{"id":295507,"date":"2019-10-14T11:43:04","date_gmt":"2019-10-14T11:43:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/politik-wirtschaft\/stromsektor-steht-vor-dem-stresstest\/"},"modified":"2019-10-14T11:43:04","modified_gmt":"2019-10-14T11:43:04","slug":"stromsektor-steht-vor-dem-stresstest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/stromsektor-steht-vor-dem-stresstest\/","title":{"rendered":"Stromsektor steht vor dem Stresstest"},"content":{"rendered":"<p>M\u00fcnchen (ots) &#8211; Der bis zum Jahr 2038 geplante Kohleausstieg sorgt schon jetzt f\u00fcr akuten Handlungsbedarf. Werden die Rahmenbedingungen  im Energiesektor nicht rasch angepasst, drohen in den n\u00e4chsten Jahren Preisturbulenzen und perspektivisch Versorgungsengp\u00e4sse. Zu diesem  Ergebnis kommt eine Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman.<!--more--> Um  gegenzusteuern, braucht Deutschland rasch zus\u00e4tzliche, flexible  Versorgungsl\u00f6sungen wie Gaskraftwerke oder Stromspeicher. Langfristig ist ein v\u00f6llig neues Marktmodell erforderlich: Die Politik muss  Energieversorgern Anreize geben, in Kapazit\u00e4ten f\u00fcr die  Stabilisierung des Stromsektors zu investieren und einen Rahmen  schaffen, der die n\u00e4chste Generation von Stranded Assets vermeidet.     Der Kohleausstieg wird zum Stresstest f\u00fcr Regierung und Versorger. Eine Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman zeigt: Bis zum Jahr  2022 k\u00f6nnten die Strompreise in Deutschland stark ansteigen &#8211; von  rund 40 Euro pro Megawattstunde (MWh) im Jahr 2018 auf bis zu 65  Euro. &#8222;Die Zeit der niedrigen Strompreise ist vorbei&#8220;, sagt J\u00f6rg  St\u00e4glich, Partner bei Oliver Wyman in M\u00fcnchen. &#8222;Zugleich erh\u00f6ht sich  durch den Kohleausstieg die Volatilit\u00e4t. Wir werden Preisspr\u00fcnge und  anschlie\u00dfende Korrekturen erleben.&#8220; Zudem w\u00e4chst die Gefahr von  Versorgungsl\u00fccken, da vergleichsweise planbare Kohle- und  Kernkraftwerke aus dem Pool genommen werden. Die Prognose fu\u00dft auf  einem sogenannten dynamischen Merit-Order-Modell, das den deutschen  Strommarkt simuliert.     Bis zum Jahr 2038 will die Bundesregierung die Kohle-Verstromung  beenden. Der Ausstieg beginnt schon jetzt: Innerhalb von vier Jahren  sollen Anlagen mit einer Leistung von rund elf Gigawatt vom Netz  genommen werden &#8211; ein Viertel davon sind Braunkohlekraftwerke. &#8222;Da  2022 auch das letzte Kernkraftwerk in Deutschland abgeschaltet werden soll, rechnen wir in dem Jahr mit dem h\u00f6chsten Preisausschlag&#8220;, sagt  St\u00e4glich. Zwei f\u00fcr die Regierung wichtige Vorgaben der Energiewende  stehen so in Frage: die Bezahlbarkeit der Energie und die  Versorgungssicherheit. &#8222;Politik und Energiewirtschaft m\u00fcssen rasch  handeln, um gegenzusteuern&#8220;, mahnt St\u00e4glich.     Ver\u00e4nderung des Erzeugungsmarktes      Ohne zus\u00e4tzliche, flexible Leistung wird die Energiewende nicht zu schaffen sein. &#8222;Aus einer rein wirtschaftlich rationalen Perspektive  m\u00fcssten wir jetzt eine Renaissance der Gaskraftwerke erleben&#8220;,  prognostiziert Thomas Fritz, Partner bei Oliver Wyman in D\u00fcsseldorf.  Gr\u00f6\u00dfere Investitionen in Speicher sowie wasserstoffbasierte  Erzeugung, etwa Brennstoffzellen, lie\u00dfen dagegen noch auf sich  warten, da sie bislang nicht ausreichend wirtschaftlich zu betreiben  sind. &#8222;Die zentrale Frage ist, inwiefern Gaskraftwerke  gesellschaftlich akzeptiert werden und ob Gas nicht in f\u00fcnf bis zehn  Jahren die &#8222;neue Kohle&#8220; ist. In jedem Fall werden langfristig  Stromspeicher und Wasserstoff als Stabilisatoren essenziell f\u00fcr die  Versorgungssicherheit sowie f\u00fcr das Erreichen der Klimaziele sein&#8220;,  so Fritz.     Auf l\u00e4ngere Sicht gehen die Oliver Wyman-Experten davon aus, dass  sich die Strompreise auf einem Niveau von etwa 50 Euro pro MWh  einpendeln. &#8222;Wenn wir keinen regulatorischen Eingriff in den Markt  erleben, dann wird der Neubau von hocheffizienten Gaskraftwerken  zusammen mit moderat ansteigenden Rohstoffpreisen die Strompreise  mittelfristig wieder bremsen&#8220;, sagt Dennis Manteuffel, Principal von  Oliver Wyman. Von den insgesamt h\u00f6heren Preisen profitieren jedoch  die Energieversorger nicht: &#8222;Im Gegenteil: Mittel- bis langfristig  wird das erwirtschaftete Ergebnis sinken.&#8220; Ursache daf\u00fcr seien immer  k\u00fcrzere Einsatzzeiten f\u00fcr konventionelle Kraftwerke aufgrund des  zunehmenden Ausbaus der Erneuerbaren.     Fr\u00fchzeitig Roadmaps aufstellen      Versorger m\u00fcssten diese Trends schon jetzt in die Planungen des  zuk\u00fcnftigen Kraftwerksparks einbeziehen. &#8222;Sie m\u00fcssen klare Roadmaps  und Szenarien f\u00fcr den Umstieg auf Gaskraftwerke, Speicher und  Wasserstoff aufstellen&#8220;, sagt Oliver Wyman-Berater Fritz. Dabei gilt  es, \u00fcber den Strommarkt hinauszuschauen. &#8222;Versorger sollten Chancen  f\u00fcr ihre Gaskraftwerke insbesondere in Kombination mit Fernw\u00e4rme  evaluieren und ein \u00fcbergreifendes Strom- und W\u00e4rmekonzept  aufstellen.&#8220; Auch Wasserstoff spielt hierbei eine wichtige Rolle. So  kann dieser zun\u00e4chst in kleineren Mengen dem Gasnetz beigemischt  werden, um die CO2-Bilanz zu verbessern. Langfristig ist eine  deutliche Ausweitung von Wasserstoff im Energiesystem ein denkbares  Szenario. &#8222;Letztlich h\u00e4ngt es von gesellschaftlicher Akzeptanz,  technologischem Fortschritt und Wirtschaftlichkeit ab, wie sich  Gaskraftwerke, Batterien, Wasserstoff und m\u00f6gliche weitere  Technologien einpendeln&#8220;, sagt Fritz.     St\u00e4glich empfiehlt den Unternehmen eine enge Zusammenarbeit mit  der Regierung und Regulierungsbeh\u00f6rden. &#8222;Sie k\u00f6nnen so Unterst\u00fctzung  finden, um in derzeit nicht wirtschaftliche, aber vielleicht  gesellschaftliche und politisch pr\u00e4ferierte Technologien wie Speicher oder Wasserstoff fr\u00fcher einzusteigen.&#8220; Weiterer Vorteil: Sogenannte  Stranded Assets &#8211; zum Beispiel schon nach kurzer Zeit nicht mehr  ben\u00f6tigte Gaskraftwerke &#8211; m\u00fcssen gar nicht erst gebaut werden,  erl\u00e4utert Fritz. Am Ende profitieren Haushalte und die gesamte  Wirtschaft: &#8222;So lie\u00dfen sich auch gesamtgesellschaftlich die Kosten  reduzieren.&#8220;     Sp\u00e4testens nach dem endg\u00fcltigen Kohleausstieg Ende der 2030er  Jahre ist nach Ansicht der Oliver Wyman-Berater ein v\u00f6llig neues  Marktmodell n\u00f6tig. Entscheidend dabei: &#8222;Die Bereitstellung von  Reservekapazit\u00e4ten oder sicher verf\u00fcgbarem Strom hat einen expliziten Wert &#8211; und das muss auch gew\u00fcrdigt werden&#8220;, so Manteuffel. Dass  Gaskraftwerke oder Speicher \u00fcberhaupt unterhalten werden, m\u00fcsse \u00fcber  den regulatorischen Rahmen finanziell honoriert werden: &#8222;Denn ein  System mit hohen Anteilen Erneuerbarer Energie wird Gaskraftwerke  durch die resultierenden geringen Laufzeiten negativ beeinflussen &#8211;  auch wenn sie f\u00fcr einen funktionierenden Energiemarkt notwendig  sind&#8220;.    Pressekontakt: Katryna Nolan Communications Coordinator DACH Oliver Wyman  Tel. +49 89 939 49 357 katryna.nolan@oliverwyman.com  Maike Wiehmeier Communications Manager DACH Oliver Wyman Tel. +49 89 939 49 464 Maike.wiehmeier@oliverwyman.com  Original-Content von: Oliver Wyman, \u00fcbermittelt durch news aktuell<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/66435\/4400321\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">presseportal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcnchen (ots) &#8211; Der bis zum Jahr 2038 geplante Kohleausstieg sorgt schon jetzt f\u00fcr akuten Handlungsbedarf. 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