{"id":413809,"date":"2021-12-04T12:30:00","date_gmt":"2021-12-04T12:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hier-luebeck.de\/index.php\/50-jahre-rettungsdienst-in-deutschland-die-notfallversorgung-ist-laengst-selbst-zum-notfall-geworden-foto-2\/"},"modified":"2021-12-04T12:30:00","modified_gmt":"2021-12-04T12:30:00","slug":"50-jahre-rettungsdienst-in-deutschland-die-notfallversorgung-ist-laengst-selbst-zum-notfall-geworden-foto-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/50-jahre-rettungsdienst-in-deutschland-die-notfallversorgung-ist-laengst-selbst-zum-notfall-geworden-foto-2\/","title":{"rendered":"50 Jahre Rettungsdienst in Deutschland: Die Notfallversorgung ist l\u00e4ngst selbst zum Notfall geworden (FOTO)"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full\" title=\"Rettungswagen: Stuttgart, 6. Dezember 1971: Elf Rettungswagen f\u00fcr elf Bundesl\u00e4nder verlassen das Werk und starten zur \"Rettungsdienst-Rallye\" \/ 50 Jahre Rettungsdienst in Deutschland: Die Notfallversorgung ist l\u00e4ngst selbst zum Notfall geworden \/ Weiterer Text \u00fcber ots und www.presseportal.de\/nr\/119576 \/ Die Verwendung dieses Bildes ist f\u00fcr redaktionelle Zwecke unter Beachtung ggf. genannter Nutzungsbedingungen honorarfrei. Ver\u00f6ffentlichung bitte mit Bildrechte-Hinweis.\" src=\"https:\/\/cache.pressmailing.net\/thumbnail\/story_big\/bc9d717b-30d9-44b5-ac18-6e14788deb52\/Rettungswagen_CC%20.jpg\" \/><\/p>\n<p>Winnenden (ots) &#8211;   Vor genau 50 Jahren, am 6. Dezember 1971, schenkte die Bj\u00f6rn Steiger Stiftung jedem der damals elf Bundesl\u00e4nder einen voll ausger\u00fcsteten Rettungswagen mit medizinischer Ausstattung. Dies war die Initialz\u00fcndung f\u00fcr den Aufbau des modernen Rettungsdienstes in Deutschland.<!--more--> Was heute selbstverst\u00e4ndlich ist, war damals noch Neuland: Pr\u00e4klinische Notfallversorgung vom Unfallort bis in die Notaufnahme statt blo\u00dfer Transport ins n\u00e4chste Krankenhaus. Doch nach f\u00fcnf Jahrzehnten Rettungsdienst in Deutschland gibt es dringenden Reformbedarf. Vor allem infolge fehlender einheitlicher Standards droht die Notfallhilfe in Deutschland selbst immer mehr zum Notfall zu werden.  Am Nikolaustag 1971 begann in Stuttgart die sogenannte &#8222;Rettungsdienst-Rallye&#8220; der Bj\u00f6rn Steiger Stiftung, eine Sternfahrt durch ganz Deutschland. Eine Woche lang, vom 6. bis zum 12. Dezember, tourten Siegfried und Ute Steiger durch die gesamte Bundesrepublik, um die Fahrzeuge pers\u00f6nlich zu \u00fcbergeben. Unterst\u00fctzt wurden sie dabei von zahlreichen prominenten Paten wie Schlagers\u00e4nger Rex Gildo, Fu\u00dfball-Legende Uwe Seeler oder den TV-Moderatoren Dieter Thomas Heck und Wim Thoelke. 517.000 DM hatte die Stiftung f\u00fcr die Finanzierung mithilfe von Benefizveranstaltungen, Schallplatten f\u00fcr den guten Zweck sowie durch private Spenden gesammelt. Die Bezeichnung &#8222;Rallye&#8220; war auch ein Tribut an den ehemaligen Rennfahrer Paul Pietsch, der zu den gr\u00f6\u00dften Einzelspendern geh\u00f6rte.   Diese ungew\u00f6hnliche Aktion nach dem Motto: &#8222;Hier habt ihr einen Rettungswagen, nun fangt mit dem Rettungsdienst an&#8220;, war tats\u00e4chlich von Erfolg gekr\u00f6nt. Noch vor Weihnachten 1971 erkl\u00e4rten die Landesregierungen von Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Schleswig-Holstein, ihre Rettungsdienste nach den Vorschl\u00e4gen der Stiftung ausbauen zu wollen. Denn was aus heutiger Sicht kaum vorstellbar erscheint, war damals traurige Realit\u00e4t: Gleich f\u00fcr mehrere Bundesl\u00e4nder waren diese Fahrzeuge die ersten richtigen Rettungswagen \u00fcberhaupt. Vielerorts gab es damals keinen modernen Rettungsdienst, sondern lediglich unbegleitete Krankentransporte ohne medizinische Notfallversorgung.   Geschenkt, aber nicht umsonst  Bis Anfang der 1970er Jahre war das Rettungswesen in Deutschland nicht fl\u00e4chendeckend staatlich organisiert, sondern wurde \u00fcberwiegend der Initiative von gemeinn\u00fctzigen Hilfsorganisationen vor Ort \u00fcberlassen, die wiederum auf das ehrenamtliche Engagement von Freiwilligen angewiesen waren. Erreichbar waren diese Helfer meistens auch nur f\u00fcr Ortskundige, denn die einheitlichen Notfallnummern 110 und 112 wurden erst 1973 eingef\u00fchrt, nachdem die Bj\u00f6rn Steiger Stiftung das Land Baden-W\u00fcrttemberg und die Bundesrepublik Deutschland verklagt hatte. Auch zwischen den Krankentransportwagen, so die korrekte Bezeichnung, gab es keine Kommunikation, denn die vorhandenen Fahrzeuge verf\u00fcgten nicht \u00fcber Funkger\u00e4te. An Bord befanden sich lediglich eine Trage, einfaches Verbandsmaterial und manchmal auch eine Sauerstoff-Flasche. Au\u00dfer in Gro\u00dfst\u00e4dten waren die Fahrer in der Regel allein unterwegs.   Dementsprechend lange konnte es dauern, bis im Notfall Hilfe eintraf, geschweige denn der Patient medizinisch versorgt wurde. Die \u00dcberlebenschance von Unfallpatienten war damit in der Bundesrepublik Deutschland bis Anfang der 1970er Jahre mehr oder weniger Gl\u00fcckssache. So verstarben beispielsweise im Jahr 1964 nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes 28 Prozent der Opfer noch am Unfallort und weitere zehn Prozent auf dem Weg ins Krankenhaus.   Eines dieser vielen Schicksale war der achtj\u00e4hrige Bj\u00f6rn Steiger, der am 3. Mai 1969 auf dem Heimweg vom Schwimmbad von einem Auto angefahren wurde. Obwohl seine Verletzungen eigentlich nicht schwer waren, starb Bj\u00f6rn auf auf dem Weg ins Krankenhaus am Schock, weil der sofort alarmierte Krankenwagen erst nach 56 Minuten eintraf. Es war diese pers\u00f6nliche Trag\u00f6die der Familie Steiger, die im Juli 1969 zur Gr\u00fcndung der Stiftung f\u00fchrte, die sich von nun an dem Ziel widmete, die Notfallhilfe in Deutschland grundlegend zu verbessern. Keine anderen Eltern sollten das durchmachen m\u00fcssen, was die Steigers selbst erlebt hatten, nur weil Hilfe nicht rechtzeitig eintraf.   Was ist uns unser modernes Rettungswesen heute wert?  Viele der Neuerungen, welche die Bj\u00f6rn Steiger Stiftung in \u00fcber 50 Jahren im modernen deutschen Rettungswesen angesto\u00dfen hat, ist heute f\u00fcr alle B\u00fcrger selbstverst\u00e4ndlich: Rettungs- und Notarztwagen mit modernster Medizintechnik und geschultem Personal, die einheitlichen Notrufnummern 110 und 112, Luftrettung und Organtransporte, Notruftelefone oder das Baby-Notarztwagensystem &#8222;Felix&#8220;. Nicht wenige davon hat die Stiftung au\u00dferdem erfolgreich in alle Welt exportiert, in L\u00e4nder wie China oder Somalia. Doch im eigenen Land st\u00f6\u00dft die Notfallhilfe immer wieder an ihre Grenzen. Auch was selbstverst\u00e4ndlich erscheint, darf nicht sich selbst \u00fcberlassen werden. Denn in 50 Jahren sind nicht ein einheitliches, sondern mindestens 16 verschiedene Rettungswesen in Deutschland entstanden. Doch Notf\u00e4lle machen bekanntlich nicht an Landesgrenzen halt.   Wieviel der deutschen Politik dieses m\u00fchsam aufgebaute moderne Rettungswesen bis heute wert ist, l\u00e4sst sich vielleicht am eindringlichsten durch diese einfache Tatsache verdeutlichen: Die B\u00fcrger erwarten im Ungl\u00fccksfall selbstverst\u00e4ndlich eine medizinische Notfallrettung, aber der Staat bezahlt nur einen Krankentransport. Denn verg\u00fctet wird den Rettungsdiensten im deutschen Gesundheitssystem tats\u00e4chlich nur der Transport ins Krankenhaus, nicht aber die pr\u00e4klinische notfallmedizinische Behandlung ab Unfallort. Trotzdem m\u00fcssen die Rettungsdienste Medikamente, Instrumente und qualifiziertes Personal in ihren Fahrzeugen f\u00fcr die Erstversorgung vorhalten. Endet der Rettungseinsatz vor Ort ohne Krankentransport, bleiben die Rettungsdienste komplett auf den Kosten sitzen. Die Folge: \u00dcberlastete Rettungskr\u00e4fte und viele teure Krankenhausaufenthalte, die medizinisch eigentlich nicht zwingend notwendig w\u00e4ren.   Die Notfallversorgung in Deutschland ist selbst zum Notfall geworden  &#8222;Auch nach f\u00fcnf Jahrzehnten verf\u00fcgt Deutschland noch \u00fcber keinen einheitlichen Stand in der Notfallversorgung. Denn diese ist in jedem Bundesland und innerhalb der Bundesl\u00e4nder teilweise von Landkreis zu Landkreis, von Stadt zu Stadt und letztlich sogar in jedem Rettungsdienstbereich unterschiedlich organisiert. Die Notfallversorgung in Deutschland ist damit l\u00e4ngst selbst zum Notfall geworden&#8220;, erkl\u00e4rt Pierre-Enric Steiger, Pr\u00e4sident der Bj\u00f6rn Steiger Stiftung.   &#8222;Reformbedarf besteht an vielen Stellen, und das oberste Gebot hierf\u00fcr lautet &#8218;Bundeseinheitlichkeit&#8216;. Wenn wir eine funktionsf\u00e4hige, wirksame und effiziente Notfallversorgung in Deutschland wollen, dann werden wir an bundeseinheitlichen Standards nicht vorbeikommen, sowohl in der Gesetzgebung als auch bei der Finanzierung, bei der Berufsausbildung, bei den Qualit\u00e4tsstandards, bei der Vernetzung der Leitstellen oder beim Zugriff auf Gesundheitsdaten wie die elektronische Patientenakte. Hier sollten wir uns ein Beispiel an unseren \u00f6sterreichischen Nachbarn nehmen, die auf diesem Gebiet bereits sehr viel weiter sind als wir. Die Ergebnisse geben ihnen Recht&#8220;, so Steiger.   20 Forderungen f\u00fcr die Reorganisation der Notfallversorgung in Deutschland  Die gr\u00f6\u00dften Probleme und den dringendsten Handlungsbedarf hat die Bj\u00f6rn Steiger Stiftung in ihrem Positionspapier &#8222;Die Zukunft der Notfallversorgung&#8220; vom November 2021 zusammengefasst. Es enth\u00e4lt 20 Forderungen f\u00fcr eine zukunftsf\u00e4hige Reorganisation der Notfallversorgung in Deutschland. Dazu geh\u00f6ren unter anderem:    &#8211;  Bundeseinheitliche gesetzliche Grundlagen;  &#8211;  bundeseinheitliche, standardisierte Notrufabfrage und Leitstellentechnik;  &#8211;  einheitliche Datenerfassung und Zugang zu Gesundheitsdaten f\u00fcr Not\u00e4rzte und Rettungspersonal;  &#8211;  bundeseinheitliche Ausbildungs- und Fortbildungsrichtlinien;  &#8211;  bundesweit einheitliche Hilfsfristen und Qualit\u00e4tsstandards sowie deren \u00dcberwachung durch eine unabh\u00e4ngige Kontrollinstanz;  &#8211;  fr\u00fche und kontinuierliche Ersthelferausbildung bereits in der Schule;  &#8211;  Verg\u00fctung von medizinischen Leistungen und Finanzierung der Vorhaltekosten durch Steuermittel.   Erarbeitet wurden diese Forderungen vom diesj\u00e4hrigen &#8222;Forum Rettungsdienst&#8220;, das mehrfach im Jahr tagt und alle zwei Jahre den &#8222;Rettungsdienstkongress&#8220; der Bj\u00f6rn Steiger Stiftung ausrichtet. Darin diskutieren Fachleute wie Not\u00e4rzte, Wissenschaftler und Vertreter von Leitstellen, Krankenkassen und Rettungsdiensten auf Einladung der Stiftung die aktuellen Herausforderungen f\u00fcr die Notfallversorgung.   Bj\u00f6rn Steiger Stiftung   Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde der achtj\u00e4hrige Bj\u00f6rn Steiger von einem Auto erfasst. Es dauerte fast eine Stunde, bis der Krankenwagen eintraf. Bj\u00f6rn starb am 3. Mai 1969 nicht an seinen Verletzungen, er starb am Schock. Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger gr\u00fcndeten daraufhin am 7. Juli 1969 die Bj\u00f6rn Steiger Stiftung als gemeinn\u00fctzige Organisation mit dem Ziel die deutsche Notfallhilfe zu verbessern. Meilensteine dieses Engagements sind z. B. die Einf\u00fchrung des bundesweit einheitlichen und kostenfreien Notrufs 110\/112, der Aufbau der Notruftelefonnetze an deutschen Stra\u00dfen, die Einf\u00fchrung des Sprechfunks im Krankenwagen und der Aufbau der Luftrettung. Aktuelle Initiativen widmen sich insbesondere dem Kampf gegen den Herztod, der Breitenausbildung in Wiederbelebung, der Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen f\u00fcr den Notfall und dem Fr\u00fchgeborenentransport.   Pressekontakt:  Dr. Jens Kreutzfeldt Referent f\u00fcr Presse- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit Bj\u00f6rn Steiger Stiftung T +49 7195 30 55-213 M +49 160-784 99 98 E j.kreutzfeldt@steiger-stiftung.de H www.steiger-stiftung.de  Original-Content von: Bj\u00f6rn Steiger Stiftung, \u00fcbermittelt durch news aktuell<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/119576\/5090702\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">presseportal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Winnenden (ots) &#8211; Vor genau 50 Jahren, am 6. Dezember 1971, schenkte die Bj\u00f6rn Steiger Stiftung jedem der damals elf<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-413809","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-politik-wirtschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/413809","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=413809"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/413809\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=413809"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=413809"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=413809"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}