{"id":343227,"date":"2020-06-15T10:58:50","date_gmt":"2020-06-15T10:58:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hier-luebeck.de\/index.php\/bka-philipps-universitaet-marburg-und-bundeskriminalamt-teilen-mit-studie-wo-viele-auslaenderinnen-und-auslaender-leben-gibt-es-weniger-fremdenfeindliche-straftaten\/"},"modified":"2020-06-15T10:58:50","modified_gmt":"2020-06-15T10:58:50","slug":"bka-philipps-universitaet-marburg-und-bundeskriminalamt-teilen-mit-studie-wo-viele-auslaenderinnen-und-auslaender-leben-gibt-es-weniger-fremdenfeindliche-straftaten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/bka-philipps-universitaet-marburg-und-bundeskriminalamt-teilen-mit-studie-wo-viele-auslaenderinnen-und-auslaender-leben-gibt-es-weniger-fremdenfeindliche-straftaten\/","title":{"rendered":"BKA: Philipps Universit\u00e4t Marburg und Bundeskriminalamt teilen mit: Studie: Wo viele Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder leben, gibt es weniger fremdenfeindliche Straftaten"},"content":{"rendered":"<p>Wiesbaden (ots) &#8211; Fremdenfeindliche Straftaten sind umso seltener, je mehr Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder in einer Region leben. Das zeigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universit\u00e4ten Marburg und Osnabr\u00fcck sowie des Bundeskriminalamts in einer empirischen Studie. Das Team um den Sozialpsychologen Professor Dr.<!--more--> Ulrich Wagner berichtet in der Fachzeitschrift &#8222;Social Psychology Quarterly&#8220; \u00fcber seine Ergebnisse. Am 27.Mai 2020 legte das Bundesministerium des Innern, f\u00fcr Bau und Heimat (BMI) die Statistik zur Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t f\u00fcr das Jahr 2019 vor; die Hasskriminalit\u00e4t, zu der fremdenfeindliche Verbrechen z\u00e4hlen, nahm erneut zu: um 5,8 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahr. &#8222;Wir haben \u00fcberpr\u00fcft, inwieweit die H\u00e4ufigkeit von fremdenfeindlichen Straftaten damit zusammenh\u00e4ngt, wie viele Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder in einer Region leben&#8220;, sagt Mitverfasser Dr. Uwe Kemmesies von der Forschungs- und Beratungsstelle Terrorismus\/Extremismus (FTE) des Bundeskriminalamts. &#8222;Soweit wir wissen, gibt es bisher keine wissenschaftlichen Untersuchungen, die der Verbindung zwischen dem Anteil von Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4ndern einerseits und Auftreten von Hassverbrechen nachgehen&#8220;, erg\u00e4nzt Leitautor Ulrich Wagner von der Philipps-Universit\u00e4t Marburg. Als von 2015 an die Anzahl der Gefl\u00fcchteten anstieg, die in die Bundesrepublik kamen, gab es immer mehr fremdenfeindliche \u00dcbergriffe &#8211; f\u00fcr das Jahr 2016 verzeichnet die Statistik im Vergleich zu 2014 mehr als doppelt so viele Straftaten gegen Migrantinnen und Migranten sowie ethnische Minderheiten; die Zahl der Brandanschl\u00e4ge gegen Asylbewerberheime verzw\u00f6lffachte sich. Der Anstieg war aber nicht \u00fcberall gleich hoch; so kamen in den \u00f6stlichen Bundesl\u00e4ndern mehr solcher Straftaten vor als in den westlichen Bundesl\u00e4ndern. Fachleute haben zur Erkl\u00e4rung zwei Theorien aufgestellt: Leben viele Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder in einer Region, so gibt es der Gruppenkontakt-Theorie zufolge mehr M\u00f6glichkeiten zum Kontakt mit ihnen; die positiven Erfahrungen, die man dabei mache, f\u00fchrten zum Abbau negativer Vorurteile. Die Bedrohungstheorie hingegen besagt, ein h\u00f6herer Anteil an Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4ndern wecke bei der Bev\u00f6lkerungsmehrheit ein Gef\u00fchl der Bedrohung &#8211; Bedrohung des \u00f6konomischen Status, wichtiger Wertvorstelllungen und Normen; das Empfinden, bedroht zu sein, rufe Zur\u00fcckweisung und diskriminierendes Verhalten hervor. &#8222;Beide Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze erscheinen plausibel, sowohl auf der Basis von Alltags\u00fcberlegungen als auch vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Theorien&#8220;, erkl\u00e4rt Wagner. Die Forscher nutzen f\u00fcr die Pr\u00fcfung beider Theorien Daten der Statistik zur Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t des BKA aus dem Berichtsjahr 2015. In diesem Jahr erreichte der Zuzug von Gefl\u00fcchteten seinen H\u00f6hepunkt, die Polizei verzeichnete besonders viele einschl\u00e4gige Straftaten. Sie setzten die Zahlen zu den strukturellen Merkmalen der insgesamt 402 deutschen Regierungsbezirke ins Verh\u00e4ltnis. Das Ergebnis: Je mehr Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder in einem Bezirk leben, umso geringer f\u00e4llt die Anzahl fremdenfeindlicher Straftaten aus &#8211; selbst nach Ausschluss aller m\u00f6glichen St\u00f6rfaktoren. \u00dcberraschenderweise steht die H\u00e4ufigkeit von Hassverbrechen in keinem signifikanten Zusammenhang mit dem Anteil der Gefl\u00fcchteten in den einzelnen Bezirken, wohl aber mit dem Gesamtanteil der Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder in einem Bezirk. &#8222;Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung daf\u00fcr ist, dass Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder in bestimmten Bezirken schon l\u00e4nger pr\u00e4sent sind, was f\u00fcr das Verhalten zwischen den Gruppen relevanter ist als neu hinzugekommene Gefl\u00fcchtete&#8220;, vermuten die Autorinnen und Autoren. Die kurze Anwesenheit von Gefl\u00fcchteten in einigen Bezirken reiche hingegen m\u00f6glicherweise nicht aus, um positive Kontakte zu erm\u00f6glichen, die das Verhalten zwischen den verschiedenen Gruppen pr\u00e4gen k\u00f6nnten. Professor Dr. Ulrich Wagner lehrte bis 2019 Sozialpsychologie an der Philipps-Universit\u00e4t Marburg und leitete eine Forschungsgruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Originalver\u00f6ffentlichung: Ulrich Wagner &amp; al.: Prejudice and minority proportion: Contact instead of threat effects, Social Psychology Quarterly 69 (2020), 380-390, DOI: https:\/\/doi.org\/10.1177\/019027250606900406  Ansprechpartner: Professor Dr. Ulrich Wagner, Philipps-Universit\u00e4t Marburg Fachgebiet Sozialpsychologie Tel.: 06421 282 3664 E-Mail: Wagner1@staff.uni-marburg.de  <\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/blaulicht\/pm\/7\/4623564\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">presseportal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wiesbaden (ots) &#8211; Fremdenfeindliche Straftaten sind umso seltener, je mehr Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder in einer Region leben. 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