{"id":374640,"date":"2021-03-07T07:00:00","date_gmt":"2021-03-07T07:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hier-luebeck.de\/index.php\/das-thema-gleichberechtigung-ist-zukunftsrelevant-sos-paedagogin-dr-kristin-teuber-im-interview-zum-weltfrauentag\/"},"modified":"2021-03-07T07:00:00","modified_gmt":"2021-03-07T07:00:00","slug":"das-thema-gleichberechtigung-ist-zukunftsrelevant-sos-paedagogin-dr-kristin-teuber-im-interview-zum-weltfrauentag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/das-thema-gleichberechtigung-ist-zukunftsrelevant-sos-paedagogin-dr-kristin-teuber-im-interview-zum-weltfrauentag\/","title":{"rendered":"&#8222;Das Thema Gleichberechtigung ist zukunftsrelevant&#8220;: SOS-P\u00e4dagogin Dr. Kristin Teuber im Interview zum Weltfrauentag"},"content":{"rendered":"<p>M\u00fcnchen (ots) &#8211; Der Weltfrauentag wird seit 100 Jahren jedes Jahr am 8. M\u00e4rz gefeiert, in Berlin ist er seit 2019 sogar gesetzlicher Feiertag. Und auch heute ist die Frage nach der Gleichberechtigung von Frauen und M\u00e4nnern keinesfalls \u00fcberholt, sagt Dr. Kristin Teuber, Leiterin des Sozialp\u00e4dagogischen Instituts von SOS-Kinderdorf e.V.<!--more--> Im Interview spricht sie au\u00dferdem \u00fcber die Aufgabenlast von Frauen in der Corona-Pandemie und dar\u00fcber, wie M\u00e4dchen sich eigentlich zu starken Pers\u00f6nlichkeiten entwickeln k\u00f6nnen.   Frau Dr. Teuber, warum sollten wir den Weltfrauentag weiterhin feiern?    Der internationale Frauentag wird seit 100 Jahren begangen. Anfangs drehte er sich um die Einf\u00fchrung des Frauenwahlrechts. Insgesamt hat er eine wechselvolle Geschichte genommen, in den 1960er-Jahren wurde er in Deutschland durch die Frauenbewegung wiederbelebt. Anfang der 1980er-Jahre wurde die UN-Frauenkonvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau in Kraft gesetzt. Frauenrechte sind Menschenrechte. Das w\u00fcrde heute kaum jemand bestreiten. Und doch ist die Frage nach der Gleichberechtigung von Frauen und M\u00e4nnern keinesfalls \u00fcberholt.   Frauen leisten mehr Haus- und Familienarbeit, sie verdienen im Schnitt noch immer weniger Geld als M\u00e4nner. Sexismus, Bel\u00e4stigung und sexualisierte Gewalt gegen Frauen ist im Alltag auf allen Ebenen zu beobachten, Frauen sind in Parlamenten und F\u00fchrungsetagen weniger vertreten und wir haben es noch immer mit zahlreichen Geschlechterklischees zu tun. Selbstverst\u00e4ndlichkeiten im allt\u00e4glichen Leben werden vielfach m\u00e4nnlich gedacht, Standards h\u00e4ufig aus m\u00e4nnlicher Perspektive normiert. Damit wird &#8222;m\u00e4nnlich&#8220; mit &#8222;normal&#8220; gleichgesetzt. Das zeigt sich auch in unserer Sprache, in der oft unreflektiert die m\u00e4nnliche Form verwendet wird &#8211; auch von Frauen \u00fcbrigens. Frauen erscheinen dadurch als eine besondere Gruppe, quasi als Minderheit. Dabei machen sie etwa die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung aus. All das schafft die soziale Praxis, in der wir leben.   Es gibt also viele Gr\u00fcnde, die daf\u00fcr sprechen, den Weltfrauentag weiterhin zu begehen, auch wenn es mit einem Tag im Jahr nicht getan ist. Das Thema Gleichberechtigung ist zukunftsrelevant. Es braucht neben der gesellschaftlichen Awareness auch politisches Handeln. Immerhin hat die Bundesregierung seit dem Jahr 2020 die Strategie zur Gleichstellung der Geschlechter aufgesetzt. Die wird nicht alles richten, aber sie ist ein wichtiges Signal an die Gesellschaft.   Das letzte Jahr hat Familien vor au\u00dfergew\u00f6hnliche Herausforderungen gestellt. Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise speziell auf das Leben von Frauen?   Die Vereinten Nationen haben f\u00fcr den Weltfrauentag 2021 das Motto &#8222;Frauen in F\u00fchrungspositionen. F\u00fcr eine ebenb\u00fcrtige Zukunft in einer COVID-19-Welt&#8220; ausgew\u00e4hlt. Damit wird hervorgehoben, dass die Aufgabenlast von Frauen w\u00e4hrend der Pandemie deutlich gestiegen ist. Dies gilt auch hierzulande, wie einige Studien zeigen.   Frauen arbeiten h\u00e4ufiger in &#8222;systemrelevanten&#8220; Berufen, die in der Krise wichtig sind: Kassiererinnen, Kranken- und Altenpflegerinnen, Erzieherinnen. Laut der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit sind 75 % der Besch\u00e4ftigten in Krankenh\u00e4usern weiblich. In Kitas und dem Einzelhandel liegen die Zahlen noch h\u00f6her. Zudem zeigen verschiedene Studien bereits, dass Frauen den \u00fcberwiegenden Teil der Kinderbetreuung, der Hausarbeit und der Begleitung beim Homeschooling \u00fcbernehmen. Eine UN-Studie gibt an, dass Frauen etwa das Dreifache an Sorgearbeit leisten &#8211; wohlgemerkt unbezahlt. 20 % der Frauen in Deutschland haben w\u00e4hrend der Pandemie ihre Arbeitszeit reduziert, so eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin. Das hat nat\u00fcrlich langfristige Folgen f\u00fcr ihre berufliche Entwicklung sowie f\u00fcr die Alterssicherung. Frauen sind in der Krise vielfach schlechter bezahlt, einem h\u00f6heren Ansteckungsrisiko ausgesetzt und sie tragen eine hohe Last.   In der Pandemie l\u00e4sst sich also auch eine R\u00fcckkehr zu eher traditionellen Rollenmustern beobachten. Mit Blick auf die Aufgabenteilung zwischen Frauen und M\u00e4nnern wird deswegen \u00f6fters von einem Rollback im Geschlechterverh\u00e4ltnis gesprochen. Neulich war irgendwo der Titel &#8222;Viel Home, wenig Office&#8220; zu lesen &#8211; eine treffende Beschreibung einer Situation, in der sich gerade viele Frauen wiederfinden. Und nicht zuletzt gibt es in der Krise mehr h\u00e4usliche Gewalt, von der \u00fcberwiegend Frauen (und Kinder) betroffen sind. Viele Frauenh\u00e4user sind aktuell \u00fcberf\u00fcllt. Auch von anderen Pandemien weltweit wei\u00df man heute, dass die wirtschaftlichen Folgen f\u00fcr Frauen gravierender sind. Also die Auswirkungen der Pandemie auf Frauen zeichnen sich schon recht eindeutig ab.   Gibt es auch Chancen, die sich f\u00fcr Frauen in dieser Krise ergeben k\u00f6nnen?   Es gibt auch Stimmen, die davon ausgehen, dass Frauen gest\u00e4rkt aus der Krise hervorgehen werden. Nun, auch das wird es geben. Meines Wissens sind derzeit solche systematischen Effekte noch nicht zu erkennen. Daf\u00fcr br\u00e4uchte es belastbare Befunde aus empirischen Studien.   Was brauchen eigentlich M\u00e4dchen, um zu starken Pers\u00f6nlichkeiten zu werden?   Alle jungen Menschen werden dadurch gest\u00e4rkt, dass sie sich mit ihren Bed\u00fcrfnissen und W\u00fcnschen ernstgenommen f\u00fchlen und bei ihren Belangen mitsprechen k\u00f6nnen. Dass ihnen etwas zugetraut wird und sie \u00fcber wichtige, ihr Leben betreffende Zusammenh\u00e4nge aufgekl\u00e4rt werden. Das gilt f\u00fcr M\u00e4dchen wie f\u00fcr Jungen. Bezogen auf die Geschlechter ist es wichtig, dass M\u00e4dchen auch R\u00e4ume haben, in denen sie unter sich sind und sich nicht zu Jungen ins Verh\u00e4ltnis setzen (m\u00fcssen). So k\u00f6nnen sie sich anders ausprobieren mit ihrem Verhalten und andere Erfahrungen machen als im koedukativen Kontext. Und es ist ganz zentral, dass M\u00e4dchen und Jungen nicht in unreflektierte Geschlechterrollen hinein sozialisiert werden, wie etwa: M\u00e4dchen sind eher still und Jungen wild, Rosa steht f\u00fcr M\u00e4dchen, Hellblau f\u00fcr Jungen usw. Eltern, Kitas und Schulen k\u00f6nnen viel daf\u00fcr tun, diese geschlechtsstereotypen Zuschreibungen zu durchbrechen. Darum bem\u00fchen sich geschlechtersensible Ans\u00e4tze in der P\u00e4dagogik.   Pressekontakt:   SOS-Kinderdorf e.V. Victoria Leipert Renatastra\u00dfe 77 80639 M\u00fcnchen Telefon 089-12606491 Mobil 0176-12605262 victoria.leipert@sos-kinderdorf.de www.sos-kinderdorf.de  Original-Content von: SOS-Kinderdorf e.V., \u00fcbermittelt durch news aktuell<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/12506\/4856930\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">presseportal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcnchen (ots) &#8211; Der Weltfrauentag wird seit 100 Jahren jedes Jahr am 8. 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