{"id":37406,"date":"2011-07-08T14:07:59","date_gmt":"2011-07-08T12:07:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=37406"},"modified":"2011-07-08T14:07:59","modified_gmt":"2011-07-08T12:07:59","slug":"portraitkonzert-friedhelm-dohls-in-lubeck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/portraitkonzert-friedhelm-dohls-in-lubeck\/","title":{"rendered":"Portraitkonzert Friedhelm D\u00f6hls in L\u00fcbeck"},"content":{"rendered":"<p>Es war eine w\u00fcrde- und anspruchsvolle Soiree. Am letzten Donnerstag wurde im reichlich gef\u00fcllten Gro\u00dfen Saal der Musikhochschule L\u00fcbeck ein beachtliches Komponistenportrait zum 75.Geburtstag Friedhelm D\u00f6hls geboten.<br \/>\nD\u00f6hls umfangreiches Oeuvre umfasst Kompositionen f\u00fcr Soloinstrumente und Kammermusik, Vokalkompositionen und Orchesterwerke, Live-Elektronik und Musiktheater. Der Komponist sieht sich als Romantiker, wobei Romantik als Haltung zu verstehen ist, als ein reflektiertes Verh\u00e4ltnis des Ich zu sich selbst und zur Welt, das im Werk seine Spuren hinterl\u00e4sst. Verbunden f\u00fchlt sich D\u00f6hl ebenso zu Mahlers gro\u00dfdimensioniertem Komponieren wie zu Weberns Kunst des Aphorismus. <!--more-->Musikalische Sprachfindung ist bei D\u00f6hl immer wieder der eigentliche Gegenstand der Komposition. Oft vollzieht sie sich im Medium der Dichtung: in Liedern und Ges\u00e4ngen auf Gedichte von H\u00f6lderlin und Trakl, aber auch in rein instrumentalen, wortlosen Kompositionen, die gleichwohl vom Wort inspiriert sind. Ein Kennzeichen seiner Partituren ist der immer neue Versuch, Klang und Form aufeinander zu beziehen- nach D\u00f6hl ein basales Problem f\u00fcr die Selbstfindung der Musik nach Aufgabe der Tonalit\u00e4t.<br \/>\nNach einem Gru\u00dfwort Inge-Susann R\u00f6mhilds, der Pr\u00e4sidentin der Musikhochschule L\u00fcbeck, folgte die &#8222;Klarinetten-Szene&#8220; (2003), ein Kompositionsauftrag der Possehl-Stiftung zur Er\u00f6ffnung der Kunsthalle St.Annen in L\u00fcbeck am 30.5.2003, wobei sich das Spiel schlie\u00dflich nach einer Kadenz zum kollektiven &#8222;canto europeo antico&#8220; nach Heinrich Isaac entwickelte. Es wurde 2003 aktuell auch als Reaktion auf die Arroganz von Machthabern der &#8222;Neuen Welt&#8220; gegen &#8222;Old Europe&#8220; verstanden.<br \/>\nBeim &#8222;Sonnengesang f\u00fcr Fl\u00f6te solo&#8220; (2008), Angela Firkins gewidmet, steht das M\u00f6rike-Gedicht &#8222;An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang&#8220; im Hintergrund.<br \/>\nEs wurde dann das &#8222;Diptychon f\u00fcr Orgel\/mit Stimme&#8220; (2008\/2011) als Urauff\u00fchrung pr\u00e4sentiert, wobei er wie auch bei anderen Kompositionen wichtige Impulse aus der Freundschaft und aus der k\u00fcnstlerisch \u00fcberaus fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem Maler G\u00fcnther Uecker erhielt. F\u00fcr Hans-J\u00fcrgen Schnoor und Maike Albrecht hatte D\u00f6hl neu die beiden zentralen S\u00e4tze aus dem Hiob-Zyklus f\u00fcr sich genommen und zu einem &#8222;Diptychon&#8220; gef\u00fcgt, jeweils mit der &#8222;Vox humana&#8220; ausklingend.<br \/>\nDas nach der Pause folgende &#8222;Conductus f\u00fcr vier Schlagzeuger&#8220; wurde 1980 im Auftrag der Stadt Basel komponiert. Die Partitur ist dem Andenken des Schriftstellers Nicolas Born gewidmet und steht unter dem Motto von Fragmenten seines Gedichts &#8222;Entsorgt&#8220;.<br \/>\nEs handelt sich dabei um Trauermusik, &#8222;Kondukt&#8220; als &#8222;Grabgeleit&#8220;, Stille, aber auch um Aufbegehren gegen die Tendenz des Menschen, sich selbst zu vernichten. Es ist aber auch Erinnerung an unsere Geschichte, an die Tradition des mittelalterlichen Formbegriffs &#8222;Conductus&#8220;.<br \/>\nDie folgende &#8222;Serenade f\u00fcr zwei Kontrab\u00e4sse&#8220; (1997) schrieb D\u00f6hl 1997 zum 75.Geburtstag des Verlegers Hermann Moeck und insbesondere zum 80.Geburtstag seines um die neue Musik sehr verdienten Cheflektors Herbert Hoentsch.<br \/>\nDie Klangwucht der Auff\u00fchrung ergab sich durch das Miteinander der beiden f\u00fcnfsaitigen B\u00e4sse, basierend auf den tiefen T\u00f6nen H-E.<br \/>\nDas abschlie\u00dfende &#8222;Ballett f\u00fcr zwei Klaviere&#8220; &#8222;Fiesta&#8220; (1982) wurde in Basel komponiert, im Auftrag von &#8222;pro musica nova&#8220; Bremen 1981\/82 f\u00fcr das schwedische Klavierduo Mats Persson und Kristine Scholz.<br \/>\nFriedhelm D\u00f6hl wurde am 7.Juli 1936 in G\u00f6ttingen geboren. Nach dem Abitur an einem humanistischen Gymnasium studierte D\u00f6hl Komposition bei Wolfgang Fortner, Klavier bei Carl Seemann und Schulmusik an der Staatlichen Hochschule f\u00fcr Musik Freiburg i.Br. sowie Germanistik, Musikwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte an den Universit\u00e4ten Freiburg und G\u00f6ttingen. Dort wurde er 1966 mit &#8222;Weberns Beitrag zur Stilwende der Neuen Musik&#8220; promoviert. Als Professor f\u00fcr Komposition an der Musikhochschule L\u00fcbeck seit 1982 initiierte er u.a. die Veranstaltungsreihen &#8222;Forum junger Komponisten&#8220;, &#8222;Werkstatt Neue Musik&#8220; und die Reihe &#8222;Musica Viva\/Begegnungen&#8220; in Reinbek. 1991 bis 1994 wirkte D\u00f6hl als Rektor der Musikhochschule L\u00fcbeck. Er erhielt 1967\/68 ein Stipendium der Villa Massimo in Rom, den Rom-Preis 1967\/68 sowie die F\u00f6rderpreise des Landes Nordrhein-Westfalen (1968) und des Landes Berlin (1971).<br \/>\nLutz Gallinat<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war eine w\u00fcrde- und anspruchsvolle Soiree. 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