{"id":428699,"date":"2022-06-29T13:29:42","date_gmt":"2022-06-29T11:29:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=428699"},"modified":"2022-06-29T13:29:42","modified_gmt":"2022-06-29T11:29:42","slug":"an-der-kante-das-brodtener-ufer-thomas-radbruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/an-der-kante-das-brodtener-ufer-thomas-radbruch\/","title":{"rendered":"AN DER KANTE &#8222;DAS BRODTENER UFER&#8220;- Thomas Radbruch"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/tbf211010_Lutz-Gallinat_Freywald_004a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-27909 alignleft\" src=\"https:\/\/www.hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/tbf211010_Lutz-Gallinat_Freywald_004a.jpg\" alt=\"\" width=\"233\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/tbf211010_Lutz-Gallinat_Freywald_004a.jpg 233w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/tbf211010_Lutz-Gallinat_Freywald_004a-213x320.jpg 213w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/tbf211010_Lutz-Gallinat_Freywald_004a-226x340.jpg 226w\" sizes=\"auto, (max-width: 233px) 100vw, 233px\" \/><\/a>Von: Lutz Gallinat<\/p>\n<p>&#8222;Der Fotograf Thomas Radbruch entf\u00fchrt uns mit der Lyrik von Silke Thoemmes und einem Exkurs zu Thomas Mann in ein wildes St\u00fcck Natur am Rande unserer durchzivilisierten Welt, ein Ort, an dem seit Ende der letzten Eiszeit vor zehntausend Jahren Land und Meer unaufh\u00f6rlich miteinander ringen.&#8220;&#8220;Das Brodtener Ufer ist eine herbe Sch\u00f6nheit. Zwischen Travem\u00fcnde und Niendorf gelegen, geh\u00f6rt es zu den meisten besuchten Ausflugszielen an der Ostsee. <!--more-->Vom Wanderweg auf der Kliffkante geht der Blick weit \u00fcber das Wasser, folgt den M\u00f6wen \u00fcber der Brandung und sucht meist vergeblich nach einem Abstieg an dem stellenweise \u00fcber 30 Meter hohen Steilhang, und kein Besuch gleicht dem anderen, denn es machteinen Unterschied, ob sich die K\u00fcste bei ruhiger See in der Sonne zeigt, Nebel oder D\u00e4mmerung eine intime Stimmung erzeugen oder st\u00fcrmische See den Steilhang angreift.<\/p>\n<p>&#8222;AN DER KANTE&#8220; ist eine Liebeserkl\u00e4rung an ein St\u00fcck Heimat. Das Brodtener Ufer erlebte der Fotograf zum ersten Mal an der Hand seiner Mutter. Und diese Begegnung mit der wilden Natur des Brodtener Ufers hinterlie\u00df bei dem kleinen Stadtjungen lebenslang pr\u00e4gende Erinnerungen und Bilder.<\/p>\n<p>&#8222;AN DER KANTE&#8220; ist auch sinnbildlich zu verstehen. Wenn hier physisch die Kulturlandschaft endet, dann bedeutet dies auch, dass hier die Macht des Menschen endet. Sein Glaube, au\u00dferhalb der Natur zu stehen und sie beherrschen zu k\u00f6nnen durch Technik, Chemie und Medizin, ist in den Jahrhunderten der Industrialisierung zu einer Hybris gewachsen, die grenzenlosen Fortschritt durch grenzenloses Wachstum f\u00fcr grenzenlosen Wohlstand anstrebt. Kein Erdbeben oder Vulkanausbruch hatte bisher darauf Einfluss.<\/p>\n<p>Doch dann kam das kleine Corona-Virus und die Welt stand still. Es hat gezeigt, dass wir eine Bioform sind, die prinzipiell wie jede Art auf diesem Planeten in den Grenzen der Natur lebt.<\/p>\n<p>An der Kante befinden wir uns auch im Hinblick auf die Ersch\u00f6pfung der Materialien, die wir aus der Natur f\u00fcr unseren Wohlstand entnehmen. Wenn wir in der Zeit der Herausgabe dieses Buches bereits die Regenerationskraft von zwei Erden f\u00fcr die Befriedigung unserer k\u00fcnstlichen W\u00fcnsche brauchen, dann zeigt dies, dass eine entscheidende Grenze bereits \u00fcberschritten wurde.<\/p>\n<p>Der Blick vom hohen Ufer \u00fcber die stille Ostsee wie auch das Erleben der lauten Wellen, die gegen den Hang schlagen, macht dem\u00fctig. Und wenn der Autor bei seinen zahlreichen Begegnungen mit dem Brodtener Ufer gefangen war von immer neuen Motiven und Details, so ist diese Demut vielleicht der wichtigste begl\u00fcckende Fund, den der Leser aus diesem Buch mitnimmt&#8220;, schreibt Dr. Wolfram Eckloff in seinem Vorwort aus L\u00fcbeck, im August 2020.<\/p>\n<p>Thomas Radbruch schrieb dazu am 10.Dezember 2020: \u201cDie Idee zu dem Projekt, das ich Ihnen heute vorstellen m\u00f6chte, entstand im M\u00e4rz dieses Jahres. Einem Moment, an dem wir alle wieder einmal daran erinnert wurden, dass das Leben endlich ist. Nachdem wir uns erschrocken den &#8222;Konsumschlaf&#8220; aus den Augen gerieben hatten, stellte sich nat\u00fcrlich die Frage nach dem WARUM?? und welche Folgen eigentlich unser offensichtlich naturferner Lebensalltag hat?<\/p>\n<p>In mir, dem kleinen Jungen aus den Tr\u00fcmmerlandschaften der St\u00e4dte, hatte an der Hand meiner Mutter 1949 die erste Begegnung mit der \u00fcberw\u00e4ltigenden Natur des Brodtener Ufers lebenslang pr\u00e4gende Bilder und Erinnerungen hinterlassen. Zu der Zeit ein Ort an der Kante eines in seinen Grundfesten traumatisierten Landes auf der Suche nach Frieden.<\/p>\n<p>Heute siebzig Jahre sp\u00e4ter im M\u00e4rz 2020 sitze ich wieder am Rande unserer Welt&#8230;. Das Corona-Virus hat uns gerade aus dem gewohnten Fortschrittsraum gerissen und deutlich gemacht, dass der Mensch kein<\/p>\n<p>isolierter Organismus ist, der mit der von ihm entwickelten Technik seine Zugeh\u00f6rigkeit zum \u00d6kosystem dieses Planeten ignorieren kann!<\/p>\n<p>Da ich wenige Tage zuvor mit der Ausstellung &#8222;20 ways to leave your smartphone&#8220; in Hamburg gescheitert &#8211; die Ausstellung fiel just in den Tag des lockdowns &#8211; und durch die rettende Rolle des Smartphones in der durch CORONA auftretenden Notlage nat\u00fcrlich auch mein satirischer Blick auf das Thema einfach verdampft und von der Wirklichkeit \u00fcberholt war!<\/p>\n<p>Es entstand dann am Brodtener Ufer, das mir in schwierigen Lebenssituationen schon oft eine Zuflucht war, die Idee, von IHM und der heilenden Wirkung seiner wilden Natur zu erz\u00e4hlen!<\/p>\n<p>Ich stelle mir vor, dass ein Bericht \u00fcber dieses 10-monatige Projekt und dem daraus entstandenen Bildband f\u00fcr die Zuschauer etwas Freude in unsere au\u00dfergew\u00f6hnliche Situation und die dunkle Jahreszeit bringen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die Lyrik von Silke Thoemmes ist ausdrucks-, gehaltvoll, bilderreich, feinsinnig, ausgefeilt, erlesen, seraphisch, ausgewogen, ausziseliert, harmonisch, partiell mystisch-entr\u00fcckt, existenzialistisch orientiert und philosophisch inspiriert. Sie erreicht mit ihrer k\u00fchnen Metaphorik und klassischen Bez\u00fcgen eine kosmologische Dimension. Die Gedichte sind von einer extremen Abbreviatur gepr\u00e4gt und enthalten reizvolle surreal\u00edstische und expressionistische Wendungen und Neologismen, Archaismen, Alliterationen, Montagen, Collagen und eine eindrucksvolle Goethe- Anspielung. Pointilistisch gestaltet die K\u00fcnstlerin originelle, phantasievolle und schwebende Wortlandschaften mit einem Feuerwerk an Ideen. Sie verdichtet manierierte, stilisierte und pittoreske lyrische Impressionen zu einem interessanten phantasmagorischen Mosaik. Die Schriftstellerin leuchtet ph\u00e4nomenologisch orientiert in das Wesen der Dinge hinein. Die pointierten Poeme beinhalten auch subtile Wortspiele und Paradoxien. Die Lyrik ist intellektuell, akrobatisch, artifiziell und psychologisch reizvoll. Tief- und hintergr\u00fcndig mutet sie zum Teil kafkaesk an und ist auch theologisch ausgerichtet. Stimmungsreich und geheimnisvoll spricht die Dichterin auch den Weltschmerz und den Vanitas-Gedanken aus. Das Meer wird ornamental und dekorativ zu einer faszinierenden Metapher mit einer beachtlichen Arbitrarit\u00e4t, beeindruckenden Panoramen und Idyllen und einer virtuellen Realit\u00e4t generiert. Die lyrische Wesensschau ist auch von Traum und Trance und einer H\u00f6lderlinschen Sprachgewalt gekennzeichnet. Silke Thoemmes nimmt die Welt sehr intensiv wahr.<\/p>\n<p>Philosophische und literarische Bez\u00fcge zu Nietzsche und Heidegger sind evident.<\/p>\n<p>Tina Webler schreibt in ihrem aufschlussreichen und informativen Exkurs &#8222;Umbruch, Wandel und das Gef\u00fchl von Freiheit&#8220;- &#8222;Tony Buddenbrook und das Brodtener Steilufer&#8220; anschaulich und lebendig. Die Prosa<\/p>\n<p>ist von einem intensiven Erz\u00e4hlsog gepr\u00e4gt. Der Autorin gelingen beachtliche Psychogramme. Sie gef\u00e4llt durch genaue Beobachtung und \u00fcberzeugt auch im Deskriptiven. Tina Webler hatte vor allem auch mit Blick auf den Roman &#8222;Buddenbrooks&#8220; und den Essay &#8222;L\u00fcbeck als geistige Lebensform&#8220; akribisch recherchiert und verbindet virtuos und brillant Wissenschaftlichkeit und Literarizit\u00e4t. Eine Analogie zwischen den Gedanken des jungen Morten Schwarzkopf, der als Student im Untergrund gegen den Adel rebelliert, und die markante, nat\u00fcrliche Kulisse des Brodtener Steilufers, in denen Umbruch und Wandel eindrucksvoll symbolisiert werden. Tony lasse sich jedoch nicht darauf ein, auf Morten, auf die Weite und die unberechenbare Sch\u00f6nheit des Brodtener Ufers. Sie solle dies f\u00fcr den Rest ihres Lebens aus tiefstem Herzen bedauern. F\u00fcr Tony h\u00e4tte sich alles \u00e4ndern k\u00f6nnen. So wie das Brodtener Steilufer, das sich seiner Natur folgend und von den rauen Gezeiten bedroht, stetig \u00e4ndert und doch- wild und unverwechselbar bleibe.<\/p>\n<p>&#8222;AN DER KANTE&#8220;<br \/>\nDAS BRODTENER UFER<br \/>\nThomas Radbruch<br \/>\nVERLAG AN DER KANTE<br \/>\nThomas Radbruch<br \/>\nKleine Altef\u00e4hre 17<br \/>\n23552 L\u00fcbeck<br \/>\nPreis: 39 Euro<\/p>\n<p>Produziert von:<br \/>\nPORTANDI<\/p>\n<p>Thomas Radbruch richtete seinen herzlichen Dank an die Possehl-Stiftung und an alle, die ihn bei der Arbeit an diesem Projekt unterst\u00fctzt haben.<\/p>\n<p>Layout:<\/p>\n<p>Thomas Radbruch<br \/>\nAndreas Lahn<br \/>\n1. Auflage: 2020<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von: Lutz Gallinat &#8222;Der Fotograf Thomas Radbruch entf\u00fchrt uns mit der Lyrik von Silke Thoemmes und einem Exkurs zu Thomas<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","footnotes":""},"categories":[20],"tags":[21859],"class_list":["post-428699","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-besondere-neuigkeiten","tag-an-der-kante-das-brodtener-ufer-thomas-radbruch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/428699","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=428699"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/428699\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":428701,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/428699\/revisions\/428701"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=428699"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=428699"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=428699"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}