{"id":294300,"date":"2019-09-26T18:04:19","date_gmt":"2019-09-26T16:04:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=294300"},"modified":"2019-09-26T18:09:13","modified_gmt":"2019-09-26T16:09:13","slug":"umgang-der-nordkirche-mit-der-initiative-missbrauch-in-ahrensburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/umgang-der-nordkirche-mit-der-initiative-missbrauch-in-ahrensburg\/","title":{"rendered":"Umgang der Nordkirche mit der Initiative Missbrauch in Ahrensburg"},"content":{"rendered":"<p>Umgang der Nordkirche mit der Initiative Missbrauch in Ahrensburg \u00b7 Betroffene fordern Entsch\u00e4digung f\u00fcr Missbrauchsopfer und\u00a0 eine <em>\u201e<u>Gauckbeh\u00f6rde-f\u00fcr-Missbrauch\u201c. <\/u><\/em>Heute findet das Fachforum Missbrauch der evangelischen Nordkirche in der Apostelkirche in Hamburg statt.<br \/>\nIm Vorfeld wurde Kritik daran ge\u00fcbt, dass die Betroffenen von der Kirche nicht einbezogen wurden. In der Tat: Nicht mal einen ganzen Tag vor Veranstaltungsbeginn wurde ein Sprecher von MiA per eMail nachtr\u00e4glich zur Teilnahme an der Veranstaltung eingeladen, eine aktive Rolle wurde ihm nicht angeboten.<!--more-->Dazu erkl\u00e4rt die Initiative Missbrauch in Ahrensburg: \u201eDas aktuelle Agieren der Nordkirche entspricht dem, was wir seit 2010 gut kennen (leider): <u>Budenzauber auf der einen Seite:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Die Kirche stellt ihre Betroffenheit mit hochemotionalem Habitus \/ Verhalten ihrer Repr\u00e4sentanten \u00f6ffentlichkeitswirksam dar, allen voran die Hamburger Bisch\u00f6fin und EKD-Beauftragte, Kerstin Fehrs.<\/li>\n<li>Bisch\u00f6fin Fehrs gesteht jederzeit pauschal Schuld und Mitverantwortung der Institution f\u00fcr das Erm\u00f6glichen der Taten ein und proklamiert einen dringlichen Bedarf der Kirche nach Vergebung durch die Opfer.<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Andererseits: Die Realit\u00e4t zeigt, dass die Kirche haupts\u00e4chlich ihre Image-Interessen verfolgt:<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Dem Lippenbekenntnis folgen kaum Taten.<\/li>\n<li>Wir Betroffene werden untereinander und gegeneinander ausgespielt.<\/li>\n<li>Wir werden in Einzelgespr\u00e4chen systematisch ausgehorcht und anschlie\u00dfend mundtot gemacht.<\/li>\n<li>Einzelne von uns werden von der Kirche f\u00fcr die eigene Imagepflege benutzt und wenn wir nicht mehr n\u00fctzlich sind abserviert und kaltgestellt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine Gesellschaft, die ernsthaft den Missbrauch verurteilt, darf das nicht durchgehen lassen.<\/p>\n<h4>Forderung nach angemessener Entsch\u00e4digung f\u00fcr Missbrauchsopfer<\/h4>\n<p>Aktuell ist der Vorschlag einer pauschalen Entsch\u00e4digungssumme von 300.000 Euro f\u00fcr jeden Betroffenen sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich im Gespr\u00e4ch. Die Deutsche Bischofskonferenz diskutiert dieser Tage den Vorschlag.<\/p>\n<p>Der von der Betroffenengruppe Eckiger Tisch eingebrachte Vorschlag wird von der Initiative Missbrauch in Ahrensburg unterst\u00fctzt \u2013 mit einer Einschr\u00e4nkung: Diese Summe darf nicht als Deckel betrachtet werden, sondern muss im besonderen Einzelfall nach oben offen bleiben (Experten der Bischofskonferenz empfehlen einen H\u00f6chstbetrag von bis zu 400.000 Euro).<\/p>\n<p>Bisher ist die Lage in Deutschland &#8211; auch im internationalen Vergleich &#8211; ein Fiasko. Erst vor kurzem wurden Zahlen bekannt gemacht, die in anderen L\u00e4ndern f\u00fcr Entsch\u00e4digungen aufgewendet oder bereitgestellt werden. Die USA, mit ihrem tendenziell opferfreundlichen Haftungs- und Entsch\u00e4digungsrecht, ist keineswegs die Ausnahme, wie die ver\u00f6ffentlichten Summen zeigen: Irland 2,1 Mrd., USA \u00fcber 2 Mrd., Kanada: 1,45 Mrd., Australien 2,5 Mrd. <em>(Quelle: Katholische Nachrichtenagentur (KNA) am 23.9.2019)\u00a0 <\/em><\/p>\n<p>Die evangelische Kirche weicht dem Thema Entsch\u00e4digungsleistungen regelm\u00e4\u00dfig aus und versucht mit sonderbar deklarierten Leistungen f\u00fcr einzelne Betroffene (und vor allem f\u00fcr Betroffenen<u>vertreter<\/u>), f\u00fcr sich Druck aus dem Kessel zu nehmen. <strong>Die evangelische Kirche muss endlich eine Diskussion \u00fcber echte Entsch\u00e4digungen f\u00fchren und Betroffenenvertreter im Entscheidungsprozess einbinden<\/strong>.<\/p>\n<p>Ausgerechnet die evangelische Kirche, die stets die kollektive Verantwortung f\u00fcr das von Deutschland ausgegangene Unrecht angemahnt hat und (mit anderen zusammen) umfassende Entsch\u00e4digungsleistungen f\u00fcr Opfer des Dritten Reichs erk\u00e4mpfte, verh\u00e4lt sich in eigener Sache v\u00f6llig anders und verweigert den heutigen Opfern schwerer Menschenrechtsverletzungen (durch T\u00e4ter aus ihren eigenen kirchlichen Reihen) die angemessene Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<h4><u>Forderung nach <\/u>\u201eGauck f\u00fcr Missbrauch\u201c<\/h4>\n<p>Viele Missbrauchstaten k\u00f6nnen nicht aufgekl\u00e4rt werden, weil Dokumente und Unterlagen aus kirchlichen Einrichtungen und Archiven nicht verf\u00fcgbar sind. Dadurch wird vielen Betroffenen die M\u00f6glichkeit genommen, ihr Schicksal zun\u00e4chst aufzukl\u00e4ren, aber auch die gesellschaftliche Aufarbeitung von Missbrauch wird dadurch behindert.<\/p>\n<p>Abhilfe k\u00f6nnte eine Art Gauckbeh\u00f6rde f\u00fcr Missbrauch schaffen, die Informationen und Daten zusammentr\u00e4gt und verf\u00fcgbar h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Wir werden in K\u00fcrze ein <strong>Thesenpapier<\/strong> <em>\u201e<strong>Gauck-Beh\u00f6rde f\u00fcr Missbrauch\u201c<\/strong><\/em> ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<h4>Konzept des \u201eBundesbeauftragten\u201c ist fragw\u00fcrdig<\/h4>\n<p>Die Bundesregierung setzt seit einigen Jahren einen Bundesbeauftragten f\u00fcr sexuellen Missbrauch ein, der ausdr\u00fccklich <u>keine Partei ergreifen<\/u> soll. &#8211; Wo gibt es das? Eine Gleichstellungsbeauftragte, einen Datenschutzbeauftragten oder einen Behindertenbeauftragten, die nicht die Interessen der Gleichstellung, des Datenschutzes oder von Behinderten vertreten d\u00fcrfen? Aber bei sexuell Missbrauchten verf\u00e4hrt man so.<\/p>\n<p>Der Bundesbeauftragte organisiert kontroverse wissenschaftliche Debatten und moderiert den Dialog h\u00f6chst ungleicher Kontrahenten (Betroffene \u2013 Kirchen), er ber\u00e4t in alle Richtungen und soll alle Interessen ber\u00fccksichtigen \u2013 die der T\u00e4terorganisationen ebenso wie die der Opfer. Das Konzept wird nicht besser, wenn dieser Beauftragte einen Betroffenenrat einrichtet, der ebenso wenig substanziell zu sagen hat wie er selbst. Zumal dieser Rat nicht von den Betroffenengruppen beschickt wird, sondern seine Mitglieder durch den Bundesbeauftragten (mit dem oben dargelegten Aufgaben- und entsprechenden Interessenprofil) handverlesen werden. Die Kirchen w\u00fcrden sich das nicht bieten lassen!<\/p>\n<p>Aus unserer Sicht zeigt der Beauftragte au\u00dfer markigen Spr\u00fcchen keine ausreichende Haltung. Vielmehr dokumentiert er in erster Linie neutral die bestehenden Ungerechtigkeiten. Auf diese Weise kann den Betroffenen im Lande nicht geholfen werden, das Gegenteil ist der Fall: es wird anschaulich vermittelt, wie schwer das Leid der Betroffenen ist, wie aalglatt sich die T\u00e4terorganisationen herauswinden, aus denen heraus Missbr\u00e4uche in unvorstellbarem Ausma\u00df geschehen sind, und es wird die bittere Erkenntnis im ganzen Land verbreitet, dass sich zu wehren f\u00fcr die Opfer nicht lohnt, weil es zu zus\u00e4tzlichem Leid und Nachteilen f\u00fchrt, und ihnen ohnehin dauerhaft eine angemessene Kompensation verweigert wird.<\/p>\n<h4>Schleichender Trend zur Banalisierung und Relativierung sexuellen Missbrauchs in den Medien<\/h4>\n<p>Erschreckend und verst\u00f6rend ist f\u00fcr uns, dass zunehmende Tendenzen in den Medien zur Relativierung des Missbrauchs durch kirchliche Stellen und Teile der Presse nachzuweisen sind. Wir werden dazu nicht schweigen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Betroffenengruppe Missbrauch in Ahrensburg\u00a0 fordert von EKD Entsch\u00e4digung f\u00fcr Missbrauchsopfer.\u00a0 <\/strong><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Im Namen der Betroffenen fordern wir von der evangelischen Kirche in Deutschland, die Verantwortung f\u00fcr das von den Betroffenen erlittene Unrecht zu \u00fcbernehmen. Den Betroffenen sollte die M\u00f6glichkeit gegeben werden, eine angemessen Entsch\u00e4digung zu erhalten.<\/p>\n<p>Es reicht nicht aus, dass einzelne Kirchenvertreter eine globale Schuld eingestehen, die f\u00fcr die Betroffenen ein Abstraktum bleibt. Das schafft wenig Linderung f\u00fcr die sehr konkreten und vielfach lebensl\u00e4nglichen Folgen sexueller Gewalt, die ihnen von Pastoren der evangelischen Kirche zugef\u00fcgt wurde. Auch Leistungen der Kirche nach dem Opportunit\u00e4tsprinzip, die als Anerkennung erlittenen Leides gew\u00e4hrt werden, sind ungeeignet der Verantwortung zu entsprechen \u2013 als Akte der Gnade stellen sie stets eine andere Form der Abwertung dar.<\/p>\n<p>Wir regen an, dass sich die EKD mit den fundierten Empfehlungen zu diesem Komplex auseinander setzt, die sich die Deutsche Bischofskonferenz im September 2019 von Betroffenenvereinigungen aus dem katholischen Bereich hat zuarbeiten lassen. Nach unserer Einsch\u00e4tzung sind beide dort diskutierten Varianten grunds\u00e4tzlich geeignet: die Pauschalvariante mit einer <strong>Entsch\u00e4digungssumme von 300.000 Euro<\/strong> pro Betroffener\/m ebenso wie die gestaffelte Variante mit einem Ausgangsbetrag von 40.000 Euro und einem oberen Rahmen von 400.000 Euro.<\/p>\n<p>Nach unseren negativen Erfahrungen aus dem Missbrauchsskandal in Ahrensburg und den von der evangelischen Nordkirche praktizierten Verfahren <em>(\u201eUnterst\u00fctzungsleistungen in Anerkennung erlittenen Leides\u201c)<\/em> <strong>geben wir jedoch einer pauschalen L\u00f6sung eindeutig den Vorzug<\/strong>. Nur so kann verhindert werden, dass Betroffene durch ein entw\u00fcrdigendes Verfahren erneut gesch\u00e4digt werden. Es entfallen das Motiv und der Anreiz f\u00fcr die kirchlichen Vertreter, in den Gespr\u00e4chen oder Verhandlungen mit Betroffenen mit zweifelhaften Methoden auf die Akzeptanz m\u00f6glichst geringer Summen hinzuwirken. Wir haben als fragw\u00fcrdig bis anma\u00dfend erlebt, dass kirchliche Vertreter in detaillierten pers\u00f6nlichen Verh\u00f6rsituationen das Leid von Betroffenen sezierten und bewerteten, um dem eine Zuwendung zuzuordnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Umgang der Nordkirche mit der Initiative Missbrauch in Ahrensburg \u00b7 Betroffene fordern Entsch\u00e4digung f\u00fcr Missbrauchsopfer und\u00a0 eine \u201eGauckbeh\u00f6rde-f\u00fcr-Missbrauch\u201c. 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