{"id":33871,"date":"2011-05-20T11:00:44","date_gmt":"2011-05-20T09:00:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=33871"},"modified":"2011-05-20T11:00:44","modified_gmt":"2011-05-20T09:00:44","slug":"den-romananfangen-der-weltliteratur-widmet-sich-das-10-von-gunter-grass-initiierte-lubecker-literarische-colloquium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/den-romananfangen-der-weltliteratur-widmet-sich-das-10-von-gunter-grass-initiierte-lubecker-literarische-colloquium\/","title":{"rendered":"Den Romananf\u00e4ngen der Weltliteratur widmet sich das 10. von G\u00fcnter Grass initiierte &#8222;L\u00fcbecker Literarische Colloquium&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><a rel=\"attachment wp-att-33872\" href=\"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/2011\/05\/den-romananfangen-der-weltliteratur-widmet-sich-das-10-von-gunter-grass-initiierte-lubecker-literarische-colloquium\/dr-dieter-stolz\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-33872\" title=\"Dr. Dieter Stolz\" src=\"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Dr.-Dieter-Stolz-320x223.jpg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Dr.-Dieter-Stolz-320x223.jpg 320w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Dr.-Dieter-Stolz-426x297.jpg 426w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Dr.-Dieter-Stolz.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Text und Foto: TBF\/ Lutz Gallinat<\/p>\n<p>Den Romananf\u00e4ngen der Weltliteratur widmet sich das 10. von G\u00fcnter Grass initiierte &#8222;L\u00fcbecker Literarische Colloquium&#8220; (LLC), das vom 3.Mai bis 9.Juni 2011 in der Hansestadt stattfindet. Die Seminare werden von dem Literaturwissenschaftler Dr. Dieter Stolz geleitet. Bereits in der Einleitung eines Romans werden wegweisende Entscheidungen \u00fcber das Genre, den Stil und die Tonlage getroffen. Fragen wie: &#8222;Wer erz\u00e4hlt wem, was und wann? Und vor allem: wie und warum?&#8220; sollen in sechs Einzelveranstaltungen des Colloquiums beantwortet werden.<!--more--><br \/>\nAm letzten Mittwoch wurden im Seminarraum des G\u00fcnter Grass-Hauses &#8222;Kindheitsmuster&#8220; (1976) von Christa Wolf und &#8222;Ausl\u00f6schung&#8220;- &#8222;Ein Zerfall&#8220; (1986) von Thomas Bernhard als Romanbeispiele der Weltliteratur gelesen und diskutiert.<br \/>\nErz\u00e4hltechnisch folgt Wolf damit ihrem bereits in &#8222;Nachdenken \u00fcber Christa T.&#8220; (1968) umgesetzten Konzept der subjektiven Authenzit\u00e4t. Die Autorin spielt in &#8222;Kindheitsmuster&#8220; bewusst mit der Verbindung von Fiktion und Autobiografie. W\u00e4hrend sie im Vorwort zum Roman betont, dass &#8222;alle Figuren in diesem Buch (&#8230;) Erfindungen der Erz\u00e4hlerin&#8220; seien, formuliert Wolf an anderer Stelle: (..) ich kaschiere an keiner Stelle, dass es sich sozusagen um Autobiographisches handelt; das wird nicht verschwiegen. Wobei dieses &#8222;sozusagen&#8220; wichtig ist, es ist n\u00e4mlich keine Identit\u00e4t da&#8220;. Zugleich begibt sich der Roman auf die aus der DDR-Perspektive brisante Suche nach Spuren der Vergangenheit in der Gegenwart und kreist insofern um die Frage &#8222;Wie war das m\u00f6glich, und wie war es wirklich?&#8220; So \u00fcberrascht es nicht, dass der Roman bei seinem Erscheinen zwiesp\u00e4ltig aufgenommen wurde: als literarische und als historisch-politische Irritation. Innerhalb der Nachkriegsliteratur geh\u00f6rt &#8222;Kindheitsmuster&#8220; zu den bedeutenden Versuchen, die Gattung des Romans als eine Art literarische Ged\u00e4chtnisgeschichte zu verstehen, in der unterschiedlichste Erinnerungsmomente und Perspektiven spannungsreich aufeinandertreffen.<br \/>\nDie \u00e4u\u00dfere Handlung wird \u00fcber das Bewusstsein des Erz\u00e4hlers gefiltert, ja das Denken selbst wird zum eigentlichen Thema des Geschehens. Beweggrund der Niederschrift des Gedankenflusses ist dabei der Wille zur Aufarbeitung des &#8222;Herkunftskomplexes&#8220; von Murau, die Summe jener Einfl\u00fcsse, die seine Pers\u00f6nlichkeit und Existenz bestimmen und letztlich zerst\u00f6ren. Dabei findet die f\u00fcr Bernhard typische Philippika gegen den \u00f6sterreichischen Staat und dessen gesellschaftliches Klima, gegen Tradition und Kultur, Fotografie, Leitzordner und Goethe ebenso Raum wie Muraus pers\u00f6nliche Auseinandersetzung mit seiner Familie. Die einzige M\u00f6glichkeit einer &#8222;Existenz\u00fcberbr\u00fcckung&#8220; sieht Murau in der ma\u00dflosen \u00dcbertreibung, in der Stilisierung zum &#8222;gr\u00f6\u00dften \u00dcbertreibungsk\u00fcnstler&#8220;. Nur gegen\u00fcber wenigen Figuren- jenen Menschen, die er seine Freunde oder Lehrer nennt- schl\u00e4gt er einen freundlicheren Ton an: Es sind dies sein gleichaltriger Cousin Alexander, die Dichterin Maria, in deren Portr\u00e4t unschwer Ingeborg Bachmann zu erkennen ist, und sein Onkel Georg. Diesem verdankt Murau sein &#8222;Geistesverm\u00f6gen&#8220;, seine k\u00fcnstlerischen und philosophischen Neigungen und die Hinf\u00fchrung &#8222;auf den tats\u00e4chlichen Weg, auf den Gegenweg&#8220;. Der Gegenweg m\u00fcndet in einen Gestus der Verweigerung und Ent\u00e4u\u00dferung; das Motiv der Verschenkung des Erbes wurde schon in Interpretationen fr\u00fcherer Werke Bernhards als Aufgabe von Geschichte und Identit\u00e4t bewertet. Mit der virtuosen Kongruenz von Idee und sprachlicher Form stellt &#8222;Ausl\u00f6schung&#8220; einen eindrucksvollen Beitrag zur avancierten modernen Prosa dar.<br \/>\nDr.Dieter Stolz leitete dieses Seminar kenntnisreich und engagiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Text und Foto: TBF\/ Lutz Gallinat Den Romananf\u00e4ngen der Weltliteratur widmet sich das 10. von G\u00fcnter Grass initiierte &#8222;L\u00fcbecker Literarische<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-33871","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissenschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33871","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33871"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33871\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33871"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33871"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=33871"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}