{"id":425196,"date":"2022-05-17T14:29:37","date_gmt":"2022-05-17T14:29:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hier-luebeck.de\/index.php\/deutsche-aidshilfe-drogentodesfaelle-dramatisch-gestiegen-politikwechsel-jetzt\/"},"modified":"2022-05-17T14:29:37","modified_gmt":"2022-05-17T14:29:37","slug":"deutsche-aidshilfe-drogentodesfaelle-dramatisch-gestiegen-politikwechsel-jetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/deutsche-aidshilfe-drogentodesfaelle-dramatisch-gestiegen-politikwechsel-jetzt\/","title":{"rendered":"Deutsche Aidshilfe: Drogentodesf\u00e4lle dramatisch gestiegen &#8211; Politikwechsel jetzt!"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (ots) &#8211;   1.826 Menschen sind 2021 in Deutschland an den Folgen von Drogenkonsum und Drogenverbotspolitik gestorben. Um Menschenleben zu retten, sind staatliche Kontrolle und Entkriminalisierung auch &#8222;harter&#8220; Drogen erforderlich.<!--more-->  1.826 Menschen sind 2021 in Deutschland an den Folgen von Drogenkonsum und &#8211; vor allem &#8211; der gescheiterten Drogenverbotspolitik gestorben, fast 16 Prozent mehr als 2020 und 44 Prozent mehr als 2017. Dieser dramatische Anstieg erfordert einen unverz\u00fcglichen Politikwechsel hin zu Entkriminalisierung und staatlicher Regulierung.   &#8222;Um Menschenleben zu retten, sind eine staatlich kontrollierte Abgabe auch sogenannter harter Drogen und die Entkriminalisierung der Drogenkonsument*innen erforderlich &#8211; und ein Ausbau schadensmindernder Angebote&#8220;, sagt Bj\u00f6rn Beck vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe (DAH). &#8222;Die Kriminalisierung von Drogen konsumierenden Menschen zerst\u00f6rt das Leben Hunderttausender, darunter auch derjenigen, die ihnen nahestehen.&#8220;   Auch der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Burkhard Blienert, der die Zahlen zu Drogentodesf\u00e4llen ver\u00f6ffentlicht hat, erkl\u00e4rte, ein &#8222;Weiter so&#8220; in der deutschen Drogenpolitik sei nicht m\u00f6glich.   Regulierung statt Schwarzmarkt  &#8222;Statt Drogen konsumierende Menschen wegen geringer Mengen zum Eigenbedarf zu kriminalisieren und zu inhaftieren, muss der Staat die Abgabe von Substanzen regulieren und deren Qualit\u00e4t kontrollieren&#8220;, sagt DAH-Drogenreferent Dirk Sch\u00e4ffer. &#8222;Substanzen vom Schwarzmarkt sind meist stark verunreinigt und Konsumierende k\u00f6nnen den Reinheitsgehalt nicht einsch\u00e4tzen &#8211; beides oft mit t\u00f6dlichen Folgen.&#8220;   Die Deutsche Aidshilfe fordert deshalb die staatliche Kontrolle der Produktion und die legale Abgabe von Substanzen in jeweils geeigneter Form, etwa \u00fcber Fachgesch\u00e4fte oder das Medizinsystem. Au\u00dferdem solle der Gesetzgeber geringf\u00fcgige Mengen zum Eigenverbrauch festlegen, deren Erwerb und Besitz nicht strafrechtlich verfolgt wird.   Entkriminalisierung rettet Leben  Das Festhalten an der kontraproduktiven Kriminalisierungspolitik kostet jeden Tag Menschenleben.   &#8222;Erst eine Entkriminalisierung schafft die M\u00f6glichkeit, dass Menschen fr\u00fcher Hilfe suchen und annehmen&#8220;, so Sch\u00e4ffer. &#8222;Au\u00dferdem wird so der Kreislauf der Inhaftierungen durchbrochen, der mit enormen Risiken f\u00fcr Leben und Gesundheit der Betroffenen einhergeht und die Gesellschaft als Ganze teuer zu stehen kommt.&#8220;   Etwa 80 Prozent der Strafanzeigen mit Drogenbezug beziehen sich auf sogenannte konsumnahe Delikte und richten sich gegen Konsumierende, nicht gegen diejenigen, die finanziell profitieren.   In Haft steigt zum Beispiel das Risiko einer HIV- oder Hepatitis-Infektion um ein Vielfaches. Sterile Spritzen und Konsumutensilien stehen nicht zur Verf\u00fcgung, auch Substitutionstherapien sind nicht immer zug\u00e4nglich.   Schadensminimierung ausbauen  Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen Angebote zur Schadensminderung bundesweit ausgebaut und besser zug\u00e4nglich gemacht werden. Dazu DAH-Vorstand Beck:   &#8222;Wir brauchen Drogenkonsumr\u00e4ume in allen Bundesl\u00e4ndern und in der Fl\u00e4che, wir brauchen endlich Drugchecking, also das Testen von Substanzen auf Inhaltsstoffe und deren Wirkstoffkonzentration, in Verbindung mit Beratungsangeboten. Wir brauchen den fl\u00e4chendeckenden Zugang zur Substitutionsbehandlung und die gesetzliche Gleichstellung der Diamorphinbehandlung, also der Abgabe von pharmazeutisch reinem Heroin an Konsument*innen.&#8220;   Zudem m\u00fcssen L\u00e4nder und Kommunen Aids- und Drogenhilfen so ausstatten, dass sie ihren immer vielf\u00e4ltigeren Aufgaben nachkommen k\u00f6nnen.   &#8222;Die meisten Einrichtungen sind nicht in der Lage, szenenahe Testangebote auf HIV und Hepatitis C anzubieten, und haben keine ausreichenden Finanzen f\u00fcr eine bedarfsgerechte Abgabe von Konsumutensilien&#8220;, gibt Beck ein Beispiel.   Wichtig seien dar\u00fcber hinaus auch Investitionen in die Forschung, zum Beispiel zur Substitutionsbehandlung f\u00fcr Konsument*innen von Amphetaminen oder Kokain.   &#8222;Die Kontrolle \u00fcber die Drogen war viel zu lange dem Schwarzmarkt \u00fcberlassen. Der Staat muss endlich seine Lehren daraus ziehen und das Leben aller seiner B\u00fcrger*innen sch\u00fctzen&#8220;, sagt Beck.   Pressemitteilung des Sucht- und Drogenbeauftragten der Bundesregierung (https:\/\/www.bundesdrogenbeauftragter.de\/presse\/detail\/1826-maenner-und-frauen-in-deutschland-2021-an-illegalen-drogen-verstorben-zahl-erneut-gestiegen\/)  Pressekontakt:  Deutsche Aidshilfe Holger Wicht &#8211; Pressesprecher Tel. (030) 69 00 87 &#8211; 16 presse@dah.aidshilfe.de www.aidshilfe.de  Original-Content von: Deutsche Aidshilfe, \u00fcbermittelt durch news aktuell<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.presseportal.de\/pm\/14407\/5224785\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">presseportal.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin (ots) &#8211; 1.826 Menschen sind 2021 in Deutschland an den Folgen von Drogenkonsum und Drogenverbotspolitik gestorben. 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