{"id":380893,"date":"2021-04-29T06:00:01","date_gmt":"2021-04-29T06:00:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hier-luebeck.de\/index.php\/monitor-exklusiv-naechtliche-ausgangssperren-oxford-studie-fuer-deutschland-nur-bedingt-aussagekraeftig\/"},"modified":"2021-04-29T06:00:01","modified_gmt":"2021-04-29T06:00:01","slug":"monitor-exklusiv-naechtliche-ausgangssperren-oxford-studie-fuer-deutschland-nur-bedingt-aussagekraeftig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/monitor-exklusiv-naechtliche-ausgangssperren-oxford-studie-fuer-deutschland-nur-bedingt-aussagekraeftig\/","title":{"rendered":"MONITOR EXKLUSIV &#8211; N\u00e4chtliche Ausgangssperren: Oxford-Studie f\u00fcr Deutschland nur bedingt aussagekr\u00e4ftig"},"content":{"rendered":"<p>K\u00f6ln (ots) &#8211; Autoren der sog. Oxford-Studie verweisen gegen\u00fcber dem ARD-Magazin MONITOR auf &#8222;gro\u00dfe Unsicherheitsmarge&#8220; und warnen vor &#8222;Fehlinterpretationen&#8220;.   Mit den Stimmen der Regierungsfraktionen hat der Bundestag eine Novelle des Infektionsschutzgesetzes und damit auch n\u00e4chtliche Ausgangssperren ab einer Inzidenz von 100 beschlossen.<!--more--> Ihre Wirksamkeit werde durch wissenschaftliche Studien gest\u00fctzt, hei\u00dft es in der Gesetzesbegr\u00fcndung. Recherchen des ARD-Magazins MONITOR zeigen nun: Eine der f\u00fcr die Regierungsfraktionen zentralen Studien von der Universit\u00e4t Oxford l\u00e4sst sich nicht eins zu eins auf die aktuelle Situation in Deutschland \u00fcbertragen. Darauf weisen die Studienautoren selbst hin und betonen eine &#8222;gro\u00dfe Unsicherheitsmarge&#8220;.    Die sog. &#8222;Oxford-Studie&#8220; geh\u00f6rt zu den zentralen St\u00fctzen der Argumentation der Regierungsfraktionen f\u00fcr die Einf\u00fchrung n\u00e4chtlicher Ausgangssperren im Zuge der Novelle des Infektionsschutzgesetzes. Sie k\u00e4me zu dem Schluss, dass die Ausgangssperren geeignet seien, den R-Wert &#8222;um 13 Prozent zu senken&#8220;, hei\u00dft es etwa auf der Homepage der CDU\/CSU-Bundestagsfraktion. Auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach begr\u00fcndet die Notwendigkeit von Ausgangssperren in Deutschland immer wieder mit Hinweisen auf die Studie. Sie zeige, dass Ausgangssperren einen Effekt &#8222;von etwa 15 Prozent Senkung der Reproduktionsrate&#8220; haben w\u00fcrden. F\u00fcr S\u00f6ren Mindermann, einen der Studienautoren, sind solche Aussagen &#8222;Fehlinterpretationen&#8220;. Er betont, dass die Studie gro\u00dfe Unsicherheitsmargen habe und nicht einfach auf die derzeitige Situation in Deutschland \u00fcbertragbar sei.   Die Studie leitet die Effektivit\u00e4t von n\u00e4chtlichen Ausgangssperren aus Daten aus verschiedenen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern ab. Die jeweils untersuchten Ausgangssperren h\u00e4tten aber zu unterschiedlichen Tageszeiten eingesetzt und entsprechend unterschiedlich lange gedauert, stellen die Studienautoren klar. Au\u00dferdem h\u00e4tten die untersuchten Ausgangssperren immer mit anderen Ma\u00dfnahmen interagiert. Daher k\u00f6nne man kaum unmittelbare R\u00fcckschl\u00fcsse auf ihre Wirkung als einzelne Ma\u00dfnahme und f\u00fcr einzelne L\u00e4ndern ziehen. Zentral sei auch, dass die Studie mit Daten aus der zweiten Corona-Welle arbeite. Ver\u00e4nderte Infektionsbedingungen durch die &#8222;britische&#8220; Mutante B.1.1.7 seien deshalb nicht einbezogen. Man k\u00f6nne die Ergebnisse &#8222;nicht einfach so auf die dritte Welle \u00fcbertragen&#8220;, betont Mindermann.   Insgesamt sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Wirksamkeit von n\u00e4chtlichen Ausgangssperren uneinheitlich. Eine Untersuchung der Universit\u00e4t Gie\u00dfen und der Mines ParisTech hat zum Beispiel verglichen, wie sich die Inzidenzen w\u00e4hrend der zweiten Welle in hessischen Landkreisen mit und ohne Ausgangssperren entwickelt haben. Man habe dabei &#8222;keinen statistisch signifikanten Unterschied in der Inzidenz-Entwicklung in den Kreisen mit und ohne n\u00e4chtliche Ausgangssperre&#8220; gefunden, sagt Prof. Georg G\u00f6tz, einer der Studienautoren, gegen\u00fcber MONITOR.   Warum die Gro\u00dfe Koalition die Oxford-Studie zur Begr\u00fcndung der Ausgangssperren herangezogen hat &#8211; dazu wollten die Bundestagsfraktionen von CDU\/CSU und SPD auf Anfrage keine Stellung nehmen.   Auch vor dem Hintergrund ihrer unklaren Wirksamkeit h\u00e4lt die Verfassungsrechtlerin Prof. Anna Katharina Mangold die Ausgangsbeschr\u00e4nkungen in der beschlossenen Form f\u00fcr verfassungswidrig. Der gesetzte Zweck, die Einschr\u00e4nkung der Pandemie, k\u00f6nne damit nicht erreicht werden. Au\u00dferdem d\u00fcrften Ausgangssperren &#8222;nur als ultima ratio, als letztes Mittel angeordnet werden&#8220;, so Mangold gegen\u00fcber MONITOR. Diese Bedingung sei im aktuellen Gesetz nicht erf\u00fcllt.   Mehr dazu bei MONITOR (WDR), 29.04.2021, um 21.45 Uhr im Ersten   Links    &#8222;Oxford-Studie&#8220;: https:\/\/www.medrxiv.org\/content\/10.1101\/2021.03.25.21254330v1   Studie von Universit\u00e4t Gie\u00dfen und Mines ParisTech: https:\/\/www.uni-giessen.de\/fbz\/fb02\/fb\/professuren\/vwl\/goetz\/forschung\/publikationenordner\/arbeitspapiere\/Curfews   Pressekontakt:   WDR Kommunikation, E-Mail: Kommunikation@wdr.de, Telefon: 0221 220 7100  Original-Content von: ARD Das Erste, \u00fcbermittelt durch news aktuell<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/6694\/4902008\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">presseportal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6ln (ots) &#8211; Autoren der sog. 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