{"id":4183,"date":"2007-08-20T17:02:10","date_gmt":"2007-08-20T17:02:10","guid":{"rendered":"http:\/\/testserver\/wordpress\/?p=4083"},"modified":"2007-08-20T17:02:10","modified_gmt":"2007-08-20T17:02:10","slug":"ausstellung_im_buddenbrookhaus__der_untertan_revisited_vom_kaiserreich_zum_geteilten_deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/ausstellung_im_buddenbrookhaus__der_untertan_revisited_vom_kaiserreich_zum_geteilten_deutschland\/","title":{"rendered":"Ausstellung im Buddenbrookhaus:  &#8222;Der Untertan revisited. Vom Kaiserreich zum geteilten Deutschland&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" title=\"BBrHUntertan\" src=\"http:\/\/www.hier-luebeck.de\/images\/topics\/BBrHUntertan.jpg\" alt=\"BBrHUntertan\" \/><br \/>\nDas L\u00fcbecker Buddenbrookhaus widmet dem Roman &#8222;Der Untertan&#8220; von Heinrich Mann und dem gleichnamigen Film von Wolfgang Staudte mit &#8222;Der Untertan revisited. Vom Kaiserreich zum geteilten Deutschland&#8220; erstmalig eine gro\u00dfe Ausstellung. Diese wurde k\u00fcrzlich er\u00f6ffnet und wird noch bis zum 4. November 2007 gezeigt.<!--more-->Heinrich Mann vollendete seinen Kaiserreich-Roman &#8222;Der Untertan&#8220; 1914; erscheinen konnte er erst vier Jahre sp\u00e4ter, als das Schicksal des Kaiserreichs durch den Ausgang des Ersten Weltkriegs besiegelt war. Als &#8222;Bibel des wilhelminischen Zeitalters&#8220; bezeichnete Kurt Tucholsky das Buch, mit dem Heinrich Mann zur mahnenden Autorit\u00e4t in der jungen Republik avancierte. Der Roman ist eine Mentalit\u00e4tsgeschichte des Kaiserreichs, eine &#8222;Geschichte der \u00f6ffentlichen Seele unter Wilhelm II.&#8220;, wie es Heinrich Mann noch auf der ersten Seite seines Manuskripts schrieb. Er portr\u00e4tierte den Untertanengeist, verk\u00f6rpert durch Diederich He\u00dfling, einer zwischen demonstrativ nach au\u00dfen gekehrter H\u00e4rte und individueller Verletzlichkeit, zwischen machbewusster Autorit\u00e4t und devoter Kriecherei schwankenden Pers\u00f6nlichkeit. He\u00dfling buckelt nach oben und tritt nach unten.<\/p>\n<p>Bei allem Zeitkolorit verstaubte das Psychogramm des Untertans im Laufe der Jahrzehnte nicht, He\u00dfling wurde zum Prototyp des deutschen Spie\u00dfers, die deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert hielt die Analyse aktuell: &#8222;Nat\u00fcrlich ist der Untertan Wilhelms des Zweiten nur ein schwaches Vorbild, eine fr\u00fche Form des nationalsozialistischen Untertanen von heute. An sich hat der nationalsozialistische Spie\u00dfer latent bereits seit hundert Jahren in manchem Deutschen gesteckt&#8220;, schrieb Heinrich Mann sp\u00e4ter. So las man den Roman auch in der jungen DDR, wo im Herbst 1945 als eines der ersten B\u00fccher im Aufbau-Verlag &#8222;Der Untertan&#8220; erschien.<\/p>\n<p>1951 schuf Wolfgang Staudte f\u00fcr die DEFA eine Verfilmung und schrieb damit ein Kapitel deutscher Filmgeschichte im Widerstreit: In Ostdeutschland wurde der Film gefeiert, in Westdeutschland Opfer der sp\u00e4ter f\u00fcr verfassungswidrig erkl\u00e4rten Filmzensur. Ansto\u00df erregen vor allem Staudtes politische Aktualisierung an einigen Stellen. Staudte interessierte sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zwar auch f\u00fcr den kaisertreuen Diederich He\u00dfling, aber vielmehr noch f\u00fcr den psychologischen Ursprung des Faschismus. Noch radikaler als Heinrich Mann ging es ihm um die Analyse der Mechanismen von Macht und Unterwerfung, von gesellschaftlichen und individuellen Hierarchien und deren \u00e4sthetische \u00dcbersetzungen in den Film. Die zweite Filmpremiere, in gek\u00fcrzter Fassung gut f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter im Westen, wurde zu einem politischen und publizistischen Ereignis. Mit dem Ende der hei\u00dfen Phase des Kalten Krieges findet eine zunehmende Integration von Buch und Film in den gesamtdeutschen Kulturkanon statt.<\/p>\n<p>Roman und Film sind nicht nur Zeitzeugnisse geschichtlicher Epochen und entwerfen ebenso in ihrer Rezeptionsgeschichte ein zeitgen\u00f6ssisches Panorama, sie thematisieren auch in ihrer je eigenen \u00c4sthetik zeitlose Fragen, nach dem Verh\u00e4ltnis von Individuum und Institution, von B\u00fcrger und Staat. Die Ausstellung nimmt diese verschiedenen Aspekte in den Blick. Sie l\u00e4dt damit nicht nur anhand von zahlreichen Originaldokumenten zu einer kulturgeschichtlichen Zeitreise durch das vergangene <br \/>\nJahrhundert ein, sondern wirft Fragen auf, die vor dem Hintergrund abnehmenden Interesses an demokratischer Teilnahme dr\u00e4ngender sind denn je. &#8222;Der Untertan&#8220; bleibt ein dauerhaftes Zeugnis aufkl\u00e4rerischer Kultur.<\/p>\n<p>Die Ausstellungsstationen<\/p>\n<p>1. Heinrich Manns  &#8222;Herbarium des deutschen Mannes&#8220; <br \/>\n2. Kaiserzeitambiente. \u00d6ffentliche und private Repr\u00e4sentationskultur<br \/>\n3. Zwischen den Zeiten, zwischen den Kontinenten.<br \/>\n4. Klein Hollywood in Deutschland &#8211; &#8222;Der Untertan&#8220; in Babelsberg <br \/>\n5. Nestbeschmutzer und Weltverbesserer   <br \/>\n6. Die Keimzelle des Papierimperiums von Diederich He\u00dfling  <br \/>\n7. Kino: Macht und Satire &#8211; Die Bildersprache des Films <br \/>\n8. &#8222;Der Untertan&#8220; im &#8222;Kalten Krieg&#8220;. Zwischen Zensur und Propaganda<br \/>\n9. Die neuen Untertanen wohnen nebenan!? <\/p>\n<p>F\u00fcr die gestalterische Umsetzung der Ausstellung zeichnet das Studio Andreas Heller, Hamburg, verantwortlich. Bereichert wurden vor allem die inszenatorischen Teile durch Leihgaben aus dem L\u00fcbecker St. Annen-Museum und dem Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk. Zur Ausstellung hat das Buddenbrookhaus ein umfangreiches Rahmenprogramm vorbereitet. Lehrer sind eingeladen, sich bei einer Fortbildung Anregung f\u00fcr die Umsetzung des Themas im Unterricht geben zu lassen. F\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler h\u00e4lt der Shop im Buddenbrookhaus ein besonderes Angebot bereit: F\u00fcr die Dauer der Ausstellung erhalten sie die Untertan-DVD aus dem Hause Icestorm Entertainment zum reduzierten Preis von 5,90 \u00a4.<\/p>\n<p>Katalog zur Ausstellung<br \/>\nMichael Grisko<br \/>\n&#8222;Der Untertan&#8220; &#8211; Revisted. Vom Kaiserreich zum geteilten Deutschland<br \/>\n112 Seiten, 156 Fotos, 16 Seiten in Farbe<br \/>\nPaperback, 21 x 27 cm<br \/>\nPreis: 15,90 \u00a4<\/p>\n<p>Shop-Angebot f\u00fcr Sch\u00fcler<br \/>\nW\u00e4hrend der Ausstellung ist die DVD &#8222;Der Untertan&#8220; von Wolfgang Staudte (1951) f\u00fcr Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen zum reduzierten Preis von 5,90 \u00a4 im Museumsshop erh\u00e4ltlich.<\/p>\n<p>Buddenbrookhaus, Mengstra\u00dfe 4, 23552 L\u00fcbeck<br \/>\nMuseums-Hotline: 01805 92 92 00<br \/>\nMontag bis Sonntag, 10-18 Uhr<br \/>\nEintritt: 7, erm\u00e4\u00dfigt 3,50 EUR<\/p>\n<p>F\u00f6rderer:<br \/>\nVon Keller-Stiftung, L\u00fcbeck<br \/>\nReinhold-Jarchow-Stiftung, L\u00fcbeck<br \/>\nHeinrich-Mann-Gesellschaft, L\u00fcbeck<br \/>\nPossehl-Stiftung, L\u00fcbeck<br \/>\nF\u00f6rderverein Buddenbrookhaus e.V., L\u00fcbeck<br \/>\nDer Beauftragte der Bundesregierung f\u00fcr Kultur und Medien<br \/>\nDeutsches Rundfunkarchiv<br \/>\nDEFA Stiftung<br \/>\nSWB<br \/>\nKulturpartner: NDR Kultur<\/p>\n<p>Informationen zu Buch und Film, zur Ausstellung und zum Rahmenprogramm gibt es unter<br \/>\nwww.untertan2007.de .<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das L\u00fcbecker Buddenbrookhaus widmet dem Roman &#8222;Der Untertan&#8220; von Heinrich Mann und dem gleichnamigen Film von Wolfgang Staudte mit &#8222;Der<\/p>\n","protected":false},"author":292,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-4183","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wissenschaft"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4183","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/292"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4183"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4183\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4183"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4183"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4183"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}