiviert, die  die gesamte Gruppe des Opfers betreffen.<!--more--> Diese Taten k\u00f6nnen von  Beleidigungen und Bedrohungen \u00fcber Rufsch\u00e4digung bis hin zu Raub und  Brandanschl\u00e4gen reichen.     &#8222;Das Erleben von vorurteilsmotivierter Kriminalit\u00e4t ist deshalb  besonders belastend und furchtausl\u00f6send, weil die Taten auf Merkmale  abzielen, welche das Opfer nicht kontrollieren kann&#8220;, sagt Dr. Lars  Riesner, Psychologe und Leiter der Kriminologischen Forschungsstelle  am Landeskriminalamt Schleswig-Holstein.     \u00dcber das tats\u00e4chliche Ausma\u00df und die Folgen dieser Straftaten ist  in Deutschland bislang nur wenig bekannt gewesen. Eine neue Studie,  die parallel von den Landeskriminal\u00e4mtern Schleswig-Holstein und  Niedersachsen als Sondermodul der Dunkelfeldstudie 2017 durchgef\u00fchrt  worden ist, legt nun erstmals repr\u00e4sentative Zahlen vor. Mit der  l\u00e4nderspezifische Auswertung und Ergebnisdokumentation ist das  Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) beauftragt  worden.  Die Ergebnisse k\u00f6nnen wichtige Hinweise f\u00fcr den  polizeilichen Umgang mit Opfern vorurteilsmotivierter Kriminalit\u00e4t  geben.     Aufgrund der hohen gesellschaftlichen Relevanz beleuchtet das LKA  das Thema in der aktuell gestarteten Dunkelfeldstudie 2019 erneut.  Ziel ist es, wichtige Erkenntnisse \u00fcber Ver\u00e4nderungen und Tendenzen  seit der letzten Befragung zu gewinnen und polizeiliches Handeln  daran zu orientieren.     Zentrale Ergebnisse der Studie f\u00fcr Schleswig-Holstein     Insgesamt berichten 5,1% der 11.614 befragten  Schleswig-Holsteiner\/innen, dass sie im Jahr 2016 Opfer durch  vorurteilsmotivierte Kriminalit\u00e4t geworden sind. Dies entspricht in  etwa den mittleren Raten, die auch aus der internationalen  europ\u00e4ischen Forschung berichtet werden.     Drei Viertel (75 %) aller berichteten F\u00e4lle geh\u00f6ren zu den Ehr-  und    Drohungsdelikten, die zu einem gro\u00dfen Teil im Internet  erfolgten. Seltener wurden Delikte wie Sachbesch\u00e4digung\/Vandalismus  (9 %) und Diebstahl (7 %) genannt. Noch kleiner sind die Anteile  erlebter schwerer Delikte wie K\u00f6rperverletzung (2 %) sowie Sexueller  Missbrauch\/Vergewaltigung, Raub oder Brandanschlag auf das Wohnhaus,  die unterhalb des einstelligen Bereiches liegen.     Hinsichtlich des Anzeigeverhaltens gibt es keine relevanten  Unterschiede zwischen Opfern vorurteilsmotivierter Taten und Opfern  anders motivierter Taten: Im Durchschnitt wurden von beiden  Opfergruppen rund 30 % aller berichteten F\u00e4lle angezeigt. In Hinblick auf das Anzeigeverhalten nach einzelnen Delikten finden sich  ebenfalls keine statistisch relevanten Unterschiede. Eine g\u00e4ngige  Annahme, dass vorurteilsgeleitete Taten seltener angezeigt werden als anders motivierte Delikte, kann f\u00fcr Schleswig-Holstein somit nicht  best\u00e4tigt werden.     Gefragt nach den pers\u00f6nlichen Merkmalen, die die berichtete  vorurteilsmotivierte Tat begr\u00fcndet haben, nannten die Betroffenen am  h\u00e4ufigsten den sozialen Status (17 %), die finanzielle Situation (15  %), das Aussehen (14 %), das Alter (12 %) sowie das Geschlecht, bzw.  die geschlechtliche Identit\u00e4t (10 %). Am seltensten wurden chronische Erkrankungen\/Behinderungen, die Hautfarbe und die sexuelle  Orientierung als tatbegr\u00fcndendes Merkmal genannt.     Hierbei ist allerdings anzumerken, dass selten genannte Merkmale  in einzelnen sozialen Gruppen eine gro\u00dfe Rolle spielen k\u00f6nnen: Im  Vergleich der Nennungen von Opfern mit und ohne Migrationshintergrund wird dies deutlich. Opfer mit Migrationshintergrund gaben im  Vergleich zu Opfern ohne Migrationshintergrund anteilig signifikant  h\u00e4ufiger die Herkunft (34% vs. 9 %), die Religion (14 % vs. 3 %) und  die Hautfarbe (8 % vs. 3 %) als Grund f\u00fcr die erlebte Tat an.     Die Berichte zu unbeteiligten Dritten w\u00e4hrend der Tat fallen  ambivalent aus. Es wird sowohl von zivilcouragiertem Verhalten, als  auch von Wegsehen bis hin zu ebenfalls abf\u00e4lligem \u00c4u\u00dfern gegen\u00fcber  den Opfern berichtet. In 27 % der F\u00e4lle, in denen weitere Personen  bei der Tat zugegen waren, haben diese Hilfe geholt. Ebenfalls h\u00e4ufig haben sich unbeteiligte Personen mit Worten (49,1 %), k\u00f6rperlich  (18,3 %) oder auf andere Weise (44,3 %) f\u00fcr das Opfer eingesetzt.  Neben diesem zivilcouragiertem Verhalten berichten jedoch auch 39,5 % der Opfer von Unbeteiligten, die weggesehen haben. Und 12,5 %  berichten, dass dritte Personen sich ebenfalls abf\u00e4llig gegen\u00fcber den Opfern \u00e4u\u00dferten. (Es waren Mehrfachantworten m\u00f6glich)     Opfer von Vorurteilskriminalit\u00e4t leiden besonders stark unter den  Folgen der Tat. Und Sie weisen im Vergleich zu Opfern nicht  vorurteilsmotivierter Kriminalit\u00e4t signifikant h\u00f6here Werte in allen  Bereichen der Kriminalit\u00e4tsfurcht auf. Das hei\u00dft, Opfer von  Vorurteilskriminalit\u00e4t f\u00fchlen sich in ihrer r\u00e4umlichen Umgebung  unsicherer und haben h\u00e4ufiger die Bef\u00fcrchtung, Opfer von Kriminalit\u00e4t zu werden. Zudem zeigen Sie h\u00e4ufiger Schutz- und Vermeidungsverhalten gegen\u00fcber Kriminalit\u00e4t, indem sie zum Beispiel eher vermeiden, bei  Dunkelheit das Haus zu verlassen und sich eher bewaffnen.     Opfer von vorurteilsmotivierter Kriminalit\u00e4t haben im Vergleich zu Opfern von nicht vorurteilsmotivierter Kriminalit\u00e4t und Nicht-Opfern  das geringste Vertrauen in die Polizei als rechtsstaatliche  Institution aber auch in deren Arbeit im Allgemeinen.     Grenzen der Untersuchung     Ein Vergleich zwischen der offiziellen Hellfeldstatistik zu  Politisch Motivierter Kriminalit\u00e4t (PMK) und den hier erhobenen  Dunkelfelddaten ist unter anderem deshalb nicht m\u00f6glich, weil sich  die in der Bev\u00f6lkerung erfragten und die polizeilich erfassten  Straftaten nicht unmittelbar in Deckung bringen lassen.     Einschr\u00e4nkend ist in Bezug auf die hier pr\u00e4sentierte  Datengrundlage zudem zu erw\u00e4hnen, dass bestimmte Gruppen aufgrund der mangelnden Erreichbarkeit in entsprechenden Dunkelfeldbefragungen  nicht enthalten sind, beispielsweise Obdachlose oder Personen, die  keine deutschen Sprachkenntnisse haben. Es k\u00f6nnen zudem keine Angaben zu den Anteilen der einzelnen betroffenen Gruppen in der Bev\u00f6lkerung  gemacht werden.     Dar\u00fcber hinaus konnte festgestellt werden, dass der Anteil von  Personen, die berichten, Opfer von vorurteilsmotivierter Kriminalit\u00e4t geworden zu sein, stark davon abh\u00e4ngt, wie gefragt wird. Je  detaillierter, desto mehr Personen geben an, von solchen Taten  betroffen zu sein. Dies ist ein Effekt, der bereits aus anderen  Sondermodulen bekannt ist. Die detaillierte Abfrage f\u00fchrt sehr  wahrscheinlich dazu, dass Menschen Erinnerungen an Erlebtes leichter  entsprechend einordnen, was insbesondere bei der Interpretation von  Ergebnissen zur H\u00e4ufigkeit ber\u00fccksichtigt werden muss.     Der ausf\u00fchrliche Bericht und die Ergebnisse der Studie sind auf  der Internetseite des KFN frei verf\u00fcgbar:     &#8222;Erfahrungen und Folgen von Vorurteilskriminalit\u00e4t.  Schwerpunktergebnisse der Dunkelfeldstudie des Landeskriminalamtes  Schleswig-Holstein 2017&#8220;     <\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/blaulicht\/pm\/2256\/4211523\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">presseportal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kiel (ots) &#8211; Vorurteilsmotivierte Kriminalit\u00e4t geht gezielt gegen Personen aufgrund ihrer sozialen Gruppenzugeh\u00f6rigkeit vor und orientiert sich an identit\u00e4tsstiftenden Merkmalen<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"class_list":["post-286621","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-besondere-neuigkeiten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/286621","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=286621"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/286621\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=286621"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=286621"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=286621"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}