{"id":40334,"date":"2011-08-17T07:18:04","date_gmt":"2011-08-17T05:18:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=40334"},"modified":"2011-08-17T07:18:04","modified_gmt":"2011-08-17T05:18:04","slug":"innovationskraft-und-leistungsfahigkeit-des-schleswig-holsteinischen-gesundheitswesens-starken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/innovationskraft-und-leistungsfahigkeit-des-schleswig-holsteinischen-gesundheitswesens-starken\/","title":{"rendered":"Innovationskraft und Leistungsf\u00e4higkeit des schleswig-holsteinischen Gesundheitswesens st\u00e4rken"},"content":{"rendered":"<p>Wirtschaftsrat: &#8222;Anreizmechanismen durchgreifend verbessern!&#8220;<\/p>\n<p>Die Leistungsf\u00e4higkeit unseres Gesundheitswesens mu\u00df deutlich gesteigert werden, um die Kosten bei der absehbaren demographischen Entwicklung stabil zu halten. Insbeson\u001fdere f\u00fcr Schleswig-Holstein als l\u00e4ndliche Region mit ausgepr\u00e4gter Gesundheitsland\u001fschaft stellen sich besondere Herausforderungen und Entwicklungschancen. Vor diesem Hintergrund hat der Wirtschaftsrat ein Acht-Punkte-Programm f\u00fcr Schleswig-Holstein ausgearbeitet, das die augenf\u00e4lligen Effizienzreserven im System heben soll und Schles\u001fwig-Holstein eine fortge\u001fsetzte bundesweite Schrittmacherrolle empfiehlt. Dazu der Lan\u001fdesvorsitzende Dr. Philipp Murmann: &#8222;Die Anreizmechanismen in der Gesundheitswirt\u001fschaft sind derzeit eben nicht darauf ausgerichtet, Wirtschaftlichkeit oder Qualit\u00e4t einer Behandlung zu belohnen. Zudem fehlt uns immer noch eine Infrastruktur, die unter\u001fschiedlichen Partner im Behandlungsproze\u00df zielf\u00fchrend miteinander vernetzt. Diese Entwicklungspotentiale und Effizienzreserven m\u00fcssen wir uns jetzt erschlie\u00dfen!&#8220;<!--more--><\/p>\n<p>Das Acht-Punkte-Programm empfiehlt dazu unter anderem:<\/p>\n<p>&#8211; Einf\u00fchrung einer sektor\u00fcbergreifenden Verg\u00fctungsstruktur, die an einem nachhalti\u001fgen Behandlungserfolg und den notwendigem Versorgungsbedarf ausgerichtet ist. Das Konzept des &#8222;pay for performance&#8220; setzt genau hier an. Dies sollte durch \u00f6ffentliche Transparenz von Behandlungsergebnissen und Kosten flankiert werden. Schleswig-Hol\u001fstein sollte hierzu im Rahmen von Modellregionen eine Vorreiterrolle \u00fcbernehmen. Um eine Finanzierung des Versorgungsbedarfs auch langfristig sicherzustellen und die Inan\u001fspruchnahme auf notwen\u001fdige Leistungen zu richten, ist mittelfristig eine Eigenbeteili\u001fgung der Versicherten bei der Inanspruchnahme \u00e4rztlicher Leistungen unausweichlich.<\/p>\n<p>&#8211; Um dezentrale L\u00f6sungen rechtssicher \u00fcber eine vernetzte Infrastruktur zusammenzu\u001ff\u00fch\u001fren, sollte Schleswig-Holstein bei der Bundesregierung Impulse f\u00fcr ein durchset\u001fzungs\u001ff\u00e4higes Normungsinstitut setzen. Dieses sollte zuk\u00fcnftig die Anforderungen an die Systemkompatibilit\u00e4t durch herstelleroffene Standards festlegen. Erg\u00e4nzend sollte un\u001fsere hiesige Daten\u001fschutzbeh\u00f6rde bestehende Anwendungen entsprechend zertifizieren k\u00f6nnen. Auch sollten die M\u00f6glichkeiten und der Umgang mit solchen Systemen Bestand\u001fteil der medizi\u001fnischen Ausbildung werden. Aufgrund der demographischen Entwicklung sind Fortschritte f\u00fcr l\u00e4nd\u001fliche Regionen wie Schleswig-Holstein besonders notwendig.<\/p>\n<p>&#8211; Um auch zuk\u00fcnftig noch eine allgemein- und basis\u00e4rztliche Versorgung fl\u00e4chende\u001fckend sicherzustellen, mu\u00df die Planungsgrundlage zuk\u00fcnftig an dynamischen Kriterien zur Bev\u00f6l\u001fkerungsstruktur und dem Versorgungsbedarf orientiert sein, um Anreize f\u00fcr eine ausrei\u001fchende \u00e4rztliche Versorgung zielf\u00fchrend verankern zu k\u00f6nnen. Insbesondere l\u00e4ndliche Kommunen k\u00f6nnen durch einladende Rahmenbedingungen f\u00fcr \u00c4rzte ihre Att\u001fraktivit\u00e4t posi\u001ftiv beeinflussen.<\/p>\n<p>&#8211; Bisher werden Studienbewerber der Medizin nach ihrem Abiturdurchschnitt ausge\u001fw\u00e4hlt. Berufserfahrungen und -abschl\u00fcsse in medizinrelevanten Berufen m\u00fcssen zu\u001fk\u00fcnftig regel\u001fhaft angerechnet werden und pers\u00f6nliche Motivation und Eignung Ber\u00fcck\u001fsichtigung finden.<\/p>\n<p>Acht-Punkte-Programm:<br \/>\nZukunftsweisende Rahmenbedingungen f\u00fcr die Gesundheitswirtschaft in Schleswig-Holstein<\/p>\n<p>Aus dem Gesundheitsland Schleswig-Holstein gab es in den letzten Jahrzehnten immer wie\u001fder ma\u00dfgebliche Impulse f\u00fcr eine bundesweite Modernisierung des Gesundheitswesens. Die Chancen und Herausforderungen daf\u00fcr sind nach wie vor enorm. Deshalb sollte die Innova\u001ftionskraft und Leistungsf\u00e4higkeit des schleswig-holsteinischen Gesundheitswesens durch die Landesregierung im deutschen und nordeurop\u00e4ischen Kontext fortgesetzt gest\u00e4rkt wer\u001fden. Schleswig-Holstein erbringt hier mit 17 % der Arbeitspl\u00e4tze bereits jetzt einen gro\u00dfen Anteil seiner Wertsch\u00f6pfung. Es ist h\u00f6chste Zeit, da\u00df die Gesundheitswirtschaft nicht mehr als als blo\u00dfer Kostenfaktor diskreditiert, sondern als bedeutender Wertsch\u00f6pfungsbereich und als Wachstumsbranche der Zukunft wahrgenommen wird.<\/p>\n<p>Wichtige Ansatzpunkte sind von der Politik schon benannt, sie m\u00fcssen jedoch k\u00fcnftig st\u00e4r\u001fker vernetzt und durch eine zielgerichtete und abgestimmte Politik gest\u00fctzt werden. Dazu soll\u001ften die vorhandenen Kr\u00e4fte und Ideen im Lande gegen\u00fcber dem Bund und der EU besser unterst\u00fctzt werden. Der Wirtschaftsrat regt dazu nachfolgend ein Acht-Punkte-Programm an:<\/p>\n<p>1. Anreizmechanismen im Gesundheitssystem verbessern!<br \/>\nGanz generell sind die Anreizmechanismen des Gesundheitssystems derzeit weder darauf ausgerichtet, eine gesteigerte Qualit\u00e4t zu belohnen, noch eine h\u00f6here Wirtschaftlichkeit des Gesamtsystems zu erreichen. Leistung wird perspektivisch nur dann am Ort der h\u00f6chsten Wirtschaftlichkeit erbracht werden, wenn die Verg\u00fctungsstruktur dies auch bef\u00f6rdert. Die derzeit herrschenden, inter\u001fsektorell unterschiedlichen Verg\u00fctungssysteme bef\u00f6rdern das Gegenteil.<\/p>\n<p>Um eine tragf\u00e4hige Verzahnung der Sektoren zu erreichen, bedarf es einer Verg\u00fc\u001ftungsstruk\u001ftur, die weitgehend davon unabh\u00e4ngig ist, in welchem Sektor die Leistung erbracht wird. Dazu mu\u00df die Honorierung einerseits dem notwendigen Versorgungsbedarf und anderer\u001fseits der Qualit\u00e4t der Leistung folgen. Um eine Finanzierung des Versorgungsbedarfs auch langfristig sicherzustellen und die Inanspruchnahme auf notwendige Leistungen zu richten, ist mittelfristig eine Eigenbeteiligung der Versicherten bei der Inanspruchnahme \u00e4rztlicher Leistungen unausweichlich. Unser Gesundheitssystem sollte eigenverantwortliche Patienten f\u00f6rdern, die mit den gesellschaftlich verf\u00fcgbaren Ressourcen wirtschaftlich umgehen. Ebenso bef\u00f6rdert eine Honorierung, die diesen Prinzipien nicht folgt, die Unattraktivit\u00e4t me\u001fdizinischer Berufe. Vor einer fl\u00e4chendeckenden Umsetzung brauchen wir eine modellhafte Erprobung in kleineren Einheiten. Schleswig-Holstein sollte hier eine Vorreiterrolle \u00fcber\u001fnehmen.<\/p>\n<p>Die Verg\u00fctungssysteme im ambulanten und station\u00e4ren Bereich sind derzeit vorrangig ver\u001frichtungsorientiert, d.h. es werden kalkulierte Honorare bzw. Sachkosten zugrunde\u001fgelegt. Der nachhaltige Erfolg einer Behandlung wird weder honoriert noch im negativen Fall sank\u001ftioniert. Das Konzept des &#8222;pay for performance&#8220; setzt genau hier an. \u00dcber eine erfolgs\u001forien\u001ftierte Verg\u00fctung wird ein Anreiz beim Behandler gesetzt, sich f\u00fcr einen nachhaltigen Be\u001fhandlungserfolg einzusetzen, was im Normalfall nur \u00fcber integrierte, sektoren\u00fcbergrei\u001ffende Versorgungskonzepte zu sichern ist.<\/p>\n<p>Hinzu kommt der immaterielle Anreiz \u00fcber ein &#8222;Public Reporting&#8220;, wozu Behand\u001flungsergeb\u001fnisse \u00f6ffentlich transparent und nachvollziehbar dargestellt werden sollten. Einige Kranken\u001fkassen haben dazu entsprechende Vertr\u00e4ge bereits realisiert. In Schleswig-Holstein wurde mit dem Quamadi-Programm zur Diagnostik und Therapie des Brustkrebs bereits 2002 ein entsprechendes Versorgungsmodell realisiert und honoriert. Langfristig angelegte Untersu\u001fchungen des Schleswig-Holsteinischen Krebsregisters belegen dazu eine sp\u00fcrbare Verbesse\u001frung der Brustkrebs-Behandlung mit einer h\u00f6heren \u00dcberlebens\u001frate im Vergleich zur Basis\u001fversorgung.<\/p>\n<p>Weitere Beispiele sind Vertr\u00e4ge, die qualit\u00e4tsorientierte Zu- und Abschl\u00e4ge vorsehen, die an objektiv definierte Qualit\u00e4tskriterien gekn\u00fcpft sind und vertragspartnerschaftlich entwickelt werden. Dies kann z.B. die nachhaltige Wiederherstellung der Arbeitsf\u00e4higkeit bei chroni\u001fschen Erkrankungen sein. Bleibt die Erwerbsf\u00e4higkeit bei gegebenem Erkrankungsbild \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum stabil, erw\u00e4chst dem Behandler ein zus\u00e4tzlicher Bonus ; erfolgt im Gegenteil keine Verbesserung, so kann auch eine R\u00fcckverg\u00fctung vereinbart werden. Not\u001fwendig ist jedenfalls ein Anreizsystems zur Verbesserung der medizinischen Qualit\u00e4t, die dann auch h\u00f6her verg\u00fctet werden kann. Im Ergebnis folgt daraus ein Qualit\u00e4tswettbewerb zwischen Leistungserbringern, \u00fcber den f\u00fcr die Patienten auch Transparenz hergestellt wird.<\/p>\n<p>Diese innovativen Verg\u00fctungsformen sollten verst\u00e4rkt gef\u00f6rdert werden. Einige schleswig-holsteinische \u00c4rzte und Kliniken haben hier bereits gute Erfahrungen gemacht und konnten nachvollziehbare Qualit\u00e4tssteigerungen zum Wohle der Patienten erzielen.<\/p>\n<p>2. Produktivit\u00e4tsvorteile durch Vernetzung und schlanke Organisation nutzen!<br \/>\nDie Telemedizin ist ein Teilbereich der Telematik im Gesundheitswesen und bezeichnet Dia\u001fgnostik und Therapie unter \u00dcberbr\u00fcckung einer r\u00e4umlichen oder auch zeitlichen Distanz zwischen Arzt, Apotheker und Patienten oder zwischen zwei sich konsultierenden Leistungs\u001ferbringern (z.B. \u00c4rzten, Krankenh\u00e4usern, medizinischen Versorgungszentren) mit\u001ftels Tele\u001fkommunikation. Die modernen informationstechnischen M\u00f6glichkeiten haben hier noch sehr viel Entwicklungspotential &#8211; insbesondere f\u00fcr einen Ausbau von telemedizinischen An\u001fwendungen &#8211; durch Vernetzungen der unterschiedlichen Informationssysteme sowie sy\u001fstem\u00fcbergreifende Patientenakten. Hinderungsgr\u00fcnde sind derzeit Inkompatibilit\u00e4ten zwi\u001fschen den verschiedenen Software-Systemen und eine Scheu bei den Anwendern. Dies gilt es durch standardisierte Schnittstellen und Schulungen zu \u00fcberwinden. Zur besseren Entwick\u001flung dieser Potentiale sollten b\u00fcrokratische Hindernisse und zu hohe Anforderungen z.B. f\u00fcrTelebefundung und -radiologie  abgebaut werden. Aufgrund der demographischen Ent\u001fwicklung sind Fortschritte f\u00fcr l\u00e4ndliche Regionen wie Schleswig-Holstein besonders notwen\u001fdig. Zielf\u00fchrend w\u00e4re dazu ein bundesweiter Austausch elektronischer Dokumente durch ein\u001fheitlich definierte Schnittstellen zur \u00dcberbr\u00fcckung der Insell\u00f6sungen. Auf diese Weise k\u00f6nn\u001ften erhebliche Proze\u00dfkosten und -zeiten durch schneller \u00dcbermittlung von beispielsweise von Arztbriefen oder R\u00f6ntgenbildern eingespart werden. Hinzu kommen bessere Planungs\u001fm\u00f6glichkeiten von Patiententerminen f\u00fcr Operationen und ein Informationsflu\u00df unabh\u00e4n\u001fgig von Anwesenheitszeiten. Um die dezentralen L\u00f6sungen in einer rechtssicher vernetzten Infrastruktur zusammenf\u00fchren zu k\u00f6nnen, brauchen wir entsprechend einer DIN-Norm ge\u001fnormte Standards f\u00fcr die Schnittstellen eines \u00fcbergreifenden, gesundheitsdienstlichen In\u001fformationsnetzwerks. Das Land Schleswig-Holstein sollte deshalb bei der Bundesregierung Impulse setzen f\u00fcr ein durchsetzungsf\u00e4higes Normungsinstitut, da\u00df zuk\u00fcnftig die Anforde\u001frungen an die Systemkompatibilit\u00e4t festlegt. Um die derzeit bestehenden M\u00f6glichkeiten rechtsicher aussch\u00f6pfen zu k\u00f6nnen, sollte die hiesige Datenschutzbeh\u00f6rde Anwendungen entsprechend zertifizieren k\u00f6nnen. Auch sollten die M\u00f6glichkeiten und der Umgang mit sol\u001fchen Systemen Bestandteil der medizinischen Ausbildung werden. Wirtschaftlichkeit erreichen wir erst mit einem Sy\u001fstem, das elektronische Patientenakte, elektronische Fallakten und elektronische Gesundheitsakte mit einander verbindet, um das gleichzeitige Sichten von Dokumenten und Bildern zu erm\u00f6glichen. Dadurch sinken nicht nur die Kosten f\u00fcr die Versorgung, sondern es steigt auch die Qualit\u00e4t der Behandlung aus der Sicht des Patienten. F\u00fcr die Konzentration aller relevanten Unterlagen an einem Ort brauchen wir Konzepte, die die bestehenden Datenschutzrestriktionen \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>3. Allgemein- und basisfach\u00e4rztliche Versorgung fl\u00e4chendeckend sicherstellen!<br \/>\nDer Erhalt einer fl\u00e4chendeckenden basis\u00e4rztlichen (Haus-, Kinder- und Augen\u00e4rzte sowie Gyn\u00e4kologie) Versorgung auf dem Lande kann durch F\u00f6rderanreize von Kassen\u00e4rztlichen Vereinigungen, Kommunen und Kassen unterst\u00fctzt werden. Insbeson\u001fdere die l\u00e4ndliche Kommunen sollten erkennen, da\u00df einladende Rahmenbedingungen f\u00fcr \u00c4rzte die Attraktivit\u00e4t einer Gemeinde wesentlich beeinflussen kann und insofern durchaus als wirtschaftliche Investition im Standortwettbewerb betrachtet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich sollte es \u00c4rzten per b\u00fcrokratiearmen Verfahren erleichtert werden, sich f\u00fcr eine partielle oder vollst\u00e4ndige Verlegung ihrer T\u00e4tigkeit aus \u00fcberversorgten Regionen zu ent\u001fscheiden. Unabdingbare Voraussetzung ist eine planerische Grundlage, die den Versor\u001fgungsbedarf einer Region durch dynamische Kritieren zur Bev\u00f6lkerungsstruktur und dem Konsumverhalten hinreichend objektiviert, um Anreize zielsicher zu verankern. Da die Zahl des \u00e4rztlichen Nachwuchses sich absehbar nicht erheblich steigern l\u00e4\u00dft, die de\u001fmographische Entwicklung jedoch einen erh\u00f6hten Versorgungsbedarf ausl\u00f6sen wird, m\u00fcs\u001fsen die Anreize derart gestaltet werden, da\u00df sie auf eine hohe Effizienz und pers\u00f6nliche Initiative der \u00c4rzte hinwirken. Hemmnisse die einer freiberuflichen oder unternehmerischen Bet\u00e4tigung ent\u001fgegenstehen sind abzubauen.<\/p>\n<p>4. \u00c4rztlichen Nachwuchs sicherstellen!<br \/>\nEine ausreichende Zahl von \u00c4rzten zur Sicherstellung einer fl\u00e4chendeckenden, bedarfsge\u001frechten Gesundheitsversorgung der Bev\u00f6lkerung in Deutschland ist von zahlreichen Fakto\u001fren abh\u00e4ngig. Sie unterliegt auch regionalen Aspekten. Denn obwohl die Zahl der Vertrags\u001f\u00e4rzte von 1990 bis 2008 bundesweit um fast 59% von 92.000 auf 138.000 gestiegen ist, zeichnet sich in der Zukunft eine Mangelversorgung ab. Sowohl in st\u00e4dtischen als auch ins\u001fbesondere in l\u00e4ndlichen Regionen k\u00f6nnen \u00e4rztliche Stellen in Krankenh\u00e4usern und Praxis\u001fsitze zunehmend nicht mehr besetzt werden. Aus unterschiedlichen Statistiken geht einhel\u001flig hervor, da\u00df in den n\u00e4chsten 10 bis 20 Jahren 15.000 bis 20.000 \u00c4rzte besonders in l\u00e4ndli\u001fchen Regionen fehlen werden. Betroffen sind alle Bundesl\u00e4nder.<\/p>\n<p>Die Zahl der Studienanf\u00e4nger in der Medizin (ca. 9500 pro Jahr) k\u00f6nnte auf den ersten Blick ausreichen. Die Zahl der Anf\u00e4nger ist jedoch nicht mit der Zahl der Absolventen identisch. Von ca. 6.000 Absolventen wandern 1000 bis 1500 ins Ausland ab und ca. 1000 suchen eine T\u00e4tigkeit au\u00dferhalb der kurativen Medizin. Die verbleibenden 3500 bis 4000 Jungmediziner werden aber den zuk\u00fcnftigen Bedarf nicht mehr decken k\u00f6nnen. Dabei spielen die aus Al\u001ftersgr\u00fcnden ausscheidenden Mediziner (2010 bis 2015 ca. 36.000) und die weiterhin ins Ausland abwandernden \u00c4rzte, deren Zahl durch aus dem benachbarten Ausland zuwan\u001fdernde nicht kompensiert wird, eine wichtige Rolle. Es sollten also u.a. mehr Mediziner aus\u001fgebildet werden, um die Versorgung auch zuk\u00fcnftig zu sichern. Eine Schlie\u00dfung von Ausbil\u001fdungsst\u00e4tten ist angesichts dieser Entwicklung eher kontraproduktiv.<\/p>\n<p>Vor allem sollten die medizinischen Fakult\u00e4ten im Rahmen von Zielvereinbarungen dazu aufgefordert werden, die ihnen einger\u00e4umten Zulassungsm\u00f6glichkeiten im Rahmen der ihnen \u00fcberlassenen Auswahlquote von 60% der insgesamt Zuzulassenden besser und tat\u001fs\u00e4chlich zu nutzen. Bisher werden auch in dieser Quote die meisten Anf\u00e4nger nach ihrem Abiturdurchschnitt ausgew\u00e4hlt. Berufserfahrungen und -abschl\u00fcsse in medizinrelevanten Berufen m\u00fcssen zuk\u00fcnftig<\/p>\n<p>regelhaft angerechnet werden und pers\u00f6nliche Motivation und Eignung Ber\u00fccksichtigung finden, um auch auf diese Weise einer Abwanderung ins Ausland oder berufsfremde Bereiche entgegenzuwirken. Auch der j\u00fcngste Vorschlag des Bundesge- sundheitsministers, Medizinstudenten bevorzugt zuzulassen, die sich verpflichten, f\u00fcr eine gewisse Zeit ein Praxissitz auf<br \/>\ndem Land zu \u00fcbernehmen, erscheint zielf\u00fchrend.<\/p>\n<p>5. Innovationskraft in der Gesundheitswirtschaft st\u00e4rken!<br \/>\nDas Herzst\u00fcck des Gesundheitslandes Schleswig-Holstein ist sein Universit\u00e4tsklinikum. An\u001fgesichts des Schuldenberges von etwa 110 Millionen Euro vor allem eines gesch\u00e4tzten In\u001fvestitionsstaus von zumindest deutlich \u00fcber 300 Millionen Euro gibt es keine ernstzuneh\u001fmende Alternative zu einer Vollprivatisierung des Universit\u00e4tsklinikums Schleswig-Holstein. Anstelle von Ver\u00e4nderungs\u00e4ngsten sollten wir die Privatisierung als gro\u00dfe Chance f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Sicherstellung von Forschung und Lehre und von einer hohen Qualit\u00e4t der Patien\u001ftenversorgung am Gesundheitsstandort Schleswig-Holstein begreifen. Bei der Partnerwahl sollte das Land Spielr\u00e4ume nutzen und \u00fcber den Ge\u001fsellschaftsvertrag eine hohe Qualit\u00e4t von Forschung, Lehre und Ausbildung sicherstellen. F\u00fcr den medizinischen Hochschulstandort Schleswig-Holstein sind etwaige private Betreiber auf folgende Ziele zu verpflichten:<\/p>\n<p>&#8211; Verbesserung im Lehre- und Forschungsranking<br \/>\n&#8211; Erh\u00f6hung der Drittmitteleinnahmen<br \/>\n&#8211; Ausweitung der Sonderforschungsbereiche<\/p>\n<p>Der Verkaufserl\u00f6s sollte einer Stiftung zugef\u00fchrt werden, die Grundlagenforschung am Standort f\u00f6rdert. Die Option, die Fusion wieder r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen und nur den Standort L\u00fcbeck zu verkaufen, w\u00fcrde kaum ausreichen, um den Investitionsstau in Kiel aufzul\u00f6sen und zudem gehobene und noch nicht gehobenen Potentiale der Fusion verschenken. Von wesentlicher Bedeutung f\u00fcr eine erfolgreiche Standortentwicklung ist eine parallele Strate\u001fgie f\u00fcr die Ausbildung der Universit\u00e4tsprofile f\u00fcr L\u00fcbeck und Kiel. Wir brauchen end\u001flich eine arbeitsteilige Optimierung der Profile.<\/p>\n<p>Wichtigste Voraussetzung f\u00fcr eine erfolgreiche Privatisierung ist eine dezidierte Trennungs\u001frechnung zwischen den Bereichen Forschung, Lehre, Ausbildung und der Krankenversor\u001fgung. Auf dieser Grundlage w\u00e4re es durchaus auch vorstellbar, da\u00df einzelne Forschungsrei\u001fhen der Universit\u00e4t in einem Bieterwettbewerb der Krankenh\u00e4user auf Zeit vergeben wer\u001fden. Ein Krankenhaus der Maximalversorgung mu\u00df nicht zwingend auch eine universit\u00e4re Einrichtung sein. F\u00fcr Forschungszwecke der Universit\u00e4t k\u00f6nnen nach dem Beispiel Regens\u001fburg auch andere kompetente Partner f\u00fcr Teilbereiche interessante M\u00f6glichkeiten bieten. Ein solches Wettbewerbsmodell kann zus\u00e4tzliche Impulse f\u00fcr unseren Forschungsstandort vermitteln.<\/p>\n<p>F\u00fcr die wissenschaftliche Ausbildung unter Einschlu\u00df der akademischen Mitarbeiter sind gesonderte Mittel bereitzustellen. Auf Studiengeb\u00fchren darf dabei nicht verzichtet werden. Die Lehre kann zuk\u00fcnftig vermehrt \u00fcber gezielte Lehrauftr\u00e4ge gestaltet werden. Die strikte Verkn\u00fcpfung zwischen Forschung und Lehre in Deutschland sollte daf\u00fcr gelockert werden.<\/p>\n<p>6. Attraktivit\u00e4t der Gesundheitsversorgung f\u00fcr ausw\u00e4rtige Patienten erh\u00f6hen!<br \/>\nSchleswig-Holstein bietet f\u00fcr die Gesundheitsversorgung ein attraktives Angebotsspektrum zu bundesweit wettbewerbsf\u00e4higen Preisen. Dieses Spektrum sollte durch modernste Ein\u001frichtungen gezielt ausgebaut werden, um Patienten aus anderen Bundesl\u00e4ndern, Europa und der Welt nach Schleswig-Holstein zu holen. Beispielhaft daf\u00fcr ist beispielsweise die Schmerzklinik in Kiel, deren Patienten zu 70% von au\u00dferhalb anreisen. Die F\u00f6rderung dieser Leuchtt\u00fcrme sollte sich an privatwirtschaftlichen Initiativen ausrichten. Das Modell eines Partikelzentrums, bei dem das Land Schleswig-Holstein die unternehmerischen Risiken tr\u00e4gt, mu\u00df entsprechend der Ausnahmefall bleiben.<\/p>\n<p>7. Betriebliche Gesundheitsf\u00f6rderung ausbauen!<br \/>\nAngesichts der demographischen Entwicklung und der daraus resultierenden Anhe\u001fbung der Regelaltersgrenze f\u00fcr den Eintritt ins Rentenalter bekommt die Erhaltung der Ge\u001fsundheit und Leistungsf\u00e4higkeit noch st\u00e4rkere Bedeutung. F\u00fcr die Betriebe ist die Erhaltung der Ge\u001fsundheit durch Arbeitsorganisation, Gesundheitsf\u00f6rderung und Aufkl\u00e4rung auch ein Wett\u001fbewerbsfaktor. Dies gilt gerade auch f\u00fcr Betriebe, die in Konkurrenz zur Metropolregion Hamburg stehen.<\/p>\n<p>8. Pr\u00e4vention bei Schulkindern durch mehr Bewegungsangebote und Anreize f\u00fcr gesunde Ern\u00e4hrung verst\u00e4rken!<br \/>\nBei der Entwicklung gesunder Lebensweisen kommt dem Elternhaus eine pr\u00e4gende Rolle zu. Auch im schulischen Kontext mu\u00df hier Grundlegendes geleistet werden, was nur in einer Ge\u001fmeinschaftsaktion von Schulen, Eltern, engagierten Fachleuten, \u00c4rzten und Krankenkassen m\u00f6glich erscheint. Vorbild k\u00f6nnte die Reduktion der Kariesh\u00e4ufigkeit bei Kin\u001fdern im Rahmen der Jugendzahnpflege sein. Eine interessante M\u00f6glichkeit erscheint auch der auf Initiative des Wirtschaftsrates zusammen mit der AOK und der Techniker Krankenkasse in Schleswig-Holstein erarbeitete Vorschlag zu einem Fitne\u00dfwettbewerb der Bundesl\u00e4nder, der durchaus auch zun\u00e4chst f\u00fcr Schleswig-Holstein auf der Ebene der Landkreise umgesetzt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wirtschaftsrat: &#8222;Anreizmechanismen durchgreifend verbessern!&#8220; Die Leistungsf\u00e4higkeit unseres Gesundheitswesens mu\u00df deutlich gesteigert werden, um die Kosten bei der absehbaren demographischen Entwicklung<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-40334","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40334","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=40334"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40334\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=40334"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=40334"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=40334"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}