{"id":29974,"date":"2011-03-12T18:06:22","date_gmt":"2011-03-12T17:06:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=29974"},"modified":"2011-03-12T18:06:49","modified_gmt":"2011-03-12T17:06:49","slug":"japan-katastrophe-macht-zerbrechlichkeit-bewusst-psychoanalytikerin-warnt-vor-uberforderung-durch-fernsehbilder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/japan-katastrophe-macht-zerbrechlichkeit-bewusst-psychoanalytikerin-warnt-vor-uberforderung-durch-fernsehbilder\/","title":{"rendered":"Japan: Katastrophe macht Zerbrechlichkeit bewusst  &#8211; Psychoanalytikerin warnt vor \u00dcberforderung durch Fernsehbilder"},"content":{"rendered":"<p>Japan schockt die Welt: Es gibt nur Abstumpfen oder Mitgef\u00fchl, sagen Experten (Foto: FlickrCC) &#8211; Frankfurt (pte\/11.03.2011\/16:30) &#8211;   \t In zuvor noch nie dagewesener Detailtreue bringen derzeit Fernsehbilder,  Fotos und Videoaufnahmen die Trag\u00f6die des japanischen Erdbebens in die  Wohnzimmer der Welt. Jeder kann aus der Hubschrauberperspektive &#8222;live&#8220;  mitverfolgen, wie der Tsunami ganze Landstriche wegrei\u00dft, sieht Menschen  zitternd in U-Bahnstationen ausharren oder Gastanks explodieren. &#8222;Es  ist eindeutig zu viel f\u00fcr unser Verarbeitungspotenzial&#8220;, urteilt  Marianne Leuzinger-Bohleber, Direktorin des Frankfurter  Sigmund-Freud-Instituts <a href=\"http:\/\/www.sfi-frankfurt.de\/\" target=\"_blank\">http:\/\/www.sfi-frankfurt.de<\/a>.<!--more--><strong>Vergeblicher Versuch zu verstehen<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Da man mit solchen Katastrophen nicht rechnet, glaubt man die  Nachricht im Moment nicht und schiebt sie beiseite&#8220;, analysiert die  Expertin die Vorg\u00e4nge beim medialen Miterleben. Erst in der zweiten  Reaktion sehe man genauer hin, versucht durch das Einholen von immer  mehr Details das Geschehene zu verstehen und damit psychisch  einzugrenzen. Viele Medienangebote versuchen das Bed\u00fcrfnis der Menschen  zu befriedigen, das Geschehene etwa aus Sicht der Naturwissenschaft  nachzuvollziehen.<\/p>\n<p>Das v\u00f6llige Verstehen h\u00e4lt Leuzinger-Bohleber jedoch f\u00fcr eine  Illusion. &#8222;Schmerzliche Realit\u00e4t ist, dass die Menschheit auch 2011 kein  Mittel besitzt, um solche Katastrophen zu verhindern. Zwar hat man als  Folge des verheerenden Sumatra-Tsunamis von 2004 die Krisenregionen mit  Fr\u00fchwarnsystemen ausgestattet, was eine Form des Umgangs mit dieser  Angst ist. Dennoch sind viele tief gekr\u00e4nkt, dass auch die beste Technik  gegen Naturgewalten versagt.&#8220; Das extremste Beispiel daf\u00fcr sei das Bild  der brennenden Atomkraftwerke, das an den menschlichen Ur\u00e4ngsten r\u00fchre.  &#8222;Es zeigt, dass es keine sichere Technik gibt.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Schmerzliche Realit\u00e4t des Menschen<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr den Umgang mit den Bildern der Katastrophe r\u00e4t die Expertin,  sich nicht in ein falsches Weltbild zu fl\u00fcchten, das die Endlichkeit und  Verletzbarkeit des Menschen ausschlie\u00dft. Allmachtsfantasien einer  Unabh\u00e4ngigkeit von der Natur oder auch vom eigenen K\u00f6rper seien oft ein  Kennzeichen von schwer Depressiven. &#8222;Jede Schreckensnachricht ist f\u00fcr  sie nur mehr eine weitere Best\u00e4tigung daf\u00fcr, dass sich ein aktiver  Einsatz im Leben nicht lohnt. Viele nehmen daher solche Nachrichten gar  nicht mehr wahr.&#8220;<\/p>\n<p>Psychisch besser dran seien jene, die akzeptieren k\u00f6nnen, dass der  Mensch ein zerbrechliches Wesen ist. &#8222;Wir sind in die Welt geworfen, wie  Martin Buber sagte. Wer mit dieser Einstellung lebt, schafft es am  ehesten, der Gegenwart Wertsch\u00e4tzung entgegen zu bringen&#8220;, so die  Psychoanalytikerin. Aus dem Weg gehen k\u00f6nne man den Katastrophen in  Zeiten der Globalisierung und der Allgegenwart der Medien nicht.  &#8222;Entweder wir stumpfen dadurch ab, oder identifizieren uns mit den  Opfern. Die Spendensummen und die erstaunliche Hilfsbereitschaft bei  derartigen Vorf\u00e4llen zeigen immer wieder, dass meist Zweites der Fall  ist.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Japan schockt die Welt: Es gibt nur Abstumpfen oder Mitgef\u00fchl, sagen Experten (Foto: FlickrCC) &#8211; Frankfurt (pte\/11.03.2011\/16:30) &#8211; In zuvor<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-29974","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29974","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=29974"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/29974\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=29974"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=29974"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=29974"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}