{"id":289593,"date":"2019-08-08T18:00:00","date_gmt":"2019-08-08T18:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/politik-wirtschaft\/gesundheitsministerium-schaltet-sich-in-kontrastmittel-skandal-ein\/"},"modified":"2019-08-08T18:00:00","modified_gmt":"2019-08-08T18:00:00","slug":"gesundheitsministerium-schaltet-sich-in-kontrastmittel-skandal-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/gesundheitsministerium-schaltet-sich-in-kontrastmittel-skandal-ein\/","title":{"rendered":"Gesundheitsministerium schaltet sich in Kontrastmittel-Skandal ein"},"content":{"rendered":"<p>Hamburg (ots) &#8211;      Sperrfrist: 08.08.2019 18:00    Bitte beachten Sie, dass diese Meldung erst nach Ablauf der    Sperrfrist zur Ver\u00f6ffentlichung freigegeben ist.     Die hohen Gewinne mit Kontrastmitteln zulasten der Krankenkassen  sorgen f\u00fcr Unruhe im Bundesgesundheitsministerium und bei den  Krankenkassen.<!--more--> Ein Sprecher best\u00e4tigt, dass das Ministerium  unmittelbar nach der Ver\u00f6ffentlichung den AOK Bundesverband um  Aufkl\u00e4rung \u00fcber die &#8222;hohen Zusatzgewinne&#8220; f\u00fcr niedergelassene  Radiologen in f\u00fcnf Bundesl\u00e4ndern gebeten habe.     NDR, WDR und &#8222;S\u00fcddeutsche Zeitung&#8220; hatten auf Basis von internen  Unterlagen aus Radiologiepraxen und von Pharmaherstellern berichtet,  dass \u00c4rzte Kontrastmittel f\u00fcr Aufnahmen in CT oder MRT g\u00fcnstig  einkaufen und ein Vielfaches des Preises in Form von Pauschalen von  den Krankenkassen erstattet bekommen. Mit jedem MRT- oder CT-Ger\u00e4t  k\u00f6nnen Radiologen auf diese Weise knapp 100.000 Euro Gewinn im Jahr  machen. Nach Sch\u00e4tzung kostet dies die Versicherten j\u00e4hrlich knapp  200 Millionen Euro. Der finanzielle Anreiz f\u00fchrt offenbar auch dazu,  dass \u00c4rzte in Bundesl\u00e4ndern mit den lukrativen Pauschalen bei ihren  Patienten h\u00e4ufiger Untersuchungen mit Kontrastmitteln durchf\u00fchren als in anderen Bundesl\u00e4ndern &#8211; und somit h\u00e4ufiger, als es medizinisch  n\u00f6tig w\u00e4re. Die Mittel bergen aber, wie jedes Medikament,  Gesundheitsrisiken.     Alarmiert durch die Berichte, rief der AOK Bundesverband schon  Anfang dieser Woche alle seine Mitglieder zu einer Telefonkonferenz  zusammen. Nach Information von NDR, WDR und SZ nannte die Vertreterin Bayerns konkrete Preise f\u00fcr ihr Bundesland w\u00e4hrend der  Telefonkonferenz. Demnach kaufen Radiologen in Bayern  MRT-Kontrastmittel im Durchschnitt f\u00fcr 880 Euro pro Liter ein und  bekommen daf\u00fcr 3900 Euro von den Krankenkassen erstattet. Auf Anfrage will die AOK Bayern auch im Namen der Arbeitsgemeinschaft der  Krankenkassenverb\u00e4nde in Bayern die Preise weder best\u00e4tigen noch  dementieren.     Im Bereich Nordrhein, wo die Kontrastmittel-Pauschalen erst im  April dieses Jahres eingef\u00fchrt wurden, teilt das  Gesundheitsministerium unter Josef Laumann (CDU) auf Anfrage mit,  dass die AOK und die Kassen\u00e4rztliche Vereinigung die Einkaufspreise  und die Erstattungen f\u00fcr die Mittel nun pr\u00fcfen wollten. Das  Lenkungsgremium werde &#8222;die bisher vereinbarten Preise gegebenenfalls  an die Marktbedingungen zu Einkaufspreisen anpassen&#8220;.     Bisher geht es in den Briefwechseln zwischen Ministerien,  GKV-Spitzenverband und Krankenkassen stets nur um die Sorge, dass die Kassen mit ihrer hohen Erstattung der Kontrastmittel wom\u00f6glich gegen  das Wirtschaftlichkeitsgebot versto\u00dfen, dem sie laut Sozialgesetzbuch unterliegen. Die medizinische Seite des Skandals ist bisher nicht  Gegenstand der Untersuchungen. Gesundheitspolitiker machen dagegen  vor allem auf die Gef\u00e4hrdung der Patienten aufmerksam. So h\u00e4lt es der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach f\u00fcr &#8222;sehr gef\u00e4hrlich,  Kontrastmittel dort einzusetzen, wo es nicht ben\u00f6tigt wird&#8220;. Er  fordert, dass sich das Gesundheitsministerium darum k\u00fcmmern m\u00fcsse,  &#8222;denn wir haben es hier mit einer gravierenden Gef\u00e4hrdung von  Patienten zu tun, die auch noch sehr viel Geld kostet&#8220;. Ihn habe  schon immer gewundert, warum in Deutschland so viele Untersuchungen  mit Kontrastmitteln gemacht w\u00fcrden, die man auch ohne Kontrastmittel  machen k\u00f6nnte, sagt Lauterbach. Von daher sollten auch die  Krankenkassen die &#8222;unseri\u00f6sen Anreize&#8220; daf\u00fcr stoppen.     Die gesundheitspolitische Sprecherin der Gr\u00fcnen im Bundestag,  Kordula Schulz-Asche, sagt, dass sie immer mehr Briefe von besorgten  B\u00fcrgern erreichten, die sich fragten, ob dieser Einsatz von  Kontrastmitteln aus \u00f6konomischen Gr\u00fcnden negativen Folgen f\u00fcr sie  haben k\u00f6nnte. &#8222;Von daher ist es durchaus verwunderlich, dass die  Bundesregierung seit \u00fcber einer Woche nicht auf diese Fragen  antwortet.&#8220; Schulz-Asche fordert nun zwei Dinge: Erstens, dass  &#8222;dieses Reibach-Modell endlich beendet wird&#8220;, und zweitens &#8222;eine  l\u00fcckenlose Aufkl\u00e4rung, ob durch diese Praxis Menschen gef\u00e4hrdet oder  gar gesch\u00e4digt worden sind&#8220;. Darauf m\u00fcsse jetzt auch die  Bundesregierung eine Antwort liefern, so die Gr\u00fcnen-Politikerin.    Pressekontakt: Norddeutscher Rundfunk Presse und Information Bettina Brinker Tel.: 040\/4156-2302 Mail: b.brinker@ndr.de http:\/\/www.ndr.de  https:\/\/twitter.com\/NDRpresse  Original-Content von: NDR Norddeutscher Rundfunk, \u00fcbermittelt durch news aktuell<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/6561\/4344142\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">presseportal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hamburg (ots) &#8211; Sperrfrist: 08.08.2019 18:00 Bitte beachten Sie, dass diese Meldung erst nach Ablauf der Sperrfrist zur Ver\u00f6ffentlichung freigegeben<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-289593","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/289593","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=289593"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/289593\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=289593"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=289593"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=289593"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}