{"id":288349,"date":"2019-07-24T11:18:47","date_gmt":"2019-07-24T11:18:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/politik-wirtschaft\/deutsche-umwelthilfe-praesentiert-ergebnisse-von-emissionsmessungen-an-lkw-im-realbetrieb-abgassystem-jedes-5-lkw-manipuliert-oder-defekt\/"},"modified":"2019-07-24T11:18:47","modified_gmt":"2019-07-24T11:18:47","slug":"deutsche-umwelthilfe-praesentiert-ergebnisse-von-emissionsmessungen-an-lkw-im-realbetrieb-abgassystem-jedes-5-lkw-manipuliert-oder-defekt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/deutsche-umwelthilfe-praesentiert-ergebnisse-von-emissionsmessungen-an-lkw-im-realbetrieb-abgassystem-jedes-5-lkw-manipuliert-oder-defekt\/","title":{"rendered":"Deutsche Umwelthilfe pr\u00e4sentiert Ergebnisse von Emissionsmessungen an Lkw im Realbetrieb: Abgassystem jedes 5. Lkw manipuliert oder defekt"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (ots) &#8211; Deutsche Umwelthilfe pr\u00e4sentiert alarmierende  Ergebnisse von Stra\u00dfen-Abgasmessungen, durchgef\u00fchrt von der  Universit\u00e4t Heidelberg in Kooperation mit dem Verband f\u00fcr die  Transportbranche Camion Pro und mit Unterst\u00fctzung der Verkehrspolizei Sachsen &#8211; Abgasreinigung bei 20 Prozent der 141 gemessenen Fahrzeuge  defekt oder manipuliert &#8211; Vor allem Lkws aus Osteuropa auff\u00e4llig <!--more-->&#8211;  Unterbundene Harnstoff-Einspritzung oder abgeschaltete  Abgasr\u00fcckf\u00fchrung spart Kosten &#8211; Fehlende Anordnung sowie technische  und personelle Ausstattung der Kontrollbeh\u00f6rden \u00f6ffnen T\u00fcr und Tor  f\u00fcr betr\u00fcgerische Manipulation der Lkw-Abgaskatalysatoren &#8211; DUH  fordert effektive beh\u00f6rdliche Kontrollen mit sofortiger Stilllegung  auff\u00e4lliger Fahrzeuge und wirkungsvolle Sanktionen     Jeder f\u00fcnfte Lkw \u00fcberschreitet die geltenden Abgasstandards f\u00fcr  Stickoxid (NOx). Das ist das erschreckende Ergebnis von  Abgas-Messungen an insgesamt 140 Euro V und VI Lkw im realen Betrieb  auf der Stra\u00dfe. Besonders Lkw aus Osteuropa waren auff\u00e4llig. Die  Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte das Institut f\u00fcr Umweltphysik der  Universit\u00e4t Heidelberg beauftragt, die NOx-Emissionen von Lkw im  realen Betrieb zu ermitteln. Die Aktion erfolgte in Zusammenarbeit  mit dem Verband f\u00fcr die Transportbranche Camion Pro. Die  Verkehrspolizei Sachsen unterst\u00fctze die Messungen an einem Tag.     Die zu hohen NOx-Werte sind nach Ansicht der DUH auf einen Defekt  oder eine Manipulation der Abgasreinigung durch die Nutzer  zur\u00fcckzuf\u00fchren. Daher fordert der Umwelt- und  Verbraucherschutzverband deutlich mehr und effektivere Kontrollen  durch die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden sowie wirkungsvolle Sanktionen gegen  die Betreiber der Fahrzeuge. Auff\u00e4llige Fahrzeuge mit zu hohen  Schadstoffemissionen sollten sofort stillgelegt und erst nach einer  nachgewiesenen Reparatur der Abgasreinigungsanlage und einer  anschlie\u00dfenden Pr\u00fcfung durch die Beh\u00f6rden wieder f\u00fcr den Verkehr  freigegeben werden. Denkbar ist ein Entzug der EU-Lizenzen, eine  Nachzahlung der Mautdivergenzen sowie angemessen hohe Strafzahlungen  wie beispielsweise in der Schweiz. Die Fahrzeuge sollten erst wieder  fahren d\u00fcrfen, wenn die Zahlungen erfolgt sind.     J\u00fcrgen Resch, Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der DUH: &#8222;Verkehrsminister  Scheuer ist nach EU-Recht verpflichtet, die realen Abgasemissionen  von Fahrzeugen stichprobenhaft zu \u00fcberpr\u00fcfen und festgestellte  Verst\u00f6\u00dfe zu verfolgen. Fahrzeuge, die mit derart hohen  Schadstoffemissionen, wie von uns gemessen, die Luft vergiften,  m\u00fcssen sofort aus dem Verkehr gezogen werden. Das gilt gerade auch  f\u00fcr Lkw, die mehrere hunderttausend Kilometer Laufleistung pro Jahr  haben. Unsere verdeckten Abgasmessungen beim Hinterherfahren der Lkw  zeigen, dass nicht nur im Pkw-Bereich, sondern auch bei den Lkw  bez\u00fcglich der realen Dieselabgas-Emissionen getrickst und betrogen  wird. W\u00e4hrend andere EU-Staaten zumindest rudiment\u00e4r kontrollieren  und in der Schweiz bei festgestellten Verst\u00f6\u00dfen Lkw mit manipulierten Abgasanlagen stilllegt werden, findet in Deutschland keine effektive  Abgaskontrolle von Lkw auf der Stra\u00dfe durch die Beh\u00f6rden statt.&#8220;     Insgesamt fielen bei dem Test 12 von 40 (bzw. 30 Prozent) Euro V  Lkw und 16 von 100 (bzw. 16 Prozent) Euro VI Lkw mit deutlich zu  hohen NOX-Emissionswerten auf. Somit zeigte jedes f\u00fcnfte gemessene  Fahrzeuge NOx-Emissionswerte deutlich oberhalb des jeweiligen  Grenzwerts auf.     Die Ergebnisse bewertet Axel Friedrich, der als internationaler  Verkehrsexperte und Leiter des Emissions-Kontroll-Instituts der DUH  die Messungen begleitet hat: &#8222;Wenn jeder f\u00fcnfte getestete Lkw die  Abgasstandards nicht einh\u00e4lt, ist das ein Beleg daf\u00fcr, dass die  Abgasreinigungsanlage defekt oder manipuliert ist. Angesichts der  Herausforderungen, vor der wir mit Blick auf Luftreinhaltung in  Deutschland und Europa stehen, k\u00f6nnen wir das nicht akzeptieren. Der  Stand der Technik erlaubt, dass Fahrzeuge dieser Abgasstandards  weitgehend sauber unterwegs sind. Das darf nicht durch betr\u00fcgerisches Handeln der Betreiber und fehlende Kontrollen unterwandert werden.&#8220;     Die Abgasreinigung kann \u00fcber elektronische Module, sogenannte  Emulatoren, sowie Software-Eingriffe manipuliert werden, sodass die  erforderliche Einspritzung von Harnstoff unterbunden oder die  Abgasr\u00fcckf\u00fchrung reduziert wird. Die bordeigenen Kontrollsysteme  werden ausgetrickst, sodass das Fahrzeug ohne weitere Fehlermeldung  und ohne funktionierende Abgasreinigung weiterf\u00e4hrt.     Der Umwelt- und Verbraucherschutzverband sieht analog zum  Abgasbetrug im Pkw-Bereich einen Skandal \u00e4hnlichen Ausma\u00dfes auch bei  Lkw durch die Spediteure. Im Fokus stehen die Halter der Fahrzeuge,  die manipulierend in die Abgasreinigungssysteme eingreifen. Die DUH  fordert die umgehende Durchf\u00fchrung effektiver Kontrollen der realen  Abgasemissionen auch von Lkw im Betrieb auf der Stra\u00dfe durch die  Autobahnpolizei und das Bundesamt f\u00fcr G\u00fcterverkehr (BAG). Dazu  ben\u00f6tigt die Autobahnpolizei neben ausreichenden personellen  Kapazit\u00e4ten die technische Ausstattung, um Fahrzeuge mit zu hohen  Emissionswerten aufdecken zu k\u00f6nnen.     Die aktuellen NOx-Abgasmessungen durch das Institut f\u00fcr  Umweltphysik fanden an vier Tagen Ende Mai 2019 auf Autobahnen in  Baden-W\u00fcrttemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Th\u00fcringen und Sachsen  statt. Die Konzentration von NOX und CO2 in der Abgasfahne hinter den Lkw wurde w\u00e4hrend der Fahrt nach dem &#8222;Plume Chasing&#8220; Verfahren  untersucht. Denis P\u00f6hler vom Institut f\u00fcr Umweltphysik der  Universit\u00e4t Heidelberg erl\u00e4utert: &#8222;Die Emissionen in der verd\u00fcnnten  Abgasfahne von Lkw k\u00f6nnen mit dem angewandten Plume Chasing  Messverfahren w\u00e4hrend der Fahrt hinter dem Lkw identifiziert werden.  Durch die Messung \u00fcber mehrere Minuten an einem Lkw bei konstanter  Fahrt erh\u00e4lt man einen verl\u00e4sslichen Emissionswert f\u00fcr das Fahrzeug  mit dem sich feststellen l\u00e4sst, ob die Abgasanlage korrekt arbeitet  oder nicht.&#8220;     Andreas Mossyrsch Vorstand von Camion Pro: &#8222;Ziel der Untersuchung  war es, das Ausma\u00df der Abgasmanipulationen bei Lkw aufzudecken. Diese Manipulationen f\u00fchren nicht nur zu einer hohen Belastung der Umwelt,  sondern auch zu einer existenzbedrohenden Wettbewerbsverzerrung.&#8220;  Durch den Einsatz der billigen Manipulationssoftware spart der  Betreiber bei einem Lkw bis zu 1.000 Euro pro Jahr &#8211; bei einem gro\u00dfen Fuhrpark eine ausschlaggebende Summe, die zu einem Vorteil gegen\u00fcber  denjenigen f\u00fchrt, die sich an die Regeln halten.     Insgesamt wurden 141 Lkw untersucht. Bei 52 handelt es sich um Lkw mit deutschem Kennzeichen, die verbleibenden 89 Lkw kommen aus  anderen EU-Staaten oder aus Russland, Wei\u00dfrussland, Serbien oder der  T\u00fcrkei. 40 der getesteten Lkw hatten die Abgasnorm Euro V, 100 die  Abgasnorm Euro VI, nur einer die Abgasnorm Euro III. Mehr als 25  Prozent der nicht deutschen Lkw waren bei den Tests auff\u00e4llig.     Vier Lkw mit auff\u00e4llig hohen NOX-Emissionen im Realbetrieb wurden  von den Vollzugsbeamten der Verkehrspolizeiinspektion Chemnitz am 27. Mai 2019 von der Autobahn abgeleitet und einer Kontrolle unterzogen.     Die NOX-Emissionsmessung eines Euro V Lkw des Herstellers MAN  zeigte einen durchschnittlichen Wert von 9539 mg NOx\/kWh. Der  Pr\u00fcfwert inklusive Toleranzmarge liegt bei 3000 mg\/kWh. Bei der  Kontrolle durch die Verkehrspolizei ergab das Diagnoseger\u00e4te keinen  R\u00fcckschluss auf eine Manipulation. Jedoch fielen bei manueller  \u00dcberpr\u00fcfung der Fahrzeugparameter \u00fcber die  on-Board-Diagnoseschnittstelle viele Unstimmigkeiten auf: Der  Temperatursensor, welcher dazu konzipiert ist, im Fall von extremen  Temperaturen im Abgassystem die Abgasreinigung tempor\u00e4r abzuschalten, um Sch\u00e4den an dieser zu verhindern, gab einen Wert von -20 \u00b0C aus.  Somit wird die AdBlue Einspritzung unterbunden. Gleichzeitig zeigte  das Fahrzeug eine Au\u00dfentemperatur von +21,3 \u00b0C an. Ein deutlicher  Hinweis f\u00fcr einen manipulierenden Eingriff in die Software.     Einen auff\u00e4lligen Volvo Lkw Euro VI konnte die Polizei nicht  \u00fcberpr\u00fcfen, da das vorhandene Messger\u00e4t f\u00fcr diesen Typ nicht geeignet war. Sven Krahnert, Leiter der Verkehrs\u00fcberwachung der  Polizeidirektion Chemnitz, begleitete die Messungen am 27. Mai und  sagt: &#8222;Wir ben\u00f6tigen Messtechnik, damit wir bei einem Anfangsverdacht die Funktion der AdBlue-Anlage unkompliziert \u00fcberpr\u00fcfen k\u00f6nnen.&#8220;     Die DUH hat bereits seit 2007, viele Jahre vor dem Bekanntwerden  des Abgasbetrugs an Diesel-Pkw, auf die Manipulation der  Abgasreinigungssysteme von Diesel-Pkw durch die Hersteller  hingewiesen. Ebenso hat die DUH in der Vergangenheit auf  betr\u00fcgerische Machenschaften bei Nachr\u00fcstkatalysatoren f\u00fcr Pkw, aber  auch auf illegale Angebote der verbotenen Emulatoren zur Abschaltung  der Harnstoffeinspritzung im Lkw Bereich hingewiesen.     &#8222;Am wichtigsten ist der politische Wille, diesem Betrug im  Lkw-Bereich ein Ende zu setzen. Hier sind die Verkehrsminister der  L\u00e4nder und des Bundes in der Pflicht, den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden  entsprechende Weisung zu geben. Immerhin handelt es sich nicht um  Kavaliersdelikte. Gerade das Bundesverkehrsministerium und das  Kraftfahrt-Bundesamt spielen hier eine besonders unr\u00fchmliche Rolle:  Weder schritten sie gegen von der DUH enttarnte  Betrugs-Nachr\u00fcstkatalysatoren oder auch Attrappen von Kats ein, noch  gegen Inverkehrbringer von AbBlue Emulatoren. Die DUH musste jeweils  von ihrem Klagerecht im Rahmen der \u00f6kologischen Markt\u00fcberwachung  Gebrauch machen und gegen die Firmen vorgehen&#8220;, so Resch weiter.     Links:     Zum Messbericht: http:\/\/l.duh.de\/p170724    Pressekontakt: J\u00fcrgen Resch, Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer DUH 0171 3649170, resch@duh.de  Dr. Axel Friedrich, Internationaler Verkehrsexperte 0157 71592163, axel.friedrich.berlin@gmail.com  Dr. Denis P\u00f6hler, Institut f\u00fcr Umweltphysik, Universit\u00e4t Heidelberg 06221 546311, 0176 20504718, denis.poehler@iup.uni-heidelberg.de  Andreas Mossyrsch, Vorstand Camion Pro e.V. 089 3160597-0, info@camionpro.eu  Polizeidirektion Chemnitz, Pressestelle 0371 387-2020, pressestelle.pd-c@polizei.sachsen.de  DUH-Pressestelle:  Ann-Kathrin Marggraf, Marlen Bachmann 030 2400867-20, presse@duh.de  www.duh.de, www.twitter.com\/umwelthilfe,  www.facebook.com\/umwelthilfe, www.instagram.com\/umwelthilfe  Original-Content von: Deutsche Umwelthilfe e.V., \u00fcbermittelt durch news aktuell<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/22521\/4331296\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">presseportal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin (ots) &#8211; Deutsche Umwelthilfe pr\u00e4sentiert alarmierende Ergebnisse von Stra\u00dfen-Abgasmessungen, durchgef\u00fchrt von der Universit\u00e4t Heidelberg in Kooperation mit dem Verband<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-288349","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/288349","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=288349"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/288349\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=288349"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=288349"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=288349"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}