{"id":360927,"date":"2020-10-22T12:19:18","date_gmt":"2020-10-22T12:19:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hier-luebeck.de\/index.php\/50-jahre-halbleere-versprechungen-07-prozent-ziel-zur-finanzierung-globaler-armutsbekaempfung-immer-noch-nicht-erreicht-2\/"},"modified":"2020-10-22T12:19:18","modified_gmt":"2020-10-22T12:19:18","slug":"50-jahre-halbleere-versprechungen-07-prozent-ziel-zur-finanzierung-globaler-armutsbekaempfung-immer-noch-nicht-erreicht-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/50-jahre-halbleere-versprechungen-07-prozent-ziel-zur-finanzierung-globaler-armutsbekaempfung-immer-noch-nicht-erreicht-2\/","title":{"rendered":"50 Jahre halbleere Versprechungen \/ 0,7 Prozent-Ziel zur Finanzierung globaler Armutsbek\u00e4mpfung immer noch nicht erreicht"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (ots) &#8211; Weltweit starben im Jahr 2019 ann\u00e4hernd 700.000 Menschen an den Folgen einer HIV-Infektion. Das sind immer noch viel zu viele, aber ohne die seit 2000 vereinbarten und realisierten Gegenma\u00dfnahmen w\u00e4ren es nach epidemiologischen Projektionen \u00fcber drei Millionen!<!--more--> Derzeit k\u00f6nnen 70 Prozent der Neugeborenen in den Niedrigeinkommensl\u00e4ndern damit rechnen, das 60. Lebensjahr zu erreichen, w\u00e4hrend es vor der Vereinbarung der Millenniums-Entwicklungsziele im September 2000 kaum mehr als 50 Prozent waren.  Beispiele wie diese belegen die Auswirkungen globaler Armut und lassen sich schier endlos fortsetzen. Sie verdeutlichen aber auch wie wichtig globale Anstrengungen zur Armutsbek\u00e4mpfung sind und was sie bewirken k\u00f6nnen. Sie sind heute, auch durch die von der COVID-19-Pandemie ausgel\u00f6ste Situation, wichtiger denn je.  Mit der Resolution 2626 der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 24. Oktober 1970 haben sich die Staaten mit hohen Prokopfeinkommen dazu verpflichtet, mindestens 0,7 Prozent ihres Bruttonationaleinkommens f\u00fcr die \u00f6ffentliche Entwicklungszusammenarbeit aufzubringen. Das zur globalen Armutsbek\u00e4mpfung festgesetzte Ziel sollte im Jahre 1975, sp\u00e4testens 1980 erreicht sein. Doch verfehlen die meisten wirtschaftlich privilegierten Staaten die 0,7 Ziele.  Die Verpflichtungserkl\u00e4rung wird in wenigen Tagen 50 Jahre alt. Nur wenige L\u00e4nder, darunter Gro\u00dfbritannien, Schweden und Norwegen, haben den UN-Richtwert von 0,7 Prozent erreicht. Gerade viele Hocheinkommensl\u00e4nder mit gro\u00dfen Volkswirtschaften wie die USA, Japan und leider auch Deutschland sind nicht darunter.  So bleibt der deutsche Beitrag im Vergleich zur Wirtschaftskraft erheblich hinter den durchschnittlichen Leistungen anderer europ\u00e4ischer Geberstaaten zur\u00fcck. Zwar hat Deutschland seit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie im Zuge der Nachtragshaushalte des Bundes substanzielle Erh\u00f6hungen vorgenommen, wodurch ungef\u00e4hr 77 % des internationalen Zielniveaus f\u00fcr die Entwicklungszusammenarbeit erreicht werden konnten. Das reicht jedoch nicht, um den derzeitigen globalen Herausforderungen gerecht zu werden. Die Erreichbarkeit der nachhaltigen Entwicklungsziele stand bereits vor Corona in weiter Ferne und ben\u00f6tigt zwingend eine zeitnahe Erf\u00fcllung der Zielmarke von 0,7 Prozent &#8211; insbesondere von den \u00f6konomisch reichsten Nationen wie zum Beispiel Deutschland.  Nach den Angaben der Organisation f\u00fcr Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liegt die H\u00f6he des deutschen Finanzierungsbeitrags im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit derzeit bei 0,6 Prozent der Wirtschaftsleistung.  Problematisch an den Berechnungen der OECD ist jedoch, dass im Inland anfallende Kosten f\u00fcr Gefl\u00fcchtete, Studienpl\u00e4tze und Verwaltung sowie vom Kapitalmarkt aufgenommene Kredite angerechnet werden, die mit einem Zinsaufschlag meist an Mitteleinkommensl\u00e4nder vergeben werden und nicht f\u00fcr die humane Entwicklung in den benachteiligten L\u00e4ndern eingesetzt werden k\u00f6nnen. Die umfangreiche Nutzung von auf dem Kapitalmarkt aufgenommen Krediten als Anrechnung f\u00fcr finanzielle Leistungen in der Entwicklungszusammenarbeit wird nur von Deutschland und einigen wenigen weiteren L\u00e4ndern praktiziert, weshalb diese Praxis besonders kritisch zu sehen ist, da Deutschland hier mit schlechtem Beispiel vorangeht.  Wenn man sowohl diese Kreditvergaben als auch die Inlandskosten vom deutschen Betrag abzieht, bringt Deutschland im Jahr 2019 nicht die von der OECD bezifferten 0,6 Prozent, sondern lediglich 0,43 Prozent der eigenen Wirtschaftskraft f\u00fcr Entwicklungszusammenarbeit auf. F\u00fcr diese Berechnungsweise zeichnet sich bereits ab, dass der 0,7 UN Richtwert auch dieses Jahr und 2021 nicht von deutscher Seite aus erzielt werden wird.  Damit die Ziele der Agenda 2030 erreicht werden k\u00f6nnen, ist es unabdingbar, dass auch Deutschland seine eingegangenen Verpflichtungen erf\u00fcllt. Sonst laufen wir als Weltgemeinschaft Gefahr, die Verwirklichung der Agenda 2030 in sehr vielen Staaten zu verfehlen &#8211; mit weitreichenden negativen Konsequenzen f\u00fcr Millionen von Menschen sowie Natur und Umwelt. Die Minderleistungen Deutschlands und weiterer wirtschaftlich privilegierter Staaten stellen einen wesentlichen Bremsklotz f\u00fcr die vollst\u00e4ndige Verwirklichung der vereinbarten Ziele dar.  Dass wir 50 Jahre nach der Verpflichtungserkl\u00e4rung immer noch an das eigentlich Selbstverst\u00e4ndliche erinnern m\u00fcssen, ist ein Misserfolg, der so nicht hinnehmbar ist.  Link zu der Pr\u00e4sentation einer Analyse von Deutschlands finanziellen Anstrengungen f\u00fcr die \u00f6ffentliche Entwicklungszusammenarbeit von 1970 bis heute: https:\/\/ots.de\/9jCxnT  Pressekontakt:  Peter Wiessner Tel: +49 (0) 30 53 67 998 44 Mob: +49 (0) 163 456 85 14; Email: mailto:wiessner@aids-kampagne.de; Aktionsb\u00fcndnis gegen AIDS; Rungestr. 19, 10179 Berlin  Weiteres Material: http:\/\/presseportal.de\/pm\/52831\/4741286 OTS:               Aktionsb\u00fcndnis gegen AIDS  Original-Content von: Aktionsb\u00fcndnis gegen AIDS, \u00fcbermittelt durch news aktuell<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/52831\/4741286\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">presseportal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin (ots) &#8211; Weltweit starben im Jahr 2019 ann\u00e4hernd 700.000 Menschen an den Folgen einer HIV-Infektion. 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