{"id":429297,"date":"2022-07-21T16:44:34","date_gmt":"2022-07-21T14:44:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hier-luebeck.de\/?p=429297"},"modified":"2022-07-21T16:44:34","modified_gmt":"2022-07-21T14:44:34","slug":"fraktion21-zweifelt-am-nutzen-von-smart-city-und-fordert-mehr-buergerbeteiligung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hier-luebeck.de\/index.php\/fraktion21-zweifelt-am-nutzen-von-smart-city-und-fordert-mehr-buergerbeteiligung\/","title":{"rendered":"Fraktion21 zweifelt am Nutzen von Smart City und fordert mehr B\u00fcrgerbeteiligung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Wolfgang-Liedtke-F21.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-429298 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Wolfgang-Liedtke-F21.jpg\" alt=\"\" width=\"713\" height=\"475\" srcset=\"https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Wolfgang-Liedtke-F21.jpg 600w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Wolfgang-Liedtke-F21-320x213.jpg 320w, https:\/\/hier-luebeck.de\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Wolfgang-Liedtke-F21-550x367.jpg 550w\" sizes=\"auto, (max-width: 713px) 100vw, 713px\" \/><\/a>B\u00fcrgermeister Lindenau will L\u00fcbeck zu einem bundesweiten \u201eFirst-Class-Player\u201c bei der Schaffung einer digitalen Infrastruktur formen. Die Fraktion21 zweifelt schon aus grunds\u00e4tzlichen Erw\u00e4gungen am Nutzen dieser Idee. Jedenfalls wird die Umsetzung dieser Idee nicht gelingen, wenn Lindenau die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger nicht st\u00e4rker an der an der inhaltlichen Gestaltung und Umsetzung seines Lieblingsprojekts beteiligt. Hierzu erkl\u00e4rt der digitalpolitische Sprecher der Fraktion21, Wolfgang Liedtke:<!--more-->\u201eDer Begriff \u201eSmart City\u201c ist zu einem Mantra geworden, mit dem Unternehmen seit einigen Jahren auf Kommunen einwirken, um ihre technologischen Entwicklungen anzupreisen. Smart Cities sind mit digitaler Infrastruktur ausgestattet. Sensoren im \u00f6ffentlichen Raum, Kameras und Messstationen sollen m\u00f6glichst \u00fcberall installiert werden.<\/p>\n<p>B\u00fcrgermeister Lindenau lie\u00df sich j\u00fcngst f\u00fcr eine neue Digital-Plattform feiern (siehe auch L\u00fcbecker Nachrichten vom 25.06.2022: \u201eEine Smart-City-Plattform f\u00fcr L\u00fcbeck \u2013 Neu und digital: B\u00fcrger k\u00f6nnen sich bei der Hansestadt \u00fcber Parkpl\u00e4tze, Wassertemperaturen und mehr informieren\u201c). Niemand hat etwas gegen eine intelligente M\u00fclltonne, gegen die fl\u00e4chendeckende Kontrolle des \u00f6ffentlichen Raums aber schon.<\/p>\n<p>Bevor viel Geld ausgegeben wird, sollte genau beschrieben werden, welche Probleme durch teure IT-L\u00f6sungen gel\u00f6st werden sollen. Analoge Intelligenz reicht oft aus. Um festzustellen, dass der flie\u00dfende Verkehr in einer Stra\u00dfe oder einem Viertel ins Stocken ger\u00e4t und dass die Luftqualit\u00e4t nicht optimal ist, muss man nicht die ganze Stadt mit Messstationen ausstatten. Ein warnendes Beispiel f\u00fcr \u00fcberbordenden Technologie-Wildwuchs ist die kanadische Metropole Toronto: Sie musste ihr Smart-City-Projekt aufgeben. Der Widerstand richtete sich dabei nicht gegen die architektonischen Pl\u00e4ne, sondern bei den Verantwortlichen reifte die Erkenntnis, dass das Smart-City-Konzept insbesondere auf einer ma\u00dflosen Datensammlung beruhte, die kaum pers\u00f6nliche Privatsph\u00e4re erm\u00f6glichte.<\/p>\n<p>Doch welche Erwartungen haben eigentlich die L\u00fcbeckerinnen und L\u00fcbecker an eine Smart City? Interessiert sich der B\u00fcrgermeister \u00fcberhaupt f\u00fcr deren W\u00fcnsche und Vorstellungen?<\/p>\n<p>Seit dem 30.01.2020 hat die Hansestadt L\u00fcbeck ein Rahmenkonzept f\u00fcr eine Digitale Strategie. Als erste konkrete Ma\u00dfnahmen und Pilotprojekte werden dort Ideen f\u00fcr eine umfassende B\u00fcrgerbeteiligung genannt: Zentrale Beteiligungsveranstaltungen mit allen Akteur:innen, Aufsuchende Partizipationsangebote, Gr\u00fcndung eines Beirates \u201eL\u00fcbeck digital\u201c.<\/p>\n<p>Bei der Umsetzung dieser B\u00fcrgerbeteiligungsformate hapert es jedoch gewaltig.\u00a0 Mehr als 2 Jahre hat es gebraucht, bis sich \u00fcberhaupt der neue Beirat L\u00fcbeck Digital Mitte Juni 2022 im L\u00fcbecker Rathaus konstituiert hat. Von den anderen angek\u00fcndigten\u00a0 Beteiligungsformate bislang keine Spur. Es bleibt zu hoffen, dass der Beirat f\u00fcr den B\u00fcrgermeister mehr als ein blo\u00dfes digitales Feigenblatt sein wird. Den Menschen in L\u00fcbeck darf das Smart-City-Konzept nicht von oben \u00fcbergest\u00fclpt werden. Keinesfalls darf es zum pers\u00f6nlichen Prestigeprojekt des B\u00fcrgermeisters mutieren.<\/p>\n<p>Beispiele aus anderen St\u00e4dten (Bamberg und Hamburg) zeigen, dass es auch anders geht:<\/p>\n<p>In Bamberg zum Beispiel hat man sich mehrere Monate damit besch\u00e4ftigt, wie man Aufmerksamkeit f\u00fcr das Thema schaffen und gleichzeitig die Ideen und Meinungen der Bev\u00f6lkerung mit einflie\u00dfen lassen k\u00f6nnte. Nach zahlreichen Eintr\u00e4gen auf einer Ideenplattform und bei einem B\u00fcrgerbeteiligungsevent sowie einer Vielzahl von \u201eB\u00fcrgergespr\u00e4chen\u201c, einem guten Dutzend \u201eRunder Tische\u201c und einem \u201eHackathon\u201c (einer gemeinsamen Software- und Hardwareentwicklungsveranstaltung) liegt Smart City Bamberg nun ein gro\u00dfer Pool an Vorschl\u00e4gen und Impulsen vor. B\u00fcrgermeister Lindenau sollte diesen Beispielen folgen.\u201c<\/p>\n<p>Der Vorsitzende der Fraktion21, Wolfgang Neskovic, erkl\u00e4rt abschlie\u00dfend: \u201eDie Idee von Smart City offenbart ein Grundproblem des digitalen Zeitalters: Rechtfertigen die versprochenen Vorteile, die eine vernetzte Welt erm\u00f6glichen soll, die Nachteile, die mit dieser Technik untrennbar verbunden sind? Wollen wir wirklich eine multifunktionale Stra\u00dfenlaterne, die nicht nur Licht spendet, sondern zum Beispiel auch \u00fcber die Funktionen Video\u00fcberwachung, Fu\u00dfg\u00e4nger-Erkennung, Kfz-Kennzeichenleser, Umweltsensoren und einen Location-Beacon zum Erfassen der Position verf\u00fcgt? Wollen wir ernsthaft solche Techniken einsetzen? Sind wir davon \u00fcberzeugt, dass sie unsere Stadt lebenswerter machen und uns mehr b\u00fcrgerliche Freir\u00e4ume erm\u00f6glichen?<\/p>\n<p>Wer solche Hoffnungen hegt, vergisst: Daten sind im digitalen Zeitalter ein wertvolles \u00f6konomisches und politisches Gut. Die Voraussetzung f\u00fcr die Smart City, die Grundlage ihrer Organisation ist es, von jedem B\u00fcrger in Echtzeit immer zu wissen, wo er sich befindet und was er tut, um aus unterschiedlichen Motiven auf sein Verhalten Einfluss nehmen zu k\u00f6nnen. Der gl\u00e4serne B\u00fcrger ist die DNA der Smart City. St\u00e4dte werden von Orten kommunaler Demokratie zu \u00fcberwachten Zonen umgebaut. In Toronto haben die Menschen diese Problematik gesehen und das Projekt abgebrochen. Wird L\u00fcbeck diesem Beispiel folgen?\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00fcrgermeister Lindenau will L\u00fcbeck zu einem bundesweiten \u201eFirst-Class-Player\u201c bei der Schaffung einer digitalen Infrastruktur formen. 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