{"id":289791,"date":"2019-08-11T07:45:00","date_gmt":"2019-08-11T07:45:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/politik-wirtschaft\/warum-innovative-medikamente-kosten-was-sie-kosten\/"},"modified":"2019-08-11T07:45:00","modified_gmt":"2019-08-11T07:45:00","slug":"warum-innovative-medikamente-kosten-was-sie-kosten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/warum-innovative-medikamente-kosten-was-sie-kosten\/","title":{"rendered":"Warum innovative Medikamente kosten, was sie kosten"},"content":{"rendered":"<p>M\u00fcnchen (ots) &#8211; Krankheiten, die bisher nicht oder nur  symptomatisch behandelt werden konnten, werden therapierbar: Wir sind Zeugen eines au\u00dfergew\u00f6hnlichen Innovationsschubes. Neuartige  Wirkprinzipien, wie sie in Immun- oder Gentherapien zum Ausdruck  kommen, stehen aber auch wegen ihrer Preise unter Druck.     http:\/\/ots.<!--more-->de\/bh6sD5     Es ist eine Krankheit mit verheerenden Folgen &#8211; ein Gendefekt  raubt Kleinkindern die Chance auf Leben und ihren Eltern jede  Hoffnung. Zumindest galt das bis zum Jahr 2017. Seitdem gibt es zur  Behandlung der Spinalen Muskelatrophie (SMA) &#8211; bisher die h\u00e4ufigste  genetisch bedingte Todesursache bei S\u00e4uglingen &#8211; ein Medikament. Es  ist das erste seiner Art. F\u00fcr die Eltern und ihre Kinder d\u00fcrfte es  schlicht Alles bedeuten, denn die Babys haben nun die Chance, sich  normal zu entwickeln. Jahrzehnte der Forschung stecken in dem so  genannten Antisense-Oligonukleotid.     Doch nun geht es Schlag auf Schlag. Eine Gentherapie gegen SMA ist in den USA bereits zugelassen und ein weiteres Arzneimittel wird  voraussichtlich kommendes Jahr zur Verf\u00fcgung stehen. F\u00fcr die  Patienten und ihre behandelnden \u00c4rzte bedeutet das: Von &#8222;Null&#8220; auf  &#8222;Therapieoptionen&#8220; in k\u00fcrzester Zeit. F\u00fcr das Unternehmen Biogen ist  es eine andere Rechnung. Die Exklusivit\u00e4t auf dem SMA-Markt d\u00fcrfte  bald dahin sein &#8211; und das hat nat\u00fcrlich Auswirkungen auf die  erwarteten Einnahmen.     Neue Medikamente, wo es vorher keine gab: &#8222;Eine fantastische  Nachricht.&#8220;     Dr. Wolfram Schmidt, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bei Biogen Deutschland, nimmt das sportlich: &#8222;Zun\u00e4chst einmal gilt: Dass es f\u00fcr diese seltene  Krankheit, f\u00fcr die es vor gerademal zwei Jahren nicht einmal eine  zugelassene Therapie gab, nun sogar Therapieoptionen geben wird, ist  eine fantastische Nachricht f\u00fcr die Betroffenen und ihre  Angeh\u00f6rigen.&#8220; Trotz der ins Haus stehenden Konkurrenz ist er  \u00fcberzeugt von seinem Medikament, auch weil Ergebnisse von Studien bei fr\u00fch behandelten S\u00e4uglingen, die zwar einen nachgewiesenen Gendefekt, aber noch keine Symptome zeigen, selbst SMA-Experten \u00fcberrascht  haben: Die Kinder haben nicht nur alle \u00fcberlebt. Eine gro\u00dfe Mehrheit  von ihnen kann ohne Hilfe gehen. Und ja, die Behandlung mit dem  Arzneimittel kostet Geld.     Neue Arzneimittel: Was definiert den Preis?     Anders als viele glauben, braucht ein Unternehmen wie Biogen die  Einnahmen seiner zugelassenen Arzneimittel aber nicht in erster  Linie, um die investierten Gelder der vergangenen Jahre oder  Jahrzehnte hereinzubekommen. &#8222;Gerade F&amp;E-Kosten eignen sich nicht zur Preissetzung oder zur Rechtfertigung von Preisen&#8220;, schreibt der  \u00d6konom Dr. Andreas J\u00e4cker vom Unternehmen Celgene in einem Beitrag  f\u00fcr die Zeitschrift Recht und Politik im Gesundheitswesen (RPG). &#8222;Es  handelt sich n\u00e4mlich um sogenannte &#8218;versunkene Kosten&#8216; (&#8218;Sunk Costs&#8216;) die nicht mehr entscheidungsrelevant sind.&#8220; Das hei\u00dft zwar nicht,  dass die eingesetzten Forschungsgelder f\u00fcr die Preisfestsetzung gar  keine Rolle spielen, aber eben keine entscheidende. Andere Faktoren  sind viel wichtiger: Welchen Nutzen haben Patienten von dem neuen  Medikament? Was bedeutet es gesamtgesellschaftlich? Auch die  Patientenpopulation flie\u00dft ein in eine solche Rechnung &#8211; das gilt vor allem bei seltenen Erkrankungen, aber nicht nur: Gerade der  allgemeine Trend zur Stratifizierung in immer kleinere  Patientengruppen hat Auswirkungen auf die Einnahme-Potenziale eines  Medikamentes &#8211; und damit auch auf den Preis. Ein weiterer  Entscheidungsfaktor: Die Leistungsf\u00e4higkeit von Gesundheitssystemen.     Wer auf den Preis einer Arzneimittelinnovation schaut, verdr\u00e4ngt  oft, dass hinter jedem zugelassenen Medikament eine ganze Armada von  Wirkstoffen zur\u00fcckgeblieben ist, die es nicht geschafft haben. Auch  diese Programme kosten Geld und auch davon kann man bei Biogen ein  Lied singen: Gerade erst hat das US-Unternehmen Phase III-Studien zu  einem vielversprechenden Pr\u00e4parat einstellen m\u00fcssen &#8211; eine geplatzte  Hoffnung f\u00fcr viele Alzheimer-Patienten in der ganzen Welt. Noch  einmal Dr. Wolfram Schmidt: &#8222;Viele sagen, das hat die Forschung von  zw\u00f6lf Jahren vernichtet. Ich sage: Das stimmt nicht. Wir haben in den Programmen so viel gelernt &#8211; und davon werden die f\u00fcnf  Alzheimer-Kandidaten profitieren, die wir in der Pipeline haben.&#8220;  Schmidt macht deutlich: &#8222;Ich werde oft gefragt: Findet ihr eigentlich noch Investoren, die bereit sind sich finanziell in das Abenteuer  Alzheimer zu st\u00fcrzen?&#8220;     Nun, einfacher d\u00fcrfte es nicht geworden sein, aber es zeigt eines: Nur wirtschaftlich gesunde Unternehmen sind \u00fcberhaupt in der Lage,  die Entscheidung f\u00fcr solche Risiko-Programme zu treffen. Auf das  Beispiel von Biogen \u00fcbertragen bedeutet das: Nur wenn das Unternehmen mit seinen zugelassenen Arzneimitteln erfolgreich ist, kann es  Milliarden in die Forschung stecken. Umgekehrt hei\u00dft das: Wer die  Preise von Arzneimittelinnovationen pauschal verdammt und deshalb  nach K\u00fcrzungen ruft, der k\u00f6nnte die Innovationsdynamik empfindlich  st\u00f6ren. Das w\u00e4re nicht nur f\u00fcr Alzheimer-Patienten eine schlechte  Nachricht.     Mukoviszidose: Erste Arzneimittel, die die Krankheit an der Wurzel packen     Szenenwechsel. In London tagt das Health and Social Care Committee des englischen Parlaments (http:\/\/ots.de\/1LLjYP). Geladen ist Dr.  Jeffrey Leiden. Der Mediziner ist CEO von Vertex Pharmaceuticals. Er  hat eine Mission. Das US-Unternehmen geh\u00f6rt nicht zu den Gro\u00dfen der  Branche, aber es hat bereits gro\u00df Medizingeschichte geschrieben.  Vertex ist das erste und bisher einzige Unternehmen, dem es gelungen  ist, Medikamente gegen die Ursachen der Cystischen Fibrose (CF) zu  entwickeln, hierzulande als Mukoviszidose bekannt. CF ist die  zweith\u00e4ufigste vererbbare Stoffwechselerkrankung; eine  lebensverk\u00fcrzende Multisystemerkrankung, bei der bis vor wenigen  Jahren nur die Symptome behandelt werden konnten. Sie tritt bei einem von rund 2.000 Neugeborenen auf. In Deutschland sind rund 6.500  Menschen betroffen, darunter viele Kinder.     Die Ausschussmitglieder wollen von Leiden wissen, warum seine  Medikamente so teuer sind. Das englische Gesundheitssystem hat ihm  f\u00fcr eines seiner CF-Medikamente einen Erstattungsbetrag angeboten,  der, so Leiden, 90 Prozent unter dem liegt, den er bereits mit 17  anderen L\u00e4ndern (Stand: M\u00e4rz 2019) verhandelt hat. &#8222;Das ist der  Preis, den das System heute f\u00fcr ein 25 Jahre altes Medikament zu  bezahlen bereit ist, das lediglich Symptome der Erkrankung  behandelt&#8220;, merkt Leiden in dem Hearing an. Nach eigenen Angaben hat  er Englands Gesundheitssystem NHS bereits &#8222;the best offer in the  world&#8220; angeboten, einfach weil dort die Pr\u00e4valenz f\u00fcr die Erkrankung  besonders hoch ist: Zw\u00f6lf Prozent aller bekannten CF-Patienten der  Welt leben hier. In Deutschland ist das Gesundheitssystem bereit in  solche Innovationen zu investieren. Drei der neuartigen CF-Therapien  stehen Patienten hier inzwischen zur Verf\u00fcgung, wodurch Kinder &#8211; je  nach Genmutation &#8211; bereits ab einem Alter von einem Jahr behandelt  werden k\u00f6nnen.     L\u00e4nder wie England sind noch nicht so weit. Leiden macht folgende  Rechnung auf: Sollte sein Unternehmen den 90-prozentigen Abschlag in  England akzeptieren, rechnet er damit, dass die L\u00e4nder, mit denen er  bereits Abkommen geschlossen hat, an seine T\u00fcr klopfen und sagen: Das wollen wir auch. Weltweit w\u00fcrden die Einnahmen von Vertex schrumpfen: &#8222;Ungl\u00fccklicherweise w\u00fcrde uns das nicht erlauben, die n\u00e4chste  Generation von CF-Medikamenten zu entwickeln. Es w\u00fcrde keine  Dreifach-Kombination geben, die k\u00fcnftig dem Gro\u00dfteil der Betroffenen  helfen kann und die ich Patienten auf der ganzen Welt versprochen  habe. Es w\u00fcrde keine Gentherapie geben, die die Heilung bedeuten  k\u00f6nnte. Und es g\u00e4be keine Therapien gegen Krankheiten wie  Sichelzellenan\u00e4mie, an der wir forschen.&#8220; Denn Vertex m\u00fcsste dann  seine Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit in den n\u00e4chsten drei bis f\u00fcnf Jahren  einstellen, sagt er. Zurzeit steckt Vertex pro Jahr \u00fcber eine  Milliarde US-Dollar in seine Forschungsprogramme.     Leidens S\u00e4tze sind eine in Worte gesetzte Zusammenfassung des  Gesch\u00e4ftsmodells von forschenden Pharma- und Biotech-Unternehmen.  &#8222;Das ist das Gesch\u00e4ftsmodell. Wir investieren auf Basis von  Privatinvestitionen f\u00fcr viele Jahre zu einem hohen Risiko und wenn  wir profitabel werden, graben wir uns St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck aus dem  Schuldenloch.&#8220; In der fast drei\u00dfigj\u00e4hrigen Geschichte von Vertex hat  das Unternehmen nur in den vergangenen drei Jahren Profit gemacht.  &#8222;Jetzt sind wir endlich in der Situation, Cash akkumulieren zu  k\u00f6nnen&#8220;, sagt Leiden. &#8222;Cash, das wir einsetzen k\u00f6nnen, um die  Geschichte der CF zu beenden oder um weitere Innovationen gegen  genetische Erkrankungen zu entwickeln.&#8220;     Erkrankungen, gegen die bisher zumindest kein Kraut gewachsen ist. Dauerhaft und nachhaltig kann er das nur, wenn sein Unternehmen  wirtschaftlich erfolgreich ist und bleibt. Und wenn ihm das gelingt,  profitieren Patienten und Gesellschaft.     Den Artikel finden Sie auch auf Pharma Fakten:  http:\/\/ots.de\/j99ibQ    Pressekontakt: Redaktion Pharma Fakten www.pharma-fakten.de E-Mail: redaktion@pharma-fakten.de http:\/\/twitter.com\/pharmafakten  Original-Content von: PHARMA FAKTEN, \u00fcbermittelt durch news aktuell<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/114406\/4345468\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">presseportal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcnchen (ots) &#8211; Krankheiten, die bisher nicht oder nur symptomatisch behandelt werden konnten, werden therapierbar: Wir sind Zeugen eines au\u00dfergew\u00f6hnlichen<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-289791","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/289791","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=289791"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/289791\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=289791"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=289791"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=289791"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}